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gtr. 180.

Marburg, Sonnabend, 14 August 1880.

XV. MkM-

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äpidgen nimmt tmgegen: -ieSxpedittvn d.vlattes, ijtoie d-Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in löffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Loasenstein <L Bögler in Lranifurt a M., Berlin. Leipzig, Löln rc.; Rudolf Koffe i» B-rlin, Frank- furt a. M rc.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d.vlattes sowie dAnnoncen-Bureau; von @. L Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung bflfelbftj; Hermann'sche Buchhaudl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in «lberfeld: E. Schlotte in Bremen.

5üt rn der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 lpfg. berechnet.

Zur Lage in Frankreich.

Frankreich befindet flch gegenwärtig unter der Herrschaft des republikanischen Opportunismus, der Zweckmäßigkeits- Politik Grsvys und Gambettas. Der letztere regiert aber bereits mehr wie der erstere, und es wird nicht lange mehr dauern, bis aus dem jetzigen Kammerpräsidenten der Präsi­dent der Republik wird. Charakteristisch für die neue Re­publik ist, daß sie immer weiter nach links gedrängt wird und mit Riesenschritten seit ihrem Bestehen die Bahn von der konservativen bis zur roten Republik durcheilt; auf dem einmal cingeschlagenen abschüssigen Wege scheint es kein Aufhalten zu geben. Aeußerlich betrachtet, scheint die innere Lage des Landes eine ruhige und die republikanische Regierung bei der Mehrheit der Bevölkerung beliebt zu sein. Die neulich stattgefundenen Generalratswahlen sind überwiegend zu Gunsten der Republikaner ausgefallen, Bonapartisten und Legitimisten haben gegenwärtig nur ganz geringe politische Bedeutung. Die Rückkehr der Kommu­narden, unter ihnen auch die Mörder und Brandstifter, hat ohne Ruhestörungen stattgefunden. Die Ausführung der Märzdekrete ist bis jetzt ohne schlimme Folgen geblieben. Das Nationalfest, die Feier der Republik am 14. Juli, wurde im ganzen Lande mit Begeisterung begangen. Dennoch machen sich bei dieser für die Republik anscheinend günstigen ruhigen Lage doch Anzeichen bemerkbar, die große Befürch­tungen für die innere und äußere politische Situation er­regen müssen. Mit der Republikanisierung des Beamten­standes ist man fertig; auch die Armee ist äußerlich durch die Fahnenverleihung vom 14. Juli republikanisch aus­staffiert. Indessen ist dieselbe weit entfernt, mit dem radi­kalen Bürgertum zu harmonieren. Noch jüngst bekundete der Seepräfekt in Cherbourg seine geringe Achtung vor der radikalen Gemeindevertretung, indem er dieselbe bei dem Feste der Fahnenweihe nicht grüßte. Die Offiziere haben sich noch nicht an den Gedanken gewöhnt, daß jetzt bür­gerliche Autoritäten vor den militärischen den Vortritt haben. Dieses Verhältnis zwischen der Militär- und Civil- Bevölkemng hat aber nur geringere Bedeutung. Weit schlimmer ist die. soziale Gefahr. Hebet ganz Frankreich ist ein Netz von revolutionären Vereinen ausgespannt, welche mit allen Mitteln wieder auf die Kommune hinarbeiten, und dieselben haben bereits nicht geringe Erfolge erzielt. Die Radikalen haben im Parlament eine solche Macht ge­wonnen, daß sie die Politik schon wesentlich beeinflussen. Ihrem Drängen mußte Gambetta nachgeben und die allge­meine Amnestie bewilligen, wollte er nicht fallen gelassen werden und so die Aussicht auf die Präsidentschaft verlieren. Gambetta wird sich auch fernerhin der radikalen Ansprüche nicht entziehen können und so vielleicht ohne seinen Willen immer weiter nach links gedrängt werden. Die Verwelt­lichung des Unterrichts ist in der Durchführung begriffen

