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9tr. 189.

Anzeigen nimmt emgegen: Ht Expedition d.vlatte-, sowie d.Annoncen-Bureaur von Th, Dietrich & Co. in Gaffel nnd Hannover; Th, Dietrich in Frankfurt a.M.; Saasenstein & Bögler in Aankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln re.; Rudolf Moffe m Berlin, Frank­furt a. M. re.

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XV. MlM,

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d.Annoncen-Bureaur von S-L. Daube L Co. in Frankfurt a. M; JLger'sche Buchhandlung daselbst,; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvelidendank in Berlin; W. LhieneS in Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.

Marburg, Mittwoch, 16. Juni 1880

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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JAuftrtrteS SonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 2» Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiche- 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnfertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

wähl und Belieben. Wenn das eine verheiratete Frau meint, nun, so hat daS weniger zu sagen, da bleiben die Sachen Hoch im Hause; außer wenn sie einen Hausfreund hat; daS kommt ja auch vor aber wenn das ist, so kommt es auf daS, was sonst zum Henker geht, auch nicht an; wenn aber eine Haushälterin so meint, da bleiben die Sachen nicht im Hause; das ist ein Unterschied, und zwar kein kleiner. Und ein Mann kann auch seine Nase nicht überall haben; er versteht auch gar nicht mit den Frauenzimmern umzugehen wie man das muß.

Entschuldigen Sie, meine Damen,— er wandte sich dabei an die beiden Töchter des Hauses, die ebenfalls neugierig zühörten, — entschuldigen Sie, meine Damen, daß ich das sage. O, was Galanterie anlangt, so wißen wir Männer, was das heißt, und auf dem Wege wissen wir den Damen gar wohl beizukommen. Aber hier handelt es sich nicht um Galanterie; da beginnt für uns die Schwierigkeit. Auch Mägde sind Damen — ja lachen sie nur — das empfindet ein Mann immer, wenn er ihnen,nahe kommt. Frellich, Sie denken darüber ganz anders das weiß ich wohl; Sie wissen wie man die Mägde behandeln muß; die sind aller­dings auch nicht auf den Mund gefallen. Da geht es denn herüber und hinüber, daß Unter einem die Haare zu Berge stehen. Da ist die Frau Oeconomierat Brach doch eine recht gcblldete Frau; Sie kennen sie ja Alle; wenn die daher fähtt, int seidenen Mantel und Federhut, die große goldene Kette umhängend, da meint man wirklich, es käme die Frau Großherzogin selber. Aber wie kann die zwitschern! DaS fließt wie Oel; aber wie Vitriolöl, Herr Apotheker, Sie wissen wie das schmeckt.

Werden Sie nur nicht ungeduldig. Das kommt davon, daß Sie immer über den armen Blund lachen, weil er aus

Tagesbericht.

