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r. lf>9.

Marburg, Mittwoch, 25. August 1880.

xv. Mrgaiig

OliccheWk ZkitU

Eva.

Novellette von E. Reisner.

(Fortsetzung)

Kennen Sie denn meinen Onkel, Menzel? fragte lachend der Kaufmann. m ,,

Freilich kenn' ich ihn - ihn und fernen Weinkeller I war die Antwort.Unser Alter in Mcllwitz, unser Post­meister, fuhr ja oft Sonntags nach LiebenstLdt war da mit dem Senator und dem alten Justitiarius befreundet wie hieß er doch Schwarz nicht?"

Jawohl er ist vor ein paar Monaten gestorben, berichtete Holm.

Oh der alte Schwarz?" bedauerte Jener.Schade, war ein fideles HauSl Nun, und fein Nachfolger?

Kenne ihn nicht, war lange nicht in LiebenstLdt. Aber wie kamen Sie zu meinem Onkel, Menzel?"

Nun, durch unfern Alten eben, der mich und meinen Kollegen abwechselnd mitzunehmen pflegte; mußte ja Einen haben, der ihn über den Liebenstädler Markt fuhrt« und in den Wagen hob, wenn Ihres Onkels Oberungar gar zu arg in Hirn und Adern rumort«, denn d« alte Schwarz hatte mit sich selber zu chun! O Hrmmel, war das ein lustiges ConviviumI"

So plauderte er fort. Hätte Holm seinen alten, wacke­ren Onkel nicht besser gekannt, besten ehrwürdige« Bild wär' ihm fortan minder ehrwürdig erschienen. Er wußte aber, wieviel aus Rechnung des Glühweins, der MenzelS stets lose Zunge noch mehr gelöst, zu schreiben war, und ließ sich nicht irren. Die jungen Männer trennten sich, als des Expedienten Dienststunde herannahte, t in bester Laune; Holms wiederholtes Versprechen, beim

Buchdruckerei) »ejogen 31 ""^Vbet embUion ju ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werde» SS PfS. berechnet-

»«.eigen nimmt tmgegen: ^Expedition d.vlatte», topie d.Annoncen-Bureauk Ln Th, Dietrich & Co. in gefiel und Hannover; Th. xietrich in Frankfurt a.M.; Bsenstein & Bogle« in ikfurt a. M., Berlin, »ig, Cöln tu; Rudolf Sofie in Berlin, Frank- tuet o. M- re.

Deutsches «eich.

