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Rr. 189.

Marburg, Freitag, 13. August 1880.

xv. Jairgaig

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festtag bezüglich seiner Lage zum Sonntag zu normieren. Hierbei, sowie bei ähnlichen Fragen versagen gewöhnlich die zur Hand befindlichen Quellen und Nachweise, so daß em handliches und billiges Hilfsmittel für dergleichen Zwecke erwünscht sein muß. Der Mitte Juli d. I. im Verlage von Richard Herm. Dietrich in Dresden erschie- neneUniversal-Kalender für das neunzehnte Jahrhundert" entspricht dem betreffenden Bedürfnis. Nachdem die letzten Hindernisse, welche dem Beginn des Baues des Moabiter Gymnasiums entgegenstanden, beseitigt sind, ist derselbe, wie ich höre, mit voller Energie in Angriff genommen worden. Es steht zu hoffen, daß es noch ge­lingt, den Bau, wie es beabsichtigt wurde, noch in der laufenden Bauperiode unter Dach zu bringen. Gegen die vom Amtsvorsteher gemäß § 61 der Kreisordnung in Wegebausachen an den Verpflichteten ergangene Aufforde­rung zur Erfüllung seiner Verbindlichkeiten ist nach einem Erkenntnis der Widerspruch beim Amtsvorsteher anzu- bringen, und zwar nicht als Klage, sondern zum Zweck der Einleitung ver Instruktion der Sache durch den AmtS- vorsteher, welcher erst nach Maßgabe des Resultats der Instruktion seine Anträge für ein Streitverfahren stellt. Wenn dagegen ohne Weiteres polizeilicheAnordnungen" oder Verfügungen" und nicht lediglichAufforderungen" gemäß ß 61 bei der Handhabung der Wegepolizei ergehen, so sind dieselben innerhalb der gesetzlich geregelten Fristen sofort im Strafverfahren anzugreifen. Ein Erkenntnis, welches die Fristen zur Anfechtung wegepolizeilicher Ver­fügungen, die nach § 61 der Kreisordnung an den Wege- baupfiichtigen zur Herstellung der Wege ergangen, sind an eine präclusorische Frist nicht geknüpft. Die in dem Zu- ständigkeltsgesetz vom 26. Juli 1876 enthaltenen Fristbestim­mungen finden auf wegepolizeiliche Verfügungen keine An­wendung, sind aber bei der Anfechtung von Zwangsvoll- streckungen, welche auf Grund jener Verfügungen ergehen, zu beobachten. Nach der im Reichseisenbahnamt ausge» gestellten Nachweisung über die im Monat Juni d. I. auf deutschen Bahnen beförderten Züge und deren Ber- spätungen wurden auf 47 größeren Bahnen mit einer Gesamtlänge von 2,874,026 Kilometer an fahrplanmäßigen Zügen befördert: 11,747 Kourier- und Schnellzüge, 80,961 Personen-, 48,245 gemischte und 73,767 Güter­zuge; an außerfahrplanmäßigen Zügen 4516 Kourier-, schnell- und Personenzüge und 33,380 Güter-, Materialien- und Arbeitszüge. ES verspäteten sich von den fahrplan- mäßigen Zügen im Ganzen 941, in 394 Fällen jedoch nur in Folge Abwartens verspäteter Anschlußzüge. In demselben Monat des Vorjahrs verspäteten sich 742 Züge.

Pose«, 11. August. Laut Bekanntmachung des Polizei- Präsidenten Staudy ist die Prosna auf sehr weite Strecken hin über ihre Ufer getreten; in Folge dessen sind die an­stoßenden Felder sämtlich überschwemmt und alles Getreide

Gesiegt.

Novelle von E. Redenhall.

(Fortsetzung.)

Noch einen Blick der Teilnahme warf Georg auf den 'tat, dann sagte er resigniert:Sie wollen es nicht an- >ers, dann muß ich thun, was Sie wünschen." Die Lippen chon geöffnet, zögerte er jedoch noch immer, es war, als vnne er das passende Wort für seine Mitteilung nicht mden und erst als der Rat unwillig ausrief:So sprechen «ie doch endlich, ich vermag Alles zu hören," stieß er in fischendem Ton die Frage heraus:

Kannten Sie Georg Wallberg?"

