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gtr. 167.

JTlacfiurg, Sonntag, 18. Jnli 1880

XV. ZahlMg

enicigen nimmt entgegen: ^GxpedMoud.Blatte», (jpie d.Annoneen-Bureaux non Th, Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; ^oalenstein & Vogler in iranifö « M., Berlin. Z.-pzix, CAn rr.; Rudolf in Berlin, graul«

* für?, a. M. rc.

WttjicWik Zitirns.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte» sowie d-Annoncen-Bureoux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermaim'sche Buchhandl. daselbst; Jnvaiidendank in Berlin; W- ThieneS in Elberfeld' 6. Schlotte in Bremen.

Z.schun. täflich auger an den Wetttagm nach oonn- und Feiettagen- Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen BeilageJllustrirteS SountagSblatt" durch die Expedition (Koch'fche ^uchdruckerei) bezogen 2^ Mark, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (ejcl. Bestellgebühr). JufectionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

Meinungsaustausch über die Möglichkeiten statt, dem an die Pforte gemeinsam gestellten Verlangen Nachdruck zu geben. Bestimmte Anträge in dieser Richtung sind jedoch nicht gestellt, auch noch keine Flottendemonstration der sechs Mächte verabredet. DieNordd. Allgem. Ztg." erklärt das vielverbreitete Gerücht von Verhandlungen über die Verstaatlichung der Bergisch-Märkischen Eisenbahn für jeglischen Grund entbehrend.

Nach Mitteilungen mehrerer Blätter bereitet der Vatikan seine Antwort auf das preußische Kirchengesetz vor; noch vor Ende des Monats wird in Rom eine neue Encyclika erwartet, die bestimmt ist, der Erklärung des Kardinals Nina Folge zu geben: der Papst werde genötigt sein, in Betreff des Verhältnisses zur preußischen Regie­rung den Katholiken seine Auffassung des Ausganges der Unterhandlung mit Preußen-Deutschland bekannt zu geben. Diese Kundgebung wird endlich den Zweifeln über die Stellung der Kurie zu Preußen ein Ende machen.

Darmstadt, 14. Juli. Die auf heute anberaumte Versammlung zwischen Vertretern der Schulze - Delitz'schen Genossenschaften und solchen der ländlichen Darlehenskassen- und Kreditvereine in Hessen und Baden fand im Bureau der landwirtschaftlichen Centralstelle statt. Erschienen waren von der einen Seite Dr. Schulze-Delitsch, die Verbands- Direktoren Bernhard von hier und Knecht von Neustadt a. d. Haardt, von der anderen Seite Generalsekretär Dr. Weidenhammer und Polizeirat Haas von hier, sowie Oekonomierat Mörklin von Karlsruhe. Den Vorsitz führte Reichstagsabgeordneter Dr. Schröder von Worms. Wie man hört, wäre eine erfreuliche Verständigung über seither schwebende nicht unwichtige Differenzpunkte: ob Geschäfts- Anteile, oder nicht u. s. w. bei den mehrstündigen Ver­handlungen angebahnt und vor allem das erreicht worden, daß frühere Angriffe aus beiden Lagern sich als sachlich unbegründet erwiesen. Vielmehr soll ein für die Zukunft der genossenschaftlichen Entwickelung gedeihlicher Austausch das sichere Ergebnis der Erörterungen gewesen sein.

Stuttgart, 16. Juli. DieWürtt. Landes-Ztg." melde: bezüglich der Umwandlung der 4>,,proc. Gulden- Obligationen und der 4>/'proc. Markanleihe von 1876 in eine IVrProc. Rentenschuld, das Finanzministerium habe bis jetzt keinerlei Entschließungen gefaßt und sei die ganze darauf bezügliche Mitteilung verfrüht.

Maina«, 16. Juli. Der Kaiser und die großherzog­lich badischen Herrschaften folgten bei dem gestrigen Besuche in Friedrichshafen der Einladung der württembergischen Majestäten zum Diner und trafen um 8 Uhr Abends wieder in Mainau ein. Um 9 Uhr brachte der Constanzer Sängerverein auf den Dampfbooten Greif und Constanz vom See aus dem Kaiser eine Serenade dar. Den bei­den Dampfbooten hatten sich viele Schiffe und Boote aus den Uferorten festlich geschmückt und beleuchtet, zugesellt.

