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xv. Iahrgm,

Marburg, Donnerstag, 17. Juni 1880.

Mr. 140.

inirigen nimmt entgegen: He Expedition d.Blatte-, fotoie d-Annoncen-Bureaur Pon Th. Dietrich & Co. in laffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; tzaakenstein & Bögler in »rankfurt a. M., Berlin, griptlg, Söln rc.; Rudolf «offe in Berlin, Frank­furt a. M. rc.

WtchkM jcitniig.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d- Annoncen-Bureaur von ®. L. Daube & Co. in Kmnkfurt a. M; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermamrische Buchhandl. daselbst; Juvalidendank in Berlin; SB. ThieneS in «berfeld; C. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen- Preis für daS Quattal mit der wöchentlichen BeilageSAuftrirteS SountagSblatt" durch die Expedition («och'sche Buchdruckerei) bezogen SSt Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pf«, (erd. Bestellgebühr). - Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pf«. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pf«, berechnet-

Tagesbericht.

Der Kaiser conferierte am Montag Nachmittag mit dem Fürsten Bismarck.

Das Herrenhaus nahm in der gestrigen Sitzung die Gesetzentwürfe betreffend die Uebertragung der Befugnisse der Provinzialbehörden rc. auf die königlichen Eisenbahn- Direktionen und betreffend die Verwendung der aus dem Ertrage der Neichssteuern an Preußen zu überweisenden Geldsummen unverändert nach den Beschlüssen des Abge­ordnetenhauses an und ging über der Petition des Prinzen Friedrich Wilhelm Ernst von Hessen betreffend Schutz der Rechte der fürstlichen Familien und deren Familien - Fidei- commisse zur Tagesordnung über. Nächste Sitzung un­bestimmt. ____________

Der von dem Referenten Abg. Dr. Grimm erstattete Bericht der Kommission des Abgeordnetenhauses bezüglich der kirchenpolitischen Vorlage liegt jetzt im Druck vor und umfaßt 34 Druckseiten. Derselbe charakterisiert die Ver­handlungen und das Resultat derselben in folgenden Worten: Die Kommission unterzog die Gesetzvorlage in zwei Le­sungen und sieben Sitzungen einer eingehenden Beratung. Von vornherein gingen die Ansichten der Mitglieder in wesentlichen und prinzipiellen Punkten auseinander. Während auf der einen Seite die Vorlage der Staatsregierung ver­teidigt und in ihren hauptsächlichsten Bestimmungen unter geringen Modifikationen acceptiert wurde, fanden von anderer Seite Bedenken prinzipieller Art statt, welche teils mehr vom formellen politischen Standpunkte aus gegen die im Gesetz von der Regierung verlangten Vollmachten, als einem Aus­nahmegesetz, Einspruch erhoben, teils mehr in die materiellen Bestimmungen eingehend, sich auf die Besorgnis gründeten, von den bestehenden Gesetzen in wichtigen Punkten namentlich der Zurückberufung der Bischöfe, Artikel 4, und der diskretionären Ueberlassung der Strafanträge an die Oberpräsidenten, Artikel 2, Artikel 9, zurückzuweichen. Eine dritte Ansicht endlich machte sich im positiven Gegen­satz zu der zuletzt erwähnten dahin geltend, daß ihr die definitive Einschränkung der geltenden Gesetze in der Vor­lage nicht weit genug gehe, daß prinzipielle Aenderungen namentlich in Betreff der Straflosigkeit der Priester bezüg­lich des Spendens der Sakramente und des Messelesens Artikel 9 eintreten müßten. Obgleich man sich in der Kommission für die einzelnen Bestimmungen der Re­gierungsvorlage meist zu einer Mehrheit vereinigte, welche sich aber, weil den Verteidigern der Regierungs - Vorlage bei dem einen Artikel, die Vertreter der dritten, bei dem anderen Artikel die der oben dargestellten zweiten Richtung hinzutraten, nicht aus einer konformen Majorität zusammensetzte, so war die notwendige Folge, daß, selbst

Der falsche Freier.