Er hatte nicht nötig, weiterzusprechen. Mit stieren mcken starrte ihn der Rat an und entsetzt stieß er die «sorte hervor:

Wer sind Sie, daß Sie diese Frage an mich richten? «tehen die Toten aus ihren Gräbern auf? So sprechen Sie doch".

Statt aller Antwort holte Georg das verhängnißvolle Schriftstück und gab eS dem Rat.

Lesen Sie dies, es wird Ihnen Alles erklären und Enken Sie daran, daß ich es Ihnen nicht freiwillig ge- »Egebcn, daß Sie es mir abgcrungen haben."

Noch einen tiefen, angstvollen Seufzer vernahm Georg, ?nn fiel die Thür ins Schloß. Der Rat hatte sich, ohne w Wort zu sprechen, entfernt und war fast besinnungslos v Hause angelangt. Wie ein Dieb schlich er sich in sein annmer, um nur Eugenie nicht zu begegnen, verriegelte

Thür und nachdem er sich nur einigermaßen gesammelt wtte' betrachtete er die mit Marie Horn unterzeichneten,

lebhafte Sympathie gefaßt. Sie ordnete sich in allen Dachen ihrem Mann, der keinen Widerspruch ertragen konnte, unter und wagte niemals etwas selbstständig zu bestimmen. Zwei liebenswürdige Mädchen im Alter von 68 Jahren waren meiner Obhut und meinem Unterricht übergeben. Außerdem war noch ein Sohn, Georg mit Namen, der sich, kurz vor meinem Eintritt in die Familie, als Arzt in der Residenz niedergelassen hatte und im selben Hause zwei Zimmer bewohnte. Meine Zöglinge gewöhnten sich sehr schnell an mich; sie erfreuten mich durch ihren Fleiß und Gehorsam und die Eltem erkannten die Fort­schritte, die sie bei mir machten, dankbar an. Sie zogen 5?^.iu ihren Gesellschaften zu; auch zu jenen kleinen Famiuen-Cirkeln die immer sehr nett arangiert waren. Zumeist verkehrte ein junger Aseffor, Alfred Bernau mit Namen, im Hause, ein geistvoller, liebenswürdiger Mensch, . der in der Gesellschaft sehr beliebt war. Er war der beste Freund des Sohnes, täglich mit ihm zusammen und wurde von der ganzen Familie sehr gern gesehen. Herr" und Frau Wallberg behandelten mich, je länger ich bei ihnen war, mit immer größerer Rücksicht und Güte und benützten jede Gelegenheit, aufmerksam gegen mich zu sein. Hatte die Art, wie sie es thaten, auch manchmal etwas verletzendes für mich und ließen sie mich dadurch bisweilen das Bittere der Abhängigkeit durchfühlen, bei dem Sohne des Hauses trat dies nie hervor, er begegnete mir mit einer Ehrer- bletung und Liebenswürdigkeit, wie dies bisher Niemand mir gegenüber gethan hatte. Ich, die Verlaffenc, Heimatlose, war doppelt dankbar dafür. Als seine Aufmerksamkeiten eine bestimmtere Form annahmen, als er jede Gelegenheit benützte, mit mir zusammen zu sein, sei es, daß er dem Unterrichte beiwohnte, oder in Gesellschaft, mußte ich fürchten,

verneur von Mainz, General der Infanterie v. P r i tz e l w i tz, und der Kommandant von Breslau, General»Lieutenant v. Wulfsen.