Au-lau-.

Paris, 16. Juli. Mehrere Straßen, namentlich im Faubourg St. Denis, waren gestern Abend noch eben so illuminiert wie am Mittwoch. Auf dem Republikplatze war den ganzen Abend eine große Menschenmasse bei­sammen, die fortwährend die Marseillaife sang und die Republik hochleben ließ. In den Außenvierteln Belleville, Billette, Montmartre u. s. w. herrschte lebhafte Bewegung, da die Festmärkte fortdauern. Noch immer ziehen Musik- banden umher und spielen die Marseillaise. Trotz der Mühe, die sich einzelne Hetzer gaben, um das Volk zu irgend einer aufrüh rischen Kundgebung zu stacheln, ist doch nichts der Art vorgekommen. Die Leute sind durchaus friedlich gestimmt. In der Großen Oper hat gestern Abend eine Gala-Vorstellung stattgefunden zu Ehren der Regiments- Deputation, welche auf dem Longchamps die Fahnen in Em­pfang genommen, und der Officiere, welche die Parade mitgemacht haben. Etwa 2000 Generäle, Officiere und andere Militärs in großer Uniform waren zugegen, aber wenig bürgerliche Beamte und fast gar keine Damen. Das diplomatische Corps war nahezu vollständig vertreten. Die in der Mitte für den Präsidenten der Republik eingerichtete Loge hatte 15 Plätze. Als Grovy erschien, wurde er von der Musik mit der Marseillaise eingeführt; da er aber ganz bescheiden seinen Platz einnahm, achtete niemand auf ihn und niemand erhob sich, um das Staatsoberhaupt zu grüßen. In derselben Loge saßen Frau Grsvy nebst Tochter, die Minister und die Botschafter. Leon Say und Gambetta hatten sich eine der Prosceniumslogen gewählt. Marschall Canrobert unterhielt sich längere Zeit mit Galiffet. Nach Schluß der Theatervorstellung wurde die Marseillaise gespielt; eine andere Kundgebung ist nicht vorgekommen. Auch Grovy wurde beim Ausgang nicht begrüßt. Man erkannte ihn nicht, weil er sein Gefolge entlassen hatte. Heute findet bei Gambetta ein ^militärisches Diner von hundert Gedecken statt.

London, 16. Juli. Unterhaus. UnterstaatSsecretär Dilke antwortet auf eine Anfrage Wolff'S, er glaube, daß die Mitteilungen der Pforte über das Treffen zwischen Albanesen und Montenegrinern das Gegenteil von der Wahrheit seien. Auf eine weitere Frage Wolffs antwortet Gladstone, er wisse nicht, daß den nach China gehenden russischen Kriegsschiffen gestattet worden sei, in Aden oder in anderen britischen Besitzungen Vorräte einzunehmen. Daily News" meldet aus Kabul vom 15. Juli: Abdurrahman hat den Hindukusch mit einem kleinen Gefolge überschritten und ist heute in Tudundarrah angc- kommen.

Petersburg, 26. Juli. Offiziell. Einem Berichte des General Skvbeleff zufolge wurde der am 3. Juli aus Bami nach Beudessen commandierte Arzt Studitzly mit

Deutsches Sketch.

