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gtr. 196.

Snreigen nimmt emgegen: rtt Expedition d.vlattt», Mieb-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in jkaffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Laasenstein & Bögler in Frankfart a- M., Berlin. Leipzig, LSln re.; Rudolf Noste in Berlin, Franl- ftrrt a. M. re.

fllaröurg, Sonnabend, 21 August 1880.

XV. Iahrgaig

GttMlhc Miing

ünzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d-Annoncen-Bureaur von ®. L Daube & Co. in Frankfurt a. M; JSgerffche Buchhandlung befettHj; Hermann'sche Buchhaudl. daselbst; Juvalidendauk in Berlin; W- XhieneS t* Merfeld- 6. Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Senn- uh» Feiertagen- Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageZüustrirteS Sonntags» latt" durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen % Wart, durch die Postämter des Deutschen Reiche» 3 Wart 50 Pf,, (erd. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf«, berechnet-

Zur deutsche« Auswanderung. - L

Die Gesamtzahl der deutschen Auswanderer aus deut­schen Häfen und aus Antwerpen hat, nach Angaben des statistischen Amtes des deutschen Reiches, während der ersten sechs Monate dieses Jahres bereits die Summe von 50,343 Personen (30,749 männliche, 19,693 weibliche) erreicht. Die Gesamtzahl ist, wie das staiistische Amt berichtet, die höchste seit den letzten sieben Jahren. Eine andere Nach­richt über die Auswanderung liegt aus Bremen vor; über diesen Ort sollen im ersten Halbjahr 42,596 Personen gereist sein, gegen 11,117 im Vorjahre während derselben 6 Monate. Diese hohen Zahlen haben in vielen Kreisen in Beziehung auf die Gefahr einer Entvölkerung lebhafte Besorgnisse erregt, obwohl es feststeht, daß sie schon mehrere Male noch größer gewesen sind. Eine Berliner Zeitung bemühte sich nun kürzlich, jene Besorgnisse zu zerstreuen, indem sie hervorhvb, daß die Auswanderung im allgemeinen als ein unbedingtes Uebel wenigstens so lange nicht be­zeichnet werden könne, als jene Auswanderer den Zu­sammenhang mit dem Muttcrlände nicht verlieren, sondern in nationalen und wirtschaftlichen Beziehungen zu demselben bleiben. Ferner behauptet das Blatt, die jetzige Wieder­belebung der Auswanderungslust, die in den vorhergegan­genen Jahren der Geschäftsstille sehr unbedeutend gewesen war, sei zum bei weitem größten Teile dem Wiederauf­blühen der Geschäftsthätigkeit in den Vereinigten Staaten zuzuschreiben, die ja bisher das Reiseziel der allermeisten unserer Auswanderer geblieben sind. Endlich sagt das Blatt, es sei wohl anzunehmen, daß die Auswanderung in der zweiten Hälfte dieses Jahres nicht ganz so zahlreich fein werde, als in der ersten, da erfahrungSmäßig die meisten Auswanderungen im Frühjahre stattfänden und der Andrang zu den Schiffen sich gewöhnlich nur noch im September und Oktober wiederholt. Die Gesamtzahl des lausenden Jahres werde somit vermutlich 100,000 nicht erreichen, also hinter der Auswanderungsziffer der Jahre 1872 und 1873, wo 125,650 und 103,638 Auswanderer zu verzeichnen waren, um ein Beträchtliches Zurückbleiben. Abgesehen nun davon, daß diese Annahme leicht täuschen kann, da schon Nachrichten vorliegen von einem wieder eingetretenen neuen Aufschwung der Auswanderung, liegt darin, sofern wir die Auswanderung als ein Uebel ansehen müssen, nur ein geringer Trost, daß die Zahl der Aus­wandernden diejenige früherer Jahre nicht erreichen werde; denn es kommt weniger darauf an, wie viele Personen auS dem Lande wegziehen, als darauf, was das für Leute sind, die das Land verlassen, und welches die Ursachen sind, warum sie gehen, und ob die allgemeine Volkswohlfahrt durch solch massenhaftes Weggehen geschädigt wird.

Wenn das massenhafte Auswandern eine Krankheit am ......- j ..«szsasaaasass 7 r------rr-------------TI -----

Die Ruine des FraaeubergS ««weit Marburg.

Von K. W. Jnsti, weiland Professor und Superintendent zu Marburg.