Die „Nordd. Allg. Ztg." schreibt: Wir sind ermäch­tigt, mitzuteilen, daß sich Fürst Bismarck über die kirchen- politische Vorlage gegen persönlich befreundete Abgeordnete folgendermaßen ausgesprochen hat: „Da die Kommissions- Verhandlungen kein positives Ergebnis geliefert haben, werden die Beratungen des Plenums unter Zugrundelegung der Regierungsvorlage stattfinden, zu welcher die Stellung der Staatsregierung, meines Erachtens, heute dieselbe blei­ben muß, wie zur Zeit der Einbringung. Die Regierung hält sich für verpflichtet, unabhängig von Verhandlungen mit Nom, den katholischen Unterthanen des Königs alles das zu gewähren, was ohne Schädigung der Gesamlin- teressen des Staates gewährt werden kann. Dieser Gedanke ist durch die Vorlage zum Ausdruck gebracht worden. Eö kann nicht erwartet werden, daß die Regierung ihre Ansicht über das Maß der zulässigen Konzessionen in den acht ober zehn Tagen der Kommissionsberatungen geändert haben sollte, da diese Ansicht nicht auf augenblicklichen Erwägun­gen der parlamentarischen Konstellation, sondern auf der prinzipiellen Erwägung der Bedürfnisse und der unver­äußerlichen Rechte des Staates beruht. Die Regierung kann sich in ihrer Schätzung der Bereitwilligkeit der ein­zelnen Fraktionen, den Wünschen der katholischen Bevöl­kerung auch parlamentarisch entgegenzukommen, getäuscht haben; aber auch hiervon ist ein strikter Beweis durch die Kommissions-Verhandlungen noch nicht geliefert; nur Plenar­beschlüsse können ihn Herstellen. Durch daS Votum der Mehrheit eines der beiden Häuser des Landtages kann die Regierung verfassungsmäßig gehindert werden, der katho­lischen Bevölkerung diejenigen Konzessionen auf kirchlichem Gebiete zu machen, welche sie für staatlich zulässig hält. Sie kann durch ein solches Votum genötigt werden, auf die Ausführung der Absichten, welche den Entwurf eingegeben und ihm die königliche Genehmigung verschafft haben, ganz oder teilweise zu verzichten. Sie wird natürlich den ver­fassungsmäßig bekundeten Willen des Landtags achten. Aber die Regierung würde mit sich selbst in Widerspruch treten, wenn sie ihre in der Vorlage gemachten Anerbietungen ober einen Teil derselben freiwillig zurücknehmen und damit ihrerseits die Verantwortung für die Versagung der Kon­zessionen übernehmen wollte, welche sie ohne Schädigung beS Staates int Interesse des religiösen Friedens vor 3 Wochen gewähren zu können glaubte. Dem kirchlichen Be­dürfnis der katholischen Preußen weniger zu gewähren, als ihnen ohne Schädigung des Staates gewährt werden kann, würde den landesväterlichen Interessen Sr. Majestät des Königs nicht entsprechen. Die Regierung wird daher, meines Erachtens, an der Vorlage festhalten müssen, bis sie sich einer amtlichen Ablehnung derselben durch eins der Häuser des Landtags gegenüber befindet."

Der falsche Freier. -

Humoristische Skizze von Emil Richter. . ** (Fortsetzung.)

Ich sah wohl, daß sich der Fremde gar nicht unklar war über die spottsüchtige Lust, die sich an ihm reiben wollte. Aber offenbar drängte eL ihn selbst, sein Abenteuer zu erzählen. Vielleicht war er auch schon so eingelebt in bett spöttischen Geist dieser Bevölkerung, daß ihm deren Absicht ganz gleichgiltig blieb. Und so begann er denn seine Geschichte zu erzählen, wobei er seine schon von An­fang gewahrte pathetische Art keinen Augenblick aufgab, und wobei et sich durch das Gelächter, das ihn ost unterbrach und das oft mehr ihm als seiner Erzählung gast,, auch nicht einen Augenblick irre machen ließ..

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Sie wissen es ja Alle, begann er, wie eS Blund geht. Tag und Nacht hat er keinen anderen Gedanken, als den, zu heiraten. Und es ist auch notwendig, daß er heiratet. Da sitzt er nun jetzt draußen aus seinem Dortchof einsam zwischen Mägden und Knechten. Ich weiß es, denn ich war bei ihm Verwalter. Aber das ist das Wenigste. Denken Sic sich, wie es zugeht auf einem solchem Hofe^ wenn keine Krau vorhanden ist. Da verschwindet ein Tops Milch und «ort einer, da ein Haufen Käse und dort einer, da ein Weck Butter und dort einer. Ja felbst Wurst und Schinken ist ' dicht sicher, wenn auch der Herr selbst, den Schlüssel dazu ■in der Tasche hat. O, Sie sollten das kennen, wie ich es iJenne! Die Frauenzimmer sind wirklich die leibhaftigen jiaben. Und die Haushälterinnen besonders; die verwechseln ssdmer die Worte halten und behalten und meinen, mit Allem, kvas dem Herrn gehört, können sie schalten ganz nach Aus-

Fürst Bismarck empfing gestern die auswärtigen Dele­gierten zur Fischerei-Ausstellung.

Der Bundesrat bestätigte den in erster Lesung gefaßten Beschluß betr. den Zollanschluß der unteren Elbe gestern in zweiter Beratung.

