Nr. 150.
fllaröurg, Dienstag, 29. Juni 1880.
xv. Mrgang
Anzeigen nimmt tmgegen: >U Expedition d.vlattes, sowie d.Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstri» & Bögler in Irankfurt a- M., Berlin, «ipzig, Cölu iu; Rudolf Utoffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.
GerMchk Ieitmig.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d.vlattes sowie d- Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jägerffche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Luchyandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. Thienes in Süerfeld; C. Schlotte in Bremen-
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Die Exped. d. Oberh. Zeitung.
Die Autizölluer.
In der liberalen Presse findet jetzt eine große Agitation gegen die Getreidezölle statt. Es wird der durch die Maifröste verursachte Schaden an den Wintersaaten in einigen preußischen Provinzen, der ja immerhin beklagenswert genug ist, in tendenziöser Weise übertrieben, und es wird dabei immer in einer Weise aus die Getreidezölle hingewiesen, als wären diese Zölle auch an den Maifrösten schuld. Daß die Getreidezölle auf die Getreidepreise so gut wie keinen Einfluß ausüben, beweist ein Ueberblick über die Getreidepreise seit Einführung der Zölle Als die Zölle im vorigen Juli beschlossen wurden, blieben die Preise unverändert, sie stiegen erst im November und Dezember, als der mangelhafte Ausfall der Getreideernte im Auslande auf den Handel zu wirken begann. Ende Dezember stand der Preis des Doppelcentners 173 Groschen. Nun hätte man denken sollen, es wäre nach dem 1. Januar, an welchem Tage die Getreidezölle ja erst wirklich eingeführt wurden, eine Preiserhöhung eingetreten; aber das Gegenteil trat ein; die Preise sanken bis in die erste Hälfte Mai fortwährend bis auf 164 herab. Erst Ende Mai, als die Maifröste eingetreten waren, stiegen die Preise rapid in die Höhe. Es waren also keineswegs die Zölle, sondern die Maifröste, welche diese Steigerung der Preise auf der Getreidebörse bewirkten. Und da die Maifröste an der jetzt vorhandenen Menge Getreide ja noch nichts geändert hatten, sondern ihr Schaden erst für die Zukunft in Rechnung zu setzen ist, so ist es in Wirklichkeit die Handelskonjunktion und Spekulation, welche die Steigerung der Preise gemacht hat. Es ist sehr leicht möglich, daß wir später niedrigere Preise bekommen, als wir sie jetzt haben, wo der Schaden der Maifröste noch gar nicht auf- die Getreidemenge direct eingewirkt hat; denn eö stellt sich nachgerade heraus, daß der Schaden auch in den schwerstbetroffenen Gegenden nicht so groß ist, als man anfangs glaubte und daß in anderen, auch norddeutschen Gegenden, namentlich aber in Süddeutschland die
VS" Anfang Juli beginnt im Feuilleton:
„Auf diesem nicht mehr ungewöhnliche« Wege"
Original-Novelle von G- Walden.
Urber Blitzableiter.
Vor Kurzem brachten die Zeitungen zahlreiche Berichte aus unserer Provinz über Zerstörung durch Blitzschläge. Ja ein Gebäude in Kassel, welches der Angabe nach mit einigen guten Blitzableitern versehen war, wurde getroffen. Solche Vorfälle geben immer wieder Veranlassung, den Nutzen der Blitzableiter in Frage zu stellen, obgleich derselbe von allen wissenschaftlichen Autoritäten anerkannt ist.
Nach allgemein verbreiteter Meinung dient die Auffangestange sammt Leitung dazu, einen Blitzschlag, der das Gebäude treffen könnte, aufzusangen und auf irgend welche Weise in die Erde zu führen. Dementsprechend sind alle älteren, sowie viele neuere Anlagen gefertigt. Diese Ansicht ist aber nur in seltenen Fällen richtig und kann eö daher nicht Wunder nehmen, daß Blitzableiter unter diesen Bedingungen angelegt, ihre Wiüung nicht blos versagen, sondern gefährlich für das betreffende Gebäude sind. Um nun ein BUd von der Wirkungsweise, sowie den Bedingungen der Aufstellung eines guten Blitzableiters zu bekommen, muß Einiges vorauSgeschickt werden.
