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JTlatöurg, Sonntag, 1. August 1880.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Matte» sowie b. Annoncen-Bureaux von S-L Daube L Eo. in ^ankfutta-M; Jügerlche Buchhandlung daseldn; Hermann'sche Buchhandl. daselbst: Juvalidendanl in Berlin; & ThieneS in Merfeld; 6. Schlotte in Bremen-
grfcheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen- Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlustrirteS LonutagSblatt" durch die Expedition (Ä o ch'sche Buchdruclerei) bezogen 3fe Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. kexcl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf,. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.
Marler. 179.
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'5?. Be- .„.rigen nimmt tmgegen: Nähere ^Kxpeditton d.vlatte», 122411 ^>ie d-Annoncen-Bureaux
Th, Dietrich L E°. in Mel und Hannover; Th. Mirich in Franlfurt a.M.; Eisenstein & Bögler in Lggtfurt a- M., Berlin. SrtDiig, SSIn tu; Rudolf Affe in Berlin, Frank- * fntt a. M- re.
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Die Exped. d. Oberh. Zeitung.
Zur orieutalischeu Frage.
Die „Agenee HavaS" brachte aus Konstantinopel die Nachricht, daß die Antwort der Pforte auf die Kollektiv- Note der Mächte überreicht worden sei. In derselben wurde darauf hingewiesen, daß der Beschluß des Berliner Kongresses mit der Entscheidung der Berliner Konferenz, welche die Frage vom strategischen Gesichtspunkte auS und bezüglich der Bölkerstämme geprüft habe, unvereinbar sei, und erklärt, daß es der Pforte nicht möglich fei, Janina, Larissa und Mezzowo abzutreten. Sodann wird die Geneigtheit der Pforte, Griechenland Konzessionen zu machen, betont und der Wunsch ausgesprochen, daß die Mächte ihre Botschafter in Konstantinopel autorisieren möchten, sich mit der Pforte in's Einvernehmen zu setzen, um eine definitive Grenzlinie festzustellen. Da nicht anzunehmen ist, daß sich die Mächte aus eine Modifizierung der Konferenzbeschlüsse einlassen werden, so wird notwendig die Flotten - Demonstration erfolgen müssen. Vorher dürfte noch ein Ultimatum an die Pforte gerichtet werden. In Bezug auf die montenegrinische Frage soll dies bereits in kurzer Zeit geschehen. Aus Paris wird gemeldet, die Kabinette redigierten gegenwärtig ein Ultimatum, worin die Pforte aufgefordert wird, binnen 3 Wochen die montenegrinische Konvention auszuführen, widrigenfalls eine Flottendemonstration stattfinden werde. Für den Fall einer umfasienden Beteiligung der deutschen Marine an der Flottendemonstration gegen die Türkei stehen der Reichsregierung nach Mitteilung der Admiralität außer den zu dem Uebungsgeschwader gehörenden Panzerschiffen „Preußen", „Friedrich Karl" und „Friedrich der Große" drei gepanzerte Korvetten „Moltke", „Blücher" und „Stofch" zur Verfügung, welche in kürzester Frist in See gehen können. Bis jetzt scheinen aber bezügliche Anordnungen nicht getroffen zu fein. Von österreichischer Seite werden außer dem Kasemattschiff „Prinz Eugen", besten Ausrüstung bereits vor mehreren Tagm Meldet wurde, auch noch das Kasemattschiff „Custozza"
jRachdruck verboten.)
Gesiegt.
Novelle von E- Redenhall.
„Wenn Du mich nur ein wenig lieb hast, mein Kind, fo schweige mir von dem jungen Arzt. Es bringt mein Blut in Wallung, Dich ihn so häufig nennen zu hören und ich zittere bei dem Gedanken, eS könnte Dich dabei dn besonderes Interesse leiten."