und so wird in Frankreich eine Jugend herangezogen, die ohne das leitende Band der Religion nur dem krassesten Egoismus folgt. In radikaler Beziehung bietet die Be­festigung der französischen Republik im Innern so geringe Bürgschaft für eine friedliche Entwickelung, daß sie gerade vor einem unversöhnlichen Kampfe steht, der schon jetzt von dem Kommunisten Rochefort begonnen ist. Diese Entwickelung der französischen Zustände zur roten Repu­blik, zu einer zweiten Kommune, kann aber auf die aus­wärtige Politik einen verhängnisvollen Einfluß ausüben. Das Mittel, durch auswärtige Kriege inneren Wirren aus­zuweichen, ist in Frankreich nicht neu. Die Meinung, daß mit dem Regierungsantritte Gambettas der Revanchege­danke gegen Deutschland sich zur That gestalten werde, ist nicht ohne Berechtigung. Offiziell hat man zwar bis jetzt jede feindliche Kundgebung gegen Deutschland unterdrückt, aber die französische Volksvertretung ohne Parteiunterschied hat mit einer beispiellosen Verschwendung die Armee in eine kampfbereite und drohende «Stellung gesetzt. Und als kürzlich die Regierung in ihrer Orientpolitik eine solche Haltung annahm, daß eine Verwendung des Heeres im Orient nicht unwahrscheinlich erschien, da wurde es allge­mein und offen ausgesprochen, daß man diese Politik nicht billige und die Thätigkeit der Armee für einen anderen Zweck aussparen müsse. Der sozialen Revolution und einem Revauchekrieg gegen Deutschland, diesen beiden Ge­fahren scheint die französische Republik zuzutreiben. Gam­bettas Rede in Cherbourg bietet mehr als einen Anhalts­punkt hierfür.

Deutsches Reich.

Berlin, 12. Aug. Kaiser Wilhelm traf heute früh um 83/i Hhr wohlbehalten auf der Station Großbeeren ein und be­gab sich von da zu Wagen nach Babelsberg, wo der Kaiser ' von der Kaiserin und sämtlichen anwesenden Mitgliedern des königlichen Hauses empfangen wurde. DieNord­deutsche Allgemeine Zeitung" bezeichnet die Notiz der Hamburger Reform" über den Ankauf des Gutes Silk durch den Fürsten Bismarck, soweit sie dazu dienen solle, die daran geknüpften Folgerungen zu begründen, in allen Punkten als unrichtig. Silk sei von dem Fürsten Bismarck bereits vor sechs Jahren erworben worden, weil es da« einzige größere Gut sei, welches an der Sachsenwaldgrenze und zu dessen Arrondierung geeignet gewesen sei. Die Dreistigkeit, womit diese tendenziöse Erfindung verbreitet werde, zeige von Neuem, wie kein Mittel gescheut werde, um in Anknüpfung an das Privatleben des Reichskanzlers denselben mit ebenso gehässigen, wie plump ersonnenen Verlänmdungen zu verdächtigen. Eine solche perfide Art, politische Gegner zu bekämpfen, sei wohl in keinem andern Lanee denkbar; nur in der deutschen Oppositionspresse stoße mau auf diese verächtliche Kampfweise. Heutzutage

