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Marburg, Dienstag, 3. August 1880
xv. Mrguog
Laz eigen nimmt «ngegen: hie Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureaux ooa Th> Dietrich & So. in staffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a.M.; üaasenstein & Bögler in zrankfurt a. M., Berlin, gtipiig, CLln re.; Rudolf zstoffe in Berlin, Frankfurt a. Ak- ic
WcrlicsMt JeitiiW
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Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.
Zur Armenpflege.
L
Wichtiger als alle auswärtigen Fragen, welche tagtäglich von den Blättern so ausführlich behandelt werden, sind die Fragen, die unser inneres Staats- und Volksleben betreffen. Zu diesen gehört vor allen die Armenpflege und Armensachenverwaltung und es ist wahrlich ein verdienstvolles Unternehmen, sich die Behandlung dieser Frage zur Lebensaufgabe zu machen. Dies Verdienst hat sich Herr A. Doell in Bremen, früher Vorsteher der städtischen Armenpflege in Gotha, erworben und seine Bemühungen um die große Sache der Armenpflege und seine Vorschläge sind um so wertvoller, als sie auf praktischen langjährigen Erfahrungen beruhen und die Hoffnung und Aussicht auf Erfolg in sich tragen. Herr Doell hatte schon im vorigen Jahre durch eine literarische Arbeit eine Anregung zu einer Reform der Armenverwaltung und der Armenpflege gegeben; diese Anregung ward von einigen Magistraten und Armenpflegbeamten wohlwollend ausgenommen und eö scheint nunmehr die Aussicht vorhanden zu sein, daß im Herbst dieses Jahres ein Congreß von deutschen Gemeindebehörden und Vertretern freiwilliger Armenpflege zu stände kommen werde, auf welchem das für das Gemeindeleben so hochwichtige Thema einer gründlichen Beratung unterworfen werden dürfte. Herr Doell hat eS demnach noch für nötig gehalten, in einer Broschüre das hochwichtige Thema eingehend abzuhandeln und dem Verständnis des größeren Publikums näher zu bringen. Diese Schrift hat den Titel: „Die Reform der Armenpflege, Untersuchung über die Handhabung der Unterstützungsgesetze und Vorschläge zu einer Organisation der amtlichen und der freiwilligen Armenpflege." (Bremen, Verlag von C. Schünemann.)
Die Schrift beginnt mit dem Hinweis auf das Reichsgesetz über den Unterstützungswohnsitz, welches zwar das Heimatswesen regelt und seine Ueberwachung einem beson-
Gesiegt.
Novelle von E. Redenhall.
(Fortsetzung.)
„Sprechen wir nicht weiter davon. Ich werde mich daran gewöhnen müssen, Dich von aller Welt bewundert zu sehen. Sei dem alternden Mann nicht böse, der den eigenen Egoismus über das Glück seines Kindes stellt. Viel TrübeS hat ihn dazu gebracht, der Rückblick in die Vergangenheit ist kein freudiger und er klammert sich an das einzige Besitztum, das ihm stets Glück und Freude gebracht hat wie der Ertrinkende an den letzten Strohhalm."
„Aber Papa", viel Eugenie erregt ein.
Versprich mir eines, mein Kind," fuhr er fort. „Ich habe stets Dein volles Vertrauen beseffen, verbirg mir auch in Zukunft nie etwa». Laffe mich immer wie bisher tn Deiner Seele wie in einem offenen Buche lesen und überschlage keine Seite darin, wenn Dir der Inhalt derselben einst für mich nicht geeignet erscheint. Versprichst Du mir dies?"
„Mit Herz und Hand, lieber Papa Doch was stimmt Dich heute so besonders ernst und traurig ? Das kann doch unmöglich mit meiner Erzählung zusammenhängen. Was hat Deine Vergangenheit so trübe gemacht? Du hast Wit außer dem Tode meiner Mutter, die bei meiner Geburt ihr Leben aushauchte, noch niemals etwas von Dir erzählt. Hältst Du mich, mit der Du jede Freude teiltst, für so Oberflächlich, daß Du glaubst, daß ich nicht auch Verständniß Mr Dein Leid hätte?
