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gtr. 160.

JRacßurg, Sonnabend, 10. Juli 1880

XV. Jlalrgaag

Anzeigen nimmt entgegen: ^Expedition d.vlatte», ,owie d-Ännoncen-Bureaux von Th. Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; üaasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Z-ipzig, Cöln ic.; Rudolf Losie in Berlin, Frank» feit a. Dl- ».

GkWslhk jritmig.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d.vlarte» sowie d. Annoncen-Bureaux von 0. L Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägerffche Buchhandlung bafelbfi; Hermann'sche Duchhandl. daselbst; Juvalidendank in Berlin; D- ThieneZ in Merfeld: C. Schlotte in Bremen-

Lrscheint rr^ich außer an den Werktage nach Dann- und Feiertagen- Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ..JÜnftrirteS Sonntagöblatt" durch die Crvedition (X o 4'scüe B°»druckerei) bezogen «art durch die Postämter d-S Deutschen Reiches 3 Mark 50 Psg. <°kcl. Bestellgebühr'^-§isetti°nS°-bühr für di- gespaltene Zelle lO Psg * * _______________________________________ Für in der Sspesttion zu ectheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet-

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Die Expev. r. Oberh. Zeitung.

Pfennig-Sparkassen.

Cs ist eine alte Regel, daß wer sparen will, am Kleinen, beim Pfennig, anfangen muß. Wer erst bei größeren Summen anfangen will zu sparen, kommt selten oder nie dazu, namentlich wenn seine Einnahmen klein sind und er die Ersparnisse der Einschränkung seiner Bedürfnisse abringen muß. Soll das Volk an Sparsamkeit gewöhnt werden, so ist die Errichtung von Sparkassen, welche auch die kleinsten Sparbeträge annehmen, von der größten Wich­tigkeit. Man könnte sagen, wozu braucht man denn solche Sparkassen zu errichten, es kann ja jeder seine Pfennige zu Hause zusammensparen. Das könnte er freilich, allein jedermann weiß, wie das Sparen viel besser und sicherer geht, wenn man die Sparpfennige in andere Hände legen kann, wo sie der Versuchung zum ausgeben entrückt sind, welche gar oft an sie herantritt, wenn sie im eigenen Hause bleiben. Sparkassen sollen deshalb nicht erst mit kleinen zinSsähigen Kapitalien, sondern schon bei kleinen, bei Pfennigbeträgen anfangen. Daß aber diese Anregung und Anleitung zum Sparen eine große volkswirtschaftliche Be­deutung hat, ist unbestreitbar. Wie mancher Pfennig wird bann in die Sparkasse statt ins Wirtshaus wandern und wenn die Leute erst einen Erfolg ihres Sparens sehen, so wird die Freude daran die Lust am Sparen erhöhen und der gute Erfolg der einen Familie wird die andere eben­falls dazu anregen. So breitet sich die Sache weiter aus und aus den Sparpfennigen des Einzelnen setzen sich jähr­lich hunderttausende zusammen, um welche der wirkliche Volkswohlstand alljährlich vermehrt wird. Will man im wirtschaftlichen Leben etwas dauerndes zu Stande bringen, dann muß man das kleine nicht gering achten, sondern pflegen, daß es nach und nach groß werde. Möchten des­halb die Staats- und die Gemeindebehörden dieser Spar­angelegenheit recht ihre Sorgfalt zuwenden; sie könnten dadurch großen Segen stiften. Um an einem Beispiele zu zeigen, wir die Sache eingerichtet werden kann, teilen wir folgende Nachricht über solche Spareinrichtungen in Darm­stadt mit:

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Aus diesem nicht mehr ungewöhnliche« Wege.

Original-Novelle von G. Walden.

