XV. Jahrgang
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Tagesbericht.
^Nachdruck verboten.^
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Wirtstöchtern, die das Bier kredenzten, zu schwül, sie schwanden dann lange vor Mitternacht und überließen dicken Vater allein die schwere Aufgabe, die bis in grauenden Tag hinein zechende Gesellschaft mit ihren genden Ansprüchen leidlich zu befriedigen.
Besonders mein Nachbar, der so ansehnliche und
kirchliche Frage nicht mehr den beherrschenden Einfluß übt. Und darum hätte die ultramontane Preffe gar nicht nötig, die oft erhobene Insinuation eines Handelsgeschäfts so entrüstet zurückzuweisen.
DaS neueste Beiheft zum Amtsblatt des ReichSpostamts enthält interessante Mittellungen über den Briefverkehr des deutschen Reichspostgebiets mit dem AuSlande im Jahre 1879. Danach unterhält ersteres einen von Jahr zu Jcchr fortschreitend zunehmenden ausgedehnten Briefverkehr mit letzterem. Die Gesamtzahl der im vorigen Jahre beförderten Briefe, Postkarten, Drucksachen, Warenproben aus dem diesseitigen Gebiete nach ftemden Länder betrug 71,7 Millionen, aus diesen Ländern nach dem Reichspostgebiete 66,5 Millionen, mithin sind nach dem Auslände 5,2 Mill. Stück mehr befördert worden. Dieses Mehr ist jedoch nicht dadurch entstanden, daß gleichmäßig nach sämtlichen fremden Ländern der Abgang an Briefsendungen den Eingang übcrsttegen hat; es kommt vielmehr bei einigen Ländern das umgekehrte Verhältnis zur Erscheinung. Zu denjenigen Ländern, nach welchen der.Briefversand auS dem deutschen Reichspostgebiete der Zahl nach geringer ist als in entgegengesetzter Richtung, gehören alljährlich wiederkehrend: Niederland, Belgien, Frankreich, Großbritannien, die Vereinigten Staaten Amerikas. Die Thatsache, daß das Reichspostgebiet von den Ländern im Westen mehr Briefsendungen empfängt, dagegen an die Länder im Norden, Osten und Süden mehr Briefsendungen abgiebt, erwart sich daraus, daß die Länder im Westen im allgemeinen eine reicher entwickelte Industrie und einen ausgedehnteren, besonders überseeischen, Handel besitzen als die Staaten des Reichspostgebiets, während zu den übrigen Ländem Deutsch- land im umgekehrten VerhÄtniffe steht und namenllich bei ihnen den Zwischenhandel vermittelt.
Der Kultusminister hat an die Provinzial-Schulkollegien Sne Verfügung gerichtet, welche sich auf die Schülerver- -indungen bezieht. Das Unwesen derselben, heißt es darin, habe mit zunehmender Häufigkeit zur Verhängung der schwersten Schulstrafen genötigt, welchen eine tadelnde Kritik in den Organen der Oeffentlichkeit nicht erspart wordm wäre. Man habe die Verbindungen als eine natürliche Reaktion gegen die Strenge der Schulordnungen hinge- stcllt oder auch die kindischen Nachahmungen studentischer Bräuche ihrer Lächerlichkeit überlassen wollen. Beides sei ,«berechtigt. Die Verfügung weist dann auf den gefährlichen Charakter dieser Verbindungen hin ; dieselben gewohnten an einen übermäßigen Genuß geistiger Getränke, was der Gesundheit nachteilig sei uno das geistige Interesse lähme. Die Unterhaltungen in Trinkgelagen seien nachweisbar unsittliche; den Mitgliedern der Verbindungen würde gegenüber der Schule das Lügen zur Ehrenpflicht gemacht u. s. w. Der Minister erkennt nun zwar an, daß bereits bisher die Lehrkollegien und die Aufsichtsbehörden von dem Bewußtsein ihrer Pflicht getragen worden, es sei aber dringend notwendig, dem Gegenstände andauernd und konsequent die sorgfältigste Aufmerksamkeit zuzuwenden. Die Lehrer hätten nicht nur durch den Unterricht, namentlich den in der Religion, sondern auch durch chr eigenes Beispiel ihren sittlichen Einfluß auf die Schule zu üben. Es sei ferner eine beständige Aufmerksamkett auf die Symptome des eintretenden Uebels und Entschiedenheit gegen das thatsächliche Erscheinen desselben erforderlich. Namentlich sei die Aufmerksamkeit auf auswärtige Schüler zu richten, welche in Pensionen untergebracht wären. Es wird in Erinnerung gebracht, daß Eltern auswärtiger Schüler verpflichtet sind, für die häusliche Aufsicht