Admiral Lessowöki abgegangen ist. Während Rußland so zu einem Kriege gegen China rüstet, haben die Feindseligkeiten gegen die Tckke - Turkmenen von neuem, wenn auch vorläufig nur in kleinem Maßstabe, begonnen.
Die Collectivnote der Botschafter ist von dem Doyen deS diplomatischen Corps in Konstantinopel, dem deutschen Botschafter Grafen Paul v. Hatzfeld, der hohen Pforte überreicht worden. Der Sultan hat Ministerberatungen bezüglich der Beantwortung der Note angeordnet; der Ant- wortSentwurf muß dem Großherrn zur Genehmigung vorgelegt werden. Die Uebergabe der Antwort dürfte frühestens im Anfänge des nächsten Monats erfolgen können. Die Berufung von deutschen Beamten und Offizieren nach Konstantinopel behufs Reorganisierung des Heer- und Ber- waltungSwesens der Türkei hat im Auslande, besonders in England, Anlaß zur Aufstellung von allerlei phantastischen Behauptungen über Geltendmachung deutschen Einflusses im OSmanenreiche gegeben. Die Sache liegt ganz einfach so, daß der Sultan, dem die Notwendigkeit der Einführung von Reformen ebenso bekannt ist als die Thatsache, daß die seit Jahrzehnten in der Türkei thätig gewesenen französischen und englischen Reorganisatoren bisher keine durchgreifenden Erfolge erzielt haben, es zur Abwechslung jetzt einmal mit deutschen Beamten versuchen will und daß unsere Regierung einem desfallsigen Ansuchen mit freundlicher Hülfsbereitschaft entsprochen hat. Hoffen wir, da, die deutschen Beamten zum Heile der Türkei und zur Ehre unseres Vaterlandes eine gedeihliche Wirksamkeit entfalten und das in sie gesetzte Vertrauen rechtfertigen werden.
Deutsches Reich.
•• Berlin, 22. Juni. Wie der Minister für Landwirtschaft erfahren hat, ist die nach den Ausführungsverordnungen zum Fischerei-Gesetz von 1874 zulässige Erlaubnis zum Fischfängen während der Schonzeiten in einzelnen Fällen direkt an die Petenten gerichtet worden, ohne daß die Lokal-Polizeiverwaltung davon Kenntnis erhalten hat. Um die hieraus entstehenden Unzuträgltchkeiten zu vermeiden, veranlaßt der Minister die Regierungen, die Bescheide wegen Gewährung oder Versagung der Erlaubnis durch Vermittelung der Lokal-Polizeibehörden den Beteiligten zuzustellen. — Nach der im Ministerium des Innern aufgestellten Nachweisung über den Geschäftsbetrieb und die Resultate der preußischen Sparkassen im Jahre 1878, bezw. 1878/79 waren im Betriebe 1157 Kassen mit 1,383,897,126,03 M. Einlagen, was einen Zugang von 71 Kassen mit 83,818,612,87 M. seit dem Jahre 1877 konstatiert. Außer den Einlagen befanden sich in den Kassen als Separatfonds 4,078,655,56 M. und als Reservefonds 82,210,710,59 M., so daß ein Gesamtvermögen von 1,470,186,492,18 M. bestand. — Das Reichs- Postamt hat sich mit Rücksicht auf § 2 des Gesetzes über
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Grundlose ihrer Eifersucht und meine völlige Unkenntniß der Art und Weise, wie ich zu dem Handschuh gekommen, zu erklären und zu betheuern.
Nutzloses Bemühen? Ein eifersüchtiges Frauenherz ist mit Unschuldbetheuerungen nicht zufrieden; eS verlangt direkte schlagende Beweise, nicht nur demonstrationes ad hominem, sondern handgreifliche demonstrationes ad oculos, und diese konnte ich beim besten Willen nicht liefern; wußte ich denn, welcher neckische Kobold mir den verhängrüßvollen Handschuh in meine Tasche zauberte?
