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Marburg, Donnerstag, 12. August 1880
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@8 mag interessieren, zu erfahren, daß die letzteren sich aus "nem ErbschaftSrezeß des „Herzogs" von Mecklenburg im Zahre 1803 und aus einem am 26. Juni desselben Jahres zwischen Mecklenburg und Schweden in Malmö abgeschlossenen Vertrage herleiten. Kraft dieses Vertrages trat der König von Schweden an den Herzog von Mecklenburg- Schwerin, unter dem Titel einer „Verpfändung" und gegen Erlegung einer Summe von 1,250,000 Hamburger Bank- Haler, auf 100 Jahre das Nutznießungsrecht der Stadt und Herrschaft Wismar und der Aemter Poel und Neukloster ab. Es ist. selbstverständlich, daß dies nichts als eine staatsrechtliche Formalität war, die mit ewiger Ueber- lassung gleichbedeutend ist.
Auf das Begrüßungstelegramm der geographischen und der anthropologischen Gesellschaft in Berlin sandte der König von Schweden an Nachtigall und Virchow folgende Antwort: Ich spreche Ihnen freundlichen Dank aus für Ihr Telegramm und Ihre Anerkennung der Thaten schwedischer Forscher. — Gestern Nachmittag 1 Uhr waren Nordenskjöld, Schliemann nebst dem Vorstande und geladen ' Kongresses zum Kronprinzen
, Die Straßburger Tabaksmanufaktur, die sich eigentlich Mit Unrecht die kaiserliche nennt, macht in neuester Zeit den Tabaksfabrikanten und Tabakshändlern dadurch Konkurrenz, daß sie ihren Geschäftskreis über die Reichslande hinaus durch Errichtung von Filialen und Agenturen, sowie durch direkten Detailverkauf an Private ausdehnt. Ueberall klagen die Tabaksfabrikanten und Tabakshändler über diese Konkurrenz und gehen ihre berechtigten Vertreter, die Handelskammern, an, dieselben möchten dahin wirken, daß dem Vorgehen der Straßburger Manufaktur Einhalt gethan werde. Noch ist von keiner Handelskammer bekannt, daß sie diesem Verlangen nicht habe entsprechen wollen. Ob bei den maßgebenden Behörden die Vermittelung etwas nutzen wird, ist noch dahingestellt. Inzwischen versuchen me entweder principiellen oder interessierten Gegner des GeschLftsgebahrcns der Tabaksmanufaktur, das Publikum selbst Partei ergreifen zu lassen, indem sie dasselbe auffordern, es als eine Ehrenpflicht anzusehen, aus den neuerrichteten Niederlagen nichts zu kaufen. Derartige Mah- nungen und Warnungen werden freilich gar wenig helfen, wenn die Straßburger Manufaktur wirklich gute Ware zu billigeren Preisen als der Privatfabrikant und der Privat- Händler verkauft, indes kann man die Gefahr, welche den letzteren vor der bevorzugten Staatskonkurrenz droht, nicht für gar so schlimm halten, wenn man sich erinnert, welch' geringe Erfolge die früheren Versuche, die österreichischen Regre-Clgarren im übrigen Deutschland einzubürgern, be- glertet haben. Will indes die Straßburger Tabaksmanu-
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Gesiegt.
Novelle von ß. Redenhall.
(Fortsetzung)
w Wie in einer Fata morgana zeigt sie ihm verlockende Mder, die zwar, wenn er sie erfassen will, verschwinden, aber einen Strahl zurücklassen, der die trostlos vor ihm ucgendc Zukunft erhellt und dem, der eö verstanden hat, sie hinein zu blicken, nie ganz unglücklich werden läßt.
’W dem Fatalisten, der immer an ein unabänderliches Mschick glaubend, diese ihm von Gott gesandte Trösterin M stößt. Dr. Horn gehörte nicht zu den Letzteren und freudig hieß er sie willkommen, als sie ihm zu nahen Ersuchte und ihm zuflüsterte, daß vielleicht der Einwand einer Mutter auf einem Mißverständnis beruhe, daS sich wstn und ihm sein Lebensglück nicht stören werde. Sie Ulte ihm seine Fassung so weit wiedergegeben, daß er mnem Beruf nachgehen und die Entscheidung mit Ruhe, lhm erst ganz unmöglich geschienen, abwarten konnte.
