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Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d.Annoncen-Bnreaur von LH, Dietrich & Co. in gcffel und Hannover; LH. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Irankfurt a M., Berlin, Leipzig, CSln rc.; Rudolf Wesir in Berlin, Frank» fort a. M. re.
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Marburg, Sonnabend, 26. Juni 1880
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d.vlatte» sowie dAnnoncen-Bureoux von G. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jägerische Buchhandlung daselbst,; Hermann'sche Duchhandl. daselbst; Jnvalidendmst in Berlin; 88. Thiene» in Elberfeld; C° Schlotte in Bremen.
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für da» Quartal mit der wöchentlichen Beilage „J»uftrirteS SonutagStlatt" durch die Expedition («o ch'sche Buchdruckerei) bezogen 3h Wart, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Wart 50 Pf«, (ercl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu erthetlende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet.
r errich- be. Jn- erke ich prompt [1894 ngasse.
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Sberhesfische Zeitung mit deren Gratisbeilage
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bitten wir baldigst bei den Postanstalten machen zu wollen.
Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.
Die Ex-ed. 6. Oberh. Zeitung.
Tagesbericht.
Ueber die zweite Berathung des Gesetzentwurfs zur Abänderung der kirchenpolitischen Gesetze im Hause der Abgeordneten schreibt die „Prov.-Corresp.": Nachdem die KommissionSberathung der Borlage zur Abänderung der kirchenpolitischen Gesetze mit Verwerfung der im Einzelnen zuvor amendierten Vorlage geendigt, mußte der zweiten Berathung im Abgeordnetenhause der unveränderte Regierungsentwurf zu Grunde gelegt werden. Die zweite Berathung begann am 18. Juni über Artikel 1. Die Verhandlung über diesen Artikel gab den meisten Rednern Anlaß, nochmals auf die allgemeinen Gesichtspunkte für oder gegen die Vorlage einzugehen. Dadurch wurde auch der Kultusminister genötigt, dies nochmals zu thun. Der Artikel 1 wurde schließlich abgelehnt, weil ein Teil der Abgeordneten, namentlich der Fortschrittspartei, zuerst einer Amendieruug des Artikels die Mehrheit verschaffte, welche die Befugnis der Regierung, nach den von ihr festgestellten Grundsätzen von gewissen Erfordernissen bei der Anstellung von Geistlichen zu dispensieren, ausdrücklich auf die von den geistlichen Oberen dem Oberpräsidenten benannten An- zustellcnden beschränkte. Dann stimmten dieselben Abgeordneten mit dem Centrum, welchem der Artikel durch die vorherige Abstimmung unannehmbar gemacht war, gegen den ganzen Artikel. — Am 19. Juni wurde über den Artikel 2 berathen, welcher das Recht der Berufung an die Staatsbehörde gegen Entscheidungen der kirchlichen Behörden künftig nur den Oberprästdenten beilegen will. Dieser Artikel wurde ebenfalls verworfen und zwar, weil daS Centrum, welches überhaupt keine Berufung an die Staatsbehörde gegen Mißbrauch der kirchlichen Disziplinargewalt zulassen will, ebenso dagegen stimmte, wie diejenigen, welche das Recht dieser Berufung allen von der kirchlichen Disziplinargewalt Betroffenen wahren wollen. Artikel 3, nach welchem gegen Kirchendiener zukünftig nicht auf AmtS- entsetzung, sondern auf Unfähigkeit zur Begleitung deS Amts erkannt werden soll, wurde am 19. Juni angenommep.
— Am 21. Juni wurde Artikel 4, welcher das Begnadigungsrecht deS Königs gegenüber einem durch gerichtliches Urteil aus dem Amt entlassenen Bischof auf die Wieder- Anerkennung als Bischof der früheren Diözese erstrecken will, mit einem Amendement angenommen, welches die Wiedererteilung der staatlichen Anerkennung abhängig macht von der Anerkennung der Anzeigepflicht seitens des betreffenden Bischofs. Das Centrum stimmte für den so amendierten Paragraphen mit der Erklärung, sich dadurch für die dritte Berathung nicht zu binden. Das Centrum wollte vorläufig nur den Paragraphen retten gegen diejenigen, welche überhaupt ke ne Wiedereinsetzung der Bischöfe wollen, die aber nur mit Hülfe derjenigen zu überstimmen waren, welche ohne die obige Amendierung den Paragraphen ebenfalls verworfen hätten. — Am 22. Juni wurde zunächst Artikel 5 berathen, wonach in einem erledigten Bistum die Ausübung bischöflicher Rechte demjenigen, welcher den kirchlichen Auftrag darthut, durch Beschluß des Staatsministeriums gestattet werden kann, ohne daß der Stellvertreter den Gehorsam gegen die Staatsgesetze eidlich gelobt. Der Artikel wird angenommen mit einem Amendement, welches von dem Vertreter die deutsche Staats- Angehörigkeit verlangt. Artikel 6, welcher die Einleitung und Fortführung einer kommissarischen Vermögensverwaltung in erledigten Bistümern von der Genehmigung des Staatsministeriumö abhängig macht, wird ohne Debatte angenommen. Artikel 7, welcher die Befugnis der Patrone und der Gemeinden zur Wiederbesetzung oder Stellvertretungsberufung eines erledigten geistlichen Amtes von der Ermächtigung des Oberprästdenten abhängig macht, wird abgelehnt. Ebenso Artikel 8, welcher die Wiederaufnahme eingestellter Staatsleistungen für den Umfang eines Spren- gels mittelst StaatsministerialbeschlusseS der widerruflichen Anordnung des Kultusministers übertragen will.