Berlin, 23. August. Die gegenwärtige Organi­sation des Generalstabes zerfällt 1) ,in den großen Gene­ralstab und 2) in den Generalstab bei den Truppen-Kom- mando's. Der Generalstab besteht aus einem Chef des Generalstabes der Armee, 19 Abteilungschefs des großen Generalstabes, aus Chefs des Generalstabes bei den General-Kommando's und den Generalinspektionen der Artillerie mst dem Range und den Kompetenzen eines Regiments-Kommandeurs, 59 Stabsoffizieren und 32 Hauptleuten. Ferner befinden sich bei jedem Generalkom­mando 1 Chef des Stabes, 1 Stabsoffizier, 1 Hauptmann, bei der Generalinspektion der Artillerie 1 Chef des Stabes und bei jeder Division 1 Stabsoffizier und Hauptmann. Aus den nicht bei den Truppen-Kommandos eingeteilten Generalstabsoffizieren wird der große Generalstab gebildet, der mit dem Chef deS Generalstabes seinen Sitz in Berlin hat. Die Deckung aller Manquements bei dem Truppen- Generalstabe erfolgt in der Regel durch Offiziere des großen Generalstabes: Bayern, Württemberg und Sachsen haben je ihren besonderen in sich abgeschlossenen General­stab. Auswärtigen Blättern zufolge ergaben die bei dem Justizministerium eingehenden Dispensationsgesuche, daß Standesbeamte nicht selten für zulässig erachten, entgegen der Vorschrift des § 45 des Reichsgesetzes vom 6. Februar 1875, das Aufgebot zu erlassen, obwohl ihnen bekannt ist, daß der Eheschließung ohne Aufgebot ein noch nicht beseitigtes gesetzliches Verbot entgegensteht. Auf die Zuverlässigkeit dieses Verfahrens und auf die Nachteile, welche aus demselben für die Beteiligten hervorgehen können, sind neuerdings die Behörden seitens deS Mini­steriums hingewiesen worden. Zum Auflösungsprozeß der liberalen Partei ist heute folgendes mitzuteilen: In einer vor seinen Danziger Wählern gehaltenen Rede teilte Rickert das bevorstehende Ausscheiden deS linken Flügels aus der nationalliberalen Fraktion mit und hob die That- sache hervor, daß seit der neuen Wirtschafts-- und Steuer­politik, andererseits auch über in wichtigen Sachen einzu­schlagenden Wege erhebliche Meinungsverschiedenheiten in der Fraktion beständen. Der distentierende Teil derselben plaidierte für die Bildung einer großen liberalen Partei. Der Liberalismus müsse sich wieder auf sich selbst stellen und Vertrauen zu seiner Sache fassen. Die Führer deS linken Flügels rechnen darauf, daß 30 bis 35 Mitglieder der jetzigen liberalen Fraktion ihnen folgen werden. Nach einer von uns aufgestellten Liste können zu den Secessionisten gezählt werden die Abgg. Dr. Bamberger, Dr. Blum, Dr. Böttcher, Dr. Braun, Dr. Büsing, v. Bunsen, Dr. Dernburg, v. Forckenbeck, Gareis, Holtzmann, Jäger, (Nord­hausen), LüverS, Lipke, Jegel, Pflüger, Rickert, Rogge- mann, Schlieper, Dr. Sommer, Frhr. v. Stauffenberg, Struve, Dr. ThileniuS, Westphal, Witte, (Mecklenburg)

Worte waren unterstrichendie Reise hierher antreten zu wollen." Die Handschrist war ziemlich undeutlich, der Name gar nicht zu entziffern, indeß ließ die beigefügte Be­zeichnungJustitiar" keinen Zweifel über die Person deS Briefschreibers zu. _, _ _

Holm war tief und schmerzlich erschüttert. Onkel Horst war ihm, dem Frühverwaisten, ein zweiter Vater gewesen, seiner Sorge dankte er eine tüchtige Ausbildung, seiner Unterstützung mit Rat und That eine gesicherte, ehrenvolle Existeuz. Und nun der Zustand deS Kranken muhte im höchsten Grade gefahrvoll sein, da er nach dem Neffen verlangte; er pflegte gewöhnliche Krankheitsanfälle, wie sie den hochbejahrten Mann wohl mitunter heimsuchten, mehr als leicht zu nehmen. So galt denn kein Zögern; ein paar Stunden später befand sich Holm bereits auf dem Bahnhofe.

Es war fatales Reisewetter; der scharfe Frost der letzten Tage hatte plötzlich wieder in Thauwind umgesetzt, der in einzelnen hohlen Stößen über Straßen und Felder fegte; die Schneedecke der letzteren erschien bereits in mattem, trostlosem Grau der schauderhaftesten Färbung die geben kann. Dergleichen wird freilich leicht übersehen, rotnu am Reiseziel die freundliche Perspektive eines heitern Empfanges, Heller, erwärmter Zimmer, fröhlicher Menschen- gesichler winkt, aber beim Hinblick auf ein einsames Kranken­oder Sterbebett, einen erschütternden Abschied für's Leben --vielleicht auch war es dafür schon zu spät!

