Ikr. 187.
Akarburg, Mittwoch, 11. August 1880
xv. Mrgoeg
WerlieMchk jritmig
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Tagesbericht,
Nachrichten aus Kissingen melden, daß dem Reichskanzler die dortige Kur außerordentlich gut bekommt und daß von einer Beendigung derselben noch nicht die Rede sei, auch habe der Kanzler sich noch gar nicht über den Besuch des Wildbades Gastein entschieden, obschon bisher ein solcher geplant und auch Wohnung in Gastein bereits gemietet war. Im Herbst will der Fürst seinen Aufenthalt in Var- zin nehmen. ____________
Die Summen, welche der Staatöhaushaltsetat zu Ruhegehaltszuschüssen und Unterstützungen für emeritierte Elementarlehrer und Lehrerinnen ausweist, betrugen früher 331,000 Mark, darunter künftig wegfallend 31,000 Mark und ist vom 1. April d. I. ab um 300,000 Mark erhöht worden. Von dieser 631,000 Mark betragenden Gesamtsumme ist den Provinzialbehörden der auf Grund früherer Erlasse verteilte Betrag belassen und durch eine im Anfänge dieses EtatsjahreS getroffene Verfügung ein weiterer Betrag von nahezu 260,000 Mark zur etatSmäßigen Verwendung überwiesen, der Rest aber als Reservefonds zum Ausgleich unter den Provinzial Verwaltungen und zur Ge- Währung von Unterstützungen in außerordentlichen Fällen vorläufig zurückbehalten worden. Die Verwaltung der Fonds erfolgt seitens der Provinztalbehörden auf Grund einer zwischen den beteiligten Ministern vereinbarten Instruktion vom Mai d. I., welche sich in allen wesentlichen Punkten an die Instruktion vom August 1876 anschließt..
Der „Nordd. Allgem. Ztg." zufolge ist von einer Annexnote, welche der deutsche Botschafter Graf Hatzfeld als Doyen des diplomatischen Corps in Konstantinopel überreicht hätte, worin eine Grenzlinie für den Fall der Cesston von Dulcigno vorgeschlagen wäre, in Berlin nichts bekannt.
Die nunmehr bekannt gewordenen Bestimmungen über die Dislokation der mit dcm 1. April nächsten Jahres neu zu errichtenden Regimenter verdienen ernstliche Beachtung. Diesmal handelt es sich um die Unterbringung von vorzugsweise aus den Reichslanden sich rekrutierenden Truppenkörpern und da ist es zunächst bemerkenswert, daß dieselben sämtlich in deutschen Garnisonen und nicht, wie eS vor einigen Monaten das amtliche Organ Elsaß-LothringenS befürwortete, im Reichlande selbst untergebracht werden. Diese Maßregel rechtfertigt sich durch die noch wenig deutschfreundliche Gesinnung der Elsaß-Lothringer, die eS noch nicht gestattet, aus ihnen hervorgehende Truppen zu einem geschlossenen Körper zu vereinigen. Auch wird die Reger- manisierung derselben durch die Verlegung in deutsche Garnisonen gefördert; die aus polnischen Landesteilen sich er
gänzenden Regimenter sind bekanntlich auch seit vielen Jahren in schlesische und pommersche Städte verlegt. Es muß sodann auffallen, daß der größere Teil der neuen Regimenter seine Garnisonen in den östlichen Provinzen erhält und daß die Gelegenheit benutzt wird, gewisse schwache Punkte unserer Grenze gegen Rußland mit Garnisonen zu belegen. Man wird sich erinnern, daß vergangenen Herbst und Winter großes Aufsehen von russischen Truppen-Anhäufungen in Polen gemacht worden ist. Wenngleich die dadurch hervorgerufene Beunruhigung übertrieben war, so mußte man doch zugestehen, daß wir im Vertrauen auf die alte Freundschaft mit Rußland unsere Ostgrenze