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Marburg, Dienstag, 27. Juli 1880
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d.Annoncen-Bureaur von 0. L- Daube & Co. in
«n,eigen nimmt rmgegen: tte Expedition d.vlattes, totnie dAnnoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Dassel und Hannover; Lh. Dietrich in Franliutt a.M.; Laasenstein & Bögler in Mnlfm-t a- M., Berlin, Zupz'-L, Eil» 2t.; Rudolf Wffe in Berlin, Frant- fart e. M. re.
Hermann'sche Luchhaudl. daselbst; Jnvalideudaak in Berlin; SB. LhieneS in Merfeld; L. Schlotte in Bremen-
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JIlnftrtrteS SonntagSdlatt" durch die Expedition (K och'sche Buchdrnckerei) bezogen 31 Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgeoühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet-
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Bestellungen für die Monate August und September auf die
Bberhesstsche Zeitung
mit deren Gratisbeilage
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Die Exprd. d. Oberh. Zeitung.
Die Sonntagsruhe.
(Vierter Artikel.)
Einen praktischen Beweis, von dem, was man thun kann, um die Sonntagsruhe allmählich, wenigstens für einen großen Teil der Bevölkerung, herzustellen, hat kürzlich der in Bremen bestehende Verein für Sonntagsruhe gegeben. Derselbe hat 70 bis 80 sogenannte Helferinnen in der Stadt von Haus zu Haus gesandt, durch welche etwa 3000 Hausfrauen sich haben bewegen lassen, durch ihre Unterschrift sich zu verpflichten, Sonntags so wenig wie möglich zu kaufen; dadurch hofft man allmählich zu bewirken, daß dem Schließen der Läden am Sonntage rück- fichtlich der Bedürfnißfrage des Publikums kein Hinderniß mehr entgegensteht, und man hofft, daß dann die Ladenbesitzer von selber dahin kommen werden, ihre Geschäfte während des ganzen Sonntages zu schließen und sich selber wie ihren Gehilfen die Sonntagsruhe zu gönnen. Ferner hat der Verein nach eingehenden Vorberatungen mit einer Anzahl von praktischen Geschäftsleuten ein Circular an alle Bremer Firmen geschickt, in welchem die Handelsherren gebeten werden, Sonntags nur so viel Angehörige ihres Personals und nur für so lange auf ihr Comptoir zu rufen, als unaufschiebbare Geschäfte es erheischen, und zwar womöglich außerhalb der Hauptstunden des.Gottesdienstes. Wie es heißt, ist dieser Aufruf in Bremen nicht ganz ohne Erfolg gewesen. Was aber in dieser großen See- und Handelsstadt in dieser Beziehung möglich ist, das wird hoffentlich in kleineren, nicht vorzugsweise dem Handelsverkehr sich widmenden Orten sich noch viel leichter ausführen lassen, zumal in den letzteren der Verkehr der Menschen ein viel intimerer ist. Und wenn überall so der Boden bereitet wird für die Pflege der Sonntagsruhe, wenn weiter die Behörden ihre Schuldigkeit thun in strenger Handhabung der bestehenden Sonntagsgesetze, dann wird sich von selber eine rechte Sonutagsfeier, eine Fciertagsheiligung einstellen.
Wir können diese Ausführungen nicht besser schließen, als
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Gefangenschaft und Tod des Knrfürsten und Erzbischofs Ruprecht von Cölu aus dem Hause
Kurpfalz.
Im Oktober 1874 "'wohnte ich einer Treibjagd des Herrn Buchhändlers Graubner von Leipzig in der Umgegend von Gladenbach, unter der Leitung des dasigen Herrn Oberförster Müller bei und hatte das Glück, in da Nähe einer Burgruine, einen Fuchs zu erlegen. Als mich nach dem Namen der Ruine erkundigte, erfuhr K, daß dieselbe daS ehemalige Landgräflich Hessische Schloß ^iankenstein gewesen sei, waS mich um so mehr Utter- Werte, da mir aus der hessischen Geschichte bekannt war, in jener Burg ein Kurfürst und Erzbischof von Cöln dlS Gefangener gestorben sei.
