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Marburg, Sonnabend, 19. Juni 1880

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Haben Sie sich endlich verrathen, Herr Blund?- faßte ich ihn nun. Ich merkte es längst, daß Sie die ganze Heiratsgeschichte nur anzetteln wollten, um die Commerzien- ratS zu argem und ich sollte Ihnen nur als Werkzeug dienen.

. Blund wurde, als er sich durchschaut sah, sehr ver­legen; er meinte, sein ganzer Plan wäre damit verloren. Ich fuhr jedoch fort;

Das ist allerdings nicht schön von Ihnen; Sie hätten wenigstens gerade mit der Sprache herausgehen sollen. Sie wissen ja, daß ich Ihnen gern gefällig bin; auch bin ich gern dabei, einen lustigen Streich auszuführen; natürlich gegen die Ehre darf er nicht verstoßen; und was Sklaven­händler betrifft, so sind dies mir die verhaßtesten Personen. Also sollten Sie lieber Ihren Plan zum Besten geben und wenn er mir gefällt so will ich ihn gern ausführen helfen.

Blund gewann durch meine letzten Worte neues Ver­trauen und rückte mit seinem Plan heraus.

Natürlich, sagte er, der Heiratsantrag ist die Haupt­sache; Sie muffen ihn Fanni Krcsirpser machen.

Um Sie zu rächen, ebenso natürlich, erwiderte ich.

Ach was zu rächen meinte er, aber er überwand diesm Stich doch weniger leicht als den erften. Es handelt sich um einen Sonntagsspaß; nächsten Sonntag muß die Sache zur Ausführung kommen.

Aber wie? war mein Bedenken.

Ganz einfach. Sie kommen herauf in mein Zimmer, dort wählen Sie sich aus meiner Garderobe die besten und elegan­testen Kleider Sie haben ja fast genau meine Größe und Stärke; auch an einem Cylinder wird es nicht fehlen: so daß Sie ein Ansehen gewinnen, wie ein wirk­licher Freiherr von Albern.

Auch der preußische Minister des Innern hat auf die bekannte Eingabe des Vorstandes des Börsenvereins der deutschen Buchhändler jetzt erwiedert, daß er unter dem 2. d. Mts. sämtliche Regierungen und Landdrosteien ange­wiesen habe, dem Vertriebe von Losen zu der von dem Nennverein für Mitteldeutschland zu Gotha im Jahre 1881 zu veranstaltenden Lotterie, deren Generaldebit daö Litte- rarische Institut daselbst für die Abonnenten des Pierer- fchen Converfationslexikons kontraktlich übernommen hat, in ihren resp. Bezirken entschieden entgegenzutreten, da der qu. Lofevertrieb im diesseitigen Staatsgebiete nicht zuge- laffen worden ist. Die bayerische Regierung hat sich be-

Der falsche Freier.

Humoristische skizze von Emil Richter. (Fortsetzung)

Ja, aber das Geld eine Million mindestens, suchte mich Blund zu beschwichtigen, da er glaubte, ich sei auf dem Wege, seine Vorschläge ernst zu nehmen; meine Ant­wort bestärkte ihn darin.

Aber wo ist das Geld hergekommen? erwiderte ich näm­lich. DaS müssen Sie doch auch bedenken. Sie müssen doch bedenken, Herr Blund, ob ein Mann von Ehre über sich gewinnen darf, die Tochter eines Mannes, der einmal Sklavenhändler war, zu heiraten.

Damit gab ich Blund einen kleinen heimlichen Stich; denn er selbst hatte ja daran gedacht, und sich einen Korb geholt. Er erwiderte aber:

Wer fragt danach I Spielt nicht der Commerzienrat die erste Geige im ganzen Kreise?

Und läßt erste und zweite Geige überall durch seine Söhne spielen sagte ich dazwischen, weil die Sache mir immer spaßiger vorkam.

