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Marburg, Donnerstag, 5. August 1880

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Gesiegt.

Novelle von E. Redenhall.

(Fortsetzung.) ~

Während dieser Zeit ging der Rat in seinem Studier­zimmer verdrießlich auf und ab. Er machte sich Vorwürfe, seinen Prinzipien untreu geworden zu sein. Er, der nur stets für sich und in einem kleinen Kreise ernster Manner verkehrt hatte, besuchte jetzt nicht nur Diners und Soupers, sondern gab nun selbst eine große Gesellschaft. Er kam sich in der Rolle, die er dabei zu spielen hatte, höchst lächerlich vor; er war unzufrieden mit sich selbst, daß er sich von seiner Tochter und Frau Werner dazu hatte über­reden lassen. Sie hatten ihm die Notwendigkeit davon so überzeugend nachgewiesen, all' seine Einwände so beharrlich widerlegt, daß er nachgegeben hatte. Jetzt mißbilligte er seine Schwäche und befand sich in einer Aufregung, die der eines jungen Mädchens gleich kam, die den ersten Ball besuchen will. Es war aber nichts mehr zu ändern, er wußte seine Verstimmung verbergen, um die Freude seiner Tochter nicht zu stören. Als dieselbe eine Stunde später bei ihm eintrat, empfing er sie ganz vergnügt. Er war bereits umgekleidet und der feine schwarze Gesellschaftsanzug ließ seine stattliche Figur noch vorteilhafter erscheinen. Ein wohlgefälliges Lächeln glitt über seine Züge, als sein Blick »uf die schöne Erscheinung fiel, die so strahlend und glück­lich vor ihm stand. Eugenie sah in der That reizend aus. Ein mattgelb seidenes knappanschließendeS Kleid brachte ihre vollendet schönen Formen zur Geltung, der blendend weiße Hals und die vollen Arme waren unverhüllt und bie dunkelroten Blumen, die sie im Haar trug, ließen dieses Noch schöner erscheinen.

derheit auch den Herren, welche in freier Thätigkeil bereit waren, ihre Kenntnisse und ihr sachverständiges Urteil dem Interesse der Anstalt dienstbar zu machen; er gebührt endlich nicht minder Allen, welche derselben durch Schenkungen und Zuwendungen, sowie in anderer Weise förderlich gewesen sind.

Die Thatsache, daß die Koburger Konferenz nur drei Tage gedauert hat, würde an sich kein Grund sein, ihren Erfolg in Frage zu stellen, da auch die Heidelberger Kon­ferenz vor zwei Jahren nur vom 5. bis 8. August währte und die damalige Aufgabe, dem Reich 200300 Millionen neue Einnahmen zu verschaffen, jedenfalls schwerer war, als die heutige, bei welcher es sich nur um die Ergänzung der in der Session von 1879 gemachten Bewilligungen handelt. Dazu kommt, daß es 1878 die ernstliche Absicht des damaligen Finanzministers Hobrecht war, durch Eröff­nung anderer Einnahmequellen das Tabakmonopol fernzu­halten, während es sich heute vielmehr umgekehrt darum zu handeln scheint, das Tabakmonopol durch Scheinprojekte, mit denen es niemand Ernst ist, zu maskieren. Ueber- haupt pflegen fruchtlose Verhandlungen nicht gerade die kürzesten zu sein. Wenn der Zusammenkunft die Qualifikation derZollkonferenz" zugeschrieben werden muß, was nach unseren Informationen der Fall ist, so hat dieselbe keine Mehrheitsbeschlüsse fassen können. ES wäre daher möglich, daß dieselbe formell kein Ergebnis geliefert hätte, während doch den beratenen Maßregeln eine hinreichende Mehrheit im Bundesrate gesichert wäre. Wenn man indes sachlich die einzelnen in Frage kommenden Möglichkeiten überblickt, so ist es schwer zu sagen, worin die Konferenz einen nenneswerten Erfolg gehabt haben sollte. Die Heidelberger Abmachungen haben dadurch einen Riß erhalten, daß der Reichstag die Regierungsvorschläge bezüglich des Tabaks und der übrigen Finanzzölle beträchtlich herabsetzte. Auf diese Vorschläge wird man doch wohl nun bezüglich des Tabaks zurückkommen wollen und da ist es das Unwahr­scheinlichste von allem, daß mau dem Monopol noch ein­mal durch eine Tabakssteuer den Weg versperren möchte. Wenn schon, dann schon" wird hier die Losung sein. Von anderen Steuerobjekten können nur da Börse- und Wehrsteuer aus der Zuständigkeit der Zollkonferenz herauöfallen Bier und Branntwein in Betracht kommen. Hier liegt nun die Sache so, daß Bier in den Südstaaten viel höher, der Branntwein aber beträchtlich niedriger be­steuert ist, als im ehemaligen norddeutschen Bunde. So lange eine Ausgleichung dieser Verschiedenheit nicht herbei­geführt ist, würde eine Erhöhung dieser Steuern für die Bier- und Branntweinsteuer-Gemeinschaft nur dahin führen, auch die Averstonalsummen der süddeutschen Staaten zu erhöhen, d. h. die finanziellen Schwierigkeiten derselben zu vermehren statt zu vermindern. Das war der Grund,

