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Leider konnte daS prächtige Schiff nicht (iS nach Shanghai heraufkommen, weil es bei seinem Tiefgange die Barre, welche vor der Whangpoo-Mündung liegt, im gün- stigsten Falle nur in Zwischenräumen von 14 Tagen pas­sieren kann, in der Zwischenzeit also gewissermaßen gefangen wäre — Gleich am Morgen nach der Ankunft des Schiffes fuhren der Generalkonsul des Deutschen Reichs, Dr. Focke und der Vicckonsul v. Krencki nach Wusung, wo das Schiff vor Anker lag. Rach einer Visite bei dem Kommandanten wurden die Genannten von dem Prinzen auf das Huld­vollste empfangen. Er erzählte mit vielem Humor von seinem Jagdabenteuer in Japan — welches ja mehrfach durch die Zeitungen berichtet wurde. ,

In seiner Eigenschaft als Prinz waren Se. königliche Hoheit nur zwei Tage in Shanghai, während welcher Zell er im Generalkonsulate logierte.

Ein Doppelposten von der „Luise" kommandiert, schil­derte vor der Thür, und statt der deutschen Kriegsstagge wehte vom Hause des Generalkonsulats die Standarte des königlichen Hauses. Die Deutschen hatten große Vorbe­reitungen getroffen, um den Prinzen festlich zu empfangen; ein Komitö aus angesehenen deutschen Kausteuten mit dem deutschen Generalkonsul an der Spitze ward mit den Arran­gements betraut. Man beschloß, dem Prinzen zu Ehren ein Festdiner zu veranstalten, und Hr. Focke wurde mit der Einladung Sr. königl. Hoheit betraut, welche auch an­genommen wurde. Am 17. April trat der Prinz auf dem Kanonenboot „Chclop" hier an, begab sich dann an Bord der Luise" und empfing im Laufe deö Nachmittags die Mitglieder des diplomatischen und Konsularkorps, und zwar die Kommandanten der anwesenden Kriegsschiffe, die höchsten hier residierenden chinesischen Beamten, die hier gerade an­wesenden Diplomaten, die Konsuln und die zum Festkomlto gehörigen deutschen Kaufleute.

Der Prinz war in Uniformsfrack mit dem L-chwarzen Adler- und anderen höchsten Orden geschmückt. Man be­wunderte allgemein die große Gewandtheit, mit welcher der Prinz die Konversation bald in englischer, bald in deut­scher, bald in französischer Sprache leitete. _

Masonic Hall, wo das Festessen den 17. stattsand, war herrlich geschmückt. Die Außenseite war durch Gaskörper illuminiert, die ein mächtiges „H " und die Prinzenkrone zeigten. Auf den Treppen flimnierten und leuchteten chine­sische Laternen, während Blumen die Geländer, Pie Eillroes und Vorzimmer schmückten und die Luft mit köstlichem Duft erfüllten. Fahnen und Flaggen, darunter hauptsäch­lich die deutschen Farben, gaben dem äußeren Schmuck noch ein besonders festliches Gepräge. Die Halle selbst, wo das Diner stattfand, war mit hochstämmigen Pflanzen, blühen­den Gewächsen und Fahnen geschmückt. Die Mitte des Schmuckes bildete eine Büste deö Kaisers Wilhelm über welcher ein flammender Gasstern sein weißes Licht erstrahlen ließ. In der Nische über der Orgel war die chinesische Flagge, der schwarze Drachen im gelben Felde, ausgebrei- tet, während die Fenster von den Fahnen der Staaten be­deckt waren, die der Prinz Heinrich auf seiner Weltreise besucht hatte. Oberhalb des Eingangs prangte die deut­sche Reichsfahne, zu ihrer Rechten befand sich das Porträt deö Großvaters des Prinzen, Kaiser Wilhelms, während zur Linken das Porträt des Vaters des Prinzen, unseres Kronprinzen, angebracht war. Gegen 7 Uhr Abends ver­sammelte sich die Gesellschaft im kleinen Saale. Prinz Heinrich wurde vom Generalkonsul Dr. Focke eingeführt; mit Sr. königlichen Hoheit trafen auch seine nächsten Be­gleiter auf der Reise ein. Am Eingänge wurve der er­lauchte Gast von dem Fesikomitö begrüßt, und unter den Klängen der Musik wurde der Festraum betreten. In ihrem strahlenden Lichte und ihrer lebhaften Farbendekora- tioit bot die Halle in diesem Augenblicke einen festlich schönen Anblick, dessen Effekt sich, keiner der Anwesenden zu entziehen vermochte. Se. königliche Hoheit nahm in