Gambetta hat, wie der Telegraph meldete, in Cherbourg eine sehr energische Rede gehalten, deren Wortlaut abzu­warten ist, ehe man darüber genügend urteilen kann. Was bis jetzt davon berichtet klingt so, wie man es aus dem Munde des Mannes, den alle Welt als den berufenen Vertreter der Revanchepolitik ansieht, nur erwarten kann. Bei einem seitens des Handels- und Industrie-Vereins den Vertretern der republikanischen Presse in Cherbourg dargebrachten Banket war auch Gambetta anwesend. Der­selbe gedachte bei Beantwortung eines Toastes seiner Anwesenheit zu Cherbourg im Jahre 1870. Damals in den Augusttagen war die Kaiserin Eugenie nach Cher­bourg gekommen, um dem Auslaufen der französischen Flotte beizuwohnen, die in der Nord- und Ostsee dann noch eine kläglichere Rolle spielte, wie die Feldarmee, die sich wenigstens tapfer geschlagen hat. Gambetta war be­kanntlich damals keineswegs ein Gegner des Krieges und konnte sich nicht versagen, das Schauspiel der Abfahrt der stolzen Panzerschiffe mit zu genießen. An diese Reminis- cenz anknüpfend, sagte er vorgestern: In unglücklichen Zeiten muffen die Völker in Ruhe und Ueberlegung, in der Versöhnung aller guten Gesinnungen, frei im Gebrauche ihrer Hände und Waffen, sowohl im Innern wie nach Außen, sich abwartend verhaltend. Große Wiederherstel­lungen können aus dem Recht entspringen; wir oder unsere Kinder können auf dieselben hoffen; die Zukunft ist nie­mandem verboten. Auf den Vorwurf, einen allzu pronon- cierten Kultus für die Armee zu hegen, erwiderte Gam- bette, eS sei nicht kriegerischer Geist, welcher diesen Kultus diktiere, sondern die Notwendigkeit, Frankreich wieder empor- Mheben, da man es so gesunken sehe, damit es seinen Platz in der Welt wieder einnehme. (Beifall.)Wenn unsere Herzen schlagen für Erreichung dieses Zieles, so handelt es sich nicht um das Streben nach einem blutigen Ideal, sondern um die Erhaltung des Ganzen, was von Frank­reich übrig bleibt, damit wir auf die Zukunft rechnen und wissen können, ob es hienieden eine Gerechtigkeit gibt, welche zur geeigneten Stunde herbeikommt." Herr Gam­betta gibt also die bisherige Zurückhaltung auf; er fühlt schon so viel Boden unter den Füßen, daß er die Politik der Bereithaltung aus diegeeignete Stunde" laut prokla­miert. Nun, auch Deutschland hält sich jederzeit bereit.

Tagesbericht.

DerReichsanzeiger" bezeichnet die Mitteilungen ge­wisser Organe der Tagespresse, daß der Minister der öffentlichen Arbeiten wegen Erwerbes von weiteren Eisen­bahnen für den Staat in Verhandlung getreten sei, wobei mit größter Bestimmtheit solche Unternehmen, darunter das Bergisch-Märkische und Anhalter, genannt würden, als jeglicher thatsächlichen Unterlage entbehrend.

DieNordd. Allg. Ztg. erklärt die Zeitungsmeldung, daß die Antwort auf die letzte Erwiderung der Pforte in der griechischen Frage in Berlin redigiert werde und mit deren Entwerfung die Secretäre der Conferenz, Busch und Moy beauftragt seien, für gänzlich unbegründet.

Der 11. Anthropologen-Congreß in Berlin wurde gestern Nachmittag mit einer längeren Rede Virchow's ge­schlossen, worin derselbe namentlich der Unterstützung und Förderung oes Unternehmens durch die Regierung dankend gedachte. Die nächste Generalversammlung findet in Regensburg statt.