Die Wahlprüfungskommission des Abgeordnetenhauses erklärte heute einstimmig die Wahlen der Abgg. v. Wedcll- Piesdorf und Schmidt (Wahlkreis Sangerhausen - Eckartsberga) für ungültig.
Deutsches Reich.
Berlin, 24. Juni. Die Sitzung der Botschafter-Konferenz ist gestern ausgefallen, weil die technischen Delegierten die Einzelheiten der von der Konferenz angenommenen Grenzlinie noch nicht vollständig ausgearbeitet hatten. Da der russische Botschafer heute nach Dresden reisen will, so wird die Konferenz voraussichtlich erst Freitag eine Sitzung halten, um ihre eutgiliigen Beschlüsse über die Grenzfrage zu fassen. Bei Ziehung der griechisch-türkischen Grenzlinie wird es sich vornehmlich darum handeln, ob die nördlichen Bergabhänge zu den Thalgebieten von Kalamas und Sa- lambria zuzuziehen sind, ob ferner zagoritische Dörfer (46
Dörfer mit 30,000 Griechen) bei der Türkei verbleiben sollen und wie weit das Korfu gegenüber liegende Littorale für Griechenland in Anspruch zu nehmen sei, um hier spätere griechisch-türkische Lokalstreitigkeiten auszuschließen. Wie berichtet wird, haben die Sachverständigen die französische Linie mit einigen kleinen Aenderungen im Olymp angenommen. Die Aenderungen beziehen sich auf die verschiedenen Bergrücken des Olymp, von denen die nördlichen höher sind, als die südlicher gelegenen. Da nun die neue Grenze Griechenlands keine offensive, sondern eine defensive sein soll, so sind die höheren Bergrücken der Türkei zugewiesen worden., England, Deutschland, Oesterreich und Italien sollen die französische Linie einschließlich der zago- ritischen Dörfer angenommen haben, aber sie wollen nicht, daß der See von Buthronto an Griechenland komme, während Rußland Buthronto für Griechenland reklamiert. — Die Beerdigung des Professors der Geschichte Karl Wilhelm Nitzsch fand gestern Nachmittag 6 Uhr auf dem Zwölf-Apostel-Kirchhofe statt. Der Rektor Geh. Justizrat Prof. Dr. Beseler und der größte Teil der Professoren der Königlichen Friedrich-Wilhelms-Universttät hatten sich eillgefunden. Das Kultusministerium hatte den Geheimen Ministerialrat Göppert entsandt. Die Leichenhalle vermochte alle die, welche gekommen waren, dem Dahingeschiedenen das letzte Geleit zu geben, nicht zu fassen und die Chargierten der Studierenden und viele andere waren genötigt, draußen zu warten. In der Mitte der Halle stand der schwarze Sarg reich mit Blumen und Kränzen geschmückt, Prediger Wöllmer sch-lderte das reichbewegte Leben des Toten, der dem treuen Freunde (Professor Harms) sobald in das Jenseits gefolgt sei. Als der Prediger geschlossen, bewegte sich der Leichenzug nach dem Grabe. Hinter dem Sarge schritten die oben Genannten und die Studierenden; zunächst die Träger der Universitätsfahne, dann die der vier Fakultäten, hierauf die Chargierten der einzelnen Korporationen in vollem Wichs, welchen alsdann eine sehr große Anzahl von Studierenden folgte. Unter Gebet und Gesang schloß sich die Erde über dem Dahingeschiedenen.
Breslau, 23. Juni. Der General von Tümpling feierte heute sein SOjähriges Dienstjubiläum. Bereits gestern überreichte eine Deputation des 18. Infanterie-Regiments dem Jubilar einen Blumentisch. Um 7 Uhr brachten die vier Musikkorps der hiesigen Garnison im Hofe des General- Kommando-Gebäudes eine Morgenmusik dar. Von 9 Uhr ab nahm der Jubilar die Gratulationen der Militär-Deputationen in Empfang, die des 6. Armeekorps unter Ueber- reichung eines silbernen Tafelaufsatzes, die Borussia mit dem Lorbcerkranze darstellend; — an der Gabe hatten sich 3000 Geber beteiligt. Dann folgte die Deputation des Königlichen 3. Schlesischen Dragoner-Regiments Nr. 15, dessen Chef der Jubilar ist, welche einen goldenen Ehrensäbel überbrachte. Der Kommandant Generallientenant v
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Der falsche Freier.
Humoristische Skizze von Emil Richter.
(Fortsetzung.)