der Mitte der kreuzförmig aufgestellten Tafel, gerade unter­halb der kaiserlichen Büste, Platz, zu seiner Rechten saß Hr. Hubbe, zur Linken Hr. Reiners, als Mitglieder deö KomitsS, während Generalkonsul Dr. Focke dem Prinzen gegenüber saß. Nach dem zweiten Gange des Diner er­hob sich Dr. Focke, um auf die Gesundheit deS Prinzen zu trinken, wobei Redner auf die allgemeine Freude unter den Deutschen hinwieö, denen cs vergönnt sei, den Prinzen in ihrer Mitte begrüßen zu dürfen. Kurz darauf erhob sich Prinz Heinrich und die ganze Festgesellschaft mit ihm, um dessen Antwort stehend entgegen zu nehmen. Mit fester, weithin vernehmbarer Stimme sagte Prinz Heinrich:

Meine Herren I

Die Interessen des Reichs haben eö in dieser Zeit so ge­fügt, daß vier Schiff- Sr. Majestät ihre Flaggen entfalten vor dieser fernen Stadt. In ihnen wird ein Stück des Deutschen Vaterlandes hinauögetragen in die weite Welt, mit einem Organismus von Erz und mit deutschen Männern in Waffen. Dadurch ist ein belebendes Element geschaffen ür das Deutschtum in allen Teilen der Erde, eine bindende Kette zum großen Vaterlande, welche sich stark erweisen wird auch in Stunden der Gefahr. Mit Stolz bekenne ich, daß ein solcher Dienst für Kaiser und Reich auch mich hierher geführt hat. Heute Abend aber tritt der Enkel Ihres Kaisers in Ihre Mitte und dankt Ihnen aus warmem Herzen für das Willkommen, welches Sie ihm entgegen bringen..

Se. Majestät der Kaiser wird mit Freuden die Kunde von mir vernehmen, daß Sie gerne zusammenkamen, Ihn und Sein Haus zu ehren, und daß Sie die Treue bewahrten zur Heimath. ... r, ,

Möge diese deutsche Treue in Shanghai nie ersterben und unauslöschlich gekettet sein an die unbegrenzte Liebe zu unserem über Alles verehrten Kaiser.

Diesen Wunsch wollen wir bekräftigen, indem wir Sr. Majestät zujubeln und unsere heiligsten und edelsten Ge­fühle hineinlegen in den Rus:

„Se. Majestät der Kaiser, er lebe hoch, hoch, hoch!"

Die Musik intonierte die Volkshymne, und jubelnd stimmten Alle ein. Weitere Toaste wurden nicht ausgebracht. Während des Diners spielte die Musik des „Prinz Adalbert" verschiedene Weisen. Die Stimmung blieb durchweg eine festlich gehobene. Gegen 11 Uhr verließ Se. königliche Hoheit die Halle, nachdem er vorher Gelegenheit genommen hatte, Allen feinen herzlichen Dank für den schönen Abend, der ihm bereitet worden, auszudrücken. Die Teilnehmer werden daS Fest nicht vergessen und der 17. April 1880 wird im Kalender der Deutschen in Shanghai als ein Ehrentag gelten. Das Menu, auf künstlerisch schön deko­rierten Blättern gedruckt, dürfte unsere Landsleute in der Heimath interessieren, und lasfe ich dasselbe hier folgen:

Fest-Essen zu Ehren Seiner königlichen Hoheit des Prinzen Heinrich von Preußen. Shanghai, 17. April 1880.

Menu.

Hors d’oeuvre.

Beurre, Radis, Olives, Saucisson.

Caviar de Russie en Canapfe.

Petits Pates au Gras, Potages:

Julifenne Tortue.

Relevfes.

Loups h la Hollandaise.

Mayonnaise de Homards.

Entrfees chaude:

Filets de boeuf fe la Financifere.

Cotelettes d’ Agneau fe la jardinifere.

Dindes h F Ambassadrice.

Jambons h la Rothschild.

Entrfees froides:

Pätfes de Strasbourg a la Gelfee.

Galantine de Faisans h la La Vallifere

Ponche d 1* Impferiale.

Legumes:

Petit Pois h la creme. Choux-fleurs au Parmesan.

Rotis:

Bfecassines a la Royale. — Selles de Mouton.

Salades:

Bombe h la Chantilly. Gelfee au Marasquin.

Pifeces Montfees:

Croquantes en Nougat. Sultanes. Temple Gothique. Patisserie etc.

Fruits: Caffe, Liquers etc.