Humoristische Skizze von Emil Richter.

(Fortsetzung)

Ein Cornrnerzienrat!, Ich habe schon oft denken müssen, zu was ist denn ein Commerzienrat eigentlich da. Nichts als Geld und nichts als Geld wo bleibt da der eigent­liche Zweck? Und erst die Kinder eines solchen Commer- zienrats! Ich ärgere mich nicht leicht über die Leute; nein, das sage ich mir ost; ich habe mich nie geärgert über die Haushälterin im Dornhof und ärgere mich nicht über die Frau Oekonomierat Brach und wenn sie auch noch so bös zwitschert. Aber über solche Commerzienrats-Söhne und Töchter da muß man sich ärgern, man mag wollen oder nicht. Behängt sind sie mit Gold und Kleidern und dumme Gesichter haben sie.

Aber was gehen Sie denn eigentlich Die Commerzien­rats-Söhne und Töchter an? warf da Weckler ein; denn es dauerte ihm zu lange, ehe der Erzähler zur Sache kam. Ihr Vater hat Geld, und dafür können sie auch dumm aussehen.

Sie haben recht, Herr Weckler, die Söhne gehen mich gar nichts an. Wenn aber solch' eine Commerzienrats- Tochter gar als Frau auf den Dornehof kommen sollte, das müßte eine schöne Geschichte werden. Eine solche Frau für einen Landwirt! Wie nur Blund auf einen solchen Gedanken kommen konnte. Da kann ihn nur der Teufel selbst geführt haben.

Nun wissen Sie es, Apotheker, was Sie sind, fiel noch einmal Weckler ein. Aber der Erzähler ließ sich nicht wehr irre machen und fuhr fort:

Eines schönen Tages machte Blund wirklich auch

nachdem man sich in einer großen Mehrzahl der Mitglieder für eine Fristbestimmung bezüglich der Dauer des Gesetzes ausgesprochen und demnach dem Gesetze einen provisorischen Charakter gegeben, die Regierungsvorlage schließlich doch mit 13 gegen 8 Stimmen abgelehnt wurde. Auch der principiell wichtige Artikel 4 hatte nur eine Minorität von 9 Stimmen auf sich vereinigt. Die Majorität fetzte sich ans den beiden Meinungen zusammen, welche von diametral entgegengesetzten Standpunkten aus die Regie­rungsvorlage bekämpft hatten und selbst in der Minorität waren in Betreff einzelner Bestimmungen nicht unwesent­liche Differenzen zu Tage getreten." Der Bericht gibt so­dann in detaillierter Weise die Verhandlungen über die einzelnen Artikel. Am Schluß des Berichts befindet sich eine Zusammenstellung der Beschlüsse der Kommission zu den einzelnen Paragraphen der Gesetzvorlage; als Anhang sind die bereits veröffentlichten kirchenpolitischen Aktenstücke reproduciert. Aus den Anlagen teilen wir noch folgende von dem Kultusminister der Kommission übergebenen statistischen Notizen über die vacanten Pfarrstellen und den mutmaßlichen Bestand an Klerikern mit: In den Domkapiteln sind gegenwärtig 34 Stellen unbesetzt. Katholische Pfarrstellen sind zur Zeit erledigt in der Diö­zese Ermland 22, Kulm 37, Posen-Gnesen 130, Breslau 135, Olmütz 7, Prag 3, Fulda 12, Limburg 29, Osna­brück 25, Hildesheim 23, Paderborn 100, Münster 104, Trier 185, Köln 153, Freiburg 24, in Summa 989. Die Summe der Vacanzen in den verschiedenen Kategorieen der zur Aushülfe in der Seelsorge bestimmten Stellen dürfte die Zahl von 300 noch erheblich übersteigen. Die Gesamtzahl erledigter geistlicher Stellen wird sich daher auf etwa 1400 veranschlagen lassen. Der mutmaßliche Bestand an Klerikern, welche zur Ausfüllung der Lücken zur Disposition stehen, wird aus ca. 1100 berechnet.

