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Marburg, Freitag, 30. Juli 1880
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der man die Angst über den Verlust ihres „Jüngsten" ansah. „Wie alt ist er, wie war er gekleidet?" fragte der Sergeant. „Bier Jahr ist der liebe, gute Junge alt und trug, als er von Hause wegging, dunkelblaue Höschen und einen grauen Rock."
„Dort schläft er," sagte ruhig der Offiziant, auf daö Hinterzimmer deutend. Im Ru hatte die Mutter ihren Emil im Arm und begab sich nach Erledigung der nötigen Formalitäten freudeerfüllt nach Hause.
Ein neuer Kunde, ärmlich aber unreinlich gekleidet, das Gesicht, von zu häufigem SLnapsgenuß aufgedunsen, betrat das Lokal. Er wandte sich sofort an den Berichterstatter mit den Worten: „Ja, lieber Freund, ich komme hierher um mir ein Nachtlager zu erbitten, Sie wisien: „Tempora mutantur et nos mutamur in illis!“ (Es ändert sich die Zeit, und wir verändern uns mit ihr.) Auf die Entgegnung, daß nicht nur die Zeiten, sondern, wie es scheine, auch der Schnaps große Veränderungen in ihm hervorgebracht, erwiderte er, daß er ein Unglücklicher sei, und bewies in einer kurzen Unterredung die genaue Bekanntschaft mit den römischen und griechischen Classtkern; wie er dazu gekommen, so weit zu sinken, darüber schwieg er und schlich nach dem Schlafsaal.
Plötzlich ward die Thür aufgerisien und ein Polizist, den Revolver mit einer Hand und mit der andern einen gefährlich aussehenden Kerl festhaltend, meldete sich beim Wachthabenden. Der Gefangene, ein der Polizei wohlbekannter Verbrecher, hatte einen Mann niedergeschlagen und ihn seiner Uhr und Kette beraubt, als der Polizist hinzukam und den Räuber nach hartem Kampfe, bei dem er genötigt war, nachdrücklichen Gebrauch von seinem Knüppel zu machen, überwältigte. Klick, klick, klick, begann plötzlich
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dann die Frage von dem strategischen und von dem Gesichtspunkte der verschiedenen Rassen der Bevölkerung prüft, erklärt sie eö für unmöglich, Janina, Larissa und Mezzowo abzutreten. Es wird die völlige Geneigtheit der Pforte constatiert, Griechenland Concessionen zu machen, und endlich die Bitte an die Mächte gerichtet, ihre Vertreter in Konstantinopel zu ermächtigen, sich mit der Pforte wegen Fcstellung einer definitiven Grenzlinie zu verständigen. — Die europäische Diplomatie steht nun am Berge. Zurückgehen von dem Berliner Beschlüsse kann sie nicht, ihn ausführen ebenso wenig. Die Entsendung von Kriegsschiffen in die orientalischen Gewäsier wird den Türken wenig imponieren, den Albanesen noch weniger. Die Griechen selbst denken nicht daran, die Gewalt zu versuchen.
Deutsches Reich.