Der Blitz bewirk bekanntlich die Ausgleichung der beiden entgegengesetzten Elektricitäten, - der sogenannten positiven und negativen Elekricität, zwischen Erde und Wolken, oder der Wolken untereinander. Nach den Lehren der Physik stoßen sich gleichnamige Elektricitäten ab, dagegen ziehen sich die ungleichnamigen an, also die negative Elek- tricität der Erde zieht die positive Elektricität der Wolken
Fruchtfelder sehr gut stehen, und daß im Auslande durchschnittlich eine sehr gute Ernte, besonders in Amerika, Ungarn und auch im südlichen Rußland, zu erwarten ist. Ueberdies hat die ungewöhnliche fruchtbare Juni-Witterung an den Sommerfrüchten, vorzugsweise den Kartoffeln den Schaden vielfach wieder gut gemacht, den die Maifröste am Roggen und Weizen angerichtet hatten. Die Aussichten sind also gar nicht so schlimm; aber die Freihändler übertreiben dieselben in wahrhaft lächerlicher Weise, um mit Hilfe der Maifröste die Regierung zur Suspension der Getreidezölle zu veranlassen. Es geht jetzt ein gleichlautender Artikel durch alle liberale Zeitungen, in welchem sogar behauptet wird, wir könnten gar nicht sicher darauf rechnen, ob wir unser Getreidebedürfnis immer im Auslande decken könnten und es sei sehr hohe Zeit, daß die öffentliche Meinung sich wieder mehr dem Interesse der Konsumtion als der Produktion zuwende. — Wenn das wirklich wahr wäre, daß wir nicht sicher darauf rechnen könnten, im Auslande das uns fehlende Getreide zu bekommen, so liegt es doch auf der Hand, daß die Aufhebung der Getreidezölle daran nichts ändern würde; denn wenn das Ausland kein Getreide für uns übrig hätte, so würde die Aufhebung der Zölle keins aus der Erde zaubern. Zweitens aber läge gerade darin die dringendste Nötigung für uns, die einheimische Getreideproduktion mit aller Macht so zu fördern, daß wir vom Auslände unabhängig werden und im Jnlande so viel Getreide ziehen, als wir brauchen. Der dem einheimischen Getreidebau zuzuwendende Schutz würde also gerade die Getreidezölle fördern — und so hat gerade dieser im blinden Eifer von den Freihändlern geschriebene Artikel die Wirkung, daß er die Getreidezölle rechtfertigt, statt sie zu bekämpfen. Lasse man sich also durch diese Agitation der Kornhändler in der liberalen Preffe nicht bange machen und nicht beirren. Wenn dort von dem Interesse der Konsumtion geredet wird, so bedeutet das in Wirklichkeit nichts anderes, als das Interesse des Handels. Der Konsument bekommt durch den Freihandel kein billiges Brot, überhaupt keine billigen Preise, wie die kollossale Steigerung aller Preise in der Freihandelsperiode von 1868—1878 bewiesen hat.
TagLsberichr.
Nachstehend einige Zeitungsstimmen über die Schlußberatung des kirchenpolittschen Gesetzes:
Die „Kölnische Zeitung" spricht vor der dritten Lesung der kirchenpolitischen Vorlage den Wunsch aus, „daß für einen annehmbaren, gesunden Rest der Vorlage schließlich doch noch eine erfreuliche Mehrheit sich bilde — und vor allem, daß die nationalliberale Partei in der dritten Lesung einmütiger auftrete als in der zweiten, daß sie mindestens in der Schlußabstimmung sestgeschlossen dastehe." Die Einbringung der Vorlage sei von einsichtigen Nationalliberalen
an und umgekehrt. Da vor und während eines Gewitters die Wolkenbildung und damit im Zusammenhang das Auftreten von Elektricität oft ganz bedeutend ist, so wirkt dieselbe verteilend, resp. anziehend und abstoßend auf die Erd- elektricität und sucht sich mit ihr auszugleichen.
Erreicht die Ansammlung der Elektticität ihren Höhepunkt, so erfolgt eine plötzliche Ausgleichung durch den, zwischen den nächsten Teilen von Erde und Wolke überspringenden Blitz, wodurch die Spannung momentan aufgehoben ist. Da jedoch von allen Seiten aufs Neue Elettricität zuströmt, wiederholt sich dieses Spiel so lange, bis ein völliger Ausgleich bewirkt ist, wozu oft sehr viele Blitzstrahlen erforderlich sind. Feuchter Erdboden, naffe Wände, besonders aber Metalle, sind gute Leiter der Elektricität. Diese sammelt sich an den höheren Punkten von Gebäuden in Metallmaffen rc., so daß solche am Meisten getroffen werden.
Der Blitzableiter hat nun hauptsächlich den Zweck, eine zu starke Ansammlung von Elektricität über dem betreffenden Gebäude auszugleichen, indem er fortwährend die entgegengesetzten Elektricitäten aus der Erde in kleinen Mengen den Wolken, umgekehrt aber aus den Wolken der Erde zuführt. Ist er gut angelegt, dann wirtt er so, daß man eö ohne nähere Untersuchung nicht merkt. Es kann jedoch durch besondere Umstände plötzlich eine solche Anhäufung von Elektricität über einer Stelle eintreteu, daß die Blitzableitung nicht Zeit hat, eine allmähliche Ausgleichung zu vermitteln. In diesem Falle muß sie genügende Stärke und Leitungssähigkeit besitzen, um die bedeutende Menge Elektricität eines Blitzstrahles sicher zur Erde zu führen.
Wie muß nun die Anlage eines Ableiters sein, welcher diesen Anforderungen am besten entspricht?
bedauert worden; aber die Einbringung sei einmal geschehen und könne nicht mehr rückgängig gemacht werden. Sie selbst (die Köln. Ztg.) habe von Anfang an die Stellung eingenommen, Annehmbares und Unannehmbares zu unterscheiden, und sie habe stets gewünscht, daß nach Ausscheidung des Unannehmbaren die Vorlage von einer liberal-konservativen Mehrheit angenommen würde. In der zweiten Lesung sei im Sinne dieses Wunsches schon recht Löbliches geschehen. Von unannehmbaren Bestandteilen sei nur Artikel 4 übrig geblieben.