Diese Worte wurden in ernstem Ton von einem filtern Henn an ein junges Mädchen gerichtet, deren Augen liebe» dell auf ihn blickten. In der That, eS war ein anziehendes Bild, das diese Beiden boten, die wohl Jeder auf den trften Blick für Vater und Tochter halten mußte. Der Hen schien kaum die 50 überschritten zu haben, doch vor der Zeit ergrautes Haar ließ ihn viel älter erscheinen. Die dunkeln Augen hatten einen fo melancholischen Ausdruck und in dem ganzen anziehenden Gesicht war ein so tief- traurigerZug ausgeprägt, daß man sich sagen mußte, daß die Stürme der Zeit in diesem Menschenleben verheerend gewirkt und ein großer Schmerz seinen Stempel diesen edlen Zügen ausgedrückt hatte. Den Gegensatz dazu bildete d»s junge Mädchen, deren Gesicht so verschieden im Ausdruck, doch dem ihres Vaters so unverkennbar ähnelte.
war eine junonische Gestalt mit klassischen Zügen. Diesen dunkeln Augen, doch hier ein Meer von Wonne und Mck ausstrahlend, schwere Flechten legten sich in einfacher ^eise um den schön geformten Kopf und der kleine Mund der Reihe weißer Zähne schien nur zum Lachen und ?um Frohsinn besttmmt zu sein. Dazu schien auch die Aze Umgebung geschaffen, die Wohlstand und Komfort Mundete. Das Zimmer, in dem die Beiden faßen, eine
in einer unter Kommando des Kontre - Admirals Baron Sterneck vereinigten Schiffsdivision an der Flottendemonstration tellnehmen. Die „Custozza" hat acht 26-Centimeter- Krupp - Geschütze und 717 Mann an Bord. Die erste Division der italienischen permanenten Flotte ist unter den Befehlen des Kontre-Admirals Martini in Neapel eingelaufen; die zweite wird in einigen Tagen dortselbs! erwartet, und erst dann wird das Ministerium jene Schiffe bestimmen, welche an der europäischen Flotten-Demonstration teilnehmen sollen. Vermutlich dürften die Fregatten „Palestro" und „Roma" unter dem Kontre-Admiral Fineati dazu bestimmt sein. Ob nun die Alotten-Demonstration den erwarteten Erfolg haben wird, ist noch nicht abzusehen. Jedenfalls setzt aber die Türkei alles auf's Spiel, wenn sie in dem Widerstande gegen den Willen der Mächte verharrt, und das scheint vorläufig der Fall zu fein.
Das „Reuter'fche Bureau" meldet aus Konstantinopel vom 26. d. M., die sämtlichen in Europa stehenden NizamS- Bataillone seien auf 800 Mann pr. Bataillon erhöht worden. Noch darf aber die Hoffnung nicht aufgegeben werden, daß die türkische Regierung schließlich doch noch zur Besinnung kommen und vor dem letzten Entscheidungskampf zurück- beben wird. Griechenland und Montenegro stehen gerüstet da, und in Bulgarien und Ostrumelien haben sich die Dinge dank der großbulgarischen Agitation soweit entwickelt, daß der Kampf mit den Türken sofort beginnen kann, sobald die Albanesen unter offener oder geheimer Unterstützung der Türkei mit den Montenegrinern und Griechen handgemein geworden sind. Man hofft, daß die Mächte sich der Vereinigung Bulgariens und Ostrumeliens nicht länger widersetzen werden, wenn sie vor der vollen« beten Thatsache stehen. Daß Rußland die Bewegung begünstigt, ist natürlich, da der großbulgarische Staat ja einen Teil des Vertrages von St. Stefano bildete. Die Polittk des englischen Premierministers Gladstone geht darauf hinaus, die Türken aus Europa vollständig zu vertreiben und an ihre Stelle die Herrschaft der christlichen Völkerschaften treten zu lasten. Dem gegenüber steht die konservative Politik Deutschlands und Oesterreich-Ungarns, welche die Erhaltung der Türkei wollen, um einen europäischen Krieg zu verhüten, der um den Besitz von Konstantinopel entbrennen würde. Au der Türkei wird es liegen, sich die Gunst dieser beiden Mächte zu erhalten durch eine willige Annahme der Konferenzbeschlüsse und durch die wirkliche Einführung von Reformen. Thut sie das nicht, so dürste es um den türkischen Besitz in Europa geschehen sein. — Nach in Ragusa vorliegenden Nachrichten hätten die Montenegriner die Albanesen neuerdings bei Cermaniza angegriffen, 32 Albanesen getötet und das Vieh berfelben fortgetrieben.