AuS den Geschichtswerken, Rommel Teil III, S. 49 Ättb Rehm Teil I, S. 229 ist Folgendes ersichtlich: Der Kurfürst und Erzbischof Ruprecht von Cöln aus dem Hkluse Kurpfalz hatte ein sehr leichtfertiges Leben geführt, war Wechslern und Juden in die Hände gefallen, hatte ^iclgüter verschleudert und verpfändet und seine Unter« *><ten sehr gedrückt, so daß sich diese gegen ihn empörten. -Wdgraf Hermann von Heffeu, Domherr zu Cöln, vertrat ”c8Eu ihn die Rechte des Domcapitels und der Landstände , ”b wurde später zu seinem Nachfolger gewählt. Nachdem ,’e Ruprecht von seinem Bruder, dem Kurfürsten Friedrich ber Pfalz, genannt ber Streitbare und der böse Fritz, "Wahrte Hülfe nicht zureichend gewesen war, so wendete h nch deshalb an den Herzog Karl den Kühnen von C^unb um Beistand. Dieser gewährte ihm solchen und k^rte vom 29. Juli 1474 bis zum 28. Juni 1475
vestung Neuß am Rhein, wohin sich Landgraf Hermann
durch Wiedergabe der geistvollen Worte, welche im vorigen Jahre der Hofprediger Dr. Baur in Berlin in einer Synodalversammlung über die Wichtigkeit der Sonntagsruhe für Volk und Staat vortrug. Er sagte: „Der Staat hat eine Verpflichtung für Aufrechthaltung der Sonntagsruhe. Der Staat braucht gesunde Menschen, ein geordnetes Familienleben, einen frischen Geisteshauch, alle diese Bedürfnisse drängen auf die Sonntagsfeier. Er braucht mehr. Der Staat braucht zn feinem Besten die Sittlichkeit — die Willigkeit des Einzelnen, sich dem Gesetz zu unterwerfen, den Opfermut jedes Volksgenossen, für das Vaterland das Leben einzusetzen, die Brüderlichkeit, in welcher ein Glied am Volksleibe nicht daS andere auSbeutet, sondern stützt und stärkt, in welcher ein Stand den andern nicht haßt, sondern in seiner Bedeutung für das Ganze erkennt, den hohen Sinn, dem nicht Gewinn und Genuß, sondern das wahrhaftige Geistesleben das letzte Ziel des Daseins ist. Die Sittlichkeit, der der Staat bedarf, verschafft ihm kein Unterricht, auch nicht die besteingerichtete Volks- und Fortbildungsschule, nicht Gymnasium und Universität ohtte die Pflege der Religion, des Christentums, der Kirche. Den Egoismus zu Überwinden, dazu bedarf es der Liebe, darum der kirchlichen Erziehung des Volkes mit den Mitteln der Gnade, durch welche die uns fehlende Liebe als eine Gabe Gottes ins gläubige Herz gegossen wird. Und eS ist nicht genug, daß das lebendige, liebeskräftige, werkthätige Christentum in kleineren, abgeschlossenen, dem großen Volksleben entfremdeten Kreisen sich eine stille Ansiedelung bereitet. Washington sagt: mag es einen Einzelnen geben, der sittlich ist ohne Religion — ein sittliches Volk ohne Religion gibt eS nicht. DaS Christentum muß volkstümlich werden durch die Volkskirche, deren Voraussetzung nicht bloß die kirchliche Trauung der Ehepaare, die Taufe der Kinder, der konfessionelle Unterricht in den Schulen, sondern auch die allgemeine Teilnahme am Gottesdienste ist. Ist aber eine Volkskirche ohne gottesdienstliche Versammlungen nicht möglich und sind solche Versammlungen ohne Sonn- tagsmhe nicht zu denken, so ist auch die Volkskirche ohne Sonntagsruhe ein Ding der Unmöglichkeit. Man hat in Erinnerung an Luthers Wort in den Schmalkalvischen Artikeln die Rechtfertigung des Sünders aus dem Glauben allein den Artikel der stehenden und fallenden Kirche genannt — die Ordnung der stehenden uno fallenden Volkskirche ist die Ruhe des Sonntags."