M de« Rat schrieb er einige Zeilen, worin er sein Aussen durch Ueberbeschäftigung zu entschuldigen suchte. — j. W Tage später hielt er ein Packet in der Hand, daS C yott seiner Mutter gesandt worden war und, wie er ^nnutct hatte, ihre Lebensgeschichte enthielt; es war ihr l?n begleitendes Wort beigefügt und dies erfüllte ihn mit ber £t9-cn Ahnungen. War er vorher den Schmeichellauten Hoffnungen so zugänglich gewesen, jetzt glaubte er nicht daran, er hatte daS bestimmte Gefühl, daß diese
2. ,en ihm Entsetzliches enthüllen würden. So sehr er sie tzl bnt, jetzt fand er nicht den Mut, sie zu öffnen; doch cnd- 2 "^chte er dem feigen Zögern ein Ende, schloß die Thür,
1 RRht gestört zu werden und begann zu lesen.
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.Eugenie saß an ihrem Nähtischchen, die Arbeit ruhte mußlg auf ihrem Schooße und ihre Augen schweiften gedankenvoll aus dem stillen Stübchen heraus auf die um diese Tageszeit belebte Straße. Wie viele Menschen gingen dort unten an einander vorüber, mit gleichgültigen teil- nahmlosen Gesichtern für den fremden Beobachter; aber vielleicht mit schweren eigenen Sorgen im Herzen. Wie viel Elend giebt'S nicht auf der Welt I Wenn all' das Leis, welches das Herz des Menschen rührt, offen zur Schau getragen würde, möchte die Physiognomik vielleicht intet« effante aber herzerschütternde Resultate liefern I Eugenie hatte noch^keinen Kummer, noch war sie unbefangen genug, um den Schein für das Wesen zu halten uns Worte, die man zu ihr sprach, für wahre Gedanken. Während das junge Mädchen ihrer Phantasie freien Spielraum ließ und unter den Erinnerungen der letzten Wochen eine Gestalt heraufbeschwor, die ihr in Kurzem theurer geworden war, als Alles, was sie vorher gekannt, wurde die Stille ihrer angenehmen Träume plötzlich durch die Entree-Glocke unterbrochen. Eugenie ging selbst zu öffnen.
„An Fräulein Eugenie Bernau," sprach der Postbote, indem er ihr einen Brief überreichte. Sie erbrach hastig, von einer dunkeln Ahnung erfüllt, den Umschlag und folgende Zeilen:
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Tagesbericht.
Die soeben im Druck erschienene Verordnung über die Ergänzung der Offiziere des Friedensstandes erhielt unter dem 11. März c. die Sanction Sr. Majestät des Kaisers. Sie enthält in §. 16 die Bestimmung: „Der Kursus der Oberprima (des Kadettenhauses) schließt mit der Abiturien- tcnprüsung nach dem Lehrplan der Realschulei. Ordnung." Es ist damit von allerhöchster Stelle eine erfreuliche An« erkennung der Brauchbarkeit des Lehrplanes der Realschulen 1. Ordnung für höhere Berufszweige ausgesprochen, um so erfreulicher gerade jetzt, wo von so mancher, zum Teil ganz unberufener Seite in demonstrativer Weise Zweifel gegen dieselbe geltend gemacht worden find.
Die „Nordd. Allgem. Ztg.", einen Artikel des Blattes „Export" über die Freihafenstellung der Hansestädte besprechend, sagt: Deutschland habe nicht ein Interesse daran, daß Hamburg und Bremen Weltmärkte seien, sondern daran, daß es durch Hamburg und Bremen einen Weltmarkt besitze. Nur diesem Ziele, im Falle dasselbe unter der frei« willigen Mitarbeit der Hansestädte zu erreichen sei, könne das Reich allenfalls auch Opfer bringen, das heißt, das Reich könnte für den Fall des Verzichtes von Hamburg und Bremen auf die Freihafenstellung sich an den Kosten der Erbauung zollfreier Entrepöts beteiligen. Die Beibehaltung der Freihafenstellung und dennoch Reichsbauten sei aber eine Forderung, die am Besten die Einseitigkeit der in dem fraglichen Artikel erhobenen Ansprüche kennzeichne. Der „Export" selbst habe übrigens den veröffentlichten Aufsatz in einem späteren Artikel widerlegt.
