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JUaröurg, Sonntag, 8. August 1880.
XV. Iahrgiig
GchrMk jcitinig
Anzeigen nimmt entgegen -ie Sxpedtttox d. Blattes sowie d-Annoncen-Bureaux von 0. L. Daube & So. in K:ankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbn.; Hermann'sche Buchhanol. daselbst; Jnvalidendanl in Berlin; W- LhieneS in Merfeld; 6. Schlotte in Bremen.
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«uchdruckerei) bezogen Sh »ark, durch die Postämter d°S Deutschen Reiches 2 Mark 50 . bjdg^ÄJ Bäk Ä
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Die Expev. Oberh. Zeitung.
Deutsches Reich.
Berlin, 6. August. Ein furchtbares Unglück hat gestern Abend unsere Stadt betroffen und speziell über unsere brave Feuerwehr namenloses Elend gebracht. Der Schauplatz der gräßlichen Katastrophe waren die allbekannten akademischen Bierhallen am Hegelplatz, deren Inhaber der Restaurateur Müller ist. Unser Referent war zum Teil Augenzeuge der entsetzlichen Begebenheit und berichtet uns darüber Folgendes: Es war gegen 6 Uhr 45 Minuten Abends, als die im Vorgarten des Restaurants sitzenden Gäste eine dumpfe Detonation hörtm, der ein so starker Luftdruck folgte, daß einzelnen der an der Veranda Speisenden die Teller von den Tischen flogen und sie selbst sich nur mit Mühe auf den Stühlen zu halten vermochten. Gleich darauf brachen aus den unter dem Restaurant belegenen Kellerfenstern und Thüren dicke Rauchsäulen und auch Helle Flammen hervor, während gräßliches Hilferufen aus dem Keller selbst her ertönte. Als man entsetzt hinzu eilte, wurde fcstgestellt, daß zwei Kellner und der Inspektor des Etabliffements im Begriff gewesen waren, aus einem im Keller befindlichen Ballon mit der neu er« undenen Aethersubstanz diese Flüssigkeit in die Röhren risch aufzufüllen. Herr Müller soll aus Sparsamkeitö- itücksichten an Stelle des Leuchtgases einen Versuch mit der neu erfundenen Aethersubstanz haben machen wollen. Diese Arbeit wurde nicht mit der nötigen Vorsicht vorgenommen, jder Ballon explodierte und verbrannte die drei Personen so schrecklich, daß sie wimmernd vor Schmerzen mittelst Droschke nach der Königlichen Klinik in der Ziegel- iraße befördert werden mußten. Die Feuerwehr traf 10 Minuten nach Ausbruch des Feuers ein. Der Angriff mit zwei Schläuchen, deren Wasser von der Frontseite an die Brandstelle gebracht wurde, genügte, um die Flammen zu dämpfen. Um ca. 7 Uhr 30 Minuten war der Brand gelöscht und die Fahrzeuge, bis auf eine Spritze und ein Mannschaftswagen, rückten wieder nach ihren Depots ab. kein Mensch hatte eine Ahnung davon, welche gräßliche
Gesiegt.
Novelle von E. Redenhall. (Fottsetzung)
Auch Dr. Horn konnte die gesuchte Ruhe nicht finden, Achter dachte über den vorangegangenen Abend nach. 8as hatte ihn so hinreißen können, daß er, der sonst so ftrückhaltend in seinen Aeußerungen war, einem jungen Mädchen, mit dem er noch nicht mehr als die gewöhnlichsten Höflichkeitsworte ausgetauscht hatte, seine innersten ^danken auszusprechen. War eö der angeregte Gegen- t»nd, der ihn so erfüllte, daß er dabei ganz vergessen, der seine Zuhörerin war? Dr. Horn dachte stets klar vld gab sich keiner Selbsttäuschung hin; er mußte stch >lsv sagen, daß ihn gerade seine schöne Zuhörerin dazu trmocht hatte. Er hatte sich ihr bisher immer fern gelten, weil er eö nicht liebte, an dem Triumphwagen l»er solch gefeierten Schönheit mitziehen zu helfen, weil 1 diese von der Gesellschaft so verwöhnten Damen alle der Schablone beurteilte; doch wie ungerecht schien m dies, nachdem er Eugenie kennen gelernt, wie ganz »dcrs war sie, als er sich sie gedacht hatte. Er mußte M erst sehen, ob sich dieses Urteil über sie bei näherer ^kanntschaft befestigte und es war wohl nur dieser Wificn- wft wegen, als wir ihn schon nach einigen Tagen im Ntcn Gesellschaftsanzuge im Bernau'schen Hause finden, eR seine Reconnaiffance-Visite abzustatten.