(Aus dem Joumal von und für Deutschland Jahrg. 1'88.) (Fortsetzung)

Bei der Betrachtung dieser Ueberreste möchten nun wohl sehr natürlich folgende Fragen entstehen:Wer gab euch Mauern euer erstes Dasein? Was war eure Be­stimmung? Bliebt ihr derselben getreu oder nicht? Ver­fielt ihr euch selbst überlassen, nach und nach in Schutt, ober waren andere Umstände Ursache eures Ruins? und warum seid ihr bis auf einige traurige Reste zerstört worden?" Manche dieser Fragen werde ich aus ge­sammelten Nachrichten aufzuhellen suchen.J

Die erste Erbauung dieses, nach den Ruinen zu ur­teilen, vormals schönen Schlosses rührt von der Herzogin Sophie von Brabant her. Man wird mir eine kleine Ausschweifung über das Leben und die Schicksale dieser in vieler Hinsicht merkwürdigen, wachsamen und kriegerischen Fürstin hoffentlich zu gut halten, zumal da diese Nach­richten einiges Licht auf das folgende werfen. Sie wurde geboren im Jahre 1224, und war eine Tochter von Land­graf Ludwig IV. oder Heiligen, und der berühmten heiligen Elisabeth. Im Jahre 1241 wurde sie mit Heinrich V. oder dem Großmütigen, Herzog von Brabant, vermählt und ward die Mutter Heinrichs des Kindes, bei deffen Minderjährigkeit sie die Vormundschaft mit vielem Ruhme führte. Damals war der thüringische Landgraf Heinrich mit dem Zunamen Rispo (1247) ohne männliche Erben gestorben und mit ihm war zugleich der Mannesstamm der bisherigen Landgrafen von Thüringen und Heffen, der von

Bolkskörper ist, so ist das nur ein sehr leidiger Trost, daß diese Krankheit in einigen früheren Jahren noch stärker aufgetreten ist; ebenso wenig kann es uns genügen, zu glauben, daß die Auswanderung durch den Aufschwung der amerikanischen Geschäftsthätigkeit geweckt und gefördert ist, und gleichermaßen kann unS die oben erwähnte Behaup­tung, daß die ausgewanderten Personen in nationalen und wirtschaftlichen Beziehungen zu dem Vaterlande bleiben, durchaus nicht mit der Auswanderung versöhnen. Denn die Behauptung ist ganz falsch. Wie bekannt, assimilieren sich nämlich fast alle Deutsche, die nach Nord-Amerika hinübergehen, und daS sind die meisten, sehr bald den Amerikanern und streifen ihr Deutschtum ab und von wirtschaftlichen Beziehungen, die durch die Ausgewanderten gepflegt und erhalten würden, ist in Deutschland nichts, durchaus nichts zu spüren. Die Ausgewanderten arbeiten nicht für die Heimat; sie liefern, als Deutsche wenigstens, dem Vaterlande keine Bodenprodukte, keine Waren, keine Kunsterzeugnisse; sie entführen höchstens dem Heimatsorte und dem Vaterlande, wie den dort Zurückgelassenen, zu denen sie angeblich in nationalen Beziehungen bleiben sollen, noch zahlreiche Gekdftrmstttn, dke ihkten oft so lange zur Unterstützung zugesendet werden, bis sie in die amerikanische Nation und in das amerikanische Leben aufgegangen sind. Sie pflegen endlich die nationalen Beziehungen nur so weit, als sie viele andere Stammesgenvffen dem Vaterlande entfremden und zu sich herüberziehen.

Dentsches Reich.

