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xv. Jahrgang

Marburg, Freitag, 6. August 1880

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Bestellungen für die Monate August und

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für ben Kongreß im Ganzen, wie für bereu Abteilungen hinzu unb zeigt hierin, daß er das ganze Gebiet ber Armen­pflege wie ein wirklicher unb vorzüglich geschulter Fachmann beherrscht. Dies wirb auch noch burch den Schluß ber Broschüre bewiesen, wo ber Verfasser in mehreren Beilagen Formulare unb Anweisungen für Rechnungen bes Armen- wesens, Protokolle für Ortsarmenverbänbe unb ben Sta- tutenentwurf für Frauenhilfsvereine ber Oeffentlichkeit über« giebt. Das ganze Werk ist eine so verdienstliche Arbeit, baß ber Verfasser das höchste Lob verdient, unb gelingt es, einen Kongreß für die Armensache zu staube zu bringen, so können die Teilnehmer baran nichts besseres thun, als die Vorschläge des Herrn Doell, bie er in ber vorliegenden Broschüre in bem letzten Abschnitte ausführlich niebergelegt hat, ihren Beratungen zum Grunde zu legen.

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f WW- Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Gxped. d. Oberh. Zeitung.

I U* f -ÜCHIh, lixnit-i, Töln tc.; Rudolf Sfe la SSttlin, Zrartt- 1 fwtt a. M. re.

Gesiegt.

Novelle von E. Rcdenhall.

(Fortsetzung.)

Warum fand man nicht ben Mut in sich, biese Schranken zu burchbrecheu unb ben Inhalt über bie Form iu stellen? Sie nicht zu verbannen; beim sie ist ein not­wendiges Ersorberniß ber Gesellschaft; jeboch ben Wert des Menschen nicht banach zu beurteilen. Solchen Re- foionen schien sich das junge Mädchen mit den glück- kahlenden Augen nicht hinzugeben; sie schien nut Ge­danken dafür zu haben, wie sie ihre Gäste am besten unter­halten könne und wurde in diesem Bestreben von Frau ferner, die in ihrem schwarzen Seidenkleide und der Haube mit den hell lilla Bändern einen sehr angenehmen Ein­druck machte, wirksam unterstützt. ES gelang ihr auch vollkommen und als nach dem Souper musteiert wurde 8nb sie „das Frühlingslied von Mendelsohn" mit ihrer flachtvollen Stimme und tiefer Empfindung zum Vortrag drachte, wollte daö Entzücken kein Enbe nehme.

„Sie fingen wie ein Engel, mein gnädiges Fräulein," sagte der junge Artillerie-Lieutenant, ber in bem Caf« be­reits fein Wohlgefallen über Eugenik geäußert hatte unb M unter ben Gästen war.

. „Erlauben Sie auch mir, Ihnen meinen Dank auSzu- Wecheu, Sie fingen wunderbar schön," sagte in diesem Mgenblick eine klangvolle Stimme und ein seiner Beob­achter hätte ein freudiges Aufleuchten in EugenienS Augen fluterkeit können. Es war Dr. Horn, der, indem er das Ae Wort -nach der Begrüßung an ste richtete, bas be« Er hatte sie, wenn er mit ihr zusammengetroffen, [itn wenigsten von allen anderen Herren beachtet. Ob

ieigen nimmt entgegen: »rötbition d.vlatte»,

Tagesbericht.

