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Re. 163.

JRaröurg, Mittwoch, u. Juli 1880.

Buchhandel und Gewerbefreiheit.

und

Ist es beim Buchhandel vielleicht anders und besser? Nicht tm mindesten! In Deutschland ist die Zahl der Sortlmentsbuchhandlungen auf etwa 6000 gestiegen. Mit btqer erschrecklichen Vermehrung ist eine heillose Kor­ruption über den Buchhandel hereingebrochen. Jeder AuS- laufer einer Buchhandlung, jeder Kommis, der kaum einen rechten Brief kritzeln kann, jeder Kalenderkrämer hält sich zum Buchhändler beanlagt. Die Konkurrenten fressen vor Neid beinahe einander auf. Das Bücher lesende Publikum wird mitAnsichtzusendungen", Prospekten und Kolpor­teuren zum kaufen und abonnieren wahrhaft gequält. Und von welcher Beschaffenheit sind oft die gedruckten Waren? W ekelt einem manchmal an, solche Erzeugnisse nur mit dem Zeigefinger anzutasten. Aus jeder Seite dringt der Modergeruch der Gemeinheit, welche nicht nur auf Thor- yetten, sondern sogar auf die niedersten Leidenschaften des tierischen Menschen spekuliert, lediglich um Geld zu machen.

Durch die Gewerbefreihcit sind die Buchhandlungen die «anale geworden, durch welche der Geist, die Sitte und

der Geschmack des Volkes verdorben werden. Die großen Achter und Denker kennt man blos mehr dem Namen nach, selbst Eugen Sue und Boccaccio ziehen nicht mehr: wie sollte dies auch anders sein, da es Buchhmidlunaen ^^ 'velche den Gymnasiasten und Jnstitutsfräuleins die

und, schlechtere Getränke. Die Gelegenheit lind die Kund­schaft führten gar manchen öfter ins Wirtshaus. Das Familienleben des Arbeiters wurde durch die Luft der Kneipen und die Wirkungen des Fusels verpestet, ^e mehr Wirtshäuser, desto mehr Armen-, Irren- und Zucht­häuser. Der Einfluß der zu vielen Wirtshäuser äußert sich ebenso auf das Geistesleben und die Moral wie auf dre körperliche Gesundheit und die wirtschaftliche Lage des Volkes.

BuchÄackerei)" d'-7°gm^Ma^ouA''dieSonntagSStatt" durch die Sxp-ditwn (Koch'sch- ___________________ " b" Srp-ditwn ,u -rthLdkÄLL^ *

A«f diesem nicht mehr ungewöhnlichen Wege.

Original-Novelle von G. Walden.

(Fortsetzung)

Sie hatte ihm wieder geschrieben, daß auch sie ihn iJu' eben so heiß, eben so glühend, daß sie dennoch ver- ch en mußten, seine Bitte jedoch, sie nur ein einzig Mal SM wollen wurde sie erfüllen! Einmal, und dann ^e ven! Er aber möge den Ort bestimmen, sie wisse nicht kommen werde sie dann bestimmt. ' ' "

len- n! 7?lt Drütte ihr glühend heiß zu Kopf und Her- Lnin? o K v auJ Ultb warf Kußhände in die warme äIf?,h"8ffr.r?TU« ,Sie wußte jetzt seinen Namen: L ^/"^tr sie leise, innig, sehnend, daß es klang tc bezaubernder Sirenengesang.

ten bcr Villa, in dem goldbraun möblier«

«m b~. ^f6^c,rtn ^and dieser selbst mißmutig schlanker, schöner Mann, mit militärisch ^chetteltemblondemHaar und schönem, gelocktem Vollbad sie "Man könnte verzweifeln", brummte er halblaut.Wie Ertr m au! bem Pw"o herum rast, aus einem i-S -um Li r anbm' 3 e,T Augenblick langweilig

t6e? stundenlang auf der Chauseuse liegend, 5anb' b°.u ste wi- lch glaube, gar nicht r-ich^ ba6 ganze Fuhlen und Denken grade auS-

Sroß genug für ihre Toilette und die diversen «?^°rncette "Ebst obligatem Stadtklatsch, gleich un- 3 rur Liebe wie zum Haß.

unbt?Wten Augenblick toll vor kindischer Lust, Rang ^Uaeni,n^?"^Essend, nur nicht das Kokettieren mit einer 80^ ,,,^aune der Natur, eine innere Leere mit schöner 1 a« verdecken.

Buchhandlung- daselbst; Hermann'sche Luchhandl. daselbst; Invalideudeu! in Berlin: W. ThieneS ia Alberfeld: 8. Schlotte in Äremen.

Anzeigen nimmt emgegen: die Grpedttio« d.vlattes, sowie d-Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in -affe! und Hannover; Th, Dietrich in Frankfurt a.Dt.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leiozig, Cvln rc.; Rudolt Mffe in BcAi», Frank' furt a. M. rc.

Der Buchhandel hatte ursprünglich den Zweck, die von den Geistern rer Nation geschaffenen schriftstellerischen Er-

IM* Wit-Mfriu».

toftg angehaucht, in tiefer Erregung preßte sie die gefalteten Hände fest auf die Brust, und dennoch lag solch' ein Sua oon @lu<f Antlitz, daß er es ordentlich verklärte.