** Berlin, 16. Juli. In den von Mainau ein­gehenden Berichten wird das Befinden des Kaisers als ganz vortrefflich geschildert. Die Kur in Ems hat außer­ordentlich gut auf das Allgemeinbefinden des Monarchen eingewirkt. In Koblenz hat die Frische und Rüstigkeit des Kaisers überall Freude bereitet. Die Abreise Sr. Majestät von Mainau wird Sonntag Vormittag ll1/? Uhr erfolgen und ist die Ankunft in Lindau gegen 2 Uhr Nachmittags in Aussicht genommen. Von Lindau aus wird die Reife unmittelbar bis Rosenheim fortgesetzt, wo­selbst Nachtquartier genommen werden wird. Am 19. Vormittags soll die Weiterreise über Kufstein, die Gisela- bahn entlang, von Land aus zu Wagen nach Gastein er­folgen, woselbst die Ankunft gegen Abend zu erwarten steht. Ueber die Absicht des Kaisers, den österreichischen Kaiser in Ischl zu begrüßen, wird mitgeteilt, daß diese Absicht hat aufgegeben werden müssen, weil Kaiser Franz Josef in der zweiten Hälfte des Juli nicht in Ischl anwesend sein wird. Letzterer gab dem Wunsche Ausdruck, Kaiser Wilhelm in Gastein bewillkommnen zu können, was jedoch dankend mit dem Bemerken abgelehnt wurde, daß sich unser Kaiser vorbehalte, auf der Rückreise von Gastein den Kaiser Franz,Josef, vorauösichtlich,in Ischl aufzusuchen. Die Rück­kehr des Kaisers nach Berlin wird, wie ich anderweitig höre, Mitte August erfolgen.j In verschiedenen Blättern ist berichtet worden, daß die Absicht vorliege, mit der An­stellung von Meliorations-Technikern weiter vorzugehen und die Errichtung neuer Wiesenbauschulen eintreten zu lassen. Diese Darstellung entspricht nicht genau den that- sächlichen Verhältnissen. Es ist, wie ich erfahre, jedem Oberpräsidiuni ein Kullurtechniker beigegeben, welchem die Aufgabe zufällt, in Wiesenbau- und bergt Angelegenheiten den Landwirten ratend und helfend zur Seite zu stehen. Eine Vermehrung dieser Kulturtechniker ist aber nicht in Aussicht genommen. Die Wiesenbauschulen betreffend, ist zu bemerken, daß dieselben fast gleichzeitig mit der Reform der Landwirtschaftschulen, wie alle niederen landwirtschaft­lichen Schulen bei Gelegenheit der Reorganisation der Provinzial-Verwaltung auf diese übergegangen find, sie stehen also nicht im Zusammenhänge mit den staatlichen Instituten. Die Regierung unterstützt die Wiesenbau­schulen, soweit die Fonds disponibel sind. Es ist also ein Irrtum in jener Angabe, wenn behauptet wird, die Regie­rung beabsichtige die Errichtung von weiteren WiesenbitÜ- schulen. Die Eisenbahn zwischen Ruhla und Wutha, ist am 10. d., am 15. d. die Strecke Artern-Sangerhausen und am nämlichen Tage die Strecke zwischen Brügge in Westfalen und Lüdenscheid dem Betriebe übergeben worden.

Begreiflicher Weise findet zwischen den Mächten ein

D i e Rose.

Und als die Nachtigal geendet Im Lindenbaum ihr schönstes Lied. Da ist in heil'ger Morgenstunde Die rote Rose ausgeblüht.

Und trunken von dem Morgengolde, Das durch die grünen Ranken fällt. Grüßt sie mit schauerndem Erröten Zum ersten Mal die Gotteswelt.

Und alle Zauber zu vollenden, Ward ihr auf ros'ge Stirn geküßt, Das holde, reizende Geheimniß: Daß sie nicht weiß, wie schön sie ist.

Da zittert in dem gold'nen Auge

Wohl eine Perle silberrein:

Es soll der Dank der schönen Blume Für ihren Himmelsschöpfer sein.

F. Stolle.

Auf diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege.

Original-Novelle von G. Walden.

(Fortsetzung.)

Hedwig!" Sanft, liebevoll zog er die kleinen Hände Antlitz, o, sie war schön, entzückend schön in ihrer Verwirrung, mit den glühenden Wangen und den feuchten, iroßen Augen; wo hatte er nur so lange Jahre seine Augen ^habt, keine von all den Damen, welche ihn eine Zeit 8nd beherrscht, konnte sich mit ihr vergleichen.

Hedwig, liebst Du mich weniger, weil ich Hugo heiße? y^toifl, mein Weib, wir haben jahrelang im Dunkeln ge- Ä ein glücklicher Mall hat uns die Augen geöffnet, hat W in unfern Irrwahn gebracht.