Berlin, 28. Juli. Die Beratungen der hier tagenden permanenten Kommission für deutsches Baugewerköschul- wesen, an deren Arbeiten der Dezernent im Kultusministerium, Geh. Rat Lüders, teilnimmt, scheinen für das gesamte baugewerbliche Schulwesen von größter Bedeutung zu werden. Die Kommission hat sich in ihrer ersten Sitzung über folgende prinzipielle Grundsätze geeinigt: 1) Die dreiklasstge Baugewerksschule mit etwa je 20 Wochen Unterrichtszeit kann dasjenige Lehrziel nicht erreichen, welches vom künftigen Baugewerksmeister gefordert werden muß, selbst wenn von dem Aufzunehmenden verlangt wird, daß er richttg deutsch lese, schreibe und spricht, eine Erzählung richtig nicderschreibe und die Gesellschafö- und Dezimalrechnung kann, sowie zwei Sommer hindurch prak- kisch gearbeitet habe. 2) Eine Baugewerksschule, welche das für künftige Baugewerksmeistcr erforderliche Lehrziel erreichen will, muß die oben erwähnte allgemeine praktische Vorbildung fordern, 4 Klassen haben, deren UnterrichtS- Plan vorzuschreiben ist, in diesen 4 Klassen nicht allgemein wissenschaftliche, sondern nur Fachgegenstände und Hilfswissenschaften, zu welchen selbstredend Deutsch und Naturwissenschaften gehören, lehren. 3) Es ist notwendig, daß ein Normalunterrichtsplan für die Baugewerksschulen ausgestellt werde, durch welchen im allgemeinen das Lehrziel der einzelnen Unterrichtsgegenstände und die darauf zu verwendende Unterrichtszeit bestimmt wird. 4) Es sind Reifeprüfungen unter Vorsitz deö Staatskommissars für- alle Schulen einzuführen, an welchen der Verband deutscher Baugewerksmeister durch Delegierte teilzunehmen hat. Um diese Prüfungen möglichst gleichartig zu gestalten, ist ein Normalprüfungsstatut einzuführen. 5) Ein Staatskommis- sar hat wenigstens einmal jährlich die Leistungen der Baugewerksschulen an Ort und Stelle zu prüfen und seiner Regierung Bericht zu erstatten. 6) Von Staatöwegen sind die Namen derjenigen Baugewerksschulen bekannt zu geben,
Tagesbericht.
Der „Reichs-Anzeiger meldet, daß der Finanzminister Sitter nach Coburg abgereist sei. Die neue Finanzminister- Conferenz wird also wahrscheinlich baldigst beginnen. Was über die BeratungSgegenstände derselben in den öffenttichen Blättern verlautet, geht nicht über das bereits bekannte hinaus. Nur scheint man der Versicherung, das Tabakmonopol sei aufgegeben, ziemlich allgemein arges Mißtrauen entgegenzubringen. Es heißt sogar, der Führer des Centrums wolle dem Fürsten Bismarck nahelegen, er wäre noch einmal geneigt, das „Früheraufstehen" mit ihm zu probieren, ihm das Tabakmonopol zu verschaffen, wenn die nächste Revision der Maigesetze nach Ablauf deö Juligesetzes die Bischöfe und die Klöster, die katholischen Seminare und Cvnvicte wieder brächte. Die Finanzminister werden lediglich die Grundzüge der allernächsten einzubringenden Steuervorlagen vereinbaren. Auf die Quittungssteuer wird, da sie aussichtslos ist, wohl verzichtet werden; die Börsensteuer indes, die Brausteuer und, so weh es den Agrariern auch thut, die Branntweinsteuer wird ohne Frage zur Beratung stehen.
Die Enthüllungen aus dem sozialdemokrattschen Generalstabe dauern fort. Sie haben aber auch darum ihr Gutes, weil sie vielleicht dem einen oder anderen Arbeiter die Augen über die Opferwilligkeit ihrer Führer öffnen. Sv bringt Herr Hasselmann neuerdings mit Bezug auf die von den Herren Liebknecht, Hasenclever u. s. w. wiederholt im Reichstage abgegebene Erklärung, daß die Arbeiterbewegung sich in früheren Zeiten der Unterstützung von Aegierungsmännern erfreut hätte, folgende „Thatsachen" in Erinnerung: „Im Jahre 1867 verhandelte der jetzige Reichstags-Abgeordnete Hasenclever im Einverständnis mit dem Drucker Wolf in Hagen ein dort von ihm redigiertes demokratisches Blatt nebst Druckerei für 1800 Thaler an dm Landrat Vörster in Hagen, damit dasselbe als confer«
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ebenfalls ohne ein Wort zu sagen, mit dem Finger aus die Thür {beutete, welche nach dem Schlafsaal für das weibliche Geschlecht führte. „Kennen Sie die Fian?" fragte der Sergeant den Berichterstatter und erzählte auf deffen verneinende Antwort: „Diese Frau war vor etwa fünfzehn Jahren ein bildhübsches Mädchen. Sie heiratete einen jungen Mann, der in Folge eines Verbrechens auf zehn Jahre in'S Zuchthaus gesandt wurde. Ohne Subsistenzmittel, fiel sie dem Laster in die Arme, lebte Anfangs in einer feinen Gegend, sank aber tiefer und immer tiefer, bis sie sich schließlich auch noch dem Trünke ergab und ihre erbettelten Cents in Schnaps anlegte. Sie wurde mehrere Male nach der Straftnsel geschickt, kam aber immer ungebessert zurück. Jetzt, wo ihre Schönheit gänzlich verbleicht ist, fristet sie, da sie zur Arbeit unfähig geworden, ihr Leben mit Betteln."