Berli«, 19. August. Auf Anordnung deS Ministers deS Innern haben sich bekanntlich die Lanvräte der Pro­vinz Schleswig-Holstein in Schleswig zu einer Kon­ferenz versammelt, um die im Ministerium des Innern ausgearbeitete Kreisordnung für die Provinz Schleswig- Holstein zu begutachten. Dem Vernehmen nach ist der Entwurf das Resultat von Konferenzen, welche vor unge­fähr zwei Jahren im Ministerium des Innern unter Vorsitz des früheren Ministers Dr. Friedenthal stattfanden. Außer letzterem nahmen damals an den Konferenzen teil: der Unterstaatssecretär Bitter, Oberpräsident v. Scheel- Pleffen, Regierungspräsident v. Bötticher, Ober-RegierungS- rat v. Rumohr, die Geh. RegierungSräte v. Brauchitsch und Haase, die RegierungSräte v. Rosen und Zimmler und die Landräte Freiherr v. Plessen, Müllenhof, von WillemonS-Suhm, v. Rosen und v. Harbou. Die Justizbehörden haben neuerdings Anordnungen getroffen, um dem Uebelstande vorzubeugen, daß Mannschaften kurz nach ihrer Einstellung in das Heer aus dem activen Dienst entlassen werden mußten, weil sie sich zur Zeit der Ein­stellung in einer civilrechtlichen Untersuchung befunden hatten, welche Freiheitsstrafen von mehr als sechswöchent­licher Dauer nach sich zog. Es sollen daher Mitteilungen

Ludwig dem Bärtigen herkam, erloschen. Er hatte von seiner Schwester Jutta, welche an den Markgrafen Dietrich von Meissen vermählt war, einen Neffen, Markgraf Hein­rich den Erleuchteten, und von seinem Bruder, Landgraf Ludwig IV. eine Nichte, unsere Sophie, hinterlassen. Jetzt wurden Ansprüche auf die Landgrafschaft Hessen, die Lanv- grafschaft Thüringen und die Grafschaft Thüringen gemacht. Nach altdeutschen Rechten aber ging die Bruderstochter dem Schwestersohne in der Successton vor. Doch pflegte man sich damals nicht so genau an die Regeln und Ge­setze der Feudisten zu binden, und die Kaiser machten sich keine Bedenken, hierin einige Ausnahmen zu machen.

Anfänglich erhielt Sophie ohne Widerrede des meiß­nischen Markgrafen die Landgrafschaft Hessen, und die thüringischen Allodialgüter. Mit der Lanbgrafschaft Thü­ringen aber hatte sich schon 1242 der Markgraf von Meisten, auf den Fall, wenn Heinrich Rapso ohne Erben sterben sollte, vom Kaiser Friedrich II. belehnen lassen, und Sophie machte daher an diese Landgrafschaft keinen Anspruch. Hesten aber und die thüringischen Allodialgüter nahm Sophie für ihren Sohn Heinrich in Besitz, und beide Länder schätzten sich mit Grund glücklich, unter der Regierung einer so klugen Fürstin zu stehen. Gleichwohl gab noch einige widerspenstige Orte und Schlösser in Hesten, welche sich unter Sophiens Herrschaft nicht beque­men wollten. Um nun diese zum gebührenden Gehorsam zu bringen, und anderen benachbarten Herren die Gelegen­heit zu benehmen, sich zum Nachteile Hessens mit diesen ungehorsamen Kämpen zu verbinden, reifte Sophie selbst mit jenen 800 wohlgerüsteten Reitern, welche sie auch nach Thüringen begleitet hatten, nach Oberhessen ab, zerstörte die Burgen dieser widerspenstigen Edelleute und brachte

über Einleitung und Ausfall der amtsgerichUichen Unter­suchungen gegen Ersatzpflichtige, sowie die über Strafvoll­streckung ober Erlaß der erkannten Strafe in allen Fällen an den Civilvorsttzenden der Ersatz-Commission gemacht werden, in denen eine Bestrafung mit Verlust der bürger­lichen Ehrenrechte ober Freiheitsstrafe von mehr als 6 Wochen ober eine entsprechend Geldstrafe zu erwarten ist. Die Amtsanwälte sind angewiesen worben genau auf bie Beobachtung biefer Bestimmung zu halten. Bet Ueberweisungsvergehen erfolgt bie Mitteilung an die gedachten Civilvorsttzenden durch die Staatsanwälte. Mit den Vorarbeiten zum Bau der Westerwaldbahn soll es jetzt ernst werden. Die Wiesbadener Regierung hat, wie berichtet wird, vom Minister der öffentlichen Ar­beiten den Auftrag erhalten, mit den Arbeiten wegen Er­werbs des Grundeigentums sofort zu beginnen, und es ist zu diesem Zweck ein Staatskommissar bereits ernannt. ES sind in Aussicht genommen die Strecken Hadamar-Wester­burg, Westerburg-Hachenburg-Altkirchen und eine Abzwei­gung Rothenbach-Betzdorf. Sobald die Verhandlungen über den Grunderwerb der Strecken Hadamar-Westerburg und Hachenbach-Altenkirchen zu Ende geführt sein werden, soll, womöglich noch in diesem Jahre betreffs dieser beiden Bahn­strecken, dem Landtage die betreffende Kreditvorlage gemacht werden.