Der „Reichs-Anzeiger" veröffentlichte gestern das Gesetz betreffend die Verwendung der aus dem Ertrage von Reichs- fteuerit an Preußen zu überweisenden Geldsummen. Das­selbe trägt das Datum des 16. Juli 1880. Die wesent­liche Bestimmung desselben über die Verwendung ber an Preußen fallenden Reichssteuern, soweit dieselben nicht zur Ueberroeifung eines Teiles der Grund- und Gebändesteuer an die Gemeinden verwandt werden, lautet wie folgt: 1) In so weil der verfügbare Erlaßbetrag zur Deckung des Ausfalles einer ober mehrerer Monatsraten der für bas betreffende Jahr veranlagten Klassensteuer unb der fünf untersten Stufen ber klassificierten Einkommensteuer (d. i. bis zu einem Jahreseinkommen ber Steuerpflichtigen von nicht mehr als 6000 Mark) — unter Berücksichtigung der nach §. 6 des Gesetzes vom 25, Mai 1873 getroffenen Feststellung — zureicht, soll die entsprechende Anzahl ber Monatsraten aller vorgenannten Steuerstufen erlassen werben. 2) Der etwa verbleibende Ueberschuß des Erlaß­betrages ist zum ferneren Erlaß einer Monatsrate der­jenigen von den vorgenannten untersten Steuerstufen zu verwenden, für welche derselbe ausreicht, wobei mit der untersten Klassensteuerstufe anzufangen unb zu der je nächstfolgenden Stufe, demnächst auch in derselben Reihen­folge bei der Einkommensteuer von der ersten bis zur fünften Stufe aufzusteigen ist. 3) In gleicher Weise, wie unter 2 angegeben, ist zu verfahren, wenn der verfügbare Erlaßbetrag überhaupt zur Deckung einer Monatsrate aller unter 1 erwähnten Steuerstufen unzulänglich sein sollte. 4) Der etwaige Rest dieses Erlaßbetrages ist demjenigen des nächsten Jahres zuzusetzen.

Die „Provinzial - Korrespondenz" lenkt die Aufmerk­samkeit des Publikums auf die fortschrittlichen Agitationen, welche neuerdings durch Flugblätter besorgt werden. Sie wendet sich namentlich gegen die tendenziösen Angriffe eines

Zur Armenpflege.

II.

„Sie haben allerdings sehr ideale Begriffe, die das Leben nur schwer erfüllen wird. Doch Ihr Beruf? befrie­digt er Sie?"

„Ob er mich befriedigt? Mehr wie das, er beglückt mich. Dabei bin ich mit Herz unb Seele. Ich kann mir nichts Schöneres beuten, mein gnädiges Fräulein, als ge­rade diesen Beruf. An ein Krankenbett gerufen, blicken trostlose Eltern, eine jammernde Gattin ober sonst nahe Angehörige verzweifelt auf uns, suchen einen Hoffnungs­strahl in unseren Mienen zu finden, daß ber, welcher ihnen so theuer, ihnen nicht entrissen wirb. Sie können sich keine Vorstellung von ben köstlichen Augenblicken machen, wenn wir nach ber Untersuchung des Patienten in uns die Hoffnung fühlen, wir werden, vermöge unserer Wissen­schaft, unter Gottes Beistand dieses Menschenleben retten. Wir wagen es noch nicht auszusprechen, doch die Ver­wandten fühlen mit dem Instinkt, den nur bie Siebe giebt bie Freudigkeit, die uns erfüllt. Die Krisis tritt ein, — der Kranke ist gerettet. Ach, mein gnädiges Fräulein, könnten Sie nur einmal daö Glück und die Befriedigung mitfühlen, bie der Arzt empfindet, wenn er bie Ueberjeu« gung hat, daß er nun daö erlösende Wort sprechen darf; könnten Sie nur einmal die Freudenthränen sehen, die denen entstürzen, die bem Kranken im Leben nahe stehen, wie bie Verzweiflung sich in Glück verwandelt, Sie würden mit mir sagen, es giebt keinen schöneren Beruf, keinen göttlicheren Wirkungskreis, als den des Arztes! Einen solchen Augenblick wiegen Jahre der Enttäuschungen nicht auf!"

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JLuflrtrteS LonntaqSdlatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2« Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Psg. (epcl. Bestellgebühr). — JnsertivnSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für m der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Psg. berechne'.