। 3.
lEugenie hatte das ihrem Vater gegebene Wort, ihm gtocr mit gleicher Offenheit zu begegnen, getreulich ge« Ren und ihm stets ihre kleinen Erlebniffe mitgeteilt;
Katastrophe noch bevvrftand; die Bewohner des großen Hauses, in welchem sich das Restaurant befindet und welche beinahe sämtlich angsterfüllt geflüchtet waren, kehrten beruhigt in ihre Behausung zurück, während die Mannschaften des zurückgebliebenen Fahrzeugs unter Leitung eines Oberfeuerwehrmannes im Keller mit Aufräumungsarbeiten beschäftigt waren. Da, um 7 Uhr 40 Minuten ertönte erst ein zweiter leichterer Schlag, dem gleich darauf ein dritter mit gräßlich-donnerähnlichem Krachen folgte, worauf man eine mächtige Feuergarbe aus den Kellerfenstern der Straßen- Front und denen des Hofes, nach wohin die Mannschaften beschäftigt waren, hervorschießen sah. Ein so intensives Schmerzensgeschrei wurde jetzt von der Unglücksstätte aus hörbar, daß jedem einzelnen Menschen aus dem in kolossaler Menge herbeigeeilten Publikum buchstäblich vor unsäglichem Schrecken die Kniee schlotterten. Roch mehrere der Ballons mit der Aethermasse im Keller waren durch einen unglücklichen Zufall explodiert. Nach Verlauf von 3 Minuten nach den Doppelschlägen erschien zuerst ein Feuerwehrmann in der nach dem Hegelplatz zu belegenen Hausthür, rannte über und über mit Blut bedeckt halb wahnsinnig vor Schreck und Schmerzen bis über die Mitte des Platzes und brach dann bewußtlos zusammen. Dann folgten die anderen Opfer des namenlosen Unglücks, sämtlich unserer braven Feuerwehr angehörig. Sie wurden vorläufig in Watte verpackt, von den gesund Davongekommenen herausgetragen, und so entsetzlich und herzzerreißend war das laute, schmerzliche Wimmern der sonst eisenstarken, jetzt bis zur Unkenntlichkeit verstümmelten und verbrannten Männer, daß viele aus dem Publikum vor Mitgefühl laut aufweinten. Sämtliche Verunglückten, mit den Vorgenannten 13 an der Zahl, wurden in Droschken nach der Klinik befördert. Zwei Stunden nach der gräßlichen Katastrophe erhielt unser Referent in der Königlichen Klinik den nieder- drückenden Bescheid, daß nach ärztlichem Befund wohl wenigen derselben wird das Leben gerettet werden können. Eine Bestchtigung der Unglücksstätte zeigt ein so grauenhaftes Chaos von Glas- und Mauertrümmern, von allen möglichen aus- und übereinander liegenden Gegenständen, daß das Auge stch entsetzt abwendet.
Rattbor, 6. August. Heute Nacht ist die Oder ausgetreten und hat mehrere Straßen unter Wasser gesetzt. Große Mafien Getreide treiben vorüber. Die österreichische Post ist ausgeblieben, weil der Eisenbahndamm bei Friedekmistek weggespült ist.