„Wie lange dauert denn das dort oben?" tönte plötzlich PapaS kräftige Commandostimme herauf.
Erschrocken sprangen wir vom Sopha auf, und während Valerie ihre Thränen trocknete und ein „Gleich, Papa I" herunterrtef, fuhr ich in die Aermel meines UeberrockS und reichte dann mit einem bittenden Blick Valerie meinen Arm.
Sie verstand mich.
„Ich will gegen die Eltern schweigen," flüsterte sie mir leise aber entschieden zu, „so lange Du aber nicht Beweise Deiner Unschuld bringst oder mindestens ein reumütiges Bekenntntß ablegst, so lange wird mich keine Macht der Erde zwingen, mit Dir zum Altar zu treten."
Dann rauschte sie die Treppe herunter und ich hinkte ihr beklommen nach.
„Kind, wie stehst Du denn aus?" hörte ich plötzlich MamaS Frage, „woher rühren diese verweinten Augen?"
Mit zwei Schritten war ich im Zimmer, sah meine verlegen errötende Braut vor der erstaunt blickenden Mama stehend während mich der Papa mit den Blicken eines Groß-Inquisitors betrachtete, und merkte, daß wir Farbe bekennen mußten.
Mit einem großen Galgenhumor zog ich den carmoi-
XV. Jahrgang
Marburg, Sonnlag, 25. Juli 1880
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halb zomtg auf meinem Gesichte ruhten, streckte sie mir ihre rechte Hand, die vorher fest geballt auf dem laut schlagenden Herzen geruht, geöffnet entgegen, mir einen carmoistnroten Damenhandschuh mit zwei Knöpfen dicht vor die Augen haltend.
„Wie kommst Du zu diesem Handschuh, Fritz?" fragte sie mich mit thränenerstickter, vibrierender Stimme.
Halb verdutzt, halb belustigt blickte ich meine Braut und den Handschuh abwechselnd an.
„Aber Kind, von Rechts wegen sollte ich diese Frage an Dich richten, oder eigentlich: was soll eS mit diesem Handschuh?" erwiderte ich mit einem halben Lächeln.
„Was dieser Handschuh soll?" rief mein vor Aufregung ganz rotes Bräutchen, entrüstet über meinen heiteren Ton, „diesen zweiknöpfigen Damenhandschuh habe ich — in Deinem Ueberrocke, in der Brusttasche gefunden, Du treuloser, falscher Mensch," und in einen neuen Thränen- strom auSbrechend, sank sie auf das Sopha zurück.
„In meinem Rock?" rief ich erstaunt. „Nicht möglich, mein Herz! Wie soll ein fremder Damenhandschuh in meinen Rock gelangen? Am Ende ist eS sogar einer von den Deinen."
„Du wirst es wohl genau wiffen, auf welche Weise Du zu dem Handschuh gelangt bist. Mein ist er auf keinen Fall, denn ich habe noch nie diese Farbe getragen und übrigens ist die Nummer für mich viel zu groß," lautete die schluchzende Antwort.
Ich merkte nun, mein eifersüchtiges Bräutchen betrachtete den Handschuh mit denselben Augen und Gefühlen, wie etwa ein mittelalterliches Edelfräulein eine fremde Rosaschleife an der Achsel ihres blaufarbigen Ritters, und setzte mich deshalb entschlossen an ihre Seite, um ihr das
ment; eine Anzahl französischer Offiziere unter der Leitung des Generals Thomafstn ist nach Athen berufen, um die Neugestaltung der griechischen Armee zu übernehmen.
