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Marburg, Dienstag, 22. Juni 1880
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Anzeigen nimmt entgegen: dir Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in
Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; tzaasenstein & Bögler in Frankfurt a M., Berlin, Leipzig, Cöln re.; Rudolf Aoffe in Berlin, Frankfurt a. M. re.
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattet sowie d. Annoncen-Bureaux von @. L- Daube & Co. in Kiankfutt a- M; JLger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhanoi. ♦ daselbst; Jnvalidenoank in
Berlin; 8B. ThieneS in «berfeld; L. Schlotte in
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Die Exped. d. Oberh. Zeitung.
Die Botfchafterkoufereuz.
Seit bem 16. b. M. tagt in Berlin bie Konferenz ber Botschafter von Oesterreich, Rußlanb, Frankreich, Italien, Englanb unter bem Vorsitz bes StaatSsecretärS bes beutschen auswärtigen Amtes, bes Fürsten Hohenlohe. Die Aufgabe ber Konferenz ist bie Regelung der neuen Grenze zwischen Griechenland unb ber Türkei. In bem Artikel 24 bes Berliner Friedens war nämlich folgenbes bestimmt worben: „In bem Falle, baß bie hohe Pforte unb Griechenlanb nicht bazu gelangen sollten, sich über bie in bem dreizehnten Protokolle bes Berliner Kongresses bezeichnete Berichtigung ber Grenze zu verstänbigen, behalten sich Deutschland, Oester- reich-Ungarn, Frankreich, Großbritannien, Italien unb Rußlanb vor, ihre Vermittelung beiben Parteien anzubieten, um bie Verhanblungen zu erleichtern."
DaS breizehntc Protokoll bes Kongresses hatte bie Grenze nur burch bie Flüsse Panama, welche bem süblichen Teile von Korfu gegenüber münbet, unb Salamvria, welcher ins Acgäische Meer fließt, bestimmt. Diese allgemeinen Bestimmungen toben bie Grundlage für bie Konferenz, nachbem bie Türkei unb Griechenland sich über bie Grenzberichtigung nicht habe einigen können. Der französische Minister Wabbington hatte auf bem Kongreß folgenbe Grenzlinie beantragt: Auf bem linken Ufer des Kalama, welche dem süblichen Teil von Korfu gegenüber münbet, sollte nach seinem Vorschlag bie Grenze nach Osten, bann nach Rorbosten gegen. Metzowo in dem Pinbusgebirge laufen, welches bekanntlich Epirus unb Thessalien scheibet; jenseits bes von Osten nach Süden ziehenben Pinbusgebirges : soll bie Grenze bann bas Chassiagebirge einschließend, den Fluß Xeragi aufsuchen, welcher auf ber linken Seite in beit Hauptfluß Thessaliens, bett von Westen nach Osten flicßenben Salamvria (ben alten PeneioS), münbet.
Rach bieser Grenzlinie würben ber Olymp unb die Ebene, in welcher Tricala unb Larissa liegen, an Griechenlanb fallen. Währenb jetzt bie Grenze Griechenlands nur bis zum 34. Breitegrab geht, würbe sie bann bis zum 40.
Der falsche Freier.
Humoristische Skizze von Emil Richter.
(Fortsetzung.)
Langsam schlich ich auf meinem Pferb dahin. Dies Pferb selbst empfand, was ich fühlte. Es eilte nicht, unb nicht stolz, wie ich es oft gesehen, schritt es bahin, kaum baß cs bie Beine hob, unb von selbst wählte es bie verborgensten unb verschlungensten Wege zwischen bem Gebüsch ber Wiesen unb ben Felsen der Bergklüfte. Ja, es fühlte, \ baß es einen traurigen Freiherrn trug! Einen Freiherrn, - ber nur erkannt war von sich selbst, unb ber sich nun ; selbst verleugnete, well er sein Wort gegeben, weil eö seine Ehre verlangte! Ja biese Ehre! Sie ist ein stolzes Gefühl, sie ist aber auch ein furchtbares Gefühl!
