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Herr Geh. Rat Reuleaux verläßt in den ersten Tagen der kommenden Woche Berlin, um sich zur Wahrnehmung der Interessen der deutschen Aussteller als Reichscommissar nach Melbourne zu begeben. Derselbe wird sich zunächst nach Griechenland begeben und sich einige Wochen dort aufhalten, um die Stätten der Ausgrabungen von Schlie­mann und Humann zu besuchen. Die Ankunft des Reichs- Commissars in Melbourne dürfte voraussichtlich in die letzte Woche des August fallen. Die Eröffnung der Aus­stellung findet bekanntlich am 1. October statt.

Msie in Berlin, Krank- furt a. M. ic.

Tagesbericht.

B treffs der Erstattung eines Generalberichts über das Medicinal- und Gesundheitswesen der einzelnen Regierungs- Bezirke hat der vorgesetzte Minister unterm 4. d. M. ein Rundschreiben an sämtliche Ober- und Regierungspräsi­denten sowie Landdrosteien gerichtet, an dessen Eingang zwar gesagt ist, daß die Aussicht auf eine endliche, zweck­entsprechende Erledigung dieser Angelegenheitin hohem Grade zweifelhaft erscheint", jedoch gleich hinzugesügt wird: .Daß die aus der Mangelhaftigkeit und Unzuverlässigkeit des beigebrachten Materials für den Generalbericht her­geleiteten Anstände nicht unüberwindlich sei, geht aus dem Jahr für Jahr erscheinenden Generalberichte über das öffentliche Gesundheitswesen der Provinz Schleswig-Holstein mit Sicherheit hervor." Im Interesse des öffentlichen Gesundheitswohles muß aber der Minister entschieden daraus Gewicht legen, daß auf die Durchführung eines brauchbaren Gesamtberichts alles Ernstes hingewirkt werde.Zweck desselben kann es nicht sein, Zahlen anzuhäufen und das Actenmaterial zu vermehren, es soll vielmehr dazu führen, den Blick für die eben so mannigfaltigen, wie bedeutsamen Ausgaben der öffentlichen Gesundheitsflege zu schärfen und durch Vermittlung der Medicinalbeamten bei den Polizei- unb Gemeindebehörden, wie in den weiteren Kreisen des Publikums das Verständnis für die Förderung der Hygiene, welches gegenwärtig selbst bei der Erfüllung der elemen­tarsten Bedingungen des Lebens vielfach vermißt wird, zu erwecken oder, wo es besteht, zu fördern. Daß ein solches zielbewußtes Streben nicht ohne Vergleichung der zeitigen Zustände der einzelnen Bezirke mit früheren oder mit den Zuständen anderer Bezirke von Erfolg begleitet sein, mit­hin ein sicheres Resultat nur mit Hülfe einer zuverlässigen Statistik gewonnen werden kann, bedarf nicht erst des Nach­weises. Auch darf man sich darüber nicht täuschen, daß bei der großen Verschiedenheit, welche in Ansehung aller beachtenswerten Momente zwischen den einzelnen Teilen des Staates herrscht, bei der für die einzelnen Beamten

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«nidgen nimmt emgegen He Expedition d.Blattes, tggie dAnnoncen-Bureaux gon Th. Dietrich & Co. in Mel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & BoÄer in

Sc?£eint tSaliL außer an den Werktagen nach Sonn» und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageJIluftrtrteS EonutagSblatt" durch die Ap/ditton (K o ch'fche 18iSS ffie i) S)gen butd, die Postämter des Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pf». k°rck Bestellgebühr). -ZnsertwnSg-bühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».

w Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf», berechnet.

Deutsches Reich.

** Berlin, 21. Juni. Von Seiten Oldenburgs sind beim Bundesräte zwei Anträge gestellt worden, erstens be­züglich der für die Statistik des Warenverkehrs bestehenden Anmttdeverpflichtung die für den Verkehr mit den Frei­hafengebieten von Hamburg-Altona und Bremen zu be­schließenden Erleichterungen auch für den Verkehr mit dem Freihafen Brüke beschließen zu wollen; zweitens zu be­schließen, daß gemischte Transitlager von Getreide für das Herzogtum Oldenburg in den Weserorten Elsfleth und Nordhaujen gestattet werden dürfen. Im Anschluß an die Verfügung des Unterrichtsministers in Betreff der Schülerverbindungen betont der Minister des Innern in einem Erlaß vom 14. Juni an die Regierungen, daß dringende Veranlassung vorliege, gegen dieses Unwesen mit allen Mitteln einzuschreiten. Wenn auch die Ueberwachung der Führung von Schülern und die Bekämpfung des Ver­bindungswesens unter denselben zunächst der Schulbehörde zufällt, so ist doch, wie es in dem Erlaß weiter heißt, den Polizeibehörden zur Pflicht zu machen, thunlichst der Schul­behörde dadurch Beistand zu leisten, daß sie den in die Oeffentlichkeit tretenden Exzessen der Schüler, namentlich den Trinkgelagen, entgegentreten und die zu diesem Zwecke erforderlichen Maßnahmen ergreifen. In mehreren Regie­rungsbezirken bestehen bereits Polizeiverordnungen, welche den Gast- und Schankwirten verbieten, unerwachsenen Per­sonen, insbesondere Schülern ohne Begleitung ihrer Eltern, Vormünder oder Lehrer, Speisen und Getränke zum Genuß in ihren Lokalen zu verabreichen. Die Zulässigkeit für den Erlaß solcher Polizeivorschriften ist in dem Erkenntnis des Obertribunals vom November 1870 anerkannt. Wo solche Vorschriften bestehen, sind dieselben von den Ortspolizei­behörden streng zu handhaben; wo sie noch nicht bestehen, ist überall, wo ein Bedürfnis sich zeigt, auf den Erlaß Bedacht zu nehmen. Neben der Bestrafung wegen Ueber- tretung dieser Vorschriften wird gegen Gast- und Schank­wirte, welche wiederholt Trinkgelage von Schülern bei sich dulden, wegen Mißbrauchs ihres Gewerbebetriebs gemäß