etwas sorglos behandelt hatten und ein Ueberfall durch die längs der Grenze stationierten russischen Kavalleriemassen vorübergehenden, aber für den Augenblick doch empfindlichen Schaden hätte anrichten können. Nun geschieht folgendes. Die Festung Königsberg erhält ein neues Regiment (das lothringische Nr. 128) und kann daher von ihrer jetzigen Besatzung 2 Bataillone abgeben. Infolge dessen kommt nun das 2. Ostpreußische Grenadier-Regiment Nr. 3 nach Gumbinnen und Insterburg, wodurch die Eisenbahn von Königsberg nach Eydtkuhnen und das an derselben gelegene wichtige Gestüt von Trakehnen vor einem plötzlichen Ueberfall russischer Reiter geschützt wird. Desgleichen wird die Eisens bahn von Königsberg nach Lyck durch 2 Bataillone in Lätzen und Bartenstetn und die Feste Doyen geschützt. Die Festungen Thorn und Posen erhalten jede ein ganzes Fußartillerie - Regiment zur Besatzung, so daß diese bedeutenden Waffenplätze für den Kriegsfall reichlich vorgesehen sind. Ganz besonders aber wird der wichtige Eisenbahn- Centralpunkt Bromberg beoacht; er erhält zu seiner gegenwärtigen Garnison, dem Regiment Nr. 21, noch ein neues, das 129. und außerdem schon diesen Herbst das ganze Feldartillerie-Regiment Nr. 17. Diese der russischen Grenze so nahe gelegene, für die Verbindung mit Ostpreußen aber so wichtige Stadt wird also künftig vor jeder Ueberrum- pelung gesichert sein. Desgleichen wird die Eisenbahn von Bromberg nach Breslau, welche die Grenze entlang läuft und von der benachbarten russischen Garnison Kalisch aus leicht unterbrochen werden könnte, durch die Belegung der Städte Ostrowo, Krotischin und Pleschen mit je einem Bataillon des 37. Regiments gedeckt werden, was durch die Verlegung des 99. Regiments nach Posen ermöglicht wird. Endlich ist derselbe Schutz der oberschlestschen Eisenbahn — gegen einen Ueberfall von der russischen Festung Czenstochau aus — zugevacht durch die Verlegung des Regiments Nr. 18 nach Gleiwitz und Beuthen, an dessen Stelle in Glatz eins der neu zu errichtenden Regimenter kommt. Durch die Bestimmung von Brandenburg an der Havel für das neue Regiment Nr. 98, wird das jetzt dort befindliche Füsilier-Regiment Nr. 35 wahrscheinlich auch für die Verlegung in die Neumark frei werden. — So
sehen wir also in den Verfügungen über die Dislokation der neuen Regimenter als hauptsächlichstes Ziel den Schutz der Ostgrenze verfolgt.
Gestern, Montag Nachmittag 3 Uhr fand die feierliche Begrüßung des Baron Nordenskjöld im Festsaale des Rathauses in Berlin statt; unter den Anwesenden waren der Erbprinz von Meiningen, der Chef der Admiralität v. Stosch, Unterstaatssekretär v. Goßler, der Rektor der Universität, viele Gelehrte und die Staatsbehörden. Begrüßungsreden hielten Oberbürgermeister v. Forckenbeck Namens der Reichshauptstadt, Dr. Nachtigall Namens der geographischen Gesellschaften, Admiral v. Stosch Namens der Marine, der Rektor der Universität Namens der Universität und Professor Ecker Namens des anthropologischen Congresseö. Baron Noroenökjöld dankte für den Empfang unter Hinweis auf die hohe Stellung und Verdienste der deutschen Wissenschaft.
Das „Telegr. Corresp. - Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 8. d. Mts., die Pforte sei entschlossen, den Wünschen der Mächte nach Abtretung Dulcigno's an Montenegro zu entsprechen.
Deutsches Reich.