Die neuesteProv. - Korresp." wendet sich gegen das zweite Flugblatt derParlamentarischen Korrespondenz" der Fortschrittspartei, welches die Freiheit des ländlichen kleinen Grundbesitzers als bedroht ausgegeben hatte und den Bauernstand in seine besondere Obhut nehmen wollte. Nach Wiederlegung der in dem Flugblatt enthaltenen Irr­tümer und Verdrehungen bemerkt dieProv.-Korresp.", man könne daraus erkennen, baß die ganze Darstellungs­weise der Parlamentarischen Korrespondenz und ihres Flug­blattes nur das Trug-Produkt eines sophistischen, auf ge­fälschten Voraussetzungen beruhenden Deduktionsverfahrens ist.Jedenfalls hat die fortschrittliche Agitation den Bil­dungsstand der ländlichen Bevölkerung, auf welche sie ein­wirken will, unterschätzt; denn eine plumpere Art der Täuschung und des politischen Bauernfanges, wie sie in den hier citierten fortschrittlichen Artikeln geübt wird, ist kaum noch versucht worden. Jedenfalls muß mit der Zuversicht der fortschrittlichen Partei auf ihre Sache schlecht genug bestellt sein, wenn sie sich mit solchen verwerflichen Mitteln auf die Bauernjagd begiebt und keine wirksameren zur Hand hat,um den längst erstrebten Einfluß zu ge­winnen." Jedenfalls ist es die verwerflichste Agitations­weise, welche durch Anschürung des Klassenhasses politische Erfolge zu gewinnen strebt."

Am 13. August feiern folgende hohe Militärpersonen ihr 50jähriges Militär-Dienstjubiläum: Der komman­dierende General deö 3. Armeecorps, General der Infan­terie v. Groß gen. v. Schwarzhoff, der General der Kavallerie, General-Inspekteur des Militär - ErziehungS- und Bildungswesens, Baron v. Rheinbaben, derGou-

180.

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176

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Anzeigen nimmt' entgegen die Expedition 6. Blatte« sowie d. Annonren-Bureaur von ®. L. Daube & Eo. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung bafclbft; Hermann'sche Buchhanol. daselbst; Jnvalidendank in

Berlin: W. Thiene« in Elberfeld: 4. Schlotte in

Bremen-

Anzeigen nimmt emgegen: die Expedition b.Btatte«, sowie v-Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in Aastet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Mn ic.; Rudolf Moste i» Berlin, Frank­furt a. M. rr.

DtkttscheS Reich.

* Berli«, 11. Ang. Bei historischen Studien ist es oftmals von Wichtigkeit, den Wochentag eines bestimmten Datums festzustellen, wie es andernseitS auch nicht selten erwünscht ist, für ein zukünftiges Jahr einen Familien- zusammengefalteten Bogen von allen Seiten und fing so­fort zu lesen an. Sie trugen die Aufschrift:

Meine Lebensgeschichte.

Ein kleines Gebirgsstädtchen ist meine Heimat, dort verlebte ich in einfachen, bescheidenen Verhältnissen die ersten Jahre meiner Kindheit. Als ich acht Jahr alt war, hatte ich daö Unglück gehabt, meine Eltern bereits ver­loren zu haben und «ar der Barmherzigkeit eines alten Onkels anheim gegeben, der Alles that, was für meine Erziehung und Bildung notwendig war. Er übergab mich einer Pension in der Residenz, ließ mich eine gute Schule besuchen und in der Musik, zu der ich viel Talent zeigte, ausbilden. Bereitwillig zahlte er Alles, was ich brauchte und glaubte dadurch vollständig seine Schuldigkeit gethan zu haben. Daß sich das arme Kind, das still mit Thxä- nen in den Augen zusah, wie ihre Gefährtinnen in den Ferien nach Hause reisten, nach einer Heimat, nach Liebe sehnen konnte, daran dachte er gar nicht. So erreichte ich, diese ungestillte Sehnsucht im Herzen, mein siebzehntes Lebensjahr. Ich hatte mein Lehrerinnen-Examen mit dem Prädikatgut" bestandm, auch in der Musik leistete ich etwas Tüchtiges. Mit dürren Worten schrieb mir mein Onkel nun, daß er sich freue, daß ich etwas Ordenttiches gelernt, daß ich es jetzt auch verwerten und eine Stellung annehmen solle, da er nun nicht weiter für mich sorgen könne. Durch Vermittelung der Schul-Vorsteherin wurde mir eine Stelle als Erzieherin bei dem Banquier Wall­berg angeboten, die ich mit Freuden anuahm. Es war eine bei der Geld-Aristokratie sehr angesehene Familie, die ein großes Haus machte, in die ich eintrat. Ich wurde mit großer Liebenswürdigkeit ausgenommen und ich hatte besonders bald für die stille, sanfte Frau des Hauses eine