33 und 53 der Gewerbeordnung mit Einleitung des Verfahrens auf Konzessionsentziehung vorzunehmen sein, gereist, er wäre hier. Blund hatte mich doch ich mußte Gewißheit gewinnen. Ich stellte eine zweite Frage:

Der Herr Commerzienrat ist also anwesend?

Genug, sagte der Bediente, mich verwundert anblickend. Sagen Sie mir nur, wen ich melden soll.

Also der Commerzienrat war wirklich nicht verreist, Blund hatte mich betrogen betrogen!

Was sollte ich thun? Aus daS Eine war ich vorbereitet und das Andere, das, woran ich gar nicht gedacht hatte, kam! So gehen Schlachten verloren! auch der größte Feld­herr, wenn ihn alle seine Kundschafter betrügen und ver­raten , wenn sie den Feind anderswo sein lassen, als wo er wirklich ist, muß sich verwirren; seine besten Gedanken sind mit einem Schlag verloren, er gerät in Widerspruch mit sich selbst und seine Armee wankt vor der Zeit, wenn sie sich umgangen, wenn sie sich von allen Seiten um­zingelt sieht.

Das empfand ich mit seinem vollsten Gewicht an diesem unglücklichen Sonntage. Aber ich empfand auch, daß ein Feldherr darum nicht weicht, obgleich er weiß, daß Viel verloren ist Viel, aber noch nicht Alles, noch nicht seine Ehre, sein angeborener Mut und seine Tapferkeit! So überwindet er die Niederträchtigkeit der feilen Kundschafter und vergißt diese ganz in dem Gewühl, das ihn nun gleich umgeben wird.

So ging auch ich in die Schlacht, dm Verrat ver­achtend und unbekümmert um das, was kommen mußte; mein Mut hob sich und auf meine Tapferkeit verließ ich mich.

Melden Sie dm Freiherrn Friedrich von Albern, sagte ich und sah dem Tod in die Augen.

(Fortsetzung folgt.)

Der falsche Freier.

Humoristische Skizze von Emil Richter.

(Fortsetzung.)

Wüßten Sie, meine Damen, so ganz wider sein Herz zu handeln, so ganz Alles, was Edles in der Brust sich findet, zurückzudrängen, wie ich es thun mußte an jenem Sonntage, Sie würden meine Gedanken erklärlich finden, [ obgleich sie so hart sich gegen eine Person vom schönen Geschlechte wandten! Aber Sie kommen niemals in die Lage, so denken zu müssen; denn Sie können sich hinwegwenden, e wenn Ihnen das Gemeine, das Abstoßende entgegentritt; \ Sie müssen nicht huldigen, Ihnen wird gehuldigt und ' von wem gehuldigt! Prinzen, Grafen und Freiherren steigen bei Ihnen ab wie ehedem in dm felserbauten Burgen, und I wie ehedem die Burgfräulein den Rittern den labenden Trunk kredenzten, so kredenzen Sie ihn. Wie führt Ihr holder Anblick mich zurück in jene Zeiten, denm ich ange­höre von Herz und Geburt! Damals herrschten die Freiherren und jetzt herrschen die Kommerzienräte! Wer dies fühlen und empfinden muß!

Gewaltsam aber bezwang ich mich. Ich zog einen Schleier über meine Augen; einen dichten Schleier, und \ die Gestalt im Sommertempel, die abschreckende Gestalt, zu [ verwandeln in ein Burgsräulein, der ich gegenübertreten konnte, wie ein Cavalier vom alten Schrot und Korn, stolz, und doch nicht aus Galanterie für Damen I Ich spornte ( mein Herz wie ich mein Pferd spornte, damit es nun int raschen Trab mich herantrüge zu der Pforte, vor der ich absteigen sollte. In zauberischem Zuge zeichnete ich mir i ein Bild, das mich in Glut versetzen mußte; ich entfachte A meine zärtlichsten Gefühle; denn niemals, und auch in

