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Marburg, Donnerstag, 29. IM 1880
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ihr Geld und ihre Wertsachen abzuliefern. Bald wieder verstärkt, machten die Franzosen von der Wetterau aus Streifzüge nach Oberhessen. Prinz Isenburg, der diesen zu begegnen bestimmt war, schlug im Mai in Marburg sein Hauptquartier auf. Am 14. Juli bestanden seine Truppen ein siegreiches Gefecht bei Sichertshausen, trotzdem mutzte er der Uebermacht weichen und am folgenden Tage die Stadt räumen. Am 16. Juli rückten die Franzosen wieder ein und hielten Anfangs gute Mannszucht, eine kleine Besatzung blieb zurück, das Heer rückte weiter. Abermals wurden die Einwohner entwaffnet, neue und größere Contributionen und Lieferungen ausgeschrieben. Die Erregung des Volkes stieg so, daß die Behörden dasselbe zur Ruhe und zum Ausharren ermahnen mußten. Die Hoffnung auf Befreiuung von den im Winter abermals zurückgedrängten Franzosen war vergeblich, die Besatzung blieb, wenn sie auch aus Sorge vor einem lieber» fall Nachts sich auf das Schloß zurückzog. Die Einwohner wurden gezwungen, ohne Unterbrechung an der weiteren Verstärkung der Festung zu arbeiten. Der erwartete Ueber- fall fand am Ostersonntag statt. Oberst Trümbach nahm mit Leichtigkeit die Stadt, welche darauf vom Schlosse aus beschoffen wurde. Nach 2 Tagen mußte Trümbach wieder abziehen, da inzwischen Prinz Ferdinand bei Bergen eine Niederlage erlitten. Zwei große französische Heere erreichten im Mai und Juni die Stadt, welche den ausgeschriebenen Kriegsleistungen nicht mehr genügen konnte. Ihr Credit war dahin, in der Verzweiflung beschloß man, den großen Ratsbecher zu verkaufen. Noch schlimmer erging es der ganzen Gegend, als Ferdinand abermals vorrückte, und die feindlichen Heere sich seit dem 28. August bei Wetter gegenüber standen. Marodeure plünderten die Stadt 8 Tage lang
mindestens ebenso ehrenwert als ein Ingenieur, ein Architekt, ein Baumeister, ein Jurist, ein Philolog, der die hart erworbenen Pfennige seiner Eltern verstädtert hat, nicht mehr als höchstens Mittelmäßiges leistet und Jahre lang alle Stellenvermittelungsbureaux und die Vorzimmer der Minister oder Oberbeamten unsicher macht, um irgend ein schlecht bezahltes Pöstchen zu ergattern, das die Hoffnungen seiner Opfer und seine eigenen Erwartungen bitter enttäuscht. Und ist etwa das Publikum und der Staat bei dieser Kultur des Größenwahns besser gefahren? Gerade im technischen Fache beweisen die vielen verpfuschten Objekte das Gegenteil. Darum kehren wir um, kehren wir zurück zu der Organisation des soliden und biederen Handwerks 1 (R. B.)
Die Ueberprodnktiou au Gebildete».
„Was ist uns denn gedient, wenn alle Mädchen bett Schiller und Goethe und weiß was noch lesen, kein einziges aber mehr die Mistgabel in die Hand nehmen will?" — An dieses Wort des bäurischen Abgeordneten Lukas erinnerten wir uns unwillkürlich, als wir neulich in den Zeitungen der Kolonnen der an den deutschen Bauschulen studierenden Technikanten zu Gesicht bekamen. Trotz des Jammers über die schlechten Zeiten drängen sich noch Tausende und Tausende zum Studium heran, obschon die Aussichten für Ingenieure, Architekten noch schlechter sind, als jene für Juristen und Philosophen. ES will unS beinahe bedünken, daß wir dem Rufe nach Bildung zu sehr nachgegeben und schließlich das deutsche Reich mit zu vielen Bildungsanstalten höherer Gattung gesegnet haben. So lange weniger Gelegenheit geboten war, auf bequeme Weise eine höhere Schule, heiße sie nun Gymnasium oder Technikum, zu besuchen, hatten wir wohl auch keinen Mangel an Advokaten und Ingenieuren; ja es gab darunter nicht wenige, welche dem jüngeren Nachwuchs als Muster von gediegenem Wissen und ersprießlichem Streben vorleuchten können. Mit den vermehrten Schulen und dem erweiterten Lehrstoff haben wir eigentlich nur die Durchschnittsbildung, die Mittelmäßigkeit und ein Heer von katilinarischen Existenzen herangezogen, welche eigentlich eine Gefahr für den geistigen Fortschritt und die soziale Ordnung sind. Was wollen wir auch mit dm Tausenden überflüssiger Candidaten, Praktikanten und Aspiranten anfangen, welche die Bureaux der Staatsbeamten belagern? Wenn wir bloß die Abiturienten der Bauschulen zählen, so sind wir mit Bautechnikern aller Sorten auf ein Menschenalter hinaus versorgt. Wozu auch soll die Ueberproduktion führen? Diese arbeitslosen und anstellungsbedürftigen Leute vermehren nur die Zahl derjenigen, welche fortwährend den Papa Staat um Hilfe anrufen und schließlich durch das öftere Wiederholen dieser Meinung ihre Wünsche in Verpflichtungen des Staates
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Deutsches Reich.