Der „Reichsbote" bemüht sich die Vorteile hervorzuheben, die sich nach seiner Ansicht daraus ergeben würden, wenn die kirchenpolitische Vorlage mit Hülfe des CentrumS durchgebracht würde. Wolle der Reichskanzler seine wirtschaftliche und finanzielle Polittk durchführen, dann muffe er das Centrum haben, weil, wie der Reichsbote meint, die Liberalen dieser Polittk nicht zustimmen können. „Vernichten läßt sich das Centrum nicht und es wäre auch für die Politik des Kanzlers gar nichts gewonnen; denn gesetzt den Fall, es würde bei den nächsten Wahlen mit allen Mitteln gegen die Wiederwahl der Centrums-Abgeordneten gearbeitet, so liegt die Wahrscheinlichkeit viel näher, daß dann das katholische Volk möglichst rote demokratische Oppositionsmänner wählen würde. Dann wäre der Reichskanzler für seine Wirtschaftspolitik erst recht übel daran. Sucht er aber die Kirchenvorlage mit Hilfe des CentrumS zu Stande zu bringen, so ist er erstlich sicher, daß dieselbe ihren friedestiftenden Zweck beim katholischen Volke erreicht, und dann hat er gegründete Aussicht, daß daS Centrum auch seine Wirtschaftspolitik, die ja an sich dem Centrum sympatisch ist, unterstützen wird. Bringt er aber die Kirchenvorlage mit Hilfe der Nationalliberalen zu Stande, so ist es erstlich sehr fraglich, ob er überhaupt etwas mit dem Gesetz erreicht, ferner stellt er seine Wirtschaftspolitik ganz in Frage — und die letztere muß der Kanzler zu Ende führen, wenn seine Autorität nicht den schwersten Stoß beim Volke erleiden soll."
Die „Germania" schreibt: „Mit vollem Rechte hat der Abg. Dr. Windthorst wiederholt darauf hingewiesen, daß die Regierung eine Majorität für ein gutes, den Frieden thatsächlich herbeisührendes Gesetz haben könne, wenn sie nur wolle. Die Verhandlungen haben aber leider ergeben, daß die Regierung noch ganz in den Vorurteilen befangen ist und noch an den Grundsätzen festhält, deren schlimme Folgen die unseligen Maigesetze sind; Die traurigen Resultate des „Kulturkampfs" werden von allen Seilen beklagt, die Regierung selbst und die gegnerischen Parteien gestehen zu, daß man im Kampfe zu weit gegangen sei; wenn nun weder die Regierung noch die Majorität der Volksvertretung das anerkannte Unrecht gut macht und die schwere Schädigung des Landes zu reparieren sucht, so wird das kacholische Volk wissen, was es von den Ver-
Die ganze Leitung muß aus einem Metalle hergestellt fein, welches bei billigem Preise möglichst große Mengen Elektricität zu leiten vermag. In Betreff des zu verwendenden Materials für die Seitung, bleibt in Anbetracht aller Umstände nur die Wahl zwischen Kupfer und Eisen. Da Ersteres bei gleichem Querschnitt der Leitung eine 6 Mal größere Menge Elektricität zu leiten vermag als Eisen, so haben sich bisher alle Sachverständigen für Kupfer und zwar in Form eines Drahtseiles entschieden, zumal dieses leichter zu befestigen ist und ununterbrochen fortgesetzt werden kann, was bei Eisen auf die Dauer nur unvollkommen möglich ist. Ferner muß die Leitung von der Spitze bis in die Erde rein metallisch verbunden sein, in dieser aber eine genügende Verzweigung zum Zwecke der Verteilung der Elettricität besitzen. Wenn dies irgend möglich ist, soll dieselbe bis l/2 Meter unter das Grundwasser führen, auf alle Fälle aber in immerwährend feuchten Erdboden. Hier muß bemertt werden, daß das Grundwasser oder die feuchte Erde nicht etwa den Zweck hat, dem Blitze seine zündende Eigenschaft zu nehmen, sondern lediglich dazu dient, die Elettricität möglichst schnell zu verteilen, wodurch auch der Vorzug des Grundwassers erklärlich wird, da es eine große ununterbrochene Ableitung vorstellt.
Die Spitze des Blitzableiters muß auö einem edlen, schwer schmelzbaren Metalle bestehen, damit keine Oxydbildung sowie Schmelzung vorkommt, welche den Schutz eines Ableiters bedeutend vermindern kann. Daher nimmt man zu dieser meistens Platin, welches diesen Anforderungen am Besten genügt, während vergoldete Spitzen lange nicht die Dauerhaftigkeit und Sicherheit einer Plattnspitze gewähren.
Die Zahl der Auffangstangen richtet sich ganz nach der Ausdehnung des zu schützenden Gebäudes, und soll der