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Marburg, Sonntag. 20. Juni 1880

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^Jch machte mich also fertig.

wisse Controle über Montenegro und das Littorale von Antivari einräumt, auf Dulcigno ausgedehnt wurden.

Brüssel, 18. Juni. Die „Indes). Belge" will wiffen, in Folge des Resultats der jüngsten Wahlen werde sich der belgische Episcopat bent neuen Schulgesetze unter­werfen und an dem im August stattfindenden Nationalfeste beteiligen. Der Vatikan mache in diesem Sinne seinen Einfluß geltend, um zugleich auch der Aufhebung der belgischen Gesandtschaft beim päpstlichen Stuhle vorzu­beugen.

Petersbvrg, 18. Juni. Auch die „Agence russe- erklärt ihrerseits, die Antwort der Pforte auf die Noten der Congreßmächte spreche keine Protestation gegen die Entscheidung der Conferenz aus, hebe vielmehr den Unter­schied zwischen Mediation und Schiedsgericht hervor.

sten Sonntag.

Was war jetzt noch zu thunl Mein Versprechen hatte ich gegeben. Der Commercienrat war auch über alle Berge, die Gefahr, die etwa zu befürchten gewesen wäre, beseitigt.

Hesseu-Rasfav.

Marburg, 19. Juni. Der Teil der Ausfüh- rungöbestimmungen, welche für die Regierungen die all­gemeinen Grundsätze in Betreff des mit dem 1. Juli in Kraft tretenden Feld- und Forstpolizeigesetzes festsetzt, ent­hält 1. Bestimmungen, welche in Folge des Gesetzes bei dem Holzversteigerungsverfahren in Anwendung treten sollen; 2. Bestimmungen, welche für das Sammeln von Beeren, Kräutern und Pilzen maßgebend sein sollen. In Bezug hierauf erklärt der Minister für Landwirtschaft u. s. w., daß cs seine Absicht sei, an den Grundsätzen nichts zu ändern, welche früher ausgesprochen sind, also insbesondere nach wie vor aus dem für die Ausgabe von Erlaubnisscheinen zum Sammeln von Beeren und Pilzen zu erhebenden Ent- geld in den fiscalischen Forsten eine Einnahmequelle nicht zu machen. Die fragliche Abgabe habe vielmehr nur den Zweck, eine Rccognitionsgebühr bezw. eine Entschädigung für die Kosten des Drucks u. s. w. der Erlaubnisscheine darzustellen. Die Ausgabe der letzteren soll lediglich ge­schehen, um die Ordnung und die Kontrole im Walde aufrecht zu erhalten, um vorzeitigem Sammeln un­reifer Beeren vorzubeugen und um die den Forsten zunächst wohnenden Eingesessenen gegen übermäßigen^Zu­drang der Einwohner entfernter Ortschaften zu schützen. Der Minister bestimmt deshalb, daß vom laufenden Jahre einschließlich ab der Preis für einen Erlaubnisschein zum Samnieln von Beeren und Pilzen, soweit nicht für einzelne Bezirke besondere Umstände zu ganz unentgeltllcher Abgabe veranlassen, durchweg auf 5 Pfennige auch dort festgesetzt werden, wo bisher noch der höhere Satz bis zu 25 Pfennig erhoben worden ist. Sofern Veranlassung vorliegt, von der Erhebung eines Entgelds oder der Ausgabe von Er­laubnisscheinen und einer Kontrole der Beeren und Pilsen­nutzung ganz abzusehen, so erwartet der Minister Bericht. Eine Ausnahme von den hier gegebenen Bestimmungen findet nur in Betreff der Trüffeln statt. Bei der Ver-

DentscheS Reich.