sei es einem Teile der freihändlerischen Presse Vorbehalten, dieses Gebiet der Reichsglocke auszubeuteu. DieKöln. Ztg." schreibt: Die Berufung des preußischen Handelsmi­nisters und Staatssekretär für das Neichsamt des Innern, Hofmann, zum Staatssekretär für Elsaß-Lothriugen kam einigermaßen überraschend. Wenn auch der Posten des verant­wortlichen Staatssekretärsdauerud nicht unbesetzt bleiben konnte so herrschte doch die Meinung vor, nachdem sich der bisherige Staatssekretär für den Statthalter von Elsaß-Lothringen als zu selbstständig erwiesen hatte, werde die Wahl des Nachfolgers auf eine im Range niedriger stehende Persönlichkeit fallen, die sich mit einer wesentlich nur formalen Ausübung der ihrem Amt zustehenden bedeutenden Befugnisse begnügen wolle. Dies darf man von dem einstigen Präsidenten des Reichökanzleramts, der vorher leitender Minister im Groß­herzogtum Hessen und zuletzt Handelsminister des leitenden deutschen Staates war, doch kaum annehmen. Es liegt deshalb die Vermutung nahe, die Ernennung deS Herrn Hofmann stehe mit der von den verschiedensten Seiten gegen die weitgehenden Zugeständnisse des Statthalters des Reichs­landes an die dortigen Protestler und Ultramontanen er­hobenen Bedenken in Zusammenhang, man gebe darum dem Statthalter einen Beirat, der vor allem die Reichs­interessen betonen soll, während er zugleich als Präsident des früheren Reichskanzleramts auch mit den elsässischen Verhältnissen näher vertraut ist. Liberalerseits und im nationalen Interesse würde man es nur mit Freude auf- uehmen können, wenn sich diese Annahme als richtig Heraus­stellen sollte. Bei der geminderten Bedeutung der von dem neuen Staatssekretär dcö Elsaß bekleideten Aemter und dem untrennbaren Zusammenhang zwischen den commer- ciellen und gewerblichen Interessen des Reiches und Preußens wäre die Fortdauer der Vereinigung des Reichsamtes des Innern mit dem preußischen Handelsministerium durchaus zu wünschen. Wer Nachfolger des Herrn Hofmann werden soll, darüber ist mau noch auf bloße Vermutungen ange­wiesen. Man denkt zunächst an Herrn Herzogs; diese Mut­maßung ist nicht ganz unbegründet, wenn auch der Reichs­kanzler in seiner Nähe nicht gern Beamte hat, die wegen zu starker Betonung eigener Ansicht einen früheren Posten aufgaben. Gerüchtweise verlautet, der Ober-Präsident von Schleswig-Holstein, Herr von Bötticher, sei für einen neuen Posten bestimmt; das könnte doch nur der des Staatssekretärs des Innern sein. Herrn v. Bötticher sollte dann Regierungspräsident von Hagemeister in Düsseldorf als künftiger Oberpräsident von Schleswig-Holstein ersetzen. Wir geben die Meldung ausdrücklich als Gerücht wieder.

Halle a. ®., 10. Aug. Die Veranlassung der schon mehrfach erwähnten Gasolinexplosion im HotelStadt Hamburg" liegt, wie Berliner Blättern gemeldet wird, jetzt klar am Tage und deckt sich nicht, wie angenommen werden konnte, mit der Ursache der Explosion in derAka-

Gesiegt.

Novelle von E Redenhall.

-Fortsetzung.)

Ihre Güte und stete Liebenswürdigkeit gegen mich peinigte Aich; ich beschloß daher meine Stellung aufzugeben. Ich Wte Georg meinen Entschluß mit. Er wollte erst nichts davon hören; doch dann fühlte er wohl, daß ich recht habe. »Dann flieht es nur eins, Geliebte," sagte er,werde »ein Weib." Ich unterbrach ihn erschrocken; doch er hörte auf keinen Einwand.Mein Vater," sagte er,wird Akmals seine Einwilligung zu unserer Verbindung geben, ikdoch einer unabänderlichen Thatsache gegenüber wird er Nachgeben und uns verzeihen." Ich wollte dagegen sprechen, ließ mich nicht dazu kommen und fuhr dringender fort: kenne, einige Meilen von hier entfernt, einen Pfarrer, mir tief verpflichtet ist, er wird uns trauen, Niemand fcnb etwas davon erfahren. Nur als mein geliebtes Weib," Moß er,verläßt Du dieses Haus" und nahm mich innig ® seine Arme Ich konnte mich erst nicht hineinfinden, aber all' meine Befürchtungen schwanden wie Seifenblasen seinen glühenden Versicherungen, vor meiner eigenen u«be. Vier Wochen später war ich mit Georg getraut und jHiefi das Wallberg'sche Haus. Nur ungern hatte man die erbetene Entlassung gewährt, nur als ich erklärte, tne alte Verwandte, die Anspruch auf meine Dankbarkeit r®e, bedürfe meiner, ließ man mich ziehen. Herr und Krau Wallberg überhäuften mich noch beim Abschied mit ?llfmertfatnfeiten, die Täuschung fiel mir sehr schwer, ich l01 mir wie eine Verbrecherin vor. Alle andern Gedanken

Ae» jedoch vor meinem Glück in den Hintergrund.