Es bezeichnet eine irrtümliche Beurteilung der Sach­lage, wenn behauptet wird, daß die Botschafter - Conferenz Griechenland ein Occupations - Mandat übertragen werde. Vor Ziehung einer Grenzlinie durch eine Commission an Ort und Stelle und durch die Mächte gebilligten Feststellung derselben ist eine Occupation für genau reguliertes Gebiet nicht vorhanden.

DieTimes" meldet aus Paris: England ist nach einem Meinungsaustausch mit der französischen Regierung dem von, Freycinet gemachten Vorschläge in Betreff der Regulierung der griechischen Grenze beigetreten, da dieser am meisten mit den Intentionen des Berliner Congresscs übereinstimmt.Standard" meldet aus Bombay: Oberst Gordon hat seinen Posten in der britischen Armee nieder­gelegt, weil die Regierung ihm die Erlaubnis unsersagte, I'-nach China zu gehen.

' ""i ..... ~.

Fräulein Fanny Krappser einen Heiratsantrag; er ließ sich nicht abschrccken durch ihr verblühtes Aussehen und durch ihr hochmütiges und schreckliches Wesen. Sie ist ja emoucipiert, wie man so sagt. Nun, für ihn hatte es weiter keine schlimmen Folgen. Er bekam eben seinen ge­wöhnlichen Korb. Aber damit war der Teufel nicht zu­frieden. Er wollte mehr haben, und auf mich fiel sein unglückseliger Blick I

O, meine Damen und Herren! wissen Sie, was es heißt, zum Unglück geboren zu sein? Sehen Sie mich an, dann wissen Sie es! Der arme Blund hat zwar viel viel Pech mit seinen Heiratsplänen und er wird wohl alt dabei werden; aber er bleibt immer Gutsbesitzer; jedoch mein Loos? ES war ein fürchterliches feit meinem ersten Athemzug.

Nur darum mußte es denn auch Blund einfallen, nachdem er sich nach fo vielen Körben wieder getröstet und sich begnügt hatte, einen neuen zu suchen, diesmal Rache nehmen zu wollen und mich zum Werkzeug dieser Rache zu wählen. Und ich mußte dazu bereit sein; denn ich sagte Ihnen ja, meine Damen und Herren, ich hatte immer Gefallen an Blund; und auch heute noch, trotzdem er so undankbar fein konnte, schätze ich ihn.

4.

Eines Tages- es war ein Frettag und diese Freitage! die haben immer etwas zu bestellen; also eines Frei­tags sagte Blund zu mir:

Friedrich, Sie sind doch ein gebomer Freiherr.

Gewiß, rief ich, gewiß Herr Blund. Niemand kann bestreiten, daß mein Vater der Freiherr von Albern war, der verstorbene Freiherr Julius von Albern, drüben auf Langenhohn. Ja, sagte ich noch einmal, denn mein Stolz

DiePolitische Correspondenz" meldet aus Konstan­tinopel: Die internationale Reform-Commission consti- tuierte und einigte sich, ihre Beschlüsse mit Majorität zu faffen und den Vorsitz dem türkischen Delegierten Assym Pascha zu übertragen.

Deutsches Reich.