Auch ihr Briefwechsel war immer vertrauter geworden, °bw°hl sie es sich selber nicht gestehen wollte und alles that, ihn in formellen Schranken zu halten

Heut nun hatte sie diesen Brief erhalten- Mein teures Fräulein!

.ff Öofrnt$trb_« auch die Worte Ihres letzten Briefes im ersten Augenblick für mich waren, so ist doch ein Etwa« m mir das mir zufiüstm: Verzage nicht, es sind dies nur Gedanken eines zu edlen Herzens, eS kann nicht sein, daß ,ch um solcher Kleinigkeiten das Lebensglück verlieren soll'

Sie schreiben mir: Sie seien alt, häßlich und arm." Nein, nein! Wer so alt wäre als Sie schreiben, fühlte nicht mehr so innig, so warm, hätte nicht mehr dies feine Verständnlß für die Poesie der Natur.

Häßlich. Was kümmert mich die Schönheit deS Körpers, die da vergeht, Ihr Herz, Ihr Gemüt ist schön, Ut.edel, dies liebe ich. Unsere Seelen sind eins, streiten

es nicht, o , zerreißen Sie nicht, o, zerreißen Sie nicht diese Vereinigung, wir gehen sonst Beide zu Grunde.

^be mich nie des gleißen­den Metalls erfreut, jetzt freue ich mich dessen, soll meine Martha beglücken.

Meine Martha! Darf ich denn so sagen?Wie viel liegt noch dazwischen. Dieser Name ist ja bis jetzt alles, was ich von Ihnen weiß. '

c>, Unb auch Sie wissen eigentlich noch so wenig von mir. Ich will offen fern, ganz offen, so schwer eS mir auch fällt: und dann lege ich mein Geschick in Ihre Hände.

(Fortsetzung folgt.)

XV. Jahrgang

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte« sowie b- Annoncen-Bureaur von @. L- Daube & Co. in

allen L-cyiages wollte noch nicht um jeden Preis reick fnfl- c x "»myasi nervo,en tarnen, welche werden; er hatte als geLeter Mann "noch FchtungÄ I L BocksGesunL

feinem Berufe; der Begriff von der großen Verantwort­lichkeit seines Handelszweiges war ihm noch nicht abhanden gekommen, wie das leider heute bei einer nicht unbedeutenden Zahl von Buchhändlern der Fall zu sein pflegt.'

Bei dem Buchhandel ging es genau so, wie bei den Wirtshäusern. Seit Einführung der Gewerbefreiheit ver­mehrten sich die letzteren in Stadt und Land über alles Maß. In allen Ecken und Winkeln, unter der Erde und eine Stiege hoch entstanden Kneipen und Spelunken

m O Almal Engel! Du göttliches Weib! Wie athrnen r? ^"st und Liebe, heiß glühende Liebe.

O ich muß Dich sehen, all' meine Gedanken, jeder Puls­schlag gehört Dir. Mein mußt Du sein I e ich.auch uur schon gefesselt fein! und an ein

fol$e« Weib, em zorniger Blick schweifte zum Balkon hinüber und grollend stampfte der Fuß den parkettierten Fußboden.

Doch still, auch sie, die Holde, Unerreichbare trägt 1» die gleichen schweren Fesseln, ich darf nicht klagen, doch wahnsinnig möcht ich über den Gedanken werden, daß solch ein Engel in dem Besitz eines Mannes ist, der ihren Wert nicht keimt, der und eine Menge Ehrentitel für ben von ihm Gehaßten folgten, die wohl schwerlich in einem Complimentierbuch zu finden gewesen wären und sollte Dame Etikette sich in dem mythischen Kreis der Göttinnen befinde» und nur irrtümlicher Weise bei der Aufzeichnung derselben von den Gelehrten übergangen fein, also daher bas Recht haben, ungesehen anwesend zu sein, so hätte sie sicher trauernd das Haupt verhüllt.

Finster war der Baron auf- und abgeschritten, nun schien ihm em Gedanke zu kommen, der ihn erfreute. Sei» Auge blitzte, ein glückliches Lächeln erhellte die schönen Zuge. Ja, fort! ich will sehen, ob sie Antwort gesandt ob ich hoffen darf, sie zu sehen. Was bleibe ich hier und ärgere mich über Dinge, die nicht zu ändern find, da doch das Gluck sie mir zu versüßen verheißt!