TevischtS Reich.
Berlin, 24. Juli. Der „Nordd. Allg. Ztg." wird mitgeteilt, der in verschiedene Blätter übergegangene Inhalt der Unterredung, welche der Finanzminister mit den Mitgliedern der Hamburger Anschlußpartei hatte, fei vielfach unvollständig, ebenso vielfach mißverstanden und in einzelnen Punkten unrichtig wiedergegeben worden. — Wie
zurückgezogen und sich hauptsächlich mit Hülfe seiner hessischen Landsleute, sowohl der Ritter als Reißlgen, insbesondere aber der Bürgersöhne von Marburg, Frankenberg und Homberg (in Niederhessen), verteidigt und 56 Stürme abgeschlagen hatte. Erst nachdem Kaiser Friedrich III. mit einem Heer von über 50,000 Mann dem Landgrafen zu Hülfe gekommen war, wurde die Belagerung aufgehoben. Ruprecht beabsichtigte hierauf, sich an seine pfälzischen Verwandten um Hülfe zu wenden, er reiste über den Westerwald und wurde bei Hartmannsrode, in der Nähe von Driedorf, von dem hessischen Reißigen, Johann Buchenau, aus dem Gefolge des ihn aufznheben befehligten Ritters Johann von Waldendorf im Februar 1478 gefangen genommen und am 6. März 1478 nach Blankenstein, fein damals wohl ausgeschmücktes Landgräfliches Schloß, abgeführt, woselbst er am 26. Juli 1480, also heute vor 400 Jahren, gestorben ist.
Die hessische Reimchronik erzählt hierüber Folgendes: Bischoff Ruprecht verlor die Schantz Und ward auch nunmehr trostlos gantz, Alß sein Bruder der Pfalzgraf starb, Und ihm fast alle Hülf verdarb, EinSmal er sich auch macht allein, Wolt ungekandt auch reyten fein Mit Fug über den Westerwald, Als er nun kam gen Dredorf baldt Einer vom Adel ihn erkandt, Johann von Wallendorf genannt, Der drapt mit Fug dem Bischoff nach, Und als von ungefähr gefchach Daß der Bischoff den Weg verlohr Im Schnee der da gefallen war,
die „Rat. - Ztg." erfährt, werden die Konferenzen der Finanzmlnister in Koburg in den letzten Tagen dieses Monats stattfinden und im herzoglichen Residenzschloß gehalten werden. Dieser Tage war Staatsminister v. Seebach aus Gotha in Koburg anwesend, um die für die Konferenz erforderlichen Dispositionen zu treffen. Den Vorsitz wird, nach der „Wes. Ztg." der preußische Finanz- Minister Bitter, nicht der Staatssecretär Scholz übernehmen. — Die hiesige Universität feiert den 3. August den Jahrestag der Geburt ihres Stifters, des hochseligen Königs Friedrich Wilhelm's III., durch eine Redefeier, welcher sich die Verleihung des Urteils der Fakultäten über die eingegangenen Preisarbeiten, die Verkündigung der Preisträger und der nächstjährigen Preisarbeiten anschließt. Die Festrede hält seit 1841 der jedesmalige Rektor, diesmal also der Geh. Justizrat Professor Dr. Beseler. Am 3. August 1843, da Friedrich v. Raumer Rektor war, hielt er zum ersten Male eine deutsche Rede bei einer amtlichen Festfeier der Universität, doch wurde damals ausdrücklich erklärt, daß dies nur ein der Person, nicht ber Sache gemachtes Zugeständnis sei. Vier Jahre später hielt auch Boeckh an demselben Gedenktage, als Rektor, eine deutsche Rede, während von 1848 ab die