(Fortsetzung)

Still legte sie auch diesen auf das Marmortischchen. Ja, die Varontn hatte Recht, er kam sicher vonhoch- aristokratischer Hand" wie aber durch Briefwechsel mit dem Schreiber dieser Zeilen der Geist Anregung und Ab­wechslung erhalten sollte, begriff sie nicht. Waren es denn mcht ganz dieselben hohlen Phrasen, die tagtäglich in den Salons wiederholt wurden, in ewiger Monotonie? Doch, was kümmerte es sie? Es war ja eben auch mit eine der Launen chrer Herrin, die bald genug als etwas Veraltetes verworfen werden würde.

Lange schon war das Spitzentuch von den Augen der Baronin entfernt und ungetrübt, in gespannter Neugier leuchtend, schauten sie zu Martha auf.Nicht wahr, liebe Martha, ich habe recht, es mutz ein Cavalier sein, o, eS wird interessant, eS wird himmlisch werden! Wie er bittet, der arme, junge Mann und auch gefesselt ist et hier; °> es ist so interessant, zu correspondieren mit einem gleich­gestimmten Gemüt? Wie er nur aussehen mag? O gewiß, et muß jung und schön sein, nur ein junges, seu-

*Hes Herz kann so schreiben."

Sinnend, schmachtend schauten die großen, strahlenden Augen hinaus in die Blütenpracht, stumm war der schöne Mund, aber halb geöffnet wie zum Kuß, Göttin Fantasie walte sich das Bild des Unbekannten in den zaubervollsten varben; die Wange färbte sich tiefer, ein sinneberauschen- veS Lächeln überzog das Antlitz!--

Lange ruhte sie so, wie im Traum; endlich sprang sie ®*i/ in kindlich heiterer Laune eine Opetnarie trällernd,

Der Vorstand des trefflich organisierten Darmstädter Vereins gegen Verarmung und Bettelei ist durch seine segensreichen Erfolge in der Abschaffung der Bettelei und Unterstützung der Not zu der beinahe noch wichtigeren Aufgabe ermutigt worden, die freiwillige Sparsamkeit und damit die moralische und wirtschaftliche Selbstständigkeit der Armen dadurch zu fördern, daß an verschiedenen Punkten ber Stadt Pfennigsparkassen errichtet werden, in welche an jedem Sonnabend Abend Erwachsene sowohl als Kinder Ersparnisse von 5 Pfennigen an einlegen können. Sie erteilen darüber unentgeltlich Quittungsbüchlein und schrei­ben die Einlagen in ein Tagebuch, aus welchem dieselben in das Hauptbuch aus den Namen des Einlegers einge­tragen werden.

Die Gesamteinnahme jedes Zahltages wird im Tage­buch addiert, von den Beamten der Pfennigsparkasse unter­schrieben, der Betrag an die städtische Sparkasse als Ein­lage der betr. Sparstation eingezahlt und dort quittiert.

Sobald die Einlagen eines Pfennigsparbüchleins 1 M. erreichen, wird dieser Betrag in der städtischen Sparkasse auf den Namen des Einlegers eingetragen und verzinst. Ein Büchlein der städtischen Sparkasse wird dem Einleger behändigt, welcher also die richtigcEinschreibung seinerEinlagen stets selbst überwachen kann. Die Pfennigsparkassen leisten keine Rückzahlungen, wohl aber die städtische Sparkasse; soll also eine Psennigeiulage zurückgenommen werben, so hat bet Einleger ober besten Erben die Einlagen bis zu 1 M. zu vervollständigen, dann wird sie in die städtische Sparkasse eingelegt und kann von dort zurückgenommen werden.

Zur Sicherstellung aller Psennigeinlagen unter dem Betrag von 1 M. wird bei der städtischen Sparkasse eine Einlage von eintausend Mark gemacht, aus welcher, sowie aus den erwachsenden Zinsen, alle Verluste, welche durch Verschulden der Beamten der Pfennigsparkassen entstehen sollten, den Einlegern ersetzt werden müssen. Diese Kau­tionssumme von 1000 M. wird von dem Allgemeinen Verein gegen Verarmung und Bettelei stets vollzählig er­halten werden. Der Vorstand des Vereins ernennt zur Oberleitung der Pfennigsparkassen ein Kuratorium von drei Personen, deren eine Mitglied des Vorstanoes der städtischen Sparkasse sein soll.