Ich, Dein Mann, werbe noch einmal um Dich, Hedwig,

mein Engel, willst Du meine süße Braut, mein trautes, liebes Weib sein?"

Verwirrt, erglühend, erbebend in sel'ger Lust hatte sie in seine feurigen Augen geschaut, jetzt warf sie sich mit einem Laut des Entzückens an seine Brust, er preßte sie an sich, stürmisch, feurig, als wolle er sie ersticken, dann sprang er jauchzend auf:O wie glücklich ich bin, wie selig! Doch, Hedwig, wenn ich daran denke, wie wenn jetzt ein Anderer hier an meiner Stelle stände? Ich würde ihn töten! O Hedwig, ich werde meinen Schatz mit Argusaugen hüten!"

Düster glühend blitzte es einen Moment in seinen Augen auf, doch im nächsten jubelte er:

Ein Hoch dem Gotte Zufall! Em Hoch der Tante Voß! Heut erst feiere ich meine Hochzeit! Wein her Champagner her! Die Tante Voß soll leben!" Und er riß an der Klingel, daß es schrill durch das ganze Hotel tönte.Champagner!" Der Kellner flog davon. Und bald knallten die Propfen, die Gläser klangen und Überglücklich schaute Baron Wellwitz auf das schöne Weib an seiner Brust, die erbebend vor Liebe und Glück zu ihm aufschaute.--

Doch kehren wir zurück, um zu sehen, was Martha wahrend dieser Zeit begegnet.

Kaum hatte die Baronin das Zimmer verlassen, so sprang Martha auf vom Sessel am Piano, um in ver­zehrender Ungeduld im Zimmer hin und her zu gehen.

Da frug nun die Baronin, ob sie kein Herz habe, da glaubte diese, sie wisse nicht, was es heiße: lieben und geliebt zu werden und doch hatte sie gerade heut der Herrin alles gestehen wollen, alles, was sie gethan und wie daS Glück sie endlich doch ausgesucht, wie sie ein Herz gefunden,

treu und wahr, das ihr, der Verlassenen, eine Heimat!) schaffen wollte.

Hatte sie doch dem geliebten Mann alles geschrieben, all' ihr Leid, all' ihr Elend, und daß sie sogar noch ge­bunden sei. Er aber hatte ihr geantwortet, daß das alles nichtige Einwände seien, daß sein Notar bald die nötigen Schritte zur Lösung der unwürdigen Fessel thun werde.

Und heut, heut wollte er kommen, um persönlich seine Werbung zu wiederholen und das Nötigste zu besprechen.

Da mußte nun gerade heut die Baronin abwesend sein. Ihr Herz klopfte, sie sehnte die Stunde heran, die ihn zu ihr führte und doch hätte sie fliehen mögen vor dieser Be­gegnung. Endlich bekämpfte sie ihre Angst, sie eilte auf :hr Zimmer, sie wollte sich doch etwas schmücken, um den Bräutigam zu empfangen.

Näher und näher rückte die Stunde. Abermals weilte Martha in jenem Balkonzimmer. Zum ersten Mal, seit langer Zeit, hatte sie ein farbiges Kleid angelegt. Goldig glänzend, wo die Sonne traf, floß ein meergrünes Seidenkleid um die schlanke Gestalt und durch die blonden Locken schlang sich ein Band von gleicher Farbe. Um Jahre schien sie verjüngt.

Sie hatte zur Stickerei gegriffen, doch achtlos ruhte sie im Schooße.

Sie wußte, daß er kommen würde und doch erschrack sie als der Diener meldete:Fräulein Berner, ein Herr wünscht Sie zu sprechen."

Sie war aufgestanden, der Diener hatte den Herrn eintreten lassen und war verschwunden. Immer noch rang sie nach Luft, es war ihr unmöglich, ein Wort hervorzu­bringen. Die Wirklichkeit übertraf die Copie. Wie, dieser feine, schöne Mann sollte der Ihre sein, sollte sie, daS