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»«zeigen nimmt entgegen: sie Expedition d.vlatte», [owte b.V nn-mcrn-Bareanr t>on Th, D.etrich & Co. in gaffet und Hannover; Th. Dietrich in v m» u..a.M.; paasenfiel i & Vogler in Hranlfn- c. M , Berlin, z-ipzig, Cöln re.; Rudolf Woffe in Bert«, Fraui» surt a. M il

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Tagesbericht.

Der gestrigen Feier des fünfzigjährigen Bestehens der königlichen Museen in Berlin wohnten der Kronprinz und die Kronprinzessin, Prinz Wilhelm, die Minister Hofmann, v. Stosch, Friedberg, Bitter und Dr. Lucius, sowie gegen 200 Notabilitäten bei. Auf die Festrede des General- Direktors Schöne erwiderte der Kronprinz: Mir selbst ist es seit meiner Bemfung zum Protector eine Ehre und Freude gewesen, an der Sorge um die Entwickelung der königlichen Museen unmittelbar Anteil zu haben. Ich kann mir daher nicht versagen, auch meinerseits den Männern, ; mit welchen mich durch eine Reihe von Jahren ein gemein- 'sames Wirken verbunden, in dieser Stunde zu danken. Wir wissen und haben eben aufs Neue vernommen, wie in den Tagen unseres größten nationalen Unglücks, als Alles zu wanken schien, der Gedanke an die idealen Ziele der Men­schen sich schöpferisch stark und lebendig erwies. Dankbar dürfen wir heute genießen, was die gmndlegende Arbeit jener trüben Zeit geschaffen. Aber wir werden dieses Ge­nusses nur froh, wenn wir auch der Verpflichtungen ein­gedenk sind, die er uns auferlegt. ES gilt heute vielleicht mehr denn je, an unseren idealen Gütern festzuhalten und die Erkenntnis ihres Wertes und ihrer rettenden Macht unserem Volke mehr und mehr zu erschließen. Diese An­stalt soll nichts Anderes sein als eine Sammlung des Schönen aller Zeiten zum Nutzen und Frommen der ganzen Nation. Mein Wünschen und Streben wird ferner alle Zeit darauf gerichtet sein, sie ihren hohen Zielen zuzu­führen in dem Sinne und Geiste, dem sie ihre Begründung verdankt. Der Kaiser beauftragte Mich, die lebhafte Teil­nahme auszudrücken, welche er der heutigen Feier entgegen­bringt und zugleich Anerkennung und Dank Allen auözu- sprechen, welche sich um die Leitung des von Seinem in Gott ruhenden Herrn Vater begründeten Instituts verdient gemacht haben. Dieser Dank gebührt der früheren und jetzigen Verwaltung und ihren sämtlichen Beamten, inson-

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Brila;«JAuftrirteS SonntagStlatt" durch die Sxvedition (K o ch'fche Buchdruckerei) bezogen 2'a Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellzeb ch ). Infi ionSgebühr für die gespaltene Zelle 10 Psg. Für in der Expedition zu er geilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. betea#re.