bestehenden Unmöglichkeit, alle Zweige der Gesundheits­pflege mit gleicher Energie zu erfassen und bei der Not­wendigkeit, zunächst da die Kraft einzusetzen, wo die Hülfe am dringendsten verlangt wird, diejenige Gleichmäßigkeit in der Lösung der Ausgabe, deren kleinere Staaten mit mehr ausgeglichenen Verhältnissen sich erfreuen, zur Zeit sich nicht erreichen lassen wird. Daran halte ich aber fest, daß auch bei hervorragender Tüchtigkeit und größtem per­sönlichem Einflüsse der Medicinalbeamten die, Erstattung periodischer Berichte von besonderem Werte bleibt, da sie den Beamten den erwünschten Anlaß geben, ihre Erfahrun­gen zu sammeln und zu sichten, die Vergleichungsmomente zu gewinnen und sich der Ziele wieder bewußt zu werden, auf deren Erreichung sie vorzugsweise ihre Anstrengungen zu richten haben." Der Minister legt dann die Aufgabe des Medicinalrats (Medicinalreferenten) bei den Regierun­gen näher dar und stellt auch Vorschläge anheim, inwie­weit und in welcher Richtung die Mitwirkung anderer Be­hörden, namentlich der Polizei-, Gemeinde-, Schul-, Deich-, Strom-, Schifffahrts-, Bau-, Bergbehörden, Gewerberäte u. s. w. in Anspruch genommen werden soll. Auch unter den jetzt bestehenden gesetzlichen und Verwaltungs - Einrich­tungen könnten dauernde und ersprießliche Erfolge auf dem Gebiete des Gesundheits- und Medicinalwefens erreicht werden,und es bedarf nicht erst der vorgängigen Ein­führung bald dieser, bald jener neuen gesetzlichen Maßregel, fo erwünscht sie auch an sich sein mag, um eine organische Thätigkeit aus dem Gebiete der öffentlichen Gesundheitspflege zu entfalten."

Gestern, am 21. d. M., feierte der Prinz Alexander von Preußen seinen 60jährigen Geburtstag und gleich­zeitig sein 50jähriges Militärdienstjubiläum. Geboren am 21. Juni 1820 zu Berlin, trat der Prinz an seinem 10. Geburtstage nach altpreußischem Gebrauche als Seconde- Lieutenant in die Armee, durchlief rasch die militärischen Rangstufen und avancierte am 15. October 1856 zum Generallieutenant, in welcher Stellung am 18. October 1861 seine Ernennung zum Chef des 3. Westphälischen Infanterie-Regiments Nr. 16 erfolgte. Am 21. Juni 1864 zum General der Infanterie befördert, nahm der Prinz Anteil an dem Kriege gegen Oesterreich. Bei der Reorganisation der Garde - Landwehr wurde demselben am 1. Januar 1873 die Stelle eines zweiten Chefs des 2. Garde - Grenadier - Landwehr - Regiments zu Teil. Prinz Alexander ist nunmehr das dritte Mitglied des königlichen Hauses, rvelches 50 Jahre und länger der Armee angehört.

Nachdem gestern Vormittag 10 Uhr die Delegierten- Commission zur Beratung zusammengetreten war, fand Nachmittags 3 Uhr eine Sitzung der Conferenzbevollmäch- tigten statt, welche bis 5 Uhr dauerte.

solchem Falle, leidet adeliger Sinn, aufzutreten wie Commis- Voyageur, der nur Süßholz zu raspeln versteht. Ich stellte mir mich selbst schon vor, wie ich mit ritterlicher Verbeugung eintrat in das Sommertempelchen, wie ich, vor Augen immer den Schleier, auf den das reizendste und edelste Frauenzimmer gezeichnet war, vor die Dame hintrat, als der Sohn meines Vaters, als der wirkliche, nicht mehr Der« kannte Freiherr Friedrich von Albern; wir ich dann meine Huldigung begann, mein ritterliches Herz auf die Zunge legend, so daß es von ihr floß nicht wie fade, leere Schmeichelei, sondern wie hinreißende Wahrheit der Liebe, vor der auch Eis zerschmelzen muß.

Jedoch jetzt hielt das Pferd. Der Knecht, den Blund vorausgeschickt, hatte es am Zügel gefaßt und ich mußte abfteigen, denn ich befand mich an der Thüre der Villa Krappser. Ich klingelte und ein Bediente öffnete.

7.

Kann ich die Ehre haben, den Commerzienrat Krappser zu sprechen? fragte ich den Bedienten.

Ich wußte ja, Blund hatte es ja gejagt, daß der Com­merzienrat nach Westindien gereist war, um ein Sklavenschiff in Empfang zu nehmen. Aber ich mußte die Schicklichkeit beobachten. Ich konnte nicht so ohne Weiteres nach Fräulein Fanny fragen. Ich mußte scheinen lassen, als wisse ich nichts von der Reise des Commerzienrates; und erst, wenn mir verkündet worden war, daß er nicht anwesend sei, erst dann konnte ich sagen: Melden Sie mich bei den Damen.

Aber der Bediente erwiderte: Wen soll ich dem Herrn Commerzienrat melden?

Hatte ich recht verstanden, was der Bediente gesagt? Danach wäre der Commerzienrat nicht nach Westindien

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