Der Flottengründungsplan ist jetzt im wesentlichen als ausgeführt anzusehen und wird der nächstjährige Etat des Reiches verhältnismäßig nur geringe Summen für außerordentliche Aufwendungen zu Gunsten unserer maritimen Ausrüstung fordern. Indessen erhält stch das Gerücht, daß für Küstenbefestigungen ein größerer Posten eingestellt werden soll. Namentlich ist eine verstärkte Armierung von Pillau zur Deckung Königsbergs, und eine Befestigung des vorzüglichen Wismarer Hafens, der durch seine Tiefe den größten Panzerfahrzeugen die Annäherung gestattet, in Aussicht genommen. Wenn in einigen Blättern stch die Nachricht findet, dieser letztere Plan dürfte wohl aus Rücksicht auf Schweden nicht zur Ausführung gelangen, welches einen Einspruch dagegen erheben könnte, da nach dem 1803 von diesem Staate mit Mecklenburg abgeschlossenen Vertrage die Stadt im Jahre 1903 immer wieder von ersterem zurückerworben werden könnte, so hat das wohl nur ein antiquarisches Interesse und ein solches der Kuriosität. Thatsächlich wird niemand im Ernste daran denken, daß solche pergamentene Rechte je geltend gemacht werden könnten.
Berlin: W. Thienes in Merfeld: 6. Schlotte in Bremen.
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„Znnigst Geliebte!
Verzeihe meine Schwäche, Dich wenigstens einmal an- zuredcn, wie ich es längst in meinem Innern gethan, wie ich hoffte, bald ein Recht zu haben, Dich vor aller Welt zu nennen. Ein entsetzliches Unglück hat mich getroffen; ich bin erbarmungslos in einen Abgrund von Elend gestürzt worden und darf Dich nicht mit in die Tiefe reißen.
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Anzeisen nimmt rmgegen; die Expedition d.vlatte«, sowie d-Armoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; haasenstein & Bögler in rrankfurt a. M., Berlin, Keipzis, Cöln re.; Rudolf Stoffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.
Anzeigen nimmt' entgegen dieEjPeditto» d. Blattes sowie d- Annoneen-Bureauk von S-L-Daube & So. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbstl; Hermann'sche Buchhanol. daselbst: Jnvalidendank in
faktur weniger einen geschäftlichen, als einen politischen Zweck verfolgen, den der Vorbereitung des Monopols, so wird sie einstweilen von jedem pekuniären Vorteil abzusehen wissen und darin liegt hauptsächlich das Bedrohliche ihres Vorgehens.
Deutsches Reich.