Hier wurde die Unterhaltung unterbrochen, denn vor dem Stationshause entstand ein gewaltiger Lärm. Ein Polizist kam mit einem Karren angefahren, den statt eines Pferdes etwa ein Dutzend Jungen zogen. Auf einen fragenden Blick des Berichterstatters, dem ein fahrender Polizist noch nicht vorgekommen war, erklärte der gefällige Sergeant: „O, der hat eine Ladung?" Und richtig nach kaum einer Minute brachte der Polizist mtt Hilfe zweier Bürger seine „Ladung" in das Wachtlokal. Diese „Ladung" bestand aus einem total betrunkenen Irländer, der nicht einmal im Stande war, seinen Namen anzugeben. Er wurde, bis er wenigstens so weit ernüchtert war, um Auskunft über seine Person geben zu können, in dem Lokal der Reservepolizei niedergelegt und später erst in eine Zelle gebracht.
„Mein Kind, mein Kind I Ich habe meinen Emil verloren!" Mit diesen Worten kam eine Frau hereingestürzt,
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Bremen.
Aue Rächt auf einer Rew-Aorter Polizei-Wache.
Man hat in einer Stadt wie New-Aork nur zu häufig Gelegenheit, menschliches Elend, menschliche Verkommenheit und menschliche Schwächen, kurz alle Schattenseiten des Umschlichen Lebens kennen zu lernen; nirgends aber findet «an Elend und Verbrechen in ihren schrecklichsten Ausartungen näher bei einander als in den Polizeiwachen. Die Zahl Derjenigen, welche Nachts ein Obdach auf einer Elchen Wache suchen, beläuft sich durchschnittlich 45 bis 50, dovon die größere Hälfte aus daö weibliche Geschlecht hinme. Die Schlafsäle für Männer und Frauen getrennt, Sachen einen gar öven und traurigen Eindruck. Vier tojte, weißgetünchte Wände umschließen einen 22 Fuß ‘logen und 15 Fuß breiten Raum, der genügend ventiliert, durch GaS erleuchtet wird. In der Mitte des Raumes, Mfen Fußboden von gement hergestellt ist, steht ein mäch- Ar, eine behagliche Wärme ausstrahlender Ofen. Auf M Fußboden find vier eiserne Rahmen befestigt, welche Aa 10 Fuß breit und 6 Fuß lang sind; an dem der Mud zugewandten Teile deS Rahmens, dem Kopfende, ist Melbe etwa 12, am Fußende 4 Zoll vom Boden entfernt, Grüber sind Bretter von paffender Länge gelegt und diese die Lagerstätte der Unglücklichen, die für die Nacht ^flucht im StationShause suchen.