Die europäische Kommission hat, wie bem „Reuter- scheu Telegraphen-Bureau" aus Konstantinopel unterm 22.
Art kleiner Salon, war mit bem raffiniertesten Luxus unb einem fo kunstsinnigen Geschmack ausgestattet, baß man halb ben Reichtum unb ben Bildungsgrad ber Bewohner beurteilen konnte. Ein smyrnaer Teppich bebeckte ben Fußboden des ganzen Zimmers unb geschnitztes Möbel in antiker Form bildete die Ausstattung desselben. Schwere Damastvorhänge dämpften das Licht und gestatteten den spärlichen Strahlen der Februarsonne nur wenig Zutritt. Wertvolle Bilder und Kunstgegenstände, wohin sich auch daS Auge wendete, vervollständigten den angenehmen Eindruck und eine wohlthuende Wärme, die der elegante Kaminofen ausströmte, schufen in diesen Räumen eine außerordentliche Behaglichkeit. Rat Bernau war der vielbeneidete, doch wenig glückliche Bewohner dieses Hauses. Er war Wittwer und ungefähr vor 10 Jahren an das Gericht zu B . . . verseht worben, lebte ziemlich zurückgezogen von ber Gesellschaft nur seinen Studien unb ber Erziehung feiner einzigen Tochter, ble er abgöttisch liebte unb von ber er sich nur selten, kaum auf Tage getrennt hatte. In ihr sah er bie ganze Wett unb vergaß bei ihrem Anblick alle Enttäuschungen, ble sie ihm gebracht hatte. Man hatte sich zuerst viel mit ihm beschäftigt, fein Reichtum und feine Sonberbarkeiten bilbeten das Gesprächsthema aller Salons. Doch schließlich hatte man sich baran gewöhnt unb ba er ein liebreicher Chef seinen Untergebenen, ein geistvoller, kenntnißreicher Mann, mildthättg unb großherzig war, so ftanb er bei allen Schichten ber Gesellschaften in hoher Achtung unb man sprach nur mit großer Verehrung von ihm. Jetzt jedoch machte das Atter seiner Tochter, sie hatte vor einigen Tagen ihren 18. Geburtstag gefeiert, es notwendig, sich etwas mehr bem öffentlichen Leben zuzuwenden und sie in die Gesellschaft einzuführen. Darüber hielt ihm
b. M. gemelbet wirb, bie von Lord Edmond Fllzmaurice und Herrn von Kosjeck, den Vertretern Englands und Oesterreichs, eingebrachten finanziellen Amendements end- glltig angenommen. Danach sollen die Einkünfte auS sämtlichen provinziellen Steuern in die Filialen der Kaiserlich ottomanischen Bank eingezahlt werden. Sämtliche Kosten der Lokalverwaltung sollen eine erste Last auf die Einkünfte bilden. Nach Abzug dieser Ausgaben, welche die Kosten für die Gendarmerie und Polizei umfassen, werden die Einkünfte in zwei Teile eingeteilt werden, von denen 15 Procent für öffentliche Bauten unb Unterrichtszwecke In ber Provinz gewidmet unb bie übrigen 85 Procent nach Konstantinopel gesandt werden. Die tnblretten Steuern auf Salz, Tabak, Seide, Fischereien unb Spirituosen, sowie bie Zölle sinb in den obenerwähnten Einkünften nicht mit Inbegriffen. Den Generalversammlungen der Vilayets wird bie Kontrolle über das Budget obliegen. Die Kommissäre haben bie Finanzfrage geraume Zeit hindurch unter Erörterung gehabt unb man befürchtete eine Meinungsverschiedenheit unter ihnen, aber das herzliche Einvernehmen zwischen dem englischen und österreichischen Delegierten führte zur Annahme ber obigen Abmachung.