* Berlin, 14. Juni. Es ist schon mitgeteilt worden, daß der Bundesrat in seiner Sitzung am 3. d. die Er­mächtigung zur Einleitung einer Untersuchung wegen einer durch die Presse begangenen Beleidigung des Bundesrats erteilt hat. Wie man nachträglich erfährt, erfolgte diese Ermächtigungserteilung auf Antrag des Ersten Staats­anwalts am Landgericht zu Straßburg und die Unter­suchung richtet sich gegen den Redatteur der in Straßburg erscheinenden ZeitungDer Volksfreund" wegen eines {in der Nummer vom 25. April enthaltenen Artikels, welcher Beleidigung des Bundesrats enthält. Nach dem Regu­lativ für Privattransttlager ohne Mitverschluß der Zoll­behörde dürfen gemischte derartige Lager nur an den von dem Bundesrat bestimmten Orten gestattet werden. Das Bedürfnis zur Bewilligung solcher Lager hat sich bereits herausgestellt für Memel, Ruß, Königsberg, Pillau, Danzig, Thorn, Stettin, Altona, Kiel und Lübeck, und es ist daher die Bewilligung der Errichtung von Lagern daselbst {beim Bundesrat beantragt worden. Gegenüber der Mitteilung, daß der Staatssekretär Hofmann die Altonaer Deputation nicht empfangen habe, erklärt die Deputation in der Ham­burgerBörsen-Halle", daß sie den Staatsminister und Staatssecretär des Reichsamts des Innern in feinem Privat» Palais, Königgrätzer Straße Nr. 134, gesprochen hätten. Wir müssen auch nach dieser Erklärung unsere Angabe, daß der Minister der Deputation eine Audienz nicht erteilt hat, vollkommen aufrecht erhalten. Jedenfalls liegt Sei­tens der Deputation eine Personenverwechslung vor, die um so mehr wahrscheinlich ist, als der Minister Hofmann ein Privat-Palais nicht besitzt und daher auch dort die Deputation nicht sprechen konnte. Im Anschluß an eine frühere Mitteilung bemerken wir, daß der Abdruck der AussührungSbestimmungen zum Feld- und Forstpolizeigesetz in einer der nächsten Nummern des Ministerialblatts für die innere Verwaltung erfolgen wird, daß mithin die von einzelnen Zeitungen angezweisclte Richtigkeit unserer Angabe außer Frage steht. Wie man hört, zerfallen die Bestim­mungen in zwei Teile: in einen, der die allgemeinen Ge­sichtspunkte des zu beobachtenden V^-fah- ~s bei Ausfüh­rung des Gesetzes den Regierungen n ttt. ueed zweiten, welcher eine Instruktion für d .i

Auf Anregung der badischen Regierung Uu«... .

des Jahres 1869 zu Mannheim Bevollmächtigte der Re- giemngen von Baden, Bayern, Frankreich, Hessen, der Niederlande und Preußen zusammen, um gemeinsame Be­

erwachte, ja, mein Vater war der verstorbene Freiherr Julius von Albern auf Langenhohn. Und wenn ich auch meine Mutter nicht nennen darf, so weiß ich doch die an­geborene Ehre zu schätzen!

Ich habe oft daran gedacht, antwortete Blund und ich meinte, es wäre Teilnahme an meinem Schicksal, die aus ihm spräche. Er besann sich aber eine Weile, als überlege er einen schwierigen Fall und fing dann wieder an:

Da ist nun der Abstand von Ihrer Geburt zu der Stellung, die Sie einnehmen, sehr groß.

Sehr groß, schr groß, Herr Blund, stimmte ich ihm bei und wurde betrübt.

Aber ich begreife denn gar nicht, fuhr er fort, wie Sie das aushalten können. Wie Sie so dastehen, sind Sie doch wirklich ein ganz hübscher Kerl und wissen auch etwas aus sich zu machen.

Fast wie Sie, Herr Blund, sagte ich, denn die Aner­kennung schmeichelte mir; und ich weiß wohl, daß daS, was er sagte wirklich so ist. Blund schien meine Bemerkung aber nicht sehr zu gefallen. Er blickte mich sehr sonderbar an und sagte:

Lasten Sie das nur; ich rede ernsthaft; ich denke, da sollten Sie doch auch etwas thun, um die Sache in ein rechtes Geleis zu bringen und um Ihre Ansprüche erfolg­reich geltend machen zu können.

Ja, wenn das so leicht wäre, erwiderte ich ihm. Aber daran ist ja gar nicht zu denken. Ich habe mir schon ost darüber den Kopf zerbrochen.

Den Kops zerbrochen haben Sie sich und sind nicht darauf gekommen? Dabei gibt es doch nichts Leichteres, nicht Einfacheres! (Fortf. folgt.)