** Berlin, 17. Juni. Heute Mittag 2 Uhr empfing der Kronprinz in seinem hiesigen Palais das gesammte Staatsministerium, an der Spitze den Grafen Stolberg, in besonderer Audienz, und nahm die Glückwünsche deffelben zur Verlobung d:s Prinzen Wilhelm entgegen. — Die am 15. Juni im Gebäude des landwirtschaftlichen Ministe­riums begonnene Conferenz der Delegierten der Rheinufer- staatcn in Bezug auf eine weitere Regelung der Fischerei im Rhein wurde am 16. unter Vorsitz des Ministers Dr. Lucius fortgesetzt. Man gelangte in der Beratung der am 27. November 1869 zu Mannheim abgeschlossenen Kon­vention, welche die Grundlage der diesmaligen Konferenz bildet, bis zum Artikel 5 derselben. Am 18. d. sollen die Beratungen fortgesetzt werden und hofft man, an diesem Tage sämtliche 12 Artikel zum Abschluß zu bringen. Es dürfte schon heute als bestimmt angesehen werden können, daß die Conferenz ein erfreuliches Ergebnis haben wird, da die im deutschen Reich gelegenen Rheinufcrstaaten in vollem Einverständnis mit der Schweiz die Grundlage für die weitere Regelung der Fischerei im Rhein gewonnen haben; es würden daher diese Beratungen auch dann, wenn Holland sich ablehnend verhalten sollte, von großem Nutzen (ein. — Nach den Bestimmungen der Civilprozcßordnung vom 30. Januar 1877 und der Strafprozeßordnung vom 1. Februar 1877 wird die Fähigkeit, vor Gericht ein eid­liches Zeugnis abzulegen, im Reichsgebiet gleichmäßig mit dem vollendeten 16. Lebensjahre erlangt. Da hiernach die Annahme und dienstliche Vereidigung jüngerer Personen für den Postvienst Unzuträglichkeiten besorgen läßt, so ist im Interesse eines einhe tlichen Verfahrens unter Aufhebung aller entgegenstchenden Vorschriften das vollendete 16. Le­bensjahr als Altersgrenze für die Annahme zum Postdienst als genügend erachtet worden.

Münche«, 17. Juni. Der deutsche Reichstag hat schon zu wiederholten malen Gelegenheit gehabt, sich mit legislatorischen Maßnahmen in der Richtung auf die Scho-

nung nützlicher Tiere des Feldes und des Waldes, beson­ders in Betreff der Hegezeit des Wildes, der Definition der nützlichen und deshalb schonungS- und hegungswür- digen zu beschäftigen. ^Namentlich hat, man dem Fürsten von Hohenlohe Langenburg dahin abzielende Anträge zu danken gehabt. Dabei ist es indessen bis jetzt geblieben und es scheint die Angelegenheit gänzlich ins Stocken ge­raten zu sein, vielleicht im wesentlichen lediglich aus dem Grunde, weil dem Reichstag in den letzten 2—3 Jahren Gegenstände von überwiegend höherer Bedeutung zur Er­ledigung vorlagen. Gleichwohl wird die unerläßliche Not­wendigkeit die vorwürfige Angelegenheit in einer sachdien­lichen Weise ihrem gedeihlichen Abschlüsse zuzusühren, in allen zuständigen Kreisen vollauf gewürdigt. Da sich die Pforten des Reichstages verschlossen finden, so denkt man . daran, die Einzellandtage mit jener Frage zu beschäftigen. In München wird Antrag und Vorlage vorbereitet, welche dem bayerischen Landtage überreicht werden sollen. Die Schritte gehen von dem Münchener Verein für Geflügel­zucht aus, welcher zur Zeit einen betreffenden Antrag unter seinen Mitgliedern, sowie zum Beitritt auch an die Freunde der Tierwelt, in Umlauf setzt.

An-laod.