lieber ble noch fortwährend vielfach besprochene Entsendung deutscher Beamten und Officiere nach Konstantinopel hört die „Post" noch einiges Nähere. Der Wunsch des Sultans, welcher durch die Vermittelung des Botschafters und des auswärtigen Amtes zur Kenntnis Sr. Maj. des Kaisers gelangte, erstreckte sich allerdings auf beide Kategorien, doch wäre für dieselben eine tatsächliche Trennung desselben erfolgt, weil sich in den Reihen ber beut' scheu Offiziere bisher keine Neigung gezeigt hat, den Vater- ländischen Dienst zu verlassen, unb so soll bie Angelegenheit nach biefer Seite hin noch gar nicht weiter vorgerückt sein. Was bie Civilbeamten betrifft, so hat bet Sultan in erster Linie einen Finanz- unb Verwaltungsbeamten gewünscht uub neben demselben einen Juristen. Die erstere Persönlichkeit ist bekanntlich in Herrn Regierungsrat Wetten- dorf gefunden worben, welcher schon in Konstantinopel war, wo er (wie bekannt) eine sehr freundliche Aufnahme gefunden hat. Er hat sich gegenwärtig nach einem kurzen Aufenthalt in Berlin nach Koblenz begeben, um dort seine privaten Angelegenheiten zu ordnen unb wirb bald bie Reise nach Konstantinopel antreten. Davon, daß schon eine zweite Persönlichkeit sich für bie oben bezeichnete Stellung gefunben habe, ist noch nichts bekannt geworben. Herr Wettendorf soll nicht einen Verwaltungsposten sondern ble Stellung eines Ratgebers einnehmen. Hinsichtlich ber militärischen Mission hat eS also, wie oben schon erwähnt, vorläufig gute Weile, unb man wirb abwarten tonnen, wie unterbessen bie Pforte sich auS ber gegenwärtigen, für sie recht schwierigen Lage ziehen wirb. — Die „France" sagt bei Besprechung bet Entsendung von französischen
Fran Werner, eine noch respektable Erscheinung, bie er einst traurigen Verhältnissen entrissen hatte, unb bie seit 15 Jahren baS Amt einer Repräsentantin des Hauses verwaltete, täglich Vorträge bis zur Erschöpfung. Sie hatte sich durch ihre Treue und Hingebung für ben Rat und die damals 3jährige Eugenik, so wat der Name der Tochter, für die keine Mutter zärtlicher orgen konnte, daS Recht erworben, auch über Alles mitsprechen zu dürfen und der Rat that nichts, ohne ihre Ansicht zu hören. „Ja, ja, Herr Rat", war gewöhnlich ber Schluß ihres Vortrags „jetzt muß unser Kinb in ble Gesellschaft und anfangen, ihr Leben zu genießen."
„Sie haben wie immer recht, Fran Werner, eS wird ja geschehen, ich werde eS mir überlegen," war die jedesmalige Antwort des Rats und fo blieb es immer beim Alten. Es siel ihm sehr schwer, eine Aenderung seiner ihm liebgeworbenen Lebensweise etntreten zu lasten, aber bie« ließ ihn nicht immer wieber zögern, sondern die Befürchtung, ein andrer Gegenstand könne die Liebe seines Kindes, die ihm bis jetzt so ungeteilt gehört, absorbieren, ließ ihn erbeben und so oft er sich auch mit Selbstvorwürfen peinigte, daß dies der elendeste Egoismus sei, der starke Mann konnte dieses Gefühl nicht in sich zum Schweigen bringen. So fern lag auch diese Besorgniß nicht, Eugenie war sehr schön und mußte überall Austehen erregen. Sie war aber nicht nur mit allen Vorzügen des Körpers auS- gestattet, sondern auch mit denen des Geistes, sie hatte eine ungewöhnliche Bildung genossen, war ein großartig angelegter Charakter, überaus talentvoll unb von einer Herzensgüte, bie Jeben für sie einnehmen mußte. Jetzt enblich war ber große Entschluß zur Ausführung gekommen, Eugenie hatte ihre erste Gesellschaft bei Legationsrat G. mit