*• Berlin, 9. August. Aus Gastein vom 6. d. wird berichtet, daß nach schweren Gewittern und langen Regentagen seit dem 5. wieder schönes Wetter eingetreten ist. Während Se. Majestät die kalten Regentage hindurch sowohl die Spaziergänge als auch die Ausfahrten aussetzen mußte und nur den Gebrauch der Bäder fortsetzte, erfolgen seit dem genannten Tage wieder Promenaden und Ausflüge zu Wagen in das Bäckstein- oder Kötschachthal. Prinzessin Reuß, die Gemahlin des deutschen Botschafters in Wien und Nichte des Kaisers, ist die stete Begleiterin Sr. Majestät auf der Kaiserpromenade. — Der Fürst von Rumänien wird, wie ich als bestimmt erfahre, in der Mitte des Monats August nach Deutschland kommen. — Durch allerhöchste Kabinctsordre ist bestimmt, daß künftighin auf die Kompagniechefs der Provinzial-Kadettenan- stalten in gleicher Weise, wie dies seitens der Kompagniechefs der Hauptkadettenanstalt bereits geschieht, die Uniform des Kadettenkorps zu tragen haben. — Der letzte ReichS- tagS-Etat ergibt bereits, daß unsere diplomatische Mission in Tokio zu einer förmlichen Gesandtschaft erhoben werden soll. Inzwischen hat denn auch unser seitheriger Minister- resident von Eisendccher dem Kaiser von Japan sein Beglaubigungsschreiben als deutscher Gesandter übergeben. Sowohl unsere fortwährend im Steigen begriffenen Handelsbeziehungen zu Japan, als auch der Umstand, daß die anderen großen Staaten dort durch Gesandte vertreten sind und daß auch Japan selbst bereits seit Jahren einen förm-
Gesiegt.
Novelle von E. Redenhall.
(Fortsetzung)
Wie wird sie es erst preisen, wenn sie Eugenik und ihren Vater kennen gelernt, in nähere Beziehung zu ihnen getreten ist. So, dachte sich der junge Arzt, würde seine Mitteilung ausgenommen werden und in freudigster Erregung überlegte er, wenn die Antwort eintreffen mußte. Hätte sein Auge vermocht, den Raum zu durchdringen, einen Blick in das ihm so bekannte Stübchen zu werfen, so hätte sich ein anderes Bild vor ihm entrollt und zwar eines, an das seine Phantasie nicht entfernt gedacht hatte. — Frau Horn >var, wie er erwartet hatte, mit Unterrichten beschäftigt, als sie seinen Brief erhielt. Erst als ihre Schülerinnen sich entfernt hatten, öffnete sie ihn. Freudig verklärten sich ihre Mienen, als sie die ersten Seiten laS; doch plötzlich schleuderte sie den Brief weit weg und mit einem lautem Aufschrei, als hätte sie einen töllichen Sttch bekommen, fuhr sie nach dem Herzen. Die sonst so ruhige Frau, die wit solcher Ergebung Alles ertragen, glich in diesem Augenblick einer Verzweifelten ; ihr Gesicht war von einer töt- lichen Blässe überzogen, ihre Augen schienen auS den Höhlen M treten, sie hatte allen Halt verloren. Was konnte ihr diesen Schmerz bereiten, da der Anfang des Briefes, worin ihr Georg von Liebe sprach, sie so sichtlich erfreut hatte? Stumm und unbeweglich saß sie da und keine wohlthuende Thräne löste den Bann, der sie gefangen hielt. Doch plötzlich sprang sie wieder auf, ergriff den Brief und las ih" zu Ende. Fassungslos rang sie die Hände und jammervolles Stöhnen, abgerissene Worte entrangen sich ihrer Brust.