Wenn die englisch en Liberalen bet den letzten allgemeinen Wahlen nicht eine so übergroße Mehrheit erhalten hätten, müßte ihnen angestchtS der Nachwahlen angst und bange werden. Abermals haben sie in Berwick einen Sitz verloren und in Chester find zwei liberale Wahlen, darunter die des CabinetömitgliedeS Dodson, wegen Wahlbestechung für ungülttg erklärt worden. Und dabei ist der Unwille gegen Gladstone in manchen gemäßigt-liberalen Kreisen andauernd im Steigen. Die „große Action" im Orient hat chm vorläufig den gewünschten Ruhm nicht gebracht und Herr Goschen hat in Stambul noch wenig ausgerichtet. Jetzt scheint eine „patriotische Beklemmung" bet manchen Engländern zu herrschen wegen der Berufung deutscher Beamten und Offiziere nach der Türkei, obgleich dazu herzlich wenig Grund vorhanden ist. Auch in Indien steht eS noch nicht erfreulich aus und die Ruhe ist noch lange nicht hergestellt.
In Belgien haben die Festlichkeiten zur Feier des Unabhängigkeitsjubiläums ihren Anfang genommen. Am 18. d. M. fand vor dem Könige die Parade von 25,000 Mann Linientruppen und Bürgergarde statt. Am demselben Tage wurde im Brüsseler Rathause den Vertretern der europäischen Presse ein Ehrenbanket gegeben, bei welchem Guillery, der Präsident der Deputiertenkammer, den Vorsitz hatte und auch die Toaste ausbrachte. Am 20. waren die journalistischen Ehrengäste nach Gent eingeladen. An diesem Tage begann auch das Nationalschützenfest. Am 21. wurde in Lacken das Standbild des Königs Leopold 1 feierlich enthüllt. In den katholischen Kirchen des Landes ist ein Tedeum gesungen und Dankgottesdienst gehalten worden. In der St. Michel- und Gudula-Pfarrkirche zu Brüffel wohnte die ganze königliche Familie, sämtliche Mitglieder des liberalen Cabinets, eine große Zahl von Senatoren und Deputterten u. f. w. dieser Feier bei. In der That, wie auch neuerdings die kirchlichen und politischen Parteien gegeneinander gestimmt sein mögen, bei diesem Feste sollten alle treuen Seelen des Landes ein Herz und eine Seele sein, wenn sie auf die fünfzig Jahre friedlicher und gedeihlicher Entwickelung zurückblicken, welche chr kleines Belgien auf einen so hohen Rang unter den Eulturstaaten Europas emporgeführt haben.
Die Hoffnungen, welche man an die kürzlich gemeldete Abreise des chinesischen Gesandten Marquis Tseng nach Petersburg knüpfte, haben sich in so fern als voreilig bewiesen, als der Marquis diese schon so ost angesagtc Reise noch gar nicht angetreten hat. Dagegen sendet Rußland unaufhörlich Kriegsschiffe, Truppen und Munition nach den ostsibirischen Gewässern, wohin jetzt auch der zum Oberbefehlshaber des dortigen Geschwaders ernannte Vice
Erfcheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen- Preis für daS Quartal mit der wSchentlichen Beilage „JluftrtrteS LonntagStlUtt" durch die Expedition (K o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 3h Mark, durch di« Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. <«xcl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psß. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.
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Mt* Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.
Die Exper. d. Oberh. Leitung.
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Wochen - Übersicht.
Unser Kaiser hat sich nach gewohntem kurzen Aufenthalte auf der Insel Mainau nach Gastein begeben und seine Badekur schon begonnen. Im Laufe des Sommers soll eine Begrüßung des Kaisers mit dem Kaiser von Oesterreich in Gastein oder Ischl stattfinden. Fürst Bismarck hat sich zwar gleichfalls zu einer Badekur, die in Kisstngen gehalten werden soll, entschlossen, dieselbe aber noch nicht angetreten. Der Reichskanzler weilt vorläufig noch auf seinem, wie es scheint, auch gesundheitlich ihm sehr zusagenden Friedrichsruhe. Inzwischen ist das neue kirchenpolitische Gesetz am 14. d. M. vom Kaiser in Mainau vollzogen und int Reichs-Anzeiger veröffentlicht worden. — Der Kronprinz wird sich demnächst in Begleitung seines ältesten Lohnes nach Kiel begeben, um einem Manöver einiger Kriegsschiffe beizuwohnen. — In Schwarzburg - Sondershausen hat sich ein Regierungswechsel vollzogen. Fürst Günther hat zu Gunsten seines Sohnes, deS Erbprinzen Karl Günther, abgedankt und dem Lande auf dem einfachen Wege des Amtsblattes davon Kenntnis gegeben.