Die chinesischen Civilbeamlen hatten andern Tagö zu Ehren des Prinzen Heinrich ein Frühstück veranstaltet, welches in dem chinesischen Stadtteile und zwar im Tempel des Schutzgeistes von Shanghai, stattfand, wohin sich die geladenen deutschen Gäste, der Prinz, Generalkonsul Baron von Seckendorfs, die Schiffskommandanten und die übrige nächste Begleitung des Prinzen in 22 Sänften begaben.

Die grüne Sänfte des Prinzen war seinem hohen Range entsprechend mit gelben Schnüren geziert, ebenso die Enden der Tragcstangen. Starke Militärabteilungen bildeten beim Eingang in die Stadt und vor dem Tempel Spalier. — Eine Ehrenwache mit Musik ging dem Stuhl des Prinzen voran. Während des Diners, das aus mehr denn 50 Gängen bestand, trug eine aus lauter Knaben bestehende Sängcrgesellschaft, die man eigens für das Fest hatte kommen lasten, Tisch-, und Freudenlieder vor. Das Ganze schien dem Prinzen sichtlich viel Vergnügen zu machen.

Am Abend speisten dann die Chinesen mit dem Prinzen im deutschen Konsulathause.

Zum Schluß will ich noch erwähnen, daß das so über­aus liebenswürdige und doch dabei so echt königliche Wesen deö Prinzen auf Alle, selbst auf solche, die nicht zu den enragierten Monarchisten zählen, den besten und tiefsten Eindruck gemacht hat.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Juli. Bei der Rückreise des Kaisers Wilhelm von Gastein wird eine Begrüßung seitens des Kaisers mit dem Kaiser von Oesterreich stattfinden. — Zum Besuch bei Ihrer Majestät der Kaiserin trafen die Prinzessinnen Augusta Victoria und Caroline Mathilde von Schleswig-Hoistein-Souderburg-Augustenburg am Mitt­woch im Restvenzschlvsse zu Koblenz ein. — Der Kronprinz wird sich am 26. Juli auf der kaiserlichen Yacht „Hohen- sollern" in Swinemünde einschiffen und das Uebungöge- zchwader, bestehend aus den Panzersregatten „Friedrich Kart", „Friedrich der Große", „Preußen", der Panzerkorvette „Sachsen" und dem Aviso „Grille", auf der Höhe von Arkona inspizieren und sich dann mit dem Geschwader nach Kiel begeben. Am 28. findet in Kiel der Stapellauf und der Besuch von Friedrichsort statt. Die Anwesenheit des Kronprinzen in Kiel gilt allein der Marine. — Fürst Bismarck wird noch 6—7 Tage in Friedrichsruhe verweilen und sich dann nach Kisstngen begeben. — Der „Franks. Zig." wird aus Berlin telegraphiert: „Da ein Krieg zwischen Rußland und China in Aussicht zu stehen scheint, so zieht man von Seiten der Kaiserlichen Admiralität jetzt ernstlich in Erwägung, die ostasiatische Station zu ver­stärken, zumal die Korvetten „Prinz Adalbert" und „Luise" von Hongkong auf der Rückfahrt begriffen sind. Wie man vernimmt, ist jetzt der Kapitän z. S. Graf v. Monts, Kommandeur der 1. Werftoivisiou in Kiel, zum Chef eines in den chinesischen Gewästern zusammengezogencn deutschen Kricgsgeschwaderö in Aussicht genommen." — Einer Mel­dung der „Elsaß Lothringer Zeitung" zufolge ist der Staats­rat von Elsaß-Lothringen behufs feiner Konstituierung zum 28. Juli d. I. einberufen.

— Ein Schreiben deö Herrn von Sybel an seine politischen Freunde im Rheinlande (wir werden eö in der

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„Um Gott," ruft Ismar, „Herr Förster, Sie hier? Fragend schaute der Alte auf zu dem stattlichen Herrn. „Kennen Sie mich nicht mehr, der Ismar Löwenberg ist eö, der einst mit Ihrer Elise gespielt."

Da irrt ein Lächeln deö Erkennens über deö Alten Angesicht, doch gleich wieder schaut er traurig zu Boden.

„Ja damals," seufzt er, „aber jetzt, o, meine Elise, wärest Du schon damals gestorben!" und Thränen rollen über die Hagern Wangen.

Stumm schauen Martha und JSmar den Alten an, sie ehren seinen Schmerz.

Da rafft er sich auf: „Wollen Sie Elise sehen? Kom­men Sie, ich führe Sie zu der Armen."