Die Anlehnung der Pfennigsparkassen an die städtische Sparkasse gewährt beiden Teile große Vorteile, weil von den Pfennigsparkassen weder eigentliche Bureaux noch Kaste geführt zu werden brauchen, und durch die Verwaltung der Sparkasse, wie durch die Garantie der Stadt den Ein­legern größtmöglichste Sicherheit geleistet wird, während die städtische Sparkasse ihren höchsten Zweck, die Sparsam­keit immer allgemeiner zu machen, und hierdurch den Wohlstand der Einwohnerschaft zu heben ohne große Ver­mehrung ihrer Arbeit, durch die freiwillige Hilfe der Bürger weit vollständiger als bisher erreichen wird.

rauschte sie ins Nebenzimmer zum Schreibtisch, dem sehnen­den Marö das erbetene Porte^passer zu seinen erträumten Himmeln auszufertigen.

Still war Martha indessen auf den Balkon zurück- gekehrt und hatte dort die vorhin verlassene Handarbeit wieder ausgenommen, doch waren nach kurzer Zeit die sonst so fleißigen Hände in den Schooß gesunken.

Tief schmerzlich schauten die Augen hinaus in die duf­tige Blütenpracht. Daö Herz that ihr weh', sie war so müd' und so allein, so ganz allein auf der Welt; unver­merkt traten ihr Thränen in die Augen und legten den trüben Schleier des Schmerzes verhüllend über die Wunder der Natur.

Hastig, fast jornig. wischte sie die Thränen fort, wie kam sie denn nur dazu zu weinen? Was wollte das sehnende Herz heut, warum wachten die alten Schmerzen wieder auf?

Sie war aufgesprungen, die Arbeit fiel zu Boden, hastig ging sie den Balkon auf und ab, nun endlich mußte doch dies thörichte Herz gelernt haben, allein zu sein! Doch, da stand sie schon wieder still, an di» Säule gelehnt. Eine noch feuchte Ranke wilden Weins legte sich kühlend auf ihr Haupt und die Tropfen daran blitzten in der wieder hervorbrechenden Sonne wie kostbare Dia­manten.

Einer Krone gleich lag es auf dem mattblonden Haar und in diesem Schmuck, das Antlitz verschönt durch den weichen, wehmutsvollen Ausdruck inniger Sehnsucht, das feine Bleich rosig angehaucht, glich sie einer betenden Madonna.

Mit einer gleichgestimmten Seele zu correspondieren", immer noch klangen diese Worte der Baronin vor ihren

Die Ehrenämter der Sparstationen müssen nämlich, wenn sie für die Dauer keine Belästigung werden sollen, von Personen verwaltet werden, welche ohnedies die Sonn­abend-Abende zu Hause zubringen; die Lokale sollen leicht zugänglich fein, und in denselben kein Verkauf von solchen Waren stattfinden, welche zum Geldausgeben anstatt zum Sparen verlocken könnten. Dabei ist es notwendig, in jedem Stadtbezirke eine Sparstation zu errichten, teils zu möglichster Bequemlichkeit der Einleger, teils um die ein­zelnen Stationen vor jeder Ueberlastung mit Arbeit und Verantworllichkeit zu bewahren.

Die wichtige Frage der Errichtung der einzelnen Stationen iu den verschiedenen Bezirken der Stadt ist durch die Bereitwilligkeit hochgeachteter Männer der Stadt, solche Sparstationen zu übernehmen befriedigend gelöst worden, so daß mit der Eröffnung der Pfennigsparkaffen im Herbst 1880 begonnen werden soll. Möge das Vor­gehen des Darmstädter Vereins in ganz Deutschland rasche Nachfolge finden.

T a g r S b e r i ch t.