Eilig verließ er die Villa, de» NamenAlma" auf den Lippen. 1

<n Ws war Martha? Still oben in ihrem Zimmer. Ar ihr auf dem Tisch lag ein langer, langer Brief. Thränen standen auf ihren Wangen, die bleichen Wangen

b°s Volk, sagt diese Sorte von Buchhändlern, mH eine Lektüre, die pickelt und prickelt, amüsiert und stimuliert. Das Volk will Gift, betäubendes Gift, also liefert ihm bet Buchhändler bas Gift in Form von Ro- manen und Novellen. Selbstverständlich müssen in der vti Nvimmisionar feine Prozente, der I unterfiartmbp "7,J vtvtuvc ullu Igangbaren" Litteratur dieser Gattuna Kaiser nnb

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alten Schlages wollte noch nicht um jeden Preis reich I fast an LS2 - ^A^^nervoseii Damen, ,welche | Die niederen Volkskreise, und gerade von diesen werdcn

lb1tne/O?Orä§erOm^e.am '"Gen gelesen - lernen dem- Stande nur von der ordinärsten und schlechtesten Seite kennen und beurteilen. Einen Roman "berbletet bet andere in krassen Schilderungen, die mit der Wirklichkelt kaum em, Stäubchen Wahrheit gemein haben. "b bar. man uber die zunehmende Verschlechterung der gesellschaftlichen Zustande und der Volkssitten? Wahr­lich es ist schwer, eine Satire nicht zu schreiben, wenn man dann bei patriotischen Festen und ähnlichen Anlässen gerade Leute aus der Branche jener Buchhändler das großeWort

Ä Mt d-r S°,Iald-m°krat>-

...Wenn Jemand der intellektuellen Urheberschaft an der

Hodelei und der herrschenden Sittenlosigkeit bezüchtiqt wet- kann, so sind es hauptsächlich jene Buchhändler des

$ c ?abe" b e Uusittlichkeit in ein System gebracht.

'st sthr zu verwundern, daß die Staatsmänner ihr Augenmerk noch nicht mehr auf diese Institute der ^m- r moralitat gerichtet haben. Die Ausübung des Apotheker­gewerbes macht man von der Erteilung einer Konzession

und kranker Mensch" zu lesen sind. ' '

T'b?"kenunzucht, welche durch solchepikante" Lektüre befördert wird, verdirbt nicht blos Herz und Hirn ondern auch Mark und Bein. Man frage nur gewV S mrfc k"fe 8"*aun«t"««««d

Doch, wozu solche Skrupel? Der Buchhändler lacht uns. ans, er hat ja die Gewerbefreiheit, das Gesetz, diese ewige Krankheit" für sich. Der Schundroman wird lustig Dazu kam"die Hotelindustrie, welche''das "Proletariat "und I Gespickten mit bcn neuesten Ehebrecher-

*S E ZU s» L wciivei. ii.no wozu hat man ferner die Verkaufsbuden errichtet, wenn man nicht verkaufen und reich werden will um jeden Preis? Geld her, das ist die Losung, waö kauf' Sn6mLiUt bteJ^e? Wo irgend ein Kerl mit einer

tadore des modernen KavaliersAngebot" wandern von a tattt? ^^"bhangig. Wie könnte man auch Haus zu Haus, von Treppe zu Treppe bis hinauf m toÄL ba$/ber. beliebige Kramer unb Spekulant die fjerft in des Türmers Wohnung. Mchts ist sicher vo? Mam? Aber^b/7 vergiftete? Von Rechte«

ihrer Zudringlichkeit. Endlich sind tausend Abonnenten öifL" i leist' das Gemüt des Volkes zu ver- meist unter der ärmeren Klaffe der Bevölkerung gesammelt' solcker ^um mora ischen Tobe zu befördern und Der Mann, der sich Buchhändler nem ßS 917^ rt G stal für die soziale Revolution reif zu machm d°m um d°r @6r, & »W £ üfctih Ä TS E»r«ch »mUauE

d» W.ss-nlchaft arbeiten od-i gar eine SjLj n ? d-r Kinnl-U- und Mittel sich

ergreifen. eyrucye Hantierung laM den Bestlmumngen der Gewerbefreiheit als@eek7

^unStroeXe^/u?e^[ffe^gurü^^ber &e®£uj^-^bie 8^ Landwirte bilden Gesellschaften für Entsumpfung

Ware« bleibt aus, sie ist in festen Milden ' U"b,M-lwrati°n des Bodens. Ebenso notwendig und zeit?

Auch der Schriftsteller will leben Wozu soll er Dinae hÄrS ^'"Gesellschaft zu bilden mit dem Zwecke,

schreiben, die ihm sein Herzblut kosien unb fein ßww l?ne ^f,oatcn 3U verstopsen. Die von hervorragenden Leip-

anstrengen, wenn er doch keine Verleger für sie auftreiben drückuna' der betriebene Agitation zur Unter­kann, der ihm für seine Mübe nur so niet brucfu"3 b^ Schmutzkonkurrenz im Buchhanndel wird von

daß er sich täglich eine Wassersuppe zuführen kann! Nur in" ststellern viel zu wenig beachtet. Gerade

Pikant, anziehend, fesselnd, stnnebethörmd, we n auch frivol UuteräüLm^ o^ Uerbleneu. V! $inne" eine lebhafte «itoträtSHg, hu«d«g-m-iu - daun iftato gSä »t?.?'*! »W"

tragt em, er braucht nicht um einen Verleger ru ban»<>n f<*L n "^steu Schriftsteller noch viel zu bestechend, ob-

KÄS* ,ttae «nlen @* i" mal 4t S" gditt«nS. m-»«-

I Fort mit dieser Freiheit, welche die Schriftsteller und