Ja, fuhr Blund eifrig fort, ist dies kein Beweis dafür was ich sage? Da darf irgend etwas sein, weit und breit, wo man in einem halben Tage hinfahren kann, ein Con- cert, eine Unterhaltung, überall muß sich die Gesellschaft gefallen lasten, von den beiden hoffnungslosen Sprößlingen des Commerzienrates ihre falschen Griffe und herzzerreißen­den Striche vorgezeigt zu erhalten. Hunde würden davon laufen oder beißen, wenn sie nicht fort könnten. Die Menschen aber klatschen wie rasend und fahren dann höch­stens in die Tafche, um heimlich, ganz heimlich ihre Faust zu machen. Aber gerade deswegen müßte man diesen

. Menschen einmal einen bösen Aerger machen.

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Tagesbericht.

Ueber die in Berlin tagende Conferenz j meldet der Telegraph: Wie man äußerlich vernimmt, liegt den Con- ferenz - Delegierten in Verfolg der vorgestrigen Conferenz- sitzung der vom Minister Waddington seiner Zeit aufge­stellte Entwurf vor, welcher als Ausgangspunkt für die Grenze die Thäler Kalamac und Salambria verschlägt, im Innern des Landes im Laufe der früheren Verhand­lungen aber wohl einige Abänderungen erhalten hat. Die Delegierten sollen die' hiernach sich ergebende Grenzlinie im Einzelnen local und technisch feststellen und dann ihren resp. Bevollmächtigten bis Sonnabend referieren.

Bei dem Beschluß der Geheimhaltung für die Conferenz- Arbeiten ist nicht blos der Hinblick auf die Presse, sondern auch der auf Griechenland und die Türkei maßgebend. Die Ucberzeugung übereinstimmender Anschauungen für die der Conferenz obliegende Aufgabe giebt sich bei allen Be­vollmächtigten kund. Man hofft auf Erledigung der Ge­schäfte in 10 bis 12 Tagen. Beschlüsse über Absendung einer Commission sind eventuell erst von der Conferenz zu fasten, die davon auch noch Abstand nehmen könnte. Für die Arbeiten der Delegierten - Commission liegt ein sehr starkes Kartenmaterial vor. Die österreichischen General­stabskarten werden, als die zweckentsprechendsten erachtet, die Grundlagen der Arbeiten der Delegierten bilden.

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Bestellungen für das dritte Quartal auf die

Dberhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

Zllustrirtes Sonntagsblatt bitten wir baldigst bei den Postanstalten machen zu wollen.

Nt* Die Landpostboten nehmen auf dem Lande Bestellungen entgegen.

Die Exped. d. Oberh. Zeitung.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d.Annonccn-Bureauk von G-L-Daube & Co. in Rranlfurt a. SB; Jägerffche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhaudl. daselbst; Kvalidendant in Berlin; SB- ThieneS in Merfeld ; 6. Schlotte in Ärsuicn-