Doch dieser ungestört durch die Erzählung und das Gelächter der Gesellschaft, war ruhig eingeschlafen und dämmerte nur hier und da auf , um nach seinem Glase zu greifen; da aber dasselbe, dank der Aufmerksamkeit der jungen Wirtinnen, niemals leer wurde, hatte er längst die Polizeistunde überschlafen.
Er war es nicht — fuhr denn auch der Erzähler fort — es war der GenSdarm von drüben, Ja, wirklich dieser Mensch kam, eS mochten etwa drei oder vier Tage vergangen sein, als ich eben auf dem Felde war, strammen Schrittes herangezogen. Er betrachtete mich von oben bis unten, wie nur ein Polizist sich das erlaubt, richtete Fragen an mich und sagte endlich, ich solle mich anderen Tages pünktlich früh um zehn Uhr auf dem Rathause, bei dem Herrn Bürgermeister selbst melden. Nun, Sie toiffen ja Alle, der Gewalt muß man weichen. —
Ich ging also am nächsten Tage abermals meinem Schicksal entgegen. Ich that es, angeborenen Mutes, ohne zu zittern. Blund zitterte für mich. Er hatte schon gezittert, als der GenSdarm gekommen war. Er weckte mich sogar in der Nacht aus meinem unerschrockenen Schlafe um mir zuzurufen: Verraten Sie mich nur nicht, Friedrich, und jeder Wunsch ist Ihnen erfüllt! — So machen es die Menschen! In Not und Angst toiffen sie sich nicht zu fassen vor guten Vorsätzen, und wenn Not und Angst vorüber sind, wissen sie wieder nicht zu fassen, wie sie jemals gute Vorsätze haben konnten. Nun, ein adeliger ^inn verachtet das.
Ebenso entschlossen, wie ich dem Commerzienrat entgegengeschritten war, ebenso enffchlossen schritt ich jetzt dem Bürgermeister, dem Advokaten, entgegen. Warum sollte ich auch zittern? Advokaten und Commerzienräte beherrschen jetzt die Welt — ich bestreite es nicht — aber die Freiherrn beherrschten sie früher — so sind wir quitt.
Als ich auf dem Rathaus ankam, wartete der Bürgermeister schon auf mich und erhobenen Hauptes trat ich vor ihn. Er begrüßte mich sehr freundlich; aber ich ließ mich nicht verblüffen. O, ich kenne auch Advokaten, dachte sch. Zuerst fragte er dies und das und ging um die Sache herum, wie die Katze um den heißen Brei. Endlich rückte er heraus mit der Sprache.
Sie haben sich zu einem sehr dummen Streich gebrauchen lassen, sagte er; und die Sache kann schlimm für Sie ablaufen, wenn Sie hinter dem Berge halten und nicht Alles aufklären, damit wir den Anstifter fassen und ihm sein Handwerk legen können. >
Wie so, Herr Bürgermeister, wenn ich fragen darf, erwiderte ich, als er schwieg, und that ganz unbewußt. Ich bitte Sie, mich nicht zu beleidigen; ich lasse mich nie zu etwas gebrauchen.
Leugnen Sie nicht, sagte er darauf, wir wissen ja doch den Zusammenhang; Sie erschweren nur Ihre eigene Sache, während Sie ganz straffrei ausgehen können.
Das waren alles Redensarten, die mich verwirrt machen sollten. Aber zweimal in Einem Feldzuge eine Schlacht zu verlieren, dessen durfte ich mich nicht schuldig machen. Ich fühlte welche Scharte ich auszuwetzen hatte. Außerdem war ich jetzt der Angegriffene. Vordem war
ich dem Feinde in die Schanze gerückt und er hatte mich geschlagen. Jetzt machte er sich beit Sieg zu nutze und suchte mich in meiner Festung auf; aber er war nicht so mutig wie ich; er kam nicht selbst, sondern schickte seine Hilfsvölker — sollte ich auch vor diesen zurückweichen? Niemals, niemals, niemals, sagte ich vor mich selbst und gab dem Bürgermeister eine unschuldige Erwiderung. Nun wurde er ärgerlich, was ich wohl merkte, aber er behielt immer noch seine freundliche Miene bei; denn er meinte immer noch, mich dadurch zu fangen.
Ich spreche mich offen aus, sagte er also wieder sehr freundlich. Ihr Herr, Herr Gutsbesitzer Blund, hat Fräulein Fanny Krappser heiraten wollen, aber einen Korb erhalten.
Das weiß ich nicht und ist auch eine Sache, um die ich mich nicht zu bekümmern habe, sagte ich, als er wieder inne hielt.
Sie haben Sich aber darum bekümmert, sagte er.
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Gewiß haben Sie sich darum bekümmert; Sie haben sich verleiten lassen, Herrn Blund, der sich für die Abweisung rächen wollte, als Werkzeug zu dienen.
Ich diene Niemanden als Werkzeug; Sie dürfen mich nicht beleidigen, Herr Bürgermeister erwiderte ich.
Nun, Sie sind doch am Sonntag zum Herrn Commerzienrat Krappser — der Sie längst gekannt hat — gekommen und sind aufgetreten als der Freiherr Friedrich von Albern —
War mein Vater nicht der Freiherr von Albern?
(Schluß folgt.)