. Ein New-Iorker Journalist schlldert nun, was er in Sjtt Nacht auf der Polizeiwache alles beobachtet hat. "t8ctt 8 Uhr, erzählt er, wurde langsam die Thür geöffnet j?? eine Frauengestalt, kaum mit dem Notdürftigsten ge» die Haare unordentlich über das Gesicht hängend, ^zerrissenen Schuhen, ohne Strümpfe, schlich herein. Sie stumm einen bittenden Blick auf den Sergeanten, der
iiuetgen nimmt tmgegen: ^Expedition b.Blatte«, („mte dAnnoncen-Bureaux Ln Th, Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. «ietrich in Frankfurt a.M.; -laasenstein & Bögler in Kanifurt a. M., Berlin, Lwzig, Cöln k.; Rudolf tionc in Berlin, Frankfurt a. M- :c.
vatives Kreisblatt (Märkische Zeitung) wieder erscheine' Auszüge aus den Originalberichten HasencleverS und Vörsters wurden kürzlich unter der Überschrift „Wie ein demokratischer Literat Preßreptil wurde", veröffentlicht, und verweisen wir besonders auf den Brief HasencleverS, worin er sich erbietet, gegen Bezahlung die Thaten Bismarcks zu glorificieren. Wirklich war Hasenclever später Correspondent dieses conservativen Blattes, in derselben Zeit, wo er als Präsident des Allgemeinen deutschen Ar- beiterverereins und sozialdemokratischer Reichstags-Abgeoro- neter fungierte. Außer dieser Verbindung hatte Herr Hasenclever 1872—1874 die intimsten politischen Beziehungen zu dem Agenten deS Herrn Wagener, Herrn Rudolf Meyer und wollen wir nur an den einen Vorgang erinnern, daß letzterer Herr 1874 nach einer Reichstagssitzung die Abgeordneten Hasenclever und Reimer in der Berliner Weinhandlung von Rubin dermaßen mit Champagner tractierte, daß seine Kaffe nicht ausreichte und er eine Anleihe machen mußte. Diese Verhältnisse waren seit 1874 und 1875 fast allen hervorragenden Führern der Sozialdemokratie bekannt; aber obschon Hasselmann wiederholt forderte, man solle Rechenschaft hierüber abhalten, ward alles vertuscht. Wahrscheinlich geschah das, weil Hasenclever und Tölcke den Herren Liebknecht und Bebel gegenüber folgende Anklage zu erheben drohten: „Tölcke erbot sich zum Beweis, wie er sagte, mit Hülfe der Gräfin von Hatzfeldt, daß das von Liebknecht und Bebel feiner Zeit in Leipzig herausgegebene Demokratische Wochenblatt vom vertriebenen König von Hannover subventioniert worden sei und zwar auf die Weise, daß durch den Banquier Fränkel in Leipzig auf 700 Exemplare des Blattes abonniert wurde." Man griff bei dieser Lage der Dinge zum Mantel der Liebe, „Hasenclever und Liebknecht gingen Hand in Hand und fielen einmütig über den Störenfried Hasselmann her". Endlich heißt eS: „Das Geld zu nehmen, wo man eS kriegen kann, ist überhaupt Parole der GestnnungStüchtigen. Wir wollen nur erwähnen, wie alle Welt im Namen der Familien der Berliner Ausgewiesenen angefochten worden ist. Ein sozialdemokratischer Reichsbote sammelte mit Einverständnis seiner meisten Collegen z. B. bet den Abgeordneten Lasker, Ludwig, Löwe und Zimmermann. Obschon nur 16,000 M. zu diesem Zweck gesammelt sind, fehlt bis heute jede Abrechnung, und die Berliner Familien wissen nur von etwa 1300 M. ihnen zugeflossener Gelder zu melden."
Wie vorauszusehen war, lehnt die Pforte die Beschlüsse der Berliner Konferenz ab. Vorgestern ist in Konstantinopel die Antwort der Pforte auf die Kollektivnote der Mächte den Vertretern derselben übergeben worden. Dieselbe betont die Unvereinbarkeit deS Wunsches deS Kongresses mit der Entscheidung der Konferenz. Indem die Antwort so-
Srscheint täglich außer an de» Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlustrirteS LonntagSilatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 3} «art, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Wart 50 Pf,, (erd. Bestellgebühr). - JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf». Für in der Expedition ,u ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf», berechnet.