Für die am 16. Juni um 2 Uhr beginnende Berliner Conferenz in der griechischen Frage ist analog der Geschäfts­behandlung im Congresse eine geschäftliche Erledigung in zweifacher Behandlung in Aussicht genommen. Einmal die Conferenz-Verhaudlung selbst, an welcher die Experten nicht teilnehmen, zweitens die Arbeit der Experten auf Grund des vorangegangenen Conferenz-Auftrages. Die bei dem Congresse üblich gewesene dritte Art der diplomatischen Ausschußberatung kommt bei dem begrenzten Charakter der Conferenz in Wegfall. Die türkischen und griechischen Ver­treter nehmen an der Conferenz nicht Teil und haben keine direkte Stellung zu dieser. Es bleibt ihnen überlassen, durch die Vertreter der einzelnen Mächte ihre Wünfche vorzubringen. ------------

Die Meldung der „Times", daß seiner Zeit die Er­nennung Challemel Lacour's zum französischen Botschafter in Berlin daselbst Schwierigkeiten begegnete und nicht er­folgt sei, weil Fürst Bismarck nicht wünschte, mit einem Republikaner so unzweifelhafter Farbe in Berührung ge­bracht zu werden, ist die „Nordd. Allg. Ztg." beauftragt als eine jeder tatsächlichen Unterlage entbehrende Erfindung zu bezeichnen. Die Ernennung Challemel's war, soweit in Paris überhaupt beabsichtigt, weit entfernt, in Berlin irgend­welche Schwierigkeiten zu finden, wurde vielmehr, als man in Berlin genötigt war anzunehmen, daß das Ausscheiden des gegenwärtigen französischen Botschafters St. Ballier ungeachtet der diesseitigen Wünsche dennoch bevorstehe und in Folge dessen das deutsche Cabinet in üblicher Weise ver­traulich sondiert wurde, gerade als die für Berlin am meisten erwünschte daselbst bezeichnet.

Deutsches Reich.

Berlin, 14. Juni. Sobald das allgemeine Verwal­tungs-Organisationsgesetz in Geltung gelangt ist, wird man sich im Ministerium des Innern an die Ausarbeitung der Kreis- und Provinzial-Ordnungen für diejenigen Provinzen machen, in welchen die in den alten Landesteilen bestehen­den Selbstverwaltungsgesetze noch nicht zur Ausführung ge­langt sind. Man ist zu der Ueberzeugung gelangt, daß eine Schablonisterung d. h. eine bloße Uebertragung der für die östlichen Provinzen des Staates geltenden Bestim­mungen fchlechterdingö für die westlichen Provinzen nicht durchzuführen ist. Die Kreis- und Provinzial-Ordnungen für die westlichen Landesteile werden daher unter eingehen­der Rücksichtnahme auf die eigentümlichen Verhältnisse der

betreffenden Provinzen erlassen werden. — Es fällt allge­mein auf, daß die Ausschüsse des Bundesrats, denen die Reichstagsbeschlüffe, betreffend die Beschränkung der Theater­freiheit und eine anderweite Organisation des Innungs- Wesens, überwiesen sind, an das Plenum des Bundesrats noch keinen Bericht erstattet. Man sieht darin ein An­zeichen, daß für jetzt die vom Reichstage beschlossenen Ab­änderungen der Gewerbeordnung noch nicht Gesetzeskraft erhalten bezw. zur Ausarbeitung von Gesetzesvorlagen führen sollen. Damit ist nicht gesagt, daß man im Schoße der Reichsregierung dieser Rückwärtsrevidierung unserer Ge­werbeordnung etwa ablehnend gegenübersteht. Im Gegen­teil ist eö auf eine generelle Revision der Gewerbeordnung abgesehen, bei welcher bann noch andere Wünsche der Kon­servativen ihre Befriedigung erfahren werden. — Die Teil­nehmer an der Nachkonferenz in Berlin sind insgesamt er­nannt. Deutschland wird vertreten durch Fürst Hohenlohe und Oberst Blume, Oesterreich-Ungam durch den Graf Szechenyi, General-Konsul v. Zwiedinek und Oberst Ripp, Frankreich durch Graf St. Ballier und Oberst Petter, England durch Lord Odo Russell und General Sintern Siemens, Rußland durch Herrn v. Saburoff und Oberst Bobrikoff, Italien endlich durch Graf de Launay, und Ge­neral Sironi. Außer dem letzten militärischen Sachver­ständigen ist auch Albert Passa beauftragt worden, nach Berlin zu gehen, um sich dem italienischen Botschafter, Grasen de Launay, zur Verfügung zu stellen. Seitens Griechenlands ist der griechische Gesandte in Petersburg, Armenis Brailas mit dem Hauptmann im Geniekorps, Lipondis (Lipond?), dem Sekretär des griechischen Konsulats im Epirus, Fotoulis (Fuoulis?) und einem Beamten aus dem Ministe­rium der auswärtigen Angelegenheiten, MetaxaS, nach Berlin gesandt. Brailas überbringt Instruktionen für die grie­chische Gesandtschaft und wird während der Konferenz in Berlin verweilen. — Neuerdings taucht die Nachricht auf, die Nachkonferenz werde sich nicht bloß mit der griechisch­türkischen, sondern auch mit der montenegrinischen und ar­menischen Frage befassen, falls die Pforte auf die identischen Noten, welche ihr am Sonnabend überreicht wurden, aus­weichend oder ablehnend antworten sollte.