Hamburg, 5. August. Durch das Verschwinden Hafiel- manns ist auch ein Teil des Setzerpersonals in der Druckerei von Dütschke, Ww. Fischler Nachf., in Hamburg, in welcher Hafielmannö Blatt hergestellt wurde, geschädigt worden. Die Hamburger Reform schreibt darüber: Schon lange mußte wegen Beschaffung der Druckkosten manövriert werden, und als endlich die Setzer erklärten, mit dem rück- auch ihrer Unterhaltung mit Dr. Horn erwähnt und wie sehr sie davon interessiert gewesen sei. Auch der Rat sprach sich, nachdem er sich bei dem vorhin erwähnten Besuch mit dem jungen Arzt eingehend unterhalten hatte, sehr vorteilhaft über ihn aus. Dieser verkehrte seitdem oft im Bernau'schen Hause und war ein gern gesehener Gast. Sein ernstes Wesen, sein tiefes Wissen sprachen den Rat ungemein an, ein gewisser Zug von Sympathie war vorhanden, über den er stch nicht klar werden konnte. Die Ansichten defielben, die Art seines Sprechens, selbst der Ton seiner Stimme hatten etwas Bekanntes, Liebes für ihn, eS war ihm stets, als hätte er Alles schon einmal gehört und zermarterte er seine Gedanken und wühlte er in seinen Erinnerungen so verschwand Alles wie ein Schattenbild vor seinen Augen und eö blieb nichts feststehend, als eine flüchtige Aehnlichkeit mit einem Verstorbenen, die ihn bei der ersten Vorstellung so frappiert und so wehmütig gestimmt hatte. ES war ein dämonischer Zug, der ihn zu dem jungen Arzt zog und zu gleicher Zeit abstieß und selbst, als er ein unverkennbares Interesse zwischen ihm und seiner Tochter bemerkte, hielt er sich nicht für berechtigt, dazwischen zu treten; sondern nahm sich vor, es der Zukunft zu überlasten und sich von jeder Einmischung fern zu halten. Er hatte den früheren Egoismus heldenmütig bekämpft und sich an den Gedanken gewöhnt, daß wenn es sich um das Lebensglück feiner Tochter handle, er nicht in Betracht kommen könne. Auch Eugenie war sehr verändert feit Dr. Horn so viel im Hause verkehrte. Sie war zuerst von einem Glück und einer Freudigkeit erfüllt, wie sie bis dahin sie nie empfunden hatte; sie grübelte jedoch nicht weiter darüber nach, sondern gab sich ohne jeden störenden Nebengedanken dem
ständigen Lohne nicht länger warten und auch nicht neuen Eredit dem Redakteur uno Herausgeber bewilligen zu wollen, suchten Letzere dieselben durch Ausstellung von Wechseln in der Höhe von 100 resp. 150 Mark rc. zu beschwichtigen, welche im Laufe dieser Woche eingelöst werden sollten. Am Verfalltage waren die Aussteller, welche im Einverständnisse mit dem Druckereibesttzer direkt mit den Wechsel-Inhabern in Verbindung getreten waren, nicht aufzufinden. Alle Nachforschungen nach den Verschwundenen sind erfolglos gewesen.
Münster, 3. August. Bei der heute stattfindenden Einweihungsfeier des neuen Akademiegebäudes verkündete der Dekan der philosophischen Falnltät, Professor Bachmann, daß durch einstimmigen Beschluß des Senats der Staatsminister Dr. Falk von der Fakultät zum Ehrendoctor der Philosophie ernannt worden, und daß gleichzeitig der Ober- prästvent von Kühlwetter, Realschuldirektor Münch, Domkapitular Lahm und Dr. Weber (Verfasser von „Dreizehn- linden") zu derselben Würde befördert worden seien.