Sie folgen ihm; er öffnet die Thür des nächsten Zim­mers. Dort auf dem Bett ruht ein Weib, bleich, krank, mager, die Wangen fieberhaft gerötet, der Todesengel hat sie schon berührt, es ist — die einst so schöne Elise.

Jetzt wendet sie das Haupt. Im Nu richtet sie sich auf, die Augen werden entsetzlich groß:

„Ismar! Martha!" schrie sie gellend. „Waö wollt Ihr, noch bin ich nicht tot; ja, ich habe Euch Beide be­trogen, Euer Lebensglück vernichtet. Verzeihung! Fordert mich nicht vor Gericht, ich habe schon so viel gelitten. Er­barmen, Gnade!" In ein unverständliches Murmeln gingen die Worte über, erschöpft sank sie in die Kissen.

Erschüttert standen Ismar und Martha. Der Alte war weinend zum Bett geschlichen und beugte sich über die jetzt Regungslose:

„Klage Dich nicht an, mein armes Kind; ich Dein Vater, trage die Schuld, ich habe Dir Hochmut eingeimpst

und Dich mit meiner Eitelkeit zum Leichtsinn verführt. Der Herr hat uns schwer gestraft, er wird droben ein milder Richter sein unö Beiden."

„Elise," sagte Ismar und seine Stimme bebte, „Elise, wenn cs Dich beruhigt, ich verzeihe Dir, und hier auch meine Martha verzeiht, eins durch das andere haben wir das Glück, den Frieden wieder gefunden. Der große, all­gütige Gott lasse auch Dich Frieden finden!" —

Fragend irrten Elisens Augen über die Beiden, dann leuchtete das Verständnis auf in ihnen, ihre durchsichtige Hand faßte unsicher nach Beider Händen.

„Gott segne Euch und mir, ja mir geb' er Frieden I" flüsterten die bleichen Lippen.

Verklärend legte sich ein Lächeln über ihr Gesicht, die Augen schlossen sich, sie schlief; schlief fanft nach langer, langer Zeit. —

Vorn, im Gastzimmer erzählte der Alte, daß sie vor Jahresfrist mit Berner hier angekommen, und den Gasthof gekauft habe mit dem letzten Geld, er selbst habe noch zu- gclegt, da eö nicht gelangt.

Elise sei schon damals krank gewesen. Bemer habe sich dem Trunk ergeben, Elise mißhandelt und sich mit allerlei verdächtigem Gesindel umhergetrieben, als ärgster Wilddieb der Gegend.

Um nicht gezwungen zu sein, ihm feindlich gegenüber zu stehen, habe der Alte die Försterei aufgegeben und sei mit in das Gasthaus gezogen.

Da habe man Berner eines TageS erschlagen Im Walde gefunden, ob er Streit gehabt, Niemand wiffe eS; auf dem Friedhof des nächsten Dorfes liege er begraben.

Mit Elise aber sei es schlechter geworden von Tag zu Tag.

Wenige Tage später, nachdem sie Geld zur Pflege für Elise dort gelassen und den Totenfchein Berner's erhalten hatten, fuhren JSmar und Martha zur Residenz zurück.

Vor der Expedition der Tante Voß, über den ganzen Schloßplatz waren Buden gebaut. „Weihnachten," jubelten die Kinder, Knarren rasselten, Waldteufel brummten und die Erwachsenen wurden noch einmal jung in der Freude der Kinder.

Der Schnee wirbelte in dichten Flocken nieder; da wurde Hochzeit gefeiert im Hotel de Rome unter den Linden.

Martha war eine liebliche Braut, der eö Niemand an« sah, daß sie Wittwe sei und unendlich Leid ertragen hatte- Es war eine kleine, gewählte Versammlung, auch Baro» und Baronin Wellwitz waren anwesend.

Toaste über Toaste wurden ausgebracht, Heiterkeit, )a fast ausgelassene Lust herrschten überall, da erfaßte Ismar das Glas, als Champagner gebracht wurde, stieß mit der errötenden Braut an und rief: „Ein Hoch der guten Tante Voß, hoch, hoch, soll sie leben!" Und obwohl es die anderen nicht verstanden, so stießen sie dennoch an und lachten u«v nannten es: „Einen originellen Einfall"; nur Baron ul» Baronin Wellwitz drückten sich die Hände und sahen R glücklich, verständnißinnig an, und leise, leise flüsterns setzte Ismar, zur erglühenden Martha gewendet, hiE „Auf mein Trinkglas lasse ich die Chiffre schleifen, der w mein Glück danke:

M. G. 100."