Köl«, 16. August. Der Internationale Sängerwett­streit begann, wie schon gemeldet, am Sonntag um 1 Uhr. Mau hatte dazu solgendes System gewählt: Die Vereine waren in Klassen eingeteilt. 4. Klaffe: deutsche Vereine aus Ortschaften unter 3000 Einw. mit mindestens 20 Sängern (41 Vereine), 3. Klasse: deutsche Vereine aus Städten von 300010,000 Einw. mit mindestens 25 Sängern (21 Vereine), 2. Klaffe: deutsche Vereine aus Städten von 10,00025,000 Einw. mit mindestens 35 Sängern (20 Vereine), 1. Klaffe: deutsche Vereine aus Städten über 25,000 Einw mit mindestens 50 Sänger« (16 Vereine.) Je nach der Größe der Städte resp. Ver­eine war auch die Größe der Preise bemeffen, deren für bie Deutschen 24 in Medaillen, Pokalen unb Geld ausge­setzt sind. Die belgischen Vereine stnb in 2 Klassen ein­geteilt; bie zweite besteht aus 4 Vereinen von Städten unter 20,000 Einwohnern; bie erste aus 5 Vereinen von Stäbien über 20,000 Einwohnern. Endlich eine hollän­dische Klasse von 4 Vereinen. Alle diese Klaffen sangen unter sich um die Klassenpreise. Erste Preise erhielten: AuS der IV. Klasse Godesberg (2870 Einw.) Verein Caecilia 23 Sänger, Odenkirchen (2800 Einw.) Kirchen« Gesang-Verein 27 Sänger. III. Klasse NippeS (9586 Einw.) Quartett-Verein 30 Sänger. II. Klasse Innsbruck (18,000 Einw.) Liedertafel 45 Sänger. I. Klasse Dres­den (200,000 Einw.) Liedertafel 48 Säuger. Belgische II. Klasse St. Nikolaus bei Lüttich (5000 Einw.) Societe 1 " W ...............................»

ihre Besitzer zum Gehorsam. Dieselben hatten das ganze Land mit Mord und Plünderungen erfüllt, und hätten gerne Heffen in lauter kleine Teile zerstückt gesehen. Allein Sophie wehrte diesem Unheil auf einmal. Groß- linden unweit Gießen von den großen Linden, die man vormals dort sehen konnte, so benannt sträubte sich ver­geblich, dem jungen Prinzen Heinrich zu huldigen, doch Sophie eroberte 1248 diesen Ort und nötigte ihn, sich ihrer rechtmäßigen Herrschaft zu unterwerfen. Ebenso ver­fuhr sie auch mit den Schlössern Weißenstein, jenseits des Dorfes Wehrda, in der Gegend von Marburg, mit Hollende einen zwischen Wetter und Biedenkopf auf dem hohen Ge­birge gelegenen Schlosse, mit Reichenbach, einem alten Ge­bäude, deffen Lage wir in einem Winkel des RiedforsteS, unweit Lichtenau finden, mit Blankenstein bei Gladenbach und anderen Orten mehr.

So suchte demnach Sophie die innerlichen Unruhen ihres Landes zu dämpfen, und auf eine nicht minder kluge Art wußte sie auch die Nachbarn ihres Landes gegen sich in Ehrfurcht zu setzen. Mainz gehörte unter andern zu den vornehmsten auswärtigen Feinden unserer Fürstin, welches klar aus folgendem Umstande erhellet: die ehe­maligen Besitzer Hessens hatten stets die Belehnung von diesem Erzstift empfangen, und jetzt glaubte eS berechtigt zu sein, sie Sophie vorzuenthalten. Mit Gewalt der Waffen suchte der damalige Erzbischof von Mainz die in Oberhessen liegenden mainzischen Lehen den Allodialerben deS thüringischen Hauses zu entziehen. Allein Sophie wußte den üblen Folgen, die für ihre Staaten hieraus entstehen konnten, vorzubeugen: sie traf die zuverlässigsten Mittel, diese ganze Absicht zu vereiteln, und zerstörte daher das vom Erzbischof von Mainz zu seiner Sicherheit neu-