hauses werden heute, nachdem ihre Mitglieder aus der Heimat wieder hier angelangt sind, zu der morgen begin­nenden zweiten Beratung der Kirchenvorlage Stellung nehmen. Die Situation ist noch sehr verworren und es läßt sich absolut nicht sagen, welches Resultat die Debatten haben werden. Liberale Blätter berichten, die konservative Fraktion hoffe das Gesetz würde durchzubringen sein, wenn sich zu ihr und den Freikonservativen noch 20 bis 30 Nationalliberale gesellten. Die liberalen Blätter be­richten aber heute, die liberalen Abgeordneten hätten auS dem Lande die Nachricht mitgebracht, die Stimmung im Volke sei durchaus gegen das Gesetz, und die liberale Partei würde es mit ihren Wählern gründlich verderben, wenn sie für das Gesetz stimme und zwar auch dann noch, wenn der §. 4 gestrichen würde. Was die Hoffnung auf 2030 nationalliberale Stimmen für die Vorlage anlangt, so scheint dieselbe allerdings recht unsicher zu sein; denn diese Stimmen könnten doch nur aus nationalliberalen Kreisen kommen, in welchen Herr von Treitschke eine Rolle spielt. Dieser aber hat sich in seinenPreuß. Jahrbüchern" sehr ungünstig über das Gesetz ausgesprochen und dasselbe für unannehmbar erklärt, wenn nicht mehrere seiner wesent­lichen Bestimmungen völlig umgestaltet werden. Während von der einen Seite in den Blättern behauptet wird, die Regierung lege auf den Begnadigungsparagraphen 4 kein so großes Gewicht mehr, da ja dem Könige ohnehin die Begnadigung zustände, wird in einem über die Stim­mung der Regierung offenbar orientierten Artikel der Post" mit großem Nachdruck der Artikel 4 als der Kernpunkt des Gesetzes, freilich in freikonservativer Ab­schwächung, betont. Die Regierung selbst wird, wie es heißt, erst am Schluffe bet zweiten Lesung ihre Stellung zu ben Beschlüssen kundgeben. Wenn man all die wider­sprechenden Nachrichten in den Zeitungen liest, so gewinnt man den Eindruck, daß die Annahme des Gesetzes sehr fraglich ist wenn nicht das Centrum noch einlenkt. In dem oben erwähnten Artikel derPost" und in einer Ber­liner Zuschrift der offiziösenPolitischen Corresp." wird der nationalliberalen Partei stark zugesetzt, um sie noch für das Gesetz zu gewinnen. Der Artikel sucht ihnen zuerst die Befürchtung zu nehmen, welche Falk ausgesprochen hatte, daß wenn einmal mildere Seiten im Kulturkämpfe aufge­zogen feien, man nicht wieder strenge auftreten könne. Man brauche heißt es in derPolit. Corresp." nicht zu fürchten, daß dem Kanzler gleich das Schwert auS der Hand fallen werde, wenn man hm etwas mehr Freiheit in der Führung deffelben gestattet habe. Die Liberalen sollten sich doch auf den Kanzler verlassen, der beweise, daß er weiß, wie man ein Schwert halten muß". Schließ­lich wird ihnen zu Gemüte geführt, daß eine Ablehnung der Vorlage ein starkes Mißtrauen gegen den Kanzler sei, einmal in seine Geschicklichkeit und dann in seine

Das bin ich auch von Natur, betonte ich, denn meine Ehre erhalte ich immer,aufrecht.

Dann fuhr Blund fort, fetzen Sie sich auf ein Pferd wählen Sie das beste im Stalle und reiten hinüber nach der Villa; es ist ja nicht eine Meile Wegs. Dort reiten Sie vor, übergeben das Pferd an Jemand, ben ich hinüber schicken werbe, treten ein, lassen Sich melden und machen bei Fanny Krappser Ihren Heiratsanttag. Das Uebrige wird sich finden.

Freilich wird sich das Uebrige finden. Und ich weiß wohl, welches große Opfer ich bringe, wenn ich den Streich aus­führe. Ich muß mein eigentliches Wesen ganz vergessen. Denn auf meiner niedrigen «Stellung als Verwalter ruht ja der ganze Witz. Ich erkenne damit an, daß ich nicht bin, was ich bin. Aber die Commerzienräte hasse ich und die Sklavenhändler doppelt; sie sind, die vermenschlichen Wertschätzung den Todesstoß geben und jeder «streich, den man gegen sie führt, erfreut mich. In diesem Sinne bringe ich das Opfer. Ick werde mein eigentliches Ich abstreifen. Was wird es für einen Abscheu geben, wenn dieser Sklaven­händler erfährt, daß ein Dienender, ein halber Knecht, es wagte, um seine Tochter, wenn sie auch noch so alt, häßlich und unleidlich ist, zu freien!