Unb Sie können lachen! meine Damen unb Herren! Lachen aus vollem Halse! DaS stimmt mich boppelt traurig! Aber freilich, wie sollten Sie auch begreifen können, wie ein abeligeS Gemüt fühlen muß, wenn es an einem Scheidewege steht? Ihnen ist nichts angeboren von ben feinen Vibrationen, die nur ein freiherrliches Blut zu durchbeben verstehen. Sie haben nur ben Einen (Bebauten: reich zu fein ober reich zu werden. In Ihrem Reichtum suchen f Sie Ihre Ehre unb Sie werben, Sie wollen auch nut geehrt fein, wenn unb weil sie reich finb! Aber ein geborener Freiherr? Ja, ein geborener Freiherr sucht seine Ehre barin, anerkannt zu sehen, was ihm angeboren ist. Unb bas zu können, ist mir versagt, nur ich allein auf bet ganzen Erbe kenne mich mit stolzem Bewußtsein unb ohne Spott als ben geborenen Freiherrn Friedrich von Albern. Was baö für ein adeliges Herz ist, bas empfinbeu Sie nicht, können es in Ihrer angeborenen Bürgerlichkeit nicht ^empfinbeu. Aber ich cmpfinbe es — ich empfand es boppelt
Grabe gehen unb es wirb jetzt gewünscht, baß auch Janina, bas alte Orbona, zu Griechenlanb fallen soll. Englanb war auf bem Kongreß mit bem französischen Vorschläge nicht einverstanden. Jetzt aber, wo in England ber griechen- frennbliche Gladstone an ber Stelle des türkenfreunblichen Beaconsfield an ber Spitze ber Regierung ist, haben bie Griechen Aussicht, baß ber französische Vorschlag durchgehen wirb. Wie man behauptet, finb auch bie übrigen Mächte biesem Vorschlag mehr ober weniger zugeneigt. Es hat sich ja auch mittlerweile immer klarer herausgestellt, baß bie Türkei doch nicht mehr lange bestehen kann. Wie es heißt, will bie Konferenz, wenn sie ihre Beschlüsse gefaßt eine Kommission an Ort unb Stelle schicken, welche bie Grenze reguliert unb bann, wenn sie ihr Werk vollbracht hat, was in 6—8 Wochen ber Fall fein wirb, will bie Konferenz noch zu einer Schlußsitzung zufammentreten, um ihren Beschluß entgUtig festzustellen. Es kommt aber bann freilich immer wieder darauf an, ob die türkische Regierung die Landsttecke gutwillig an Griechenland abtritt ober ob sie mit Gewalt dazu gelungen werben muß. Die Nachrichten über bie Ansichten in Konstantinopel lauten verschieben, bald heißt es, bie Pforte wolle sich auf nichts eintaffen, bann wieber heißt es, sie fei im allgemeinen ber Grenzregulierung nicht entgegen, aber im einzelnen habe sie Scheuten. Jedenfalls wirb die Pforte nut ber Gewalt weichen, wie sie es bisher immer gethan hat unb bie Griechen werben sich jedenfalls gefaßt darauf machen müssen, das, was ihnen die Konferenz zuspricht, mit dem Schwerte zu erwerben. Ihre Hoffnungen und Träume gehen ja wohl noch weiter, allein es wird davon abhängen, ob sie sich einer größeren staatlichen Stellung würdig gezeigt haben, bis bet Zusammenbruch ber Türkei ein vollständiger geworben ist und es sich um eine anberweitige Regelung ber Besitzverhältniffe handeln wirb. Die Griechen haben im Ganzen gebildeten Europa viel größere Sympathieen als bie Slaven unb man würbe zehnmal lieber einen großen Griechenstaat, als einen Slavenstaat entstehen sehen; allein zu leugnen ist es nicht, baß bie jetzigen Griechen diese Sympathie ihren alten Ahnen unb nicht ihren eigenen Vetbiensten verdanken; beim bie jetzigen Griechen haben alletbingö noch wenig gethan, woraus bie Befähigung für bie Ausgaben eines großen Staates hervorleuchtet. In Athen waren bie Ministerwechsel womöglich noch häufiger als in Konstantinopel. Allein nichts besto weniger sind auch die modernen Griechen immer noch das be- fähigste und edelste Volk der Balkanhalbinsel, und es wäre eine Ungerechtigkeit und Grausamkeit, griechische Gegenden, wie z. B. den größten Teil von Macedonien, unter bulgarische Herrschaft zu stellen; überdies ist zu hoffen, daß sich auch im griechischen Volke wieder größere staatliche Talente ausbilden, wenn ihm größere staatliche Aufgaben gestellt sind.