Wie«, 16. Juni. Während die Kaiserin Elisabeth, mit ihrer jüngsten Tochter, der Erzherzogin, Valerie, sich über München zu kurzem Aufenthalt nach ihrem bairischen Landsitze Feldaffing begeben hat, erhielt ihr Gemahl heute Morgen den Besuch des Großherzogs Ludwig von Hessen, der schon in aller Frühe, kurz nach 6 Uhr, hier eintraf und auf dem Westbahnhofe feierlich emp langen wurde. Manche eifrige Leute wollen wiffen, der verwittwcte Groß- herzog befinde sich hier auf der Brautschau; außer einigen Erzherzoginnen nennt man auch die zur Zeit hier zum Besuche des Erzherzogs Rainer anwesende Prinzessin von Asturien als eine der möglicherweise Ausersehenen. Man glaubt jedoch, daß diese Heiratsprojektmacher ohne tieferen Grund derartige Gerüchte verbreiten und will deswegen die „Brautschau" ausdrücklich als unverbürgtes „on dit“ bezeichnet haben, umsomehr als solche Gerüche sich vielleicht mit mehr Grund einer andern Richtung zuwenden dürften. — Der Fürst von Bulgarien verweilte einige Tage im strengsten Jncognito hier. Politische Besuche machte er nicht; die Behauptung, Freiherr v. Haymerle habe mit chm eine längere Conferenz gehabt, wird heute dementiert; man setzt hinzu, Fürst Alexander habe mit niemandem als mit dem Rutschen Botschafter und mit diesem auch nur in „familiärer" Weise verkehrt.

London, 18. Juni. „Times" erfährt, Oesterreich werde keine Schwierigkeit betreffs Abtretung von Dulcigno an Montenegro erheben, wenn die Anordnungen des Art. 29 des Berliner Vertrages, welcher Oesterreich eine ge-

ZllustrirteS Sonntagsblatt bitten wir baldigst bei den Postanstalten machen zu wollen.

Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Exped. ü. Oberh. Zeitung.

- 5.

Der Sonntag kam und bald nach dem Mittagsessen staffierte mich Blund auf das stattlichste aus. Sein Schrank war wohl versehen und die feinsten Kleider gab er mir. Als ich dann den sechszölligen Cylinder auf dem Kopfe hatte und mich im Spiegel besah, da empfand ich so recht, was jfür ein stattlicher Cavalier ich eigentlich sein könnte.

Ich wurde fast melancholisch, als ich mich so sah. Mußte die Natur, sagte ich mir, Dich so trefflich, so ganz adelig und würdig ausrüsten an Gestalt und Geist und Dir doch in der Geburt versagen, das, was sie Dir gab, zur Geltung zu bringen? Wie kannst Du Dich darüber trösten! Jetzt nun, das erste Mal in Deinem Leben, wo Du auch äußerlich erscheinst, Deiner Abstammung, Deines natürlichen Ranges würdig, wie ein Cavalier — jetzt ge­schieht es nur zum Hohn! jetzt geschieht es, indem Du Dich selbst verleugnest, indem Du Dich verspottest! Trittst Du so aus wie ein Freiherr, der sein Recht behaupten kann? Nein, weil Du es nicht behaupten kannst, trittst Du so auf, und weil dies an den Tag kommen, weil es Spott und Lachen bringen wird! Aber ich kann nicht zurück. Ich gab mein Wort, und daran, wie er sein Wort hält, er­kennt man den geborenen Edümann; ein geborener Edel­mann bin ich und bleibe ich; das aber ist die Hauptsache, daß ich nie erkannt wurde, das ist des Schicksals Tücke, wer aber vermag Etwas wider diese?

Umwirbelt von solchen Gedanken bestieg ich das Pferd. Werden Sie sich wundern, daß ich oben mir vorkam wie der Frosch aus dem Ballen? Jene Gedanken verließen mich auch nicht, als ich endlich dahinritt durch die freie heitere Sonntagsnatur, die in ihrem Sommerglanze und Sommer­reichtum meine Armut und mein angeborenes Gefühl frei­

Bestellungen für das dritte Quartal auf die

Sberhesstsche Zeitung

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter sowie d. Annoncen-Bureanx von @. L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; HermaniLsche Buchhandl. ♦ daselbst: Juvaliderümnk in

Berlin; W- Schiene» in Elberfeld; 4. Schlotte in

Bremen.