Sie thun es also, sagte Blund sehr froh. Es ist nur noch ein Bedenken wegen des Tages. Ich dachte erst am nächsten Sonntag. Aber es kommt darauf an, daß wir Auen Tag wählen, wo der Commerzienrat nicht anwesend ist. Der ist schlau und durchschaut zu leicht die Sache. . Dagegen läßt sich ben Frauenzimmern leichter ein X für dn U machen. Es kommt ja auch auf den Tag nicht au.

(Fortsetzung folgt.)

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* in ber Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pfg. berechnet.

»»»eigen nimmt emgegen. ^Expedition d.Blatte», d-Annoncen-Bureaur

n LH, Dietrich & Co. in Mel und Hannover; LH. Mrich in Frankfurt a.M.; naefenftein & Bögler in tonifutt a M., Berlin, Sein ic.; Rudolf « is Berlin, Frank.

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kanntlich auf denselben Standpunkt gestellt. Zuschriften ähnlichen Inhalts sind bis jetzt eingegangen seitens des Königl. württernbergischen geheimen Rats, der Herzog!, anhaltschen Regierung und der Polizeidirektion von Bremen. Unter diesen Umständen kann man die eigentümliche buch- händlerische Spekulation wohl als verfehlt ansehen.

Im Reichsjustizamt ist man mit der Umgestaltung der Aktiengesetzgebung eifrig beschäftigt. Nachdem den Einzel- ftaaten Formulare zur Sammlung von Materialien über die Concurse, welche über Aktiengesellschaften verhängt wor­den, zugegangen sind, werden jetzt auch Ermittelungen über die in Liquidation geratenen Aktiengesellschaften angestellt. In welcher Weise und nach welcher Richtung die betreffende Gesetzgebung umgestaltet werden soll, darüber dürften jetzt wohl nur allgemeine Grundsätze angenommen sein; ver­mutlich wird aber die ursprüngliche Bestimmung deö Han­delsgesetzbuchs, daß Actiengesellschaften nur mit Genehmi­gung des Staats errichtet werden können, nicht wiederher­gestellt, dagegen den Consorlialen und Errichtern der Ge- sellschaftsverträge eine Haftung und größere Verantwort­lichkeit auferlegt werden.

Vom 1. Juli ab wird bei den Postanweisungsformu­laren für den inländischen Verkehr das Postwertzeichen von 20 Pfennig gleich mit eingedruckt fein. Von den Post- Anstalten werden diese Formulare gegen Einziehung des durch den Wertstempel dargestellten Betrages an das Publi­kum abgesetzt werden. Beträgt die Gebühr mehr als 20 Pfennig (also bei Postanweisungen von mehr als 100 Mark), so ist der Mehrbetrag in Freimarken aufzuklebeu. Von den Postanstalten werden mit Freimarken beklebte Postanweisungsformulare vom 1. k. M. ab nicht mehr aus- gegeben. Dagegen werden neben den neuen Formularen mit Wertzeichen auch weiterhin noch Formulare ohne Wert­zeichen, jedoch nur in Mengen von mindestens 20 Stück, zum Preise von 10 Pfennig für je 20 Stück an daö Publikum verkauft werden. Neue Postanweisungsformulare ohne Wertzeichen gelangen erst zur Ausgabe, nachdem die Vorräte an Formularen bisheriger Art bei den Postan­stalten verbraucht sind. In den Händen deö Publikums befindliche Formulare der alten Art können aufgebraucht werden. Bis auf Weiteres können mit eingedruckten Post­wertzeichen versehene Postanweifungsformulare, wenn sie in den Händen des Publikums unbrauchbar geworden find, bei den Postanstalten gegen neue gültige Formulare um- getauscht weroen. Die Verwendung der aus verdorbenen Formularen ausgeschnittenen Postwertzeichen zum Frankieren von Postsendungen ist nicht gestattet.

Deutsches Reich.

Berlin, 17. Juni. Die Parteien des Abgeordneten-