an diesem Sonntag der Selbstverleugnung und neben mir empfand es nur das edle Pferd, bas mit mir burch bie Einsamkeit dahinschlich.
Jedoch so langsam daS Pferd auch ging, so große Haken es auch schlug, endlich führte der Weg doch zum Ziele. Die Villa Krappfer lag endlich vor mir, eingebettet in ihren Park wie in weiches Moos. Jetzt mußte ich meine düstern Gedanken mit Gewalt verbannen, ich mußte mich des gegebenen Worts erinnern, erinnern wie ber Soldat in ber Schlacht an feinen Fahneneid.
Wie ber Solbat in ber Schlacht, sagte ich mir, rückst Du jetzt vorwärts. Auch er kämpft oft gegen seine Ueber- zeugung; auch er sagt sich oft, für was opferst Du Dich unb für wen? Unb doch erhebt er sich, ohne zu murren; er kämpft gegen seine Ueberjeugung ohne zu zucken, unb wenn er ein geborner Freiherr ist. Denn er steht unter seinem Fahneneib; unb er weiß, daß er ein Verräter ist, wenn er ihn verletzt. Auch ich staub unter bem Fahneneid, unter bem Fahneneib meiner freiherrlichen Ehre, ben ich nie verletzen konnte, — für ben ich heranstürmen mußte wider meine Ueberjeugung, scheinbar um die Tochter eines Sklavenhändlers zu freien! —
6.
Ich näherte mich jetzt bem Park ber Villa unb setzte mich fester in den Sattel. Man konnte mich vielleicht schon sehen unb wenn man mich sah, mußte man mich sehen hn Bewustsein meiner Würbe. Ich verbannte jeden, inneren Widerstreit unb nur noch ben inneren Stolz ließ ich jum Vorschein kommen.
Bald mar ich an ber Planke beS Parkzaunes; ich näherte mich von unten längs ber sanften Anhöhe, an welcher ber Park sich hinzieht, unb konnte von ba aus bas Sommer»
Deutsche- Reich.
Berlin, 19. Juni. Der Kaiser conferierte gestern Nachmittag mit dem Cultusminister. — Bei der am Abend erfolgten Abreife des Kaisers waren auf bem Bahnhofe ber Stabcommanbant, Fürst Dolgorucki, ber Polizeipräsident von Madai unb bie Flügelabjutanten anwesend. — Nachbem heute Vormittag um 11 jUhr bie Couferenz- belegierten zu einer Beratung zusammengetreten waren, traten Nachmittags um 3 Uhr bie Conferenzbevollmächtigten zu einer Conserenz zusammen, welche bis 4-V* Uhr bauerte. Es kann konstatiert werben, daß bie Uebereinftimmung unter ben Congreßbevollmächtigten fortbauert, sodaß bie Erledigung ber Conferenzarbeiteu in 8 bis 10 Tagen gewärtigt werben kann. Die nächste Sitzung ber Bevollmächtigten, welcher eine Sitzung ber Delegierten voraufgeht, finbet Montag statt. Den Delegierten liegen bie verschiebenen im Laufe der bisherigen Verhanblungen gemachten GrenzregulierungS- Entwürfe zur technischen Begutachtung vor. — Der heutige „Reichsanzeiger" melbct: Der Kaiser ernannte ben UnterfiaatSfecretär Scholz zum Staatssecretär beS Reichsschatzamtes unter Verleihung bes Charakters eines wirklichen Geheimrats unb bem Prädikat Excellenz unb beauftragte ben Staatssecretär Schelling nach Maßgabe beS Gesetzes vom 17. März 1878 mit bet Stellvertretung bes Reichskanzlers im Justizbereiche. — Wie es heißt, beschloffen die Nationalliberalen heute in ber Mehrheit für bett Artikel 9 ber Kirchengcsetzvorlage in ber Banbemer'schen Fassung bei ber zweiten Lesung zu stimmen.