««eigen nimmt entgegen: ^Expedition d.»latte», •jaie d-Annoncen-Bureaur non Th, Dietrich & Co. in zassel und Hannover; Th. rijetrich in Frankfurt a.M.; Zaasenstein & Bögler in Itonttsrt a- M., Berlin, Mozig, LöluRudolf .Mffe in Berlin, Frank­furt o. M- rr.

herrlicher Erhabenheit gleichermaßen zu verspotten schien. Zum erstenmal hatte ich mich selbst, mein eigentliches Wesen verkauft — verkauft? nein, niemals, niemals; aber ver­schenkt! Und das ist zwar ein Anderes für den Stolz, aber immer blieb eine schwere Thatsache!

(Fortsetzung folgt.)

Darmstadt, 17. Juni.

Die Hinrichtung des Muttermörders Pfaff fand heute Morgen um 6 Uhr im östlichen Hofe des Pro- vinzial-ArresthauseS statt. Die Ablehnung seines Gnaden­gesuches war dem Condemnaten vorgestern Morgen um dieselbe Stunde mitgeteilt worden und hatte er diese Nach­richt mit derselben Resignation ausgenommen, wie das ihm in der Schwurgerichtssitzung vom 10. April durch den Präsidenten verkündigte Urteil, daß er auf Grund des Wahrspruches der Geschworenen schuldig befunden wordm sei, „in der Nacht vom 2. auf den 3. März d. I. seine leibliche Mutter in ihrer Schlafkammer zu Niedcr-Ramstadt gewürgt und an einem Stricke ausgehängt und diese Tödung mit Ueberlegung ausgeführt zu haben" und deshalb zum Tode verurteilt werde. Im Laufe des gestrigen Tages erhielt Pfaff noch den Besuch seines Schwiegervaters (welcher ihn ebenso wie seine Ehefrau in der jüngsten Zeit öfters besucht hatte), des Geistlichen, seines Verteidigers und ver­schiedener anderer Personen, darunter auch des Scharfrichters. Seinen Angehörigen soll er wiederholt und fortwährend seine Unschuld beteuert haben. Nahrung nahm er seit vorgestern Abend außer einem Glase Wein bis zu seinem Todesgange nicht mehr zu sich, obgleich sein Schwiegervater reichlich für alle möglichen Speisen gesorgt hatte. In völliger Apathie lag er den größten Teil des TageS und der Nacht

Der falsche Freier.

Humoristisch- Skizze von Emil Richter.

(Fortsetzung.)

Ich will mich also erkundigen, wenn der Commerzienrat einmal verreisen oder sonst abwesend sein wird. Dann handeln wir.

Der Vorschlag war mir recht, denn, wissen Sie, eS rst besser, man geht erst durch daS leichte Tirailleurfeuer, wo man sich an die Kugeln gewöhnt, ehe man in das scharfe Nottenfeuer gerät. Und so ganz einerlei war mir die Sache von Anfang an nicht, mehr der Moral wegen natürlich. Denn an Entschlossenheit fehlte es mir, als Freiherrn von Natur, niemals. Ich war ja auch Soldat. Das Glück in einer Schlacht mitzukämpfen, hatte ich freilich niemals, F wie ich niemals Glück hatte, sonst wäre mir längst auf bessere Art Anerkennung meines in der Geburt verlorenen Rechtes geworden!

So vergingen einige Wochen, bis denn, es war wieder an einem Freitage, Blund fast freudestrahlend nach Hause kam, und sagte:

Die Sachen stehen günstig, wir können losgehen. Der Commerzienrat ist nach Westindien gereist; er soll dort ' noch mancherlei Geschäfte machen.

Vielleicht ein neues Schiff mit Sklaven meinte ich.

Einerlei, erwiderte Blund, die Hauptsache ist, daß wir jetzt los gehen können. Machen Sie. Sich bereit für näch-

'Vr<-4eint täaliö außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage ,,J«luftrirteS LonutanSblatt" durch die Expedition (Koch'sche ' ^Auchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. l^^l. Bestellgebühr). -JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf».

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-