** Berlin, 27. Juli. Es ist jedenfalls von Interesse, Einsicht zu erhalten, in welcher Weise sich diejenigen Industriezweige im Laufe des zweiten Quartals dieses Jahres entwickelt haben, welche als die hauptsächlichsten in den verschiedenen Bezirken betrieben werden. Dem ausführlichen Bericht des „Deutschen Handels-Archivs" dürfte Folgendes darüber zu entnehmen sein: Die Maschinenbau-Anstalten bei Landsberg a. d. W. erfreuen sich in diesem Jahre eines anhaltenden Zuspruchs. Die höheren Ansprüche, welche an die Landwirtschaft gestellt werden, die Verwertung neuer Erfindungen und die Verbesserungen in den bisherigen Betriebsmitteln sowohl auf diesem Gebiete, als in den mit Dampfkraft betriebenen Etablissements, führen ihnen unausgesetzt neue Arbeit zu und lassen die dabei beschäftigten Personen lohnenden Verdienst finden. Ein neuer Industriezweig, der sich in Landsberg seit ein paar Jahren etabliert hat, ist eine mechanische Netzfabrik, deren Leistungen guten Absatz finden. — Lohnendes Geschäft hat sich in der bisherigen Flößereiperiode des Bromberger Bezirks entwickelt, und zwar in Eichen, da dieser Artikel sehr gefragt ist und die Abkunft hierfür in diesem Jahre gegen das Vorjahr zurückbleibt. — In jüngster Zeit sind große Abschlüsse zu verzeichnen.. Aus dem Bezirk Kiel wird über die Fabrikstadt Neumünster von einem höchst erfreulichen Aufschwung der Verhältnisse berichtet. Namentlich steht die Tuch - Industrie des Orts, welche lange Jahre unter dem Drucke der Verhältnisse schwer zu leiden hatte, augenblicklich in vollster Blüte und ist mit Aufträgen überhäuft. Erst kürzlich sind zwei neue Fabriken entstanden und vier Etablissements nicht unerheblich erweitert worden. Ein großes Geschäft macht in dem benachbarten Preetz eine Fabrik, welche nach einer neuen Erfindung Milchwagen anfertigt. Dieselbe hat nicht nur Aufträge aus ganz Deutschland, sondern auch aus Paris, Warschau, Amsterdam, Riga, Gratz u. s. w. — Die Flachsgarnspinnereien Westphalens und des Rheinlands sind seit Beginn des Jahres überall vollauf im Gange bei normalen Lohn- und
übersetzen. Es ist darum gewiß an der Zeit, vorerst mit den Vätern, Erziehern und Vormündern ein eindringliches Wort zu reden.
Unter unseren Handwerkern und Bauern hat sich die Anschauung herausgebildet, daß ihre Beschäftigung doch eigentlich für ihre Söhne zu hart sei. Sie sehen sich nach etwas besserem für sie um und dabei fallt ihr Blick zunächst auf die „Studierten". Diese, meinen jene, hätten doch ein schöneres Leben, eine mehr gesicherte Existenz, weniger Anstrengungen und Sorgen. Nach dem schöneren Rocke des Beamten, Lehrers und Ingenieurs beurteilen die meisten bereit Lage. Die glänzende Not sehen sie für wirklichen Wohlstand an und danach richten sie ihren Gedankengang ein; sie werden unzufrieden mit ihrer Lage und ihren Söhnen wünschen sie eine bessere Existenz. Das Nächstliegende ist, daß sie die Gelegenheit benützen, um ihre anscheinend talentierten und fähigen Jungen an eine höhere Bildungsanstalt zu schicken. Der letzte Pfennig wird für den „Studenten" geopfert in der Hoffnung, daß der großgewachsene Sohn eine Anstellung erhalten und dann den dürftigen Vater oder die arme Mutter unterstützen werde. Leerer Wahnl Wenn der Herr „Student" groß geworden, vermehren sich mit dem Alter und der Gelegenheit die Ansprüche und Bedürfnisse, der „Stand" heischt ein „standesgemäßes" Leben und die Folge ist in sehr vielen Fällen der Ruin des elterlichen Hauses. Wenn es gut geht, erhält der Sohn als Mann eine Anstellung, deren Einkünfte aber meist kaum für ihn ausreichen.