Essen, 4. August. Zu Ende des vorigen Monats hat der neue Direktor des hiesigen Gymnasiums Dr. Pilger eine Schüler-Verbindung aufgehoben, die schon Jahre lang existiert hat. Dr. Pilger ist der Verfasser einer in Berlin bei Weidmann in diesem Jahre erschienenen Broschüre: „Ueber das Verbindungswesen auf norddeutschen Gymnasien", deren authentisches Material von dem Verfaster in den östlichen Provinzen gesammelt ist.
Darmstadt, 5. August. Die Regierung hat angeordnet, daß, wenn ein Schulkind zu einer Gefängnis- oder Haftstrafe verurteilt ist oder eine nicht beizutreibende Geldstrafe durch Gefängnis ober Haft zu verbüßen hat, die Vollstreckung, sofern es die Umstände nur irgend gestatten, während der Schulferien und ohne daß das Kind mit erwachsenen Sträflingen in einen und denselben Raum verbracht wird, zu erfolgen hat, eine Vorschrift, die sich auch für andere Staaten, woselbst auf die fraglichen Punkte bis jetzt keine Rücksicht genommen wird, als nachahmenswert empfiehlt. Ferner hat die Regierung die eingehendsten Dienstvorschriften für die Hülfsbeamtm der Staatsanwalt- schäft erlassen und diesen Beamten zur genauen Befolgung mitgeteilt, wodurch manchen Unzuträglichkeiten für die Zukunft vorgebeugt sein wird.
Stuttgart, 5. August. Aus der Beiziehung deS würt- tembergischen Oberfinanzrats Moser zur Coburger Finanz- Minister-Conferenz hat man den Schluß gezogen, daß die Tabakmonopolfrage daselbst verhandelt worden sei. Wir hören, daß dies ein Irrtum ist. Man hat von dem Tabak- Monopol, als derzeit im Reichstag aussichtslos, in Coburg ganz abgesehen und sich im Wesentlichen auf die Beratung der hauptsächlichsten, noch im Rückstand befindlichen Teile der Steuerreform: Brausteuer, Börsensteuer und Wehrsteuer beschränkt. Richtig ist, daß die Conserenz vom preußischen
Vergnügen hin, das ihr das Zusammensein mit dem Doktor gewährte. Gleichviel ob sie musicierten, oder stch unterhielten, ob er mit seiner wohlklingenden Stimme etwas vorlaö oder mit dem Vater über wissenschaftliche Gegenstände sprach, sie war immer gleich beglückt und von ihm angezogen. Dann war mit ihr eine unverkennbare Wandlung vorgegangen. Ihre oft übersprudelnde Heiterkeit war jetzt mit einem gewissen Ernst und Sinnigkeit gepaart, ihr ganzes Wesen schien an Tiefe zugenommen unb, roenn sie so basaß, ben schönen Kopf auf ble Hanb gestützt unb seinen Erklärungen lauschte, konnte man stch keine reizvollere Erscheinung benken. Ihre Züge hatten einen ebleren, vergeistigteren Ausdruck angenommen, der ihr vortrefflich stand. So ungefähr mußte der Dichter sich wohl eine Judith vorgestellt haben und Dr. Hom konnte stch noch so mit allen Waffen deö Verstandes und der Ueberlegung umgeben, e« nützte nichts, er unterlag doch schließlich dem Zauber, den diese Augen auf Jeden ausüben mußten. Er hatte zuerst geglaubt, daß eö nicht nur die Liebenswürdigkeit und Schönheit der Tochter war, die ihn so anzog; sondern zumeist der Rat dazu beitrug, dessen vielseitigen Kenntnisse und Erfahrungen, dessen ganzer Charakter ihm zur Studie wurde und ihn ungemein interessierte. Doch er, der sich an so strenge Selbst- Überwachung gewöhnt hatte und stets logisch dachte, mußte dies bald als haltlos von stch weisen und so oft er sich auch nach solcher Erkenntnis vornahm und eö als strengste Pflicht erkannte, Eugenie zu meiden, der nächste Tag fand ihn wieder dort und in ihren Fesseln. Indes war eS für ihn zu spät geworden.
(Fottsetzung folgt.)