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, Mir d Annoncen-Bureaux hmittaaz LH. Dietrich & Co. in s Unte>, Mel und Hannover; LH. öffentli* I in Frankfurt a.M.;

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Anzeigen nimmt entgegen die Expeditton b. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfutt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbm; Hermann'sche Buchhaudl. daselbst; Jnvalidendani in Berlin; W- LhieneS in Elberfeld; L. Schlotte in Bremen-

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ber6 lehrreich, inbem ber Verfasser ans seiner eigenen lang­jährigen Thätigkeit für die Armenpflege viele Erfahrungen, die er mit armen und verlassenen, schuldbeladenen unb auch schuldlos verarmten unb elenden Menschen niederge­legt; er schließt bas Kapitel mit den Worten: „Vor der Armenpflege sind alle Hilfsbedürftigen unglücklich und alle Unglücklichen, wie vor dem Arzte alle Kranken, Menschen.

Einen besonderen Abschnitt widmet Herr Doell der Waisenversorgung und er hat sich in langjähriger Thätig­keit als Direktor einer Waisenversorgungsanstalt des Herzogtums Gotha die Berechtigung erworben, hier als Autorität zu sprechen. Er berechnet, baß in ganz Deutsch­land, mit Ausnahme von Bayern, auf welches sich bie Giltigkeit des Unterstütznngögesetzes nicht bezieht jährlich 18,000 Todesfälle vorkommen, durch welche Kinder zu Waisen gemacht werden. „Welche ungeheure Zahl," sagte Herr D.; „sie allein ist der beredteste Fürsprech für die Arbeit auf diesem Felde und für den alsbaldigen Angriff derselben, ohne Rücksicht darauf, ob und in welcher Weise etwa die Reichsgesetzgebung für Versicherungszwang oder sonstige staatliche Institutionen zur Verbesserung des Loses der arbeitenden Klassen eintritt oder eintreten kann."

Herr D. führt als Schwierigkeiten, welche einer Ver­sicherung ber Arbeiter für ihren Todesfall entgenstehen, an, daß die Agenten für den Abschluß kleiner Versicherungs­geschäfte kein Interesse haben und daß die Gesellschaften die Prämien jährlich o:er halbjährig sich voranöbezahlen lassen. Er schlägt daher vor, daß die Gemeinden und die Arbeitgeber sich der Sache aunehmen möchten, daß inson­derheit die Gemeinden die Arbeiter nötigen sich zu ver­sichern und daß ste Hebestellen für die Versicherungssummen einrichten, sowie daß sie im Einverständnisse mit Fabrik­besitzern Einrichtungen treffen, daß die Versicherungsprä­mien in Teilzahlungen bei jeder Löhnzahlung aufgebracht und bann jährlich an bie Versicherungsagenten abgeführt werben. Auch würben Sparkasfen unb Gewerbebanken, wo solche bestehen, zur Hinterlegung von Einzelbeträgen dienen können. Von den bestehenden Anstalten für Waisenpflege müßte allerdings, fährt Herr D. fort, eine Mitwirkung insofern erwartet werden, als die Versicherung einer Fa­milie nicht von ihnen als berechtigter Grund angesehen würde, die Versicherten von den Wohllhaten bestehender Stiftungen auszuschließen. Endlich aber müßten mittels Landesgesetz Anordnungen getroffen werden, durch welche die betreffenden Versicherungssummen ihrem eigentlichen Zwecke gesichert blieben, nämlich: Außerkurssetzung solcher für Waisenversorgung ausdrücklich bestimmter Policen. — Der fünfte und letzte Abschnitt behandelt die Organisation der Armenpflege oder vielmehr den Weg, wie mittels eines Kongresses die amtliche und freiwillige Armenpflege zu einem gedeihlichen Zusammengehen gebracht werden könne. Der Verfasser fügt auch gleich die BeratungSgegenstLnde

grabe bies ihr Interesse reizte, ob ste wünschte baß es an« bers sei.--Sie wußte es selbst nicht; boch Thatsache

ist, baß seine Ansprache sie sichtlich erfreute.

„Sie sinb sehr nachsichtig, Herr Doktor," erwiberte Eugenie befangen, „unb beschämen mich durch ihr Lob."

„Nein, das bin ich nicht, ich bin im Gegenteil ein ge­fürchteter Kritiker und geißele fchonungslos jeden Fehler. Selbst etwas musikalisch, kann ein Mißton mich zur Ver­zweiflung bringen."