Bis nach Wellheim, auf der Hälfte deS Weges, fand sich wenig Zeit zu solchen Erwägungen; der Zug war stark besetzt, viel Lärm und Getöse um unseren Reisenden her. Wie er aber dann, der einzige Pastagier der alten Postkalesche, die ihn nach dem noch drei Metten entfernten

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte« sowie b. Amwncen-Bureour von S- L- Daube & Co. in Frankfurta.M; Jägerffche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalideudank in Berlin; W- Thiene« in Slberfeld- C. Schlotte in

Bremen-

halten will und den Krieg verabscheut. Wir bedauern, daß der kriegerische Geist, welcher unseren Nachbar heute wie seit 300 Jahren beseelt, uns zwingt, unsere Sicherheit in einem starken schlagfertigen Heere zu suchen. Mehr als Sicherheit suchen wir nicht, aber wir haben den Willen und das Vertrauen, sie zu finden.

DieA. Post-Ztg." schreibt: Eine österreichische Cor- respondeuz teilt unS vonautorisierter Seite" folgendes mit:Fürst Bismarck wird am 30. August von Kissingen in Gastein zu einer mehrwöchigen Kur eintreffen. Zugleich wird ein Abgeordneter der Curie (Cardinal Hergenröther, der im September nach Gastein geht, ist es nicht; vielleicht Cardinal Howard?) sich nach Gastein begeben und dort durch mehrere Tage verweilen, um gemäß einem vom Für­sten Bismarck in vertraulicher Weise der Wiener Nuntiatur bekannt gegebenen Wunsche in der kirchen politischen Frage Pourparlers zu pflegen. Es handelt sich hierbei darum, der jüngst vom preußischen Landtag angenommenen Kirchen- Vorlage, welche in ihrer jetzigen Fassung weder den Wün­schen der Katholiken noch den Intentionen der preußischen Regierung entspricht, auf Grund eines Einverständnisses mit der Curie im Verordnungsweg eine solche Fassung zu geben, daß sie die Rückberufung der Bischöfe und die Wieder- Besetzung der verwaisten Pfarreien ermöglicht. Pronuntius Jacobini hat in den letzten Wochen wiederholte Besuche aus dem deutschen Botschaftshotel erhalten und sich auch letzthin einer Persönlichkeit der katholischen Rechtspartei gegenüber ausgesprochen, daß neuerliche Annäherungsversuche von Berlin aus gemacht wurden." Wie im Verordnungswege dem neuen Kirchengesetz eine andere Fassung gegeben wer­den soll, ist nicht begreiflich. Im übrigen wird vorstehende Mitteilung in der Hauptsache Anspruch auf Glaubwürdig­keit machen dürfen.

Es ist mit Sicherheit anzunehmen, daß die Reichs- Regierung sich demnächst der Förderung deS JnnungS- wesens mit besonderem Eifer zuwenden wird. Bereits sind allerlei Anordnungen bezüglich Zusammentragung von älterem und neuerem Material und weiterer Erhebungen getroffen, welche als Anzeichen dafür angesehen werden können. Auf eingegangene Petitionen in dieser Beziehung hat man in letzter Zeit auch ersichtlich besonderen Wert gelegt. Gesetzvorschläge würden sich, wie man hört, in der Richtung der von den Conservativen in der letzten Reichs­tagssession angenommenen Haltung bewegen und nament­lich auf die Errichtung von Gewerbekammern hinwirken. ES fehlt übrigens auch nicht an Summen in den maß­gebenden Kreisen, welche sich für Zwangsinnungen erklären, doch sieht man ein, daß man damit nicht auf die Zustim­mung selbst der conservativen Fraktionen im Reichstage zu rechnen haben würde.

Casinoball nicht zu fehle,i, wurde aber von Jenem mit einem so übermütig-leichtfertigen Gelächter ausgenommen, daß der Doktor ihn spottend ermahnte, nicht zu früh zu krähen, und einstweilen, im Hinblick auf die riskierte Wette, hübsch sparsam zu leben.