!$' 10- August. Zum Kaiser-Empfang, der am nächsten Donnerstag zu erwarten steht, werden bereits vielfache und sehr würdige Vorkehrungen getroffen. So verwandelt sich, wie daS „Kl. Journ." schreibt, der Pariser Platz zu einem Garten, der an Kunstsinnigkeit des Entwurfs und Feinheit der Ausführung jegliches Lob verdient. Die gepflasterten Seitenflächen, welche bisher nur den Droschken als Halteplätze dienten, sind ihres steinernen Mantels entkleidet und in dreiteilige Blumenbeete verwandelt worden, welche mit einem Epheugeländer umgeben sind. Das mittlere Beet, in Gestalt eines Rondels, zeigt bis letzt eine bassinartige Vertiefung, und wird jedenfalls noch eine feine würdigere Füllung (Fontaine, Statue, Büste oder bergt.) erhalten. Die beiden Seitenbeete sind von hohen Stangen mit Winden und Leitungen überragt und sollen diese Träger elektrischen Lichtes werden; so daß hier ein Lichteffekt erzielt werden wird, wie ihn einer der schönsten Plätze Berlins wohl längst verdient, aber noch nie gesehen hat- Besonders das Siegesgespann auf dem Brandenburger Thor wird an diesem Abend „durch Nacht zum Licht" den Weltstadt-Himmel tragen. — Der Zu- dr-mg zum Studium der Justiz scheint noch immer ein großer zu sein, wie aus nachstehenden Zahlen über die Thatigkeit der Justizprüfungskommission sich ergiebt: Der Umfang der Geschäfte der Justiz-Prüfungskommission Hat im Jahre 1879 gegen die Vorjahre wiederum zugenommen, indem die Zahl der neuen Aufträge 545 betrug, während tut Jahre 1878 470, 1877 403, 1876 396 Aufträge erteilt wurden Aus den Jahren 1877-1879 war ein Bestand
255 Kandidaten verblieben; die Gesamtzahl derselben belief stch daher im Jahre 1879 auf 800. Von diesen lQthn 4 « vie Prüfung abzulegen. Vor Abnahme der Prüfung sind zwei Kandidaten gestorben und acht vorweg zuruckgewiesen; nach Abzug dieser 10 sind mithin verblieben 790 gegen 677 im Vorjahre. Die Prüfung haben bestanden: mit dem Prädikat „gut" 28, mit dem Prädikat „ausreichend 386, zusammen 414; nicht bestanden haben 56 Referendanen. Die größte Zahl der Kandidaten haben das Kammergericht in Berlin mit 190 und das Ober« landeögericht Breslau mit 131 gestellt. Von den Berlinern haben 9 mit gut, 94 ausreichend bestanden, 15 ynb durchgefallen; von ben Breslauern hat 1 mit gut, 82 ausreichend bestanden, 16 sind durchgefallen. Vom Oberlandesgericht Köln waren 95 zu prüfen; davon 5 gut, 47 ausreichend bestanden, während 6 die Prüfung Frage mich nicht, was so schrecklich in mein Leben einge* griffen hat, Du wirst eö nie von mir erfahren. Mache keinen Versuch, mich zu sprechen, ich darf Dich nicht Wiedersehen. Ich könnte es nicht ertragen, Deinen fragenden traurigen Blick auf mich gerichtet zu sehen, ich würde unterliegen. Das verhängnißvolle Wort, das uns für ewig trennt, würde mir auf die Lippen treten und ich müßte mich tief verachten, wenn ich nicht vermöchte, es still in meiner Brust zu verschließen. Suche mich zu vergessen. Des Himmels reichster Segen über Dich, Geliebte! Was ans mir werden wird — weiß ich nicht. Vielleicht gehe ich weit fort von hier, vielleicht bleibe ich. Ich hoffe nichts mehr vom Leben.
. , , Georg Horn."
SDte Wirkung dieser Zeilen war eine vernichtende. Der Schlag traf Eugenie zu unerwartet, eine Marmorblässe stberzog ihr Gesicht, der Brief entglitt ihren zitternden Händen und eine wohlthätige Ohnmacht raubte ihr das Bewußtsein. So fano sie ihr Vater, der etwas später in« Zimmer trat und todeserschrocken Frau Werner herbeirief. Er hatte den Brief am Fußboden liegen gesehen und sein Inhalt ihm Alles gesagt. Es gelang ihnen bald, sie wieder ins Leben zurückzurufen; doch ihr Blick schnitt dem Rat tief 'N die Seele, er konnte sie jetzt nicht sprechen, er mußte erst Klarheit haben; ohne ein Wort an sie zu richten, stürzte er aus dem Zimmer und begab stch zu Dr. Horn, um Rechenschaft von ihm zu fordern. Doch seine Sorge vergrößerte stch, als er die Thür bei demselben öffnete und b.eR IRRfien Arzt so bleich und verstört an feinem Schreib- ttfd) sitzen sah. Entsetzt, als sähe er eine Erscheinung, iprang er bei seinem Eintritt auf und zitternd vor Erregung war er keines Wortes mächtig.