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Die Sx-ed. d. Oberh. Aeituug.
Die Amnestie in Frankreich.
Die französische Kammer hat am Montage die Amnestie auch deS letzten Restes der verbannten Kommunisten mit 333 gegen 140 Stimmen befchlosien. Alle ohne Ausnahme auch die gemeinen Verbrecher, sollen zurückkehren und straflos sein. Das ist daS Wort Gambetta'S. Die Regierung erklärte noch vor kurzem, daß sie niemals ihre Zustimmung zu einem solchen Anträge geben werde — und nun bringt sie selbst denselben ein l Gambetta hatte kürzlich eine Unterredung mit Freycinet und eS gelang ihm, denselben umzustimmen. Der Präsident Grsvy wollte nicht recht daran; aber das Ministerium drohte mit seinem Rücktritt — und Grsvy unterschrieb schweigend. ES gehen sogar Gerüchte, er wolle abdanken. Dann würde Gambetta sicherlich sein Nachfolger werden. Man will mit der Amnestie die Radikalen befriedigen, günstig stimmen. Gambetta fürchtet ihre Feindschaft. Deshalb thut man ihnen den Willen und ruft die Mörder und Brandstifter der Kommune zurück. Gambetta sagte in der Kammer, man muß die Amnestie so lange als möglich vor den Neuwahlen gewähren, damit die feindlichen Parteien aus ihr nicht Nutzen zögen. Man müsse einen Grabstein auf die Verbrechen der Kommune setzen und allen zurufen: „Ein einziges Frankreich, eine einzige Republik." Ein Antrag, die Verbrecher gegen das gemeine Recht von der Amnestie auszuschließen, wurde ab- l gelehnt. Trotzdem ruft Freycinet in den Motiven der Vorlage prahlerisch auS: „Niemals werden wir uns mit der Unordnung versöhnen I Niemals werden wir Verbrecher rehabilitieren, die jedes Bewußtsein empörten und deren Ungeheuerlichkeit nur durch die schrecklichen Umstände erklärt werden kann." — Welche Phrasen, welche Verblendung? Die Amnestie soll ein Grabstein auf die Verbrechen sein — indem man die Verbrecher straflos macht. Gewiß, wenn man die Verbrecher fteispricht, dann gibt's keine Verbrecher mehr. Und dieser Grabstein soll der Eckstein des „einzigen Frankreichs und der einzigen Republik seinl" Ein böseS OmenI Gambetta rief prahlerisch aus: „Die
Der falsche Freier.
Humoristische Skizze von Emil Richter.
(Fortsetzung.)
Wie hatte ich mich ihrer gefreut, als ich vor dem Spiegel stand, wie ich mich in ihnen zuerst meines angeborenen Adels gefreut! Und jetzt, als ich endlich aus dem Schlamm herausgekrochen, mich besah — ich hatte nun i tausendfach Ursache, mich im tiefsten Dunkel zu verstecken! Wie ein Vagabund sah ich aus, ja ich hätte einen Vagabunden beneiden können! Hätte mich da mein Bruder ge». sehen! Wie recht hätte er dann gehabt, zu sagen: Ein solcher Kerl ist so frech, zu sagen, mein Vater sei auch sein Vater gewesen! Und doch ging ich nun langsam! Hätte ich auch vor mir selbst entfliehen können? Wie zuvor mein Pferd, so schlich ich jetzt! Das edle Pferd! es ahnte, was da kommen mußte, ahnte, was einem Freiherm bevorstand.
8.
Endlich war ich doch oben im Wald und hatte einen düsteren Winkel gefunden — düster genug für meine Gedanken. Alles waS ich erlebt, Alles waS ich gedacht an diesem unglückseligen Tag, ging mir durch den Kopf wie ein rasender Kreisel. Und wie ich gegen mich selbst tobte ; — ich weiß es nicht mehr. —
Es kam die Nacht; aber ich wußte nicht, sollte ich mich erheben, oder sollte ich liegen bleiben, leidend wi eine verwundeter Krieger den Tod erwarten! Doch ich ermannte mich; ich sprach das letzte schwere Wort zu mir iu dieser Sache:
Sinkt ein Feldherr, rief ich mir zu, nach verlorener Schlacht so tief zusammen? Darf ein Freiherr von Albern
Amnestie ist keineswegs eine Politik der Schwäche, sondern eine Politik der Konzentrierung." Das erinnert an jene geschlagenen Feldherren die in die Welt telegraphierten: Wir sind nicht geschlagen, wir haben uns mutvoll rückwärts konzentriert. Auch Freycinet sagt in den Motiven: „Wir werden keine Schwäche zeigen. Wir fühlen unseren Mut auf der Höhe der Aufgabe und in unseren Händen wird die Autorität unangetastet und geachtet sein!"