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Nun Papa" hob sie an,ich bin ganz erfreut und erstaunt, Dich schon in Leibrock und weißer Weste zu fin­den und mache Dir über Dein Aussehen mein Kompliment. Doch wie gefalle ich Dir, hat meine Toilette Deinen Bei­fall?"

Du siehst sehr gut aus, mein Kind," sagte er, sie zärtlich anblickend.Du wirst wie immer die Königin des Festes sein." In diesem Augenblick, sie wußte selbst nicht wodurch, durchzuckte Eugenie der Gedanke, wie unan­genehm ihrem Vater doch eigentlich diese Gesellschaft mit all ihren Störungen sein müsse und daß er wohl auS Liebe zu ihr ein großes Opfer bringe. Hatte sie ihn erst darum gebeten, so bereute sie es jetzt und dieser plötzlichen Regung folgend, rief sie:

Ach, Du bist doch der beste, liebevollste Papa, den eS giebt. Verzeihe mir, daß ich Dich zu diesem Fest ver­anlaßt habe," und ohne dabei an ihre Toilette zu denken, fiel sie ihm stürmisch um den Hals.

Frau Werner hätte sich sicher wie Niobe in Stein verwandelt, hätte sie gesehen, wie all' die Tüllpuffen, die am Kleide angebracht und von ihr so kunstvoll aufgezupft waren, dieser Umarmung rettungslos zum Opfer fielen. Doch das störte das junge Mädchen nicht und sie hatte vielleicht nie schöner auSgesehen, als in diesem Augenblick.

Beruhige Dich darüber, mein Kind", erwiderte der Rat in freundlichem Ton, indem er ihr mit der Hand sanft über daS liebliche Gesicht strich; es ist nur das Ungewohnte, daS mich dabei inkommodiert. DaS hat aber nichts zu sagen. Amüsiere Dich nur gut und sei rechts heiter; dann bin ich hinlänglich entschädigt. Ich glaube", fügte er hinzu, indem er auf die Uhr sah,eS ist Zeit, daß wir uns in den Salon begeben."

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ioo; i.bitten wir baldigst bei den Postanstalten machen

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst.; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W- ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Breme».

warum das bisherige Brausteucrprojekt einer geschlossenen Gegnerschaft von süddeutscher Seite begegnete und diese würde nur gehoben werden können, wenn für das ganze Reich ein den höchsten süddeutschen noch übersteigender Brausteuersatz cingeführt werden sollte für Süddeutsch­land schon ein fragwürdiges, für Norddentschland ein ab­solut unmögliches Projekt. Gegen das Verlangen der Branntweinsteuer - Erhöhung war der wesentliche Einwand des Unterstaatssekretärs Scholz, daß dadurch die Disparität gegen die süddeutschen Sätze nur noch größer und es den Südstaaten nur noch schwieriger würde, die Ausgleichung anzubahnen. Trotzdem wird mit gutem Fug berichtet, daß der Chef der deutschen Finanzverwaltung dasselbe Projekt, welches er am 11. März für so aussichtslos erklärt hatte, am 28. Juli gleichwohl in Koburg vorgelegt habe, trotzdem er wissen mußte, daß dasselbe keinenfallö der Sympathie der süddeutschen Konferenzmitglieder begegnet. Es kann hierdurch die Annahme nur an Gewicht gewinnen, daß von Seiten Preußens und des Reichs derartige Projekte ange­regt wären, nur um sich beim Reichstage über deren Un­möglichkeit ausweisen zu können.