„Dies paßt nicht in Dein fröhliches sonniges Leben. Dr. Horn ( ja auch auf mich einen sehr angenehmen Andruck gemacht hat, erinnerte mich durch einen Zug in
deren Bundesamte übertrug, nicht aber zugleich sich auf die Organisation der Armenpflege bezog. Rach jenem Reichsgesetze soll jeder Hilfsbedürftige von demjenigen Orts-Ar- menverbande unterstützt werden, in dessen Bezirk er sich bei dem Eintritt der Hilfsbedürftigkeit befindet; die Art aber und das Maß der Unterstützung sollen die Landesgesetze bestimmen. Die später erlassenen Ausführungsgesetze fassen die hierauf bezüglichen Verpflichtungen der Ortsarmenver- bände (Gemeindevorstände) in der Hauptsache dahin zusammen, daß dem Hilfsbedürftigen Obdach, der unentbehrliche Lebensunterhalt, die nötige Hilfe im Erkrankungsfalle und nach seinem Ableben ein angemeffeneS Begräbnis zu gewähren sei. Der Verfasser weist dann an der Hand eigener Erfahrungen nach, wie mit diesen allgemeinen Bestimmungen für die Gemeindearmenpflege nichts anzufangen sei, nicht nur wegen ihrer Unbestimmtheit und wegen der großen Verschiedenattigkeit der Lebensverhältnisse der einzelnen Menschen, sondern auch weil zur Ausübung der Armenpflege nicht überall geschulte Beamten angestellt werden könnten und an vielen Orten Stiftungen, Anstalten, Vereine rc. die strikte Anwendung der genannten Vorschriften schwierig oder unmöglich machten. Dazu kommen die Schwierigkeiten, welche der Mangel der durch das Gesetz vorgeschriebenen Einrichtungen an Oertlichkeiten für Kranke und Obdachlose und das Fehlen von ärztlicher Hilfe an kleinen Orten und in armen Gemeinden verursacht, und die nur gehoben werden können durch eine Gemeinsamkeit deS Wirkens der Gemeinden. Ein anderer Schaden für die Ausführbarkeit des UnterstützungSwohnsitz-GesetzeS ist das Vagantenwesen, daS nicht blos von Handwerköburschen, sondern auch von anderen Personen getrieben wird. Dies Vagantenwesen schildert Herr Doell mit lebhaften, der Wirklichkeit entnommenen Farben und beklagt es besonders, daß durch die vagierende Bevölkerung die öffentlichen Krankenanstalten auf Unkosten der HeimatSgemeinden so stark frequentiert werden, und zwar häufig von Simulanten, die sich gern auf allgemeine Unkosten verpflegen lassen. — Im folgenden Abschnitt bespricht der Verfasser die freiwillige Armenpflege und empfiehlt, daß der Staat durch seine Organe nur die Bahn frei halte, die Hindernisse beseitige, die Ordnung überwache, im übrigen aber das Volk selbstschaffend gewähren lasse; er wefft zu dem Zwecke auf die freiwillige Vereinsthättgkeit hin, die in den letzten Kriegen bewiesen hat, wie großes sie zu schaffen im Stande ist, und gezeigt hat, daß die Arbeit werktätiger Liebe sich nicht an politische Grenzen bindet. Er erinnert ferner an all die Männer- und Frauenvereine, die zu vielerlei Zwecken der Wohlthätigkeit feit 50 Jahren gegründet worden sind und mit Segen gearbeitet haben und giebt eine Geschichte der Francnvercine, die mit der Vereinigung aller unter dem Protektorat der Kaiserin stehenden deutschen Frauenvereine abschließt, an deren Spitze der „Vaterländische
einem Gesicht an einen teuren Freund, den ich einst be- essen und früh verloren habe. Der Gedanke an ihn er- üllt mich immer mit großem Schmerz und dies, ich gebe es zu, mag wohl die Schuld an meiner Erregung getragen haben. Laß Dich jedoch dadurch weiter nicht verstimmen. Sei heiter und fröhlich. Du bist ja der Sonnenstrahl in meinem einsamen Leben. Ich laffe Dich jetzt allein, ich habe noch einen Gang zu machen. Adieu, mein Kind," und sie zärtlich in seine Arme schließend, verließ er da» Zimmer. —
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Während Eugenie ihrem eigenen Nachdenken überlasten blieb, war in einem der elegantesten Kaffees die jeunesse ioree der Stadt B. versammelt.
„Eine famose Erscheinung, auf Ehre! diese Bernau," sagte ein junger Artillerie-Lieutenant in schnarrendem Tone.
„Eine vollendete Schönheit, ich habe noch nie ein so klassisches Profil, so schöne Augen gesehen," fiel Assessor R. ein und strich sich wohlgefällig seinen blonden Schnurrbart.
„Der alte soll sie wie ein Cerberus bewachen und sie nur ungern in die Gesellschaft eingeführt haben," sagte ein Dritter.
„Sie ist in dieser Saison der glänzendste Stern an unserm GesellschastShimmcl und wird viel umworben werden. Das wird der Alte nicht verhüten können," sagte Referendar G., der erste Liebhaber aller DUettanten-Vor- stellungen.
So wurde viel hin und wieder gesprochen ; Alles jedoch drehte sich um die neue Erscheinung Eugenie Bernau, die bisher fast Allen noch unbekannt geblieben war. Nur ein
Frauenverein" steht, dem sich unter dem Zeichen des roten Kreuzes folgende Vereine angeschlosten haben: die Frauenvereine im Herzogtum Anhalt, im Großherzogtum Baden, der bairische Frauenverein, diejenigen im Herzogtum Braunschweig, in Bremen, im Herzogtum Gotha und in Hamburg, der hessische Alicen-Berein, die Frauenveretne in den beiden Lippe und im Großherzogtum Oldenburg, der sächsische Albert-Verein, die Frauenvereine im Herzogtum Waldeck und im Großherzogtum Weimar, endlich die Centralleitung des würtembergischen WohlthätigkeitsvereinS.