Das sagt dieser Mann in der Vorlage, welche er aus Furcht vor den Radikalen macht und in welcher er Recht, Gerechtigkeit und Autorität mit Füßen tritt, indem er gemeine Verbrecher ohne Zeichen der Reue und Besserung straflos erklärt! Darf man sich wundern, wenn die Radikalen diese Leute verachten und über ihre prahlerischen Redensarten lachen? Diese Verachtung haben sie recht gründlich dadurch zu erkennen gegeben, daß sie am Sonntag in Paris den verbannten Kommunisten, der in Neu-Cale« donien Galeerensträfling ist, zum Gemeinderat in Paris wählten — trotzdem Gambetta in der „Republ. frone." dagegen gewarnt und gesagt hatte: „Trinquet wählen, heißt gegen die Amnestie stimmen." Die Radikalen sind ihrer Sache sicher; sie wissen, daß die herrschenden Girondisten nicht den Mut haben, ihnen zu widerstehen!
Deutsche, Reich.
** Berlin, 23. Juni. Der Bundesrat hält morgen (Donnerstag) wieder eine Sitzung. Aus der Tagesordnung stehen die Anträge Badens und Oldenburgs, betreffend die Bewilligung gemischter Privattransttlager von Getreide (Baden wünscht solche für Mannheim), der Antrag, betref- die Besetzung erledigter Stellen bei den Disciplinarkam- mern, den Antrag des Ausschusses für Handel und Verkehr, betreffend den Antrag Hamburgs wegen der Erledigung von Streitsachen zwischen Senat und Bürgerschaft, und endlich Ausschußberichte über eine Reihe von Eingaben, welche u. a. die Maße, Gewichte und Wagen der Apotheker und die Einführung der Doppel-Münzwährung betreffen. — Der Evangelische Oberkirchenrat hat in einer längeren Cirkularverfügung die Aufsichtsführung über das Kassen- und Rechnungswesen der Kirchengemeinden und kirchlichen Institute, welche in verschiedenen Tellen der östlichen Provinzen an großer Ungleichheit leidet, einer genauen Regelung unterzogen. Es wird den Konsistorien aufgegeben, nach den ausgestellten Normen ihre Einrichtungen zu treffen, namentlich die erforderlichen Weisungen an die Superintendenten und Gemeindekirchenräte zu erlassen und die Kreissynoden rechtzeitig mit der nötigen Instruktion zu versehen. Ueber die auf Grund weiterer Erfahrungen für eine definitive Gestaltung zu machenden Vorschläge sollen die Konsistorien später berichten. — In Betreff der Bestimmungen der Kirchengemeinde- und Synodalordnung bezüglich der Stellung des Patronatsvertreters hat der Ev. Oberkirchen-
in schwerster Not sich selbst verlieren? Ja, ich bin geschlagen worden, hart geschlagen; aber war ich nicht tapfer, tapfer wie der anerkannteste Freiherr? Begab ich mich nicht furchtlos hinein zwischen wütende Hunde, Peitschen, Flinten und Degen, nur bewaffnet mit dem armseligen Cylinder, der zwar einer Kanone ähnlich sieht, weil er ein Loch hat, dem aber sonst Alles was zu ihr gehört, mangelt? Und bin ich etwa unversehrt aus dem Schlachtgewühl hervorgegangen, habe ich die Flucht gemacht, ohne die ärgsten Spuren derselben davonzutragen?
O, meine Herren und Damen, hätten Sie mich gesehen in diesem Augenblick, Sie würden es nicht sagen dürfen. Aber ich freue mich doch, daß Sie mich nicht gesehen haben — insbesondere die Damen. Ich würde mich allzusehr geschämt haben.
Nun stieg ich auf von meinem düstern Lager, um den Rückzug zu vollenden. Und als ich herauStrat in die Lichtung, auf das Feld, über das der Mond sein bleiches Licht hingoß, da besah ich mich noch einmal, so weit ich mich besehen konnte und nochmals rief ich mir zu:
Nein, Du bist der Freiherren von Albern nicht unwürdig geworden; Du bist nicht auf dem Rückzüge, ohne schrecklich zugerichtet zu sein!
Leise schlich ich dann durch den Garten des Dornhofes und wollte mich still hinaufbegeben. Aber Blund bemerkte mich. Wie ein Luchs lag er auf der lauer, um meine Rückkunft zu erwarten. Denn der Knecht war endlich mit dem ledigen Pferd zurückgekehrt und nun fürchtete er, ich fei gar gefangen und würde ihn verraten. Er war unendlich froh, als er mich sah, trotzdem ihm der Anblick seines eleganten Anzuges Entsetzen erregte.
Är. M7.
Marburg, Freitag, 25. Juni 1880
xv. Jahrgang
Intrigen nimmt entgegen: He Expedition d.vlattes, fonrie d.Annoncen-Bnreauk gen Th, Dietrich & 60. in goffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; tzaasenstein & Loaler in frantfurt a. M., Berlin, gripjig, 66tn ec.; Rudolf Moste in Berlin, Kraul- furt a. 5JL ec.