Wien feierte in dieser Woche das erste österreichische Bundesschietzen, zu dem sich zahlreiche Gäste nicht nur aus den alten Provinzen Oesterreichs, sondern auch aus Deutschland eingefunden hatten. Der Kaiser und der ganze Hof wohnten der Feierlicbkeit der Fahnenweihe bei und der Festzug durch die Straßen Wiens fand ohne die mindeste Störung statt.
In Frankreich ist das große Nationalfest am 14. d. M. auch von vielen großen Provinzialstädten gefeiert worden. In Paris hat es feinen Abschluß erst am 18. d. gefunden, und zwar mit einem großen GesangSwettstreit in Belleville, dem Wahlbezirk GambettaS. Die Fahnenweihe in den Departements ist auf den 25. d. M. angesetzt, so daß sie mit den an diesem Tage veranstalteten Gemeinde- Vvlksfesten zusammenfällt. Einige Beachtung erregt ein
Anzeige» nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von S- L- Daube & So. in Strantfurt a. !Dl; Jäger'sche Buchhandlung bajeloft; Hermann'sche vuchhandl. daselbst; Jnvalidcndanl in Berlin: W- LhieneS in Elberfeld: E. Schlotte in Bremen.
Der carmoisinrote Handschuh.
Humoreske von Fritz Stahlberg-Lex.
(Fortsetzung)
* „Gewiß, gewiß I" rief mir Valerie zu, „Du sollst »gar Patschuli darin finden," und schon war sie verschwunden.
\ Es verging aber eine geraume Zeit, ohne daß sie tobtttam. Ich wartete noch weitere Minuten, indeß ohne tot gewünschten Erfolg.
t „Sollte sie den Koffer nicht aufschließen können?" l Me ich zu mir selber, denn die Eltern machten im an- a»ßenden Zimmer wärmere Toilette für den Abend. Doch t tonnerte ich mich, daß der Schlüffel im Koffer steckte und t M Schloß ganz leicht aufschloß. Da mir daö Warten ■ Üblich gar zu lange währte, sprang ich schnell die Treppe Maus, die zu meinem Zimmer führte und trat hastig in tofselbe hinein, so hastig, daß ich sogar daS Anklopfen
- togaß.
I , Ein ganz eigentümlicher Anblick bot sich mir bar, als die Thüre aufriß, ein Bild, das mich einige Augen-
I tocke wie angewnrzett in der aufgerissenen Thüre stehen ließ.
Auf dem der Thür gegenüberstehenden Sopha saß Merle In halb liegender Stellung, das Taschentuch vor
Augen, die krampfhaft geballte Rechte auf dem Herzen, Mrend ein laute» Schluchzen ihren Körper erzittern machte.
(. Besorgt eilte ich auf die Weinende zu, sie zärüich bit- nb' mit doch zu sagen, waö denn eigentlich geschehen wäre.
Wie von einet Feder geschnellt, richtete sich Valerie b?Ot' sie meine Stimme vernahm, trat dicht an mich und indem chre thränenden Augen halb traurig und
L vll »«zeigen nimmt emgegtn: > ’ ^Expedition b.B(atttl,
laft. ,.mje d-Annoncen-Bureaux ran Z LH. Dietrich L To. in [200 gafld und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; tzaafrnstein & Bögler in