Damit hält' eS nun eigenllich wenig Gefahr gehabt. Schon im Lauf der nächsten Tage war dem jungen Kauf­herrn, der, unbeschadet seines sonstigen Phlegmas, ein eif­riger Geschäftsmann war, der fröhlich verlebte Abend samt dem vielbesprochenen Castnoball gänzlich aus dem Sinn gekommen, und erst der Ressourcendiener, der ihm die Sub- scriptionSliste vorlegte, frischte di- Erinnerung daran einigermaßen wieder auf. Dann aber folgte eine Zeit ge­schäftlicher Aufregung, veranlaßt durch daS Fallissement eine« zu ihm in mehrfacher Beziehung stehenden Hauses; Sorgen und Arbeiten nahmen chn in erhöhtem Maße in Anspruch mit einem Wort: der letzte Tag vor dem Ball war gekommen, Holm hatte keinen der beiden Freunde wiedergesehen, und daS Fest samt der schönen Eva rein vergessen. Menzel konnte seines Triumphes eines dop­pelten vielleicht sicher sein.

Da fand sich am Mittag unter den Postsachen, dte dem Chef in hergebrachter Weise aufs Pult gelegt wurden, ein Brief er trug das PostzeichenLiebenstLdt," die Adresse aber war von fremder Hand. Holm griff mechanisch gleich zuerst darnach und erbrach ihn in banger Ahnung.Im Auftrage Ihre« Herrn Onkels," so lautete der Inhalt, soll Ew. Wohlgeboren ich dte Mitteilung machen, daß ; derselbe, seit mehreren Tagen bedenklich erkrankt, den drin­genden Wunsch hegt, seinen nächsten und liebsten Anver- , wandten hier zu sehen, weshalb Ew. Wohlgeboren ich er-

i suche, wenn irgend möglich, ohne Aufschub" dir

Bestellungen für den Monat September auf die

Sberhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

MustvirteS Sonntagsblatt bitten wir baldigst bei den Postanstalten machen zu wollen.

WM- Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Dte Exped. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

DieNorddeutsche Allgemeine Zeitung" hebt in einem Leitartikel bezüglich der Auslassungen Gambetta S in Cher­bourg hervor: die Aeußerungen Grövy'S und Freycinet S in Dijon und Montaban geben zu lebhafter Befriedigung die Gewißheit, daß in der auffälligen Rede des Kammer­präsidenten nicht Frankreich, sondern Gambetta persönlich gesprochen. Der Artikel beleuchtet sodann den Begriff der von Gambetta angerusenen Gerechtigkeit, welche sich aus die Raubkriege Ludwigs XIV. und auf die Schwäche und innere Zerrissenheit Deutschlands gründe, erinnert ferner an die seit 200 Jahren von Frankreich in Deutschland ge- machten Einfalle. Bisher schienen die Staatsmänner der französischen Republik in richtiger Würdigung der Thatsache, daß die Mehrheit auch der französischen Nation sich kaum je für einen Krieg erwärme, zu welchem sie nicht durch einen Angriff gezwungen sei, ihrerseits friedlichere Wege zu gehen als die Bourbonen und bonapartisttschen Kaiser. Namentlich hatte Gambetta sich den Ruf eines Freundes man kann fast sagen einer Bürgschaft deS Friedens erworben. Wenn nun die Rede vom 9. August zeigt, daß er diesem Rufe entsagt, so habe dies in Deutschland zwar keine Panique", aber doch Verwunderung und aufrichtlgeS Bedauern erregt. Deutschlands Politik wird deshalb genau so friedliebend bleiben wie bisher. Aber dem Vertrauen auf die Dauer des Friedens hat die Kundgebung Gam- betta's einen harten Stoß versetzt. Wir sehen in Folge derselben nicht etwa Verwickelungen voraus, aber jene Kundgebung beweist doch, daß die Kriegöpartet auch unter den Republikanern bedeutende Anhänger hat. Wolle das republikanische Frankreich unter Gambetta'S Führung die Traditionen Ludwigs XIV. und XV., Napoleons I und III. uns gegenüber sortsetzen, so müssen wir uns leider mit dem Gedanken vertraut machen, daß der Friede aus der Westgrenze unsicher bleibt. Nur muß die friedliebende Mehrheit beider Nationen wissen, wer den Frieden heute bedroht. Deutschland wird nicht müde werden, in seiner nationalen Politik den Beweis zu liefern, daß cS Frieden