OWM j fit 11119
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d.vlattes sowie d. Annoncen-Bureaur von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt a. M; JLger'sche Buchhandlung bafelbft; Hermannffche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; 88. LhieneS in Elberfeld; L. Schlotte in
Bremen-
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rat sich dahin ausgesprochen, daß die in dem der Erörterung dieser Angelegenheit zu Grunde liegenden Bericht kundgegebene Auffassung, daß ein Patronatsvertreter Gemeindemitglied sei und die zur Wählbarkrit erforderlichen Eigenschaften besitzen müsse, schon früher als unrichtig bezeichnet worden ist. Das Schreiben der Patronatsbehörde, welches zu dieser Ansicht geführt hatte, ist allerdings durch die Bezugnahme auf § 6 Abs. 2 der Kirchengemeindeordnung mißverständlich geworden, da die Befugnis zur Ernennung eines PatronatsvcrtreterS nicht auf der Kirchengemeindeordnung, sondern auf allgemeinen Landesgesetzen beruht und lediglich unter dem Gesichtspunkt deS Vollmachtsauftrags zu betrachten ist. In Betreff der nach § 34 für den Patron statuierten Erleichterung bezüglich deS Wohnsitzes am Ort der Gemeinde steht der ein für allemal bestellte Vertreter desjenigen Patrons, welcher keine physische Person ist, dem Patron vollständig gleich. Hieraus folgt, daß derselbe nicht Mitglied der Gemeinde zu sein braucht, und es folgt weiter, daß ein solcher Patronatsvertreter lediglich auf Grund ausgesprochener Willenserklärung in, den Gemeindekirchenrat eintritt, ohne daß er zur vorgängigen Ablegung des Aeltestengelübdes und zur Teilnahme an der feierlichen Einführung genötigt werden kann. Endlich er« giebt sich aus den nach gesetzlichen Bestimmungen, dem Patron zustehenden alternativen Recht, daß derselbe jederzeit selbst ein wählbares Gemeindemitglied zum Aeltesten ernennen kann. — Vom 1. Juli ab kommen für den Verkehr mit deutschen Telegraphen-Anstalten, zunächst versuchsweise, folgende Bestimmungen in Anwendung: 1. Die Zustellung von Telegrammen an Euipfänger außerhalb deS Ortsbestellbezirks der Bestimmungs-Telegraphenanstalt mittelst besonderer Boten kann von den Aufgebern durch Entrichtung einer festen Gebühr von 80 Pfennigen für jedes Telegramm vorausbezahlt werden; 2. erfolgt die Zustellung durch besondere Boten, ohne daß die Vorausbezahlung stattgefunden hat, so sind die wirklich erwachsenen Botenlöhne von dem Empfänger der Telegramme einzuziehen. — Die Eifenbahn zwischen Salzungen, Vacha und Kaltennordheim, welche im Jahre 1879 auf verschiedenen Teilstrecken eröffnet ist, soll am 25. Juni auf der Schlußstrecke Deren- berg-Kaltennordheim dem Verkehr übergeben werden.
— Die Conferenz-Delegierten arbeiteten im Lause des heutigen Tages, um das vorliegende Material zu bewältigen, könnten aber vielleicht auch morgen früh noch nicht ihren diplomatischen Chefs Bericht erstatten. Wenn gesagt wird, für die Beratungen der Delegierten fei ein neuer Modus notwendig geworden, dieselben verhandelten als Commission, die ihren Plenarbeschluß dem Diplomatenplenum unterbreite, so ist dies unrichtig. In dem Modus der Berichterstattung an die Bevollmächtigten ist nichts geändert, was nicht ausschließt, daß die Conferenz die Berichterstattung oder gutachtliche Aeußerung eines einzelnen
Ich mußte ihm Alles genau erzählen; er ließ nicht nach, bis er Alles wußte. Dann hätte er mich fast ausgelacht. Gerade wie jetzt Sie. Aber die Furcht bei ihm war größer.
Verraten Sie nur nichts, sagte er. Diesem Com- merzienrat ist Alles zuzutrauen. Er forscht sicher noch weiter nach.
Wollte mich dieser Blund auch noch zum Verräter stempeln! Seine Dankbarkeit nahm den Anfang. Ich sagte es ihm.
Er beschwichtigte mich freilich sogleich, denn er hatte noch Angst. Er sah schon die Schergen kommen und sich in peinlichem Verhör wegen eines Verbrechens gegen einen geborenen Sclavenhändler. Nun mußte ich ihn wieder beruhigen. . w
Seien Sie nur unbesorgt, sagte ich, ein geborener Freiherr von Albern vergißt nie seine Würde, und nie wird et zugeben, daß ihn Jemand zu irgend Etwas verleiten könnte. Und Sie, meine Damm und Herren, Sie haben ja gehört, wie mich nicht die Worte Blunds bewogen hatten, die Sache vorzunehmen, wie ich sie vorgenommen hatte. Et hatte freilich von dem Witz zuerst gesprochen; aber mein Gedanke und mein Wille war es, ihn auszuführen.
Aber nicht alle Leute können die Gedanken und den selbstbewußten Willen freiet Männer begreifen. Die Polizei, meine Damen und Herren, Sie kennen die Polizei — der Wink eines Commerzienrats —
Ppst, pst, unterbrach nun den Erzählet lachend Hinterwind, pst, pst, seh'n Sie nicht, dort sitzt Spollitz.
Der städtische Polizeidienet, der ebmsallö an der Tafel Platz genommen hatte, war's, auf den er zeigte.
(Fortsetzung folgt.)