Festreden stets (mit einer einzigen Ausnahme) in deutscher Sprache gehalten werden. Die Urteile der Fakultäten über die Preis- Aufgaben werden jetzt auch in deutscher Sprache verlesen. Die Universität hat übrigens 1840 nach dem Ableben des königlichen Stifters beschlossen, dessen Geburtsfest für ewige Zeiten festlich zu begehen und auch die Preisverteilung an diesem Tage stattfinden zu lassen. (Die Stiftungsurkunde der Berliner Univerfität ist aus Königsberg vom 16. August 1809 datiert; die Eröffnung erfolgte bereits am 15. Oktober 1810, und zwar hielt Hufeland die erste Vorlesung.) — Das Brandunglück, das Theodor Mommsen betroffen hat, wird in allen gelehrten und literarischen Kreisen als ein allgemeiner Unfall betrachtet, dem es gemeinsam zu begegnen gilt, um den berühmten Gelehrten so rasch und so vollständig wie möglich wieder in bett Besitz des nötigen Materials, des literarischen Handwerkszeuges, zu setzen. — In der „Augsb. Allg. Ztg." wird durch Professor Mähly in Basel einem Gedanken öffentlich Ausdruck gegeben, der seit einer Woche die Gelehrtenkreise der Hauptstadt lebhaft beschäftigt und bereits solche that- kräftige Unterstützung findet, daß er, wie es den Anschein hat, einer vollen Verwirklichung entgegengeht. Es heißt in dem Blatte: „Wenn man diesem Mann auf seinem Siegesweg auch Fehler und Irrtümer nachweisen konnte, meist entsprungen aus dem Vollgefühl einer gewaltigen Subjektivität, so geschah das mit einem gewissen angenehmen, wenigstens beruhigenden Gefühl — es war nicht Schadenfreude, sondern der Trost, daß auch Mommsen hie und da „einer der Unfern sich dünke zu sein", d. h. ein dem Jrr-
Und zu rückt sucht wieder seine Straß, Der Junckherr ihn begegnen was, Von dem er da gefangen wird Und zu Landgraf Henrich geführt, Der schicket ihn gen Blanchenftein Und lies da gar wohl pflegen sein. Bald in dem zweit volgenden Jahr Des Bischoffs Ruprechts Zeit aus war Daß er beschloß das Leben sein
Im Landt uf dem Schloß Blanchenftein. Sic transit gloria mundi.
Marburg, am 26. Juli 1880. F. B.
Etwas zur Geschichte des Tabakraucheus.
Der Gebrauch des Tabaks zum Rauchen und Schnupfen wird nicht weit über den Anfang des vorigen Jahrhunderts hinauf gehen. Es wurde anfänglich in Europa von vielen für sündlich und verdammlich gehalten. Ich erinnere mich, bei einer alten Bibelausgabe einen Kupferstich gesehen zu haben, welcher die Hölle vorstellt. Unter andern Figuren fiel mir ein Mann auf, welcher bei einem großen Holzstoße, der in helle Flammen aufloderte, auf dem Boden ruhig saß, phlegmatisch aus einer laugen köllnischen Pfeife den TabakSrauch auszog, und dem Aufsteigen desselben vergnügt zusah. Diese Vorstellung war mir so auffallend, daß ich sie mir jetzt — nach einigen 20 Jahren — so lebhaft denken kann, als wenn ich sie erst gestern gesehen hätte.
Vielleicht ist folgende Anekvote nicht weniger komisch. Ein Engländer ging auf den Boden seines Hauses, um daselbst nach etwas zu suchen. Wie erstaunte er, als er seinen Sohn Tabak rauchend antraf 1 Dies war für ihn