Gegen die Schülerverbindungen auf höheren Lehran­stalten hat auch der Minister des Innern einen Erlaß gerichtet. Derselbe lautet:In den letzten Jahren ist an verschiedenen Orten die Erscheinung hervorgetreten, daß unter den Schülern der oberen Klassen der höheren Lehr­anstalten ohne Genehmigung der Schulbehörde Verbindun­gen bestehen, deren Bestrebungen ihre Teilnehmer den wissenschaftlichen und sittlichen Zielen der Schule ent­fremden. Je schädlicher dieses unerlaubte Verbindungs­wesen für die Bildung der Jugend ist und je tiefer das­selbe in die Wohlfahrt nicht blos der Schüler für jetzt und ihre Zukunft, sondern mittelbar auch der beteiligten Familien und selbst des Staates eingreift, desto dringendere Veranlassung liegt vor, hiergegen mit allen zulässigen Mitteln einzuschreiten. Wenn auch die Ueberwachung der Führung der Schüler und die Bekämpfung des Verbindungswesens unter denselben zunächst der Schul­behörde zufällt, so ist doch den Polizeibehörden zur Pflicht zu machen, thunlichft der Schulbehörde dadurch Beistand zu leisten, daß sie den in die Oeffentlichkeit tretenden Excessen der Schüler, namentlich den Trinkgelagen derselben, entgegentreten und die zu diesem Zweck erfor­derlichen Maßregeln ergreifen, beziehungsweise durch ihre Organe die Maßregeln der Schulbehörde unterstützen. In mehreren Regierungsbezirken bestehen bereits Polizei­verordnungen, welche den Gast- und Schankwirten verbieten unerwachsenen Personen, besonders Schülern, wenn sie sich nicht in Begleitung ihrer Eltern, Vormünder oder Lehrer befinden, Speisen oder Getränke zum Genüsse in ihren Lokalen zu verabreichen. Die Zulässigkeit des Er

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Etwas später empfingen sie die ersten Gäste. Auch Dr. Horn hatte eine Einladung erhalten. Bald nach seiner Niederlassung hatte er bei Rat Bernau seinen Antrittsbe­such gemacht, war auch hin und wieder in Gesellschaft mit ihm zusammengetroffen. Wenn auch derselbe immer in rätselhafter Weise durch die Erscheinung des jungen Arztes an die Vergangenheit erinnert und dadurch verstimmt wurde, so hatte er dies, da das, was ihm von den Verhältnissen desselben bekannt war, so wenig Anhalt geboten, als eine thörichte Einbildung zu überwinden gesucht. Er mußte Dr. Horn, als er ihn näher kennen lernte, hochstellen und konnte ihm seine Achtung nicht versagen.

Das Fest verlief ebenso glänzend als heiter, der Rat bezauberte seine Gäste durch seine Liebenswürdigkeit und seinen Geist. Von dieser Seile kannte man ihn noch gar nicht und fühlte sich um so angenehmer davon angeregt. Niemand ahnte, daß diese Heiterkeit nur Maöke war und wie wertlos und kleinlich ihm dies Alles erschien. Wenn man seinen Blick über diese glänzende Gesellschaft schweifen ließ, konnte man sich des Gedankens nicht erwehren, wie viele Heuchelei und Falschheit hinter dem Schleier verborgen war, den Konvenienz und gesellschaftliche Formen vorzogen. Wie bestand diese sogenannte gute Gesellschaft doch zum Teil aus Elementen, deren Unterhaltung darin bestand, sich gegenseitig etwas vorzulügen. Wie wenig wurde auf den Kern gesehen, wenn die Umhüllung nur elegant und von tadelloser Form war und gab man sich wirklich Mühe, denselben herauözufinden, so war er oft schon davon so überwuchert, daß sein bester Teil verloren gegangen und das Finden dann nicht mehr des Suchens wert war.

(Fortsetzung folgt.)