Deutsches Reich.
Berlin, 30. Juli. Da gegenwärtig die Herbstprü- fungen zu dem einjährigen freiwilligen Militärdienst bevorstehen, so sei auf eine weniger bekannte Vorschrift der Ersatzordnung hingewiesen, wonach von dem Nachweise der wissenschaftlichen Befähigung befreit werden können und dennoch zum einjährigen Dienste zugelassen werden: junge Leute, welche sich in einem Zweige der Wissenschaft oder Kunst oder in einer anderen, dem Gemeinwesen zu gute kommenden Thätigkeit besonders auszeichnen; kunstverständige und mechanische Arbeiter, welche in der Art ihrer Thätigkeit Hervorragendes leisten; endlich zu Kunstleistungen angestellte Mitglieder landesherrlicher Bühnen. Diese Bestimmungen gelten im ganzen deutschen Reiche. — Die Mitteilung, daß der frühere Staatssekretär Herzog erklärt habe, er werde nach seinen in Straßburg gemachten Erfahrungen in den Staats- oder Reichsdienst nicht wieder eintreten, entbehrt durchaus jeder Begründung. Wie der „Frkf. Ztg." als bestimmt mitgeteilt wird, hat in der ganzen Affaire nicht der geringste Zwiespalt zwischen dem Reichskanzler und Herrn Herzog obgewaltet, und es wäre daher falsch, den letzteren in die Kategorie derjenigen Beamten zu versetzen, welche, wie Delbrück, Camphausen, Graf Arnim rc., nach ihrem Austritt au8 dem Dienste jene bekannte Behandlung seitens des Reichskanzlers erfahren haben. Herzog mußte demissionieren, heißt es weiter, weil man sich an Allerhöchster Stelle gegen ihn und für Manteuffel entschieden hatte, allein er gehört auch nach seinem Ausscheiden zu den bevorzugten Schützlingen des Kanzlers, und es wird wohl sein Name noch oft genannt werden, wenn es sich um die Vakanz eines Portefeuilles oder einer anderen hohen Stellung handelt. — Die „Kreuz- Zeitung" erörtert die Frage, ob die wirtschaftlichen Angelegenheiten notwendig eine Spaltung der nationalliberalen Partei zur Folge haben müßten. Mit der N. L. K. stimmt sie darin überein, daß die Zollfragen „eine tiefer gehende Scheidung der Geister" nicht zur Folge zu haben brauchen. Auf alle wirtschaftlichen Fragen angewandt, sei der Satz aber in dieser Allgemeinheit, in einer Zeit, die ihren Beruf in der Reform der auf diesem Gebiete herrschenden Zustände sieht, durchaus nicht richtig und am
junger Mann saß ruhig, den Rauch seiner Cigarre in die Luft blasend, dabei und sagte kein Wort dazu.
„Nun lieber Doktor, Sie sind ja so schweigsam", ergriff Assessor R. wieder das Wort. Teilen Sie unfern Geschmack denn nicht?"
„Ganz sicher ist Fräulein Bernau ein sehr schönes Mädchen," erwidette der also Angeredete; „doch ich stelle die Schönheit nicht hoch, wenn sie nicht auch mit anderen Vorzügen gepaart ist. Ein solches Urteil läßt sich aber nach so oberflächlicher Bekanntschaft nicht feststellen." Damit brach er das Gespräch ab, das sich nun auf anderen Gebieten bewegte.
Der junge Mann, der so reserviert seine Meinung geäußert hatte, war Dr. Horn, derselbe, der unbewußt Anlaß zu dem erregten Gespräch zwischen Vater und Tochter gegeben hatte. Es war eine Erscheinung, die nicht leicht Übersehen werden konnte und überragte die anderen Herren der Gesellschaft, die keineswegs klein zu nennen waren, wohl um Kopfeslänge. Sein Gesicht hatte einen etwas gelblichen Teint, feine schwarzen Augen blickten bald feurig, bald schwärmerisch und ein Zug von Ernst und Nachdenken war ihm unverkennbar eigen. Blauschwarzes glänzendes Haar fiel etwas' gelockt über die leicht gewölbte Stirn und ein wohlgepflcgter Schnurrbart umgab die fest geschloffenen Lippen, die von Willenskraft und Energie zeugten. Vollendet schöne Hände und ein gewißes etwas im Aeußeren, sowie in der ganzen Art, sich zu geben, daS sich so schwer motivieren läßt, gaben der ganzen Erscheinung etwas durchaus Vornehmes. Dr. Horn hatte sich erst vor kurzer Zeit in B. niedergelassen und zwar ans Veranlassung eine- alleren Arztes, der ihm sehr wohlwollte und der, da er seine bedeutende Praxis aufgab, sie ihm, soweit dies in seinen