0. Düsseldorf, ll.Juni. Die Separat-Ausstellung der kunstgewerblichen Altertümer wird am 16. d. M. für daö Publikum geöffnet werden. Diese sehr merkwürdige Samm­lung wird nicht verfehlen, eine besondere Anziehungskraft durch ihren Reichtum, ihre Gediegenheit und Schönheit aus­zuüben, sowohl für Männer vom Fach, als auch bei Allen, die sich für wertvolle und künstlerisch bedeutende Arbeiten unserer Vorfahren früherer Jahrhunderte interessieren. Die Kosten des Gebäudes, worin die Sammlung enthalten ist, belaufen sich auf mehr als 30,000 Mark und der Ver­sicherungswert der darin ausgestellten Gegmstände beträgt übet drei Millionen Mark.

jeden Fall heiraten will. Nun werden Sie doch einsehen, daß er muß; er mag wollen oder nicht. Traurig ist es nur, daß es iym gar nicht glücken will. Er versäumt doch keine Kirmse, keinen Jahrmarkt und kein Vogelschießen, und läßt sich's schweres Geld kosten. Am liebsten ließe er, wenn er so ausrückt alle zehn Pferde an den Wagen spannen und die Ochsen auch dazu, damit man gleich auf der Stelle erkennt wer er ist und welchen Wett er hat. Aber das geht nicht, der Leute wegen. Doch macht er bei jeder solchen Fahrt eine neue Bekanntschaft, an die er neue Hoff­nungen annestelt. Dann ist jedesmal Lust und Freude im Dornhof, da ist Frühling eingezogen; Sonntags, wenn kaum der Morgen graut, müssen die leichtesten Pferde einge- schirtt und an die Chaise gespannt werden. Dann geht eö fort, um die Netze nach der neuen zukünftigen Herrin auszu­werfen. Aber wie lange dauert es? Ein paar Wochen — wenn es hoch kommt, Monate. Dann kommt eines Tages der Jäger zurück, matt und abgehetzt und ohne Beute; er hat sein Pulver vergeblich verschossen, seine Netze vergeblich ausgeworfen. Guckuck schreck es ihm nach; er ist so betrübt, raß er Trauerfahnen aushängen möchte. Endlich erwacht sein Zorn. Dann will er alle Leute zum Hause hinaus­jagen ; selbst der Haushälterin, die sich natürlich sehr über den Ausgang freut, ist es einige Tage lang nicht wohl zu Muthe und sie vermeidet Alles was sie zum Blitzablecker machen könnte.

Da kann man sich wahrlich nicht wundern, wenn ein Mensch endlich irre wird und den Verstand verliett. Immer summt es in das Ohr: Heiraten mußt du! und: Geld muß sie haben! Das verläßt ihn nicht bei Tag und Nacht. Aber die Tochter eines Commerzienrats, unb wenn er zehn Millionen besäße unb zehn Millionen.besitzt der Commer-