Der König von Griechenland wird in Berlin erwartet. Derselbe trifft voraussichtlich morgen daselbst ein und vegiebt sich von da nach St. Petersburg, um die Königin, feine Gemahlin abzuholen, worauf er abermals zu vorüber­gehendem Aufenthalte in Berlin eintreffen dürfte.

Fürst Hohenlohe, der Staatssecretär im Auswärtigen Amte, soll mit dem deutschen Gesandten in Washington, Herrn v. Schlözer, bei dessen jüngster Anwesenheit in Berlin viel und eingehend über die deutsche Auswanderung nach Amerika und die bedrohlichen Perspektiven, welche die­selbe für den Wohlstand und die Bevölkerungsvethältniffe der Heimat eröffnet, konferiert habe. Es liegt nahe, daß sich die Aufmerksamkeit der praktischen Staatsmänner hier­bei vornehmlich dem deutsch-amerikanischen Staatsangehörig- keits-Vertrage zuwendet, dessen ursächlicher Zusammenhang mit der Auswanderung schon bei seinem Abschlüsse (22. Februar 1868) von Kennern amerikanischer Verhältnisse warnend dargelegt wurde. Namentlich Friedrich Kapp hat schlagend nachgewiesen, daß dieser Vertrag geradezueine Prämie ist, welche das neu erstandene deutsche Reich auf die Auswanderung seiner militärpflichtigen Söhne nach den Vereinigten Staaten setzt". Von Gegenseitigkeit ist in dem­selben nur dem Namen nach die Rede, in Wirklichkeit regelt er nur auf jede denkbar erleichternde Weise den Er­werb des amerikanischen Bürgerrechts. Allerdings enthielt schon vor dem Abschluß des Vertrages die preußische Ge­setzgebung liberalere Grundsätze bezüglich des Auswanderungs­wesens als diejenige der Vereinigten Staaten. Die letzteren gingen bis dahin von dem aus dem englischen Rechte über­kommenen Gedanken ans, daß die Staatsangehörigkeit im

Ohren, ja, das wäre wohl wirklich eine Erholung für den Geist, eine Erleichterung für das Herz! Wie lange, lange Jahre hatte sie schon alle eigenen Gedanken, alle persön­lichen Leiden und Freuden fest in dies atme kleine Herz verschließen müssen, was kümmerte es die Gebieterin, ob sie freudig ober trüb gestimmt war? Sie war als Gesell­schafterin engagiert, sie mußte stets guter Laune sein, mußte aufgehen selbst in Gedanken in die kleinlichste Laune ihrer Herrin, sie wurde ja bezahlt dafür! Sie hatte ja Essen, Trinken, Kleidung, ja die Ehre stets in der Nähe der Ge­bieterin fein zu dürfen, wie kann man da mehr ver­langen?

Also tief, tief hinein mit all' den kleinen Leiden und Freuden in das kleine Menschenherz, daß ja kein trüber Zug im Antlitz die Stimmung der Herrin störe.

Aber die Last der Jahre wird zu groß für daö kleine Herz, es kann ja doch auch nut menschlich tragen, einmal, nur einmal rnöcht' es all' fein Leid in ein gleichgestimmtes senken; ist doch mitgeteiltes Leid schon halb gehoben.

Und doch, wo solch, ein Herz finden; Etwa gar auf solche Annonce? Thorheit wie kann man Gefühl und Ernst bei einem Manne finden, der solchen Weg betritt.

Nein, Nein 1 Das find blasierte, oberflächliche Charak­tere, deren Geist nicht groß genug ist, das Gespenst, Langeweile" genannt, zu bannen, die bann butch solch' halbverdeckte Liebeleien boch etwas Pikantes mit ihrem Leben verweben möchten, um damit sich unb Anberen zu verdecken, daß eS ihnen gänzlich an innerem Gehalt fehlt.

Man würde nut ein Lächeln und ein Abbrechen des Briefwechsels für sie als Antwort haben. Nein, ihrem thörichten Herzen zu lieb wollte sie nicht zur Närrin werden.