Georg hatte für mich in der Vorstadt zwei Zimmer

bei einer Beamten-Wittwe gemietet und war, soviel er konnte, bei mir. Es war eine glückliche Zeit, wir lebten nur für einander und wenn Georg die Thür öffnete, gab cS für mich nichts außer ihm. Als ich meinem Mann ein Jahr später einen Sohn in die Arme legte, blieb uns nur noch der eine Wunsch übrig, seinen Eltern unsere Ehe mitzuteilen und ihre Verzeihung zu erlangen. Diesen Zeitpunkt hielt Georg jetzt für geeignet, der kleine Neuge- borne, sagte er, soll das Herz des Großvaters rühren und für die Eltern den Segen erbitten. Eine Krankheit jedoch, von der bald darauf sein Vater befallen wurde, machte dies unmöglich und als er langsam genesen, war eine so große Reizbarkeit zurückgeblieben, daß ihm jede Aufregung fern gehalten werden mußte, um keinen Rückfall zu be­wirken. Seiner Mutter allein wollte er es nicht mitteilen, sie hätte die Last des Geheimnisses erdrückt und so mußte eine geeignetere Zeit abgewartet werden. Georg verkehrte außerhalb seiner Familie sehr wenig, jeden freien Augen- blick war er bei mir, nur mit Assessor Bernau war er, wie früher, täglich zusammen. Doch auch er ahnte nichts von unserer Verbindung. Er hatte für denselben eine schwär­merische Liebe und oft, wenn er mir so viel von ihm er­zählt hatte, bemerkte ich ihm scherzend, er werde mich noch eifersüchtig auf den Freund machen. Er wurde nicht müde, von feinen glänzenden Geistesgaben, von seinen hervor­ragenden Kenntnissen, von seiner Liebenswürdigkeit und seinen Vorzügen zu sprechen; er war jedoch auch nicht blind für seine Fehler und oft sagte er mir, Alfreds Leidenschaft­lichkeit, fein Jähzorn mache ihm großen Kummer, er wäre nicht fähig, sich zu beherrschen und er fürchte, daß ihn dies noch einmal zu einer Unbesonnenheit hinreißen werde, die für fein ganzes Leben verhängnißvoll werden könne. Diese

Befürchtung sollte zur schrecklichen Wahrheit werden. Einige Wochen, nachdem ein ähnliches Gespräch zwischen uns stattgefunden hatte, kam mir Georg eines Abends auffallend bleich und verstimmt vor. Wiederholt frug ich ihn nach dem Grunde, er antwortete mir erst ausweichend, dann sagte er mir, ein schwerer Fall in seiner Praxis beschäftige ihn andauernd und unangenehm. Ich glaubte es ihm und wurde erst wieder wankend, als er mich beim Abschied bewegt an sich drückte und leidenschaftlich küßte, ebenso das Kind, das schlafend in der Wiege lag. Ich konnte die ganze Nacht kein Auge zuthun, ich konnte meine Unruhe nicht bewältigen. Ebenso brachte ich den nächsten Vormittag zu^ erwartungsvoll hörte ich auf jedes Geräusch, um Georgs Schritte zu hören. Endlich in der Mittags­stunde hörte ich hastige Schritte, die Thür wurde aufgriffen und o, Entsetzen! es war Asessor Bernau, der leichenblaß und mit verstörten Mienen zu mir hereinstürzte. Da mußte etwas Fürchterliches geschehen sein, das war mir im Augenblick klar.Er ist tot", schrie er mit heis'rer Stimme,und ich bin fein Mörder." Ich hörte nichts mehr, ich verlor das Bewußtsein. Als ich zur Besinnung kam, war meine Wirtin, die mein Dienstmädchen in ihrer Angst herbeigerufen hatte, und dieses um mich beschäftigt. Ich wußte nicht, wo ich sei, was mit mir vorgegangen; doch als die Frau mit wehmütigem Blick auf einen Brief zeigte, stand Alles in furchtbarer Erinnerung vor mir. Ich sich mich nach Bernau um, er war verschwunden. Ich erbrach den Brief er war von Georg. Er teilte mir darin mit, daß fein bester Freund Assessor Bernau ihn gefordert habe, weil er sich ooti ihm verraten glaube. Derselbe interessiere sich lebhaft für eine junge Dame, er jedoch habe gewußt, daß sie nur ihr Spiel mit ihm treibe