„Zu spät, zu spät!" rief ste immer und immer wieder; „warum habe ich geschwiegen. Habe ich noch ein Recht dazu? Ich muß eS noch haben, es darf nicht zu spät sein," schrie sie auf, „wenn es noch einen Gott im Himmel gibt." Die Frau litt namenlos, ste konnte keinen klaren Gedanken fasten und, wie immer in ihrem Leben, war ste allein mit sich und ihrem gequälten Herzen. Sie mußte erst so viel Ruhe gewinnen, um einen Entschluß fasten zu können. Was sollte ste eigentlich thun?--
Am dritten Tage fand ste die Kraft, an Georg einige Zeilen zu richten. Freudig erregt sehen wir denselben diesen Brief aufreißen, da er ihn schon sehnsüchtig erwartet und durch sein langes Ausbleiben beunruhigt gefühlt hatte. Es ist jedoch unmöglich, seinen Schreck und sein Entsetzen zu schildern, als er folgende Zeilen las:
„Mein teurer Georg, mein armes geliebtes Kind!
„Ich leide entsetzlich und muß Dich mit in mein trauriges Verhängniß ziehen. In einigen Tagen erfährst Du Alles. Mache vorher keinen Versuch, eS zu erfahren, komme nicht etwa hierher; ich müßte Dir vorläufig jede Erklärung verweigern. Ich beschwöre Dich bei Allem, was Dir bisher lieb und wert war, bei meiner Liebe und dem Andenken Deines Vaters, meide bis dahin das Haus des Rat Bernau und sieh besten Tochter nicht eher wieder, bis Du von mir hörst. Binde Dich bis dahin, bei Gottes Barmherzigkeit, durch kein Wort, keine Zusage. Meine Kraft ist zu Ende, ich kann nicht mehr. Züme mir nicht, entziehe mir auch Deine Liebe nicht, ich könnnte eS nicht ertragen. Bald wird Dir Alles klar sein.
Deine unglückliche Mutter Marie Hom."
Was sollte ihm eigentlich klar werden, dachte Georg bestürzt, was konnte ste ihm mitzuteilen haben, was hiermit etwas zu thun hatte? Es mußte etwas Außergewöhnliches sein, was seine gute Mutter, diese ruhige Natur, so aus aller Fassung brachte, ste auf seinen Bericht eine solche Entgegnung geben ließ. Wiederholt und mit tiefem Schmerz las er ihre Zeilen, er konnte ihren Sinn nicht enträtseln. Er entsann sich, daß sie ihm einmal früher gesagt, daß sie ihre Lebensgeschichte ausgeschrieben habe, daß ste es jedoch noch nicht an der Zeit hielte, ste ihm mitzuteUen. War dies die verheißene Aufklärung? War ein ihm unbekannter, dunkler Punkt in seiner Vergangenheit, der seiner Liebe hindernd entgegentrat? Doch alles Nachdenken nützte nichts, er konnte eine Gefahr nicht bekämpfen, die er nicht kannte. Er schrieb in diesem Sinn einige Zeilen an seine Mutter, versuchte es, sie zu beruhigen und gab ihr daS Versprechen, weder Rat Bernau noch seine Tochter wieder zu sehen, bis er die verheißene Auftlärung besitze, bat ste jedoch, ihn dieser entsetzlichen Ungewißheit zu entreißen und damit nicht zu zögern. Dann wurde er etwas ruhiger. — ES ist etwas Wunderbares um eines Menschen Herz, eine holde Zauberin schleicht sich unbemerkt hinein, wenn eS vor Schmerz zu brechen droht und stimmt einen Sirenengesang an, besten himmlische Töne es, wenn auch oft trügerisch, umgarnen, jedoch die Trauer, die eS erfüllt, besänftigen. Es ist die Hoffnung, die mit ihrem verklärenden Schimmer in die Seele des Menschen einzieht, wenn er Alles verloren zu haben glaubt, die ihn darauf hinweist, wie viel ihm noch geblieben ist und daß nur der Schiffbruch leidet und in den Wogen des Lebens versinkt, der den Glauben an sich selbst, an die eigne Kraft verloren hat.
(Fortsetzung folgt.)