Breslau, 17. Juni. Der kommandierende General bes VI, Armeekorps General ber Kavallerie von Tümpling feiert am 23. Juni b. I. fein 50jähriges Dienstjubiläum. Obwohl ber Jubilar ursprünglich ben lebhaften Wunsch gehegt haben soll, bicsen Ehrentag in stiller Zurückgezogenheit auf bem Laube im Kreise ber Familie zu verleben, hat er sich neuerdings dennoch entschlossen, an dem genannten Tage, zu dessen festlicher Begehung alle Vorbereitungen getroffen sind, in Breslau anwesend zu sein.
Halle, 15. Juni. Der Minister der geistlichen und Unterrichts-Angelegenheiten hat genehmigt, daß an dem mit ber höheren Töchterschule ber Francke'schen Stiftungen Oer» bmtbenen Privat-Lehrerinnen-Seminar vom 1. September b. I. ab nach Maßgabe ber Prüfungs-Orbnung vom 24. April 1874 Entlassungs-Prüfungen abgehalten werben bürfen; d. h. es ist dabnrch bem jungen, aufftrebenben Institut die staatliche Anerkennung erteilt worben.
Düsseldorf, 19. Juni. Bei köstlichstem Wetter traf <Se. Majestät ber Kaiser auf dem festlich geschmückten Bahnhofe in Hamm um 7 Uhr ein, empfangen von bem Präsidenten Hagemeister, Landrat v. Bobelschwingh, Gar- nison-Aeltesten Rittmeister v. Qnabt, Bürgermeister Staube, Gymnasialbirector Schmelzer unb Postbirector Röhrig;
tempelchen, bas erhöht angebracht ist, übersehen. Eine Dame befand sich dort; ich erkannte sie, denn ich hatte sie schon öfter aus ber Ferne gesehen; unb Sie wissen ja, meine Damen und Herren, wer diese Dame gesehen, vergißt sie nie; man kennt sie vollständig, ohne nur ein Wort aus ihrem Munde vernommen zu haben. Eine Rede ließe sich halten über Fanny — über Fräulein Fanny Krappser! Ihr abgefallenes, abgewelktes, häßliches Gesicht, ihre falschen grauen Augen, falscher noch als das Lockengeringei, das wie ein Schlangenhaufen um ihren umhergeworfenen Kopf herumfliegt, ihre lange Figur, bie niemals schlank, sondern immern eckig erscheint, ihre abgeschmackte Kleibung —: hat man nötig, wenn man dies mit Augen sieht, noch bie Stimme zu hören, um auch bas Innere, bas Gemüt unb ben Charakter zu kennen?
O, armer Blunb ich hätte fast laut gerufen, o, armer Blunb, um diese sogar freitest Du im Ernst! Wie schlimm steht es ba mit Dir unb Deinem Verstand! Diese sogar wolltest, Du als Frau auf ben Dornhof führen! Dann aber wäre es dir ein Dornhof geworben in Wirklichkeit! Du hättest erlebt, wie aus einem Berg von Gelb heraus ein wirklicher Dornbusch gewachsen wäre, stachlicher als irgenb einer von benen, über bie Du Dich ärgerst, wenn sie in Demen Steinklüften wuchern!
Ich fühlte mich fast glücklich, als ich bieS dachte. Niemals wäre mir in den Sinn gekommen, nach dieser Richtung hin zu verschwenden; und hätte es das Unglück gewollt — ja in biesem Sinne sage ich, bas Unglück —, baß — unb Sie werden es hören...... Ja, ich hätte zum Schluß gerufen:
Den Dank, Dame begehre ich nicht unb wäre verschwunden zur selbigen Stunde!
(Fortsetzung folgt.)