„Nur In ber Musik?" fragte Eugenie, „ober urteilen Sie immer so unbarmherzig? Regt Sie auch im gewöhn­lichen Leben jeder Accord, der nicht voll und rein ertönt, auf?"

„Nein, mein gnädiges Fräulein, wo wäre dann die Ruhe, die ich als Arzt so nötig brauche I Ich bin dazu auch zu intereffelos für Alles, was mir fern liegt; ich be­merke die Dissonanz gar nicht."

„Was Ihnen fern liegt, Herr Doktor, Sie haben aber doch sicher Beziehungen, die Sie näher berühren, wenn sich da in die Harmonie ein falscher Ton einschliche?

„So nah' im Leben steht mir nur ein Mensch, das ist meine Mutter unb ba klingt ja ber Ton hell unb klar, wo ich ihn auch anschlage."

„Haben Sie keine Geschwister, keine Freunbe?"

„Nein, Erstere — hatte ich nie. Freunde--- —,

Bekannte, bie sich so nennen — Viele. Was ich jeboch barunter verstehe, Keinen. Die Ansprüche, bie ich an ihn stelle, ben ich so nennen würbe, sind vielleicht übertrieben unb stehen vereinzelt ba; aber baS kann mich nicht beirren. Ich habe einen hohen Begriff davon und halte den für glücklich, ber einen wahren Freund, so wie ich ihn mir denke, fein eigen nennt 1 —

un£September auf die

Auf­zarbeit in der [2297 x »er«

mit deren Gratisbeilage

Hott MustrirteS Sonntagsblatt bitten wir baldigst bei den Postanstalten machen

Anschließend an die Geschichte ber wohlthätigen grauen« vereine führt ber Verfasser der belegten Broschüre im Netteren aus, wie bie Erfahrung gelehrt habe, daß die Krankenpflege allein bie Thätigkeit ber Frauenvereine nicht Mülle unb daß, um die innere Kraft der Vereine ge­sund zu erhalten, Armen« unb Krankenpflege ungeteilt geübt mrden müsse. Dies führe zu einet Organisation ber ge« Wichen und freiwilligen Armenpflege, ebenso roieein all« jeitiger Erfolg nur in der gemeinschaftlichen, sich ergänzenden

Iran i Arbeit der Frauen und Männer zu erwarten sei. Wäh- tu,l) mrd die Frauen teilnehmender, feinfühlender, geduldiger und zäher in der Ausdauer seien, fehle es ihnen häufig an dem ordnenden, formen- und gefchäftssicheren Elemente. — In einem ferneren Abschnitte beantwortet Herr Doell die beiden Fragen:^„Wer ist hilfsbedürftig im Sinne des Gesetzes?" und: „Wer ist hilfsbedürftig im Sinne werk- lhätiger Menschenliebe?" Die erste Frage beantwortet der Verfasser so: „Im Sinne deö Gesetzes ist Jeder, ohne Rücksicht auf die Ursache, als hilfsbedürftig anzusehen, »eichet sich in einem Zustande befindet, in welchem zu seinem oder feiner Familie unentbehrlichen Lebensunter­halte fremde Hilfe durch Vermittelung der Obrigkeit not­wendig ist. Dagegen ist nicht nur Jedermann für eine aus öffentlichen Mitteln empfangene Unterstützung ersatz­pflichtig, die Verletzung der Pflicht der Selbsterhaltung durch Spiel, Trunk oder Müßigang ist auch außerdem mit nachdrücklicher Strafe bedroht." Die zweite Frage aberfindet folgende Beantwortung: „Die freiwillige Arbeit der Armenpflege beginnt da, wo die gejetzliche Armenpflege auf« hört. Diese hat die dauernd nötige und durch's Gesetz bestimmt vorgeschriebene, jene die nur vorübergehend erforderliche Hilfe zu gewähren." 2) Ferner: „Wie vor dem Arzte alle Kranken, fo sind vor der Armenpflege alle Hilföbedürf- tigen Menschen." Dieser Abschnitt der Schrift ist beson-