Hätte derselbe junge Mensch, der in seinem wissenschaftlichen Berufe nur Mittelmäßiges leistet — und das ist ja die Regel — ein tüchtiges Handwerk gelernt, so würde er feinen Angehörigen weniger zur Last gefallen fein, alsbald feinen Unterhalt verdient und mit der Zeit bei gehörigem Fleiß und Ausdauer gefunden haben, daß das Handwerk trotz alledem und alledem auch heute noch goldenen Boden hat. Eben dadurch, daß dem Handwerk die tüchtigsten Köpfe entzogen werden, wird jene Geringschätzung der Arbeit befördert, welche den Bildungsanstalten massenhafte Zöglinge zuführt. In früheren Zeiten war das Gegenteil der Fall, das Handwerk galt als ein ehrenvoller Beruf, und es gingen ans ihm vorzügliche Künstler, Feldherren, Staatsmänner und sogar Gelehrte und Dichter, jedenfalls aber die besten Bürger hervor. Damals fanden es selbst Patrizier, Geistliche, Juristen und Professoren nicht unter ihrer Würde, ihre Pflegebefohlenen Söhne einem Meister in die Lehre zu geben. . Die Handwerker selbst aber pflegten eben in dem Bewußtsein von dem Adel der Arbeit und des Berufes jenen Stolz, welcher den modernen Arbeitern unv Handwerkern hauptsächlich auch darum fehlt, weil alles nach „höherer Biloung" und „höheren Berufsstellungen" drängt. Und doch glauben wir, sei ein Schneider, der seine Kunden nach Recht und Brauch zu befriedigen versteht, viel besser bestellt und
August durch Marburg und richteten in Marburg große Magazine ein, die Stadt litt durch epidemische Krankheiten, welche unter der Einquartierung ausbrachen und durch die ausgeschriebenen Lieferungen. — Aber bald sah sich der Führer des englischen Heeres durch die Uebermacht der Franzosen zur Convention von Kloster Seeve genötigt, wonach England vom preußischen Bunde zurücktrat. Die hessischen Truppen wurden zurückgerufen und man hoffte auf Frieden. Als aber nun die Franzosen die Entwaffnung der hessischen Truppen verlangten, erklärte Wilhelm VIII. . jene Convention für unverbindlich. Die Folge war, daß j Hessen als erobertes feindliches Land behandelt wurde. In
Marburg wurden die Einwohner entwaffnet, große Contributionen und Lieferungen ausgeschrieben, und die Einwohner gezwungen, an der Verstärkung der Festungswerke zu arbeiten. Auch durch die Forderung einer neu zu erbauenden katholischen Kapelle wurden die Gemüter aufs Heftigste erregt. Da Marburg an einer großen Heerstraße । lag, so war der Besitz von Stadt und Schloß von einiger
Wichtigkeit. Die Stadt selbst zwar lag einem Angriff ziemlich offen, aber die Festung, wenn auch einer regelmäßigen Beschießung gegenüber nicht zu halten, war doch gegen einen Handstreich ziemlich gesichert und bot einen Stützpunkt für die Operationen. Die Convention vom Kloster Seeven war vom englischen Parlament verworfen und das neu gebildete Heer der Verbündeten unter die Befehle des Prinzen Ferdinand von Braunschweig gestellt worden. Es gelang ihm, die vom Prinzen Soubise befehligten Franzosen aus Niederhessen zu vertreiben, im März 1758 räumten sie auch Marburg, zuvor jedoch sollte die aufgelegte Kontribution bezahlt werden, und da dies nicht schnell genug gelang, wurden die Bürger gezwungen, all
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Rarburg und der siebenjährige Krieg, ein Vortrag gehalten in der Versammlung des hessischen Geschichtsvereins zu Marburg am 28. Jan. 1880 von Wilhelm Kolbe, Ecclestast au der lutherischen Pfarrkirche und Pfarrer au St. Elisabeth. — (58 S. 80 Pf.) N. G. Elwert'fche Verlagsbuchhandlung in Marburg 1880. .
Der Herr Verfasser hat durch die Veröffentlichung auch dieses Vortrages wieder nicht nur seine Lust und Liebe an der Vergangenheit seiner Vaterstadt dokumentiert, sondern damit auch einen höchst anerkennenswerten Beitrag zur Geschichte unseres engeren Vaterlandes geliefert. Indem dir hier auf dieses Schrlftchen alle Freunde der vater- iündlschen Geschichte aufmerksam machen, bringen wir noch die Besprechung dieses, die gründlichsten Studien voraus- Ichenden Vortrags aus den „Mitteilungen an die Mitglieder des Vereins für hessische Geschichte und LaudeS- Mde" nachstehend zum Abdruck.
In der Einleitung schildert der Vortragende die mlli- lärifchen Verhältnisse Hessen-Kassels, den kriegerischen Sinn des Volkes, ba8 starke Heer bei geringen Steuern. Dies durde ermöglicht durch die Subsidien-Verträge mit fremden «tasten, wie sie in Hessen nicht eigentümlich, fonbern damals ^gemein üblich waren. An fast allen bedeutenderen Kriegen, 16. bis 18. Jahrhundert, beteiligte sich Hessen, In Wien und Frankreich, wie in Ungarn und Griechenland. M England stand das Land bei Ausbruch des Krieges ™ Jahrzehnten In Subsidienvertrag. Dies war auch bet ®tunb, warum Hessen in Folge des preußisch-englischen Bünd- Mes in ben 7jährigen Krieg gezogen ward. — Das erste Mr 1757 schien in dieser Gegend den Krieg schnell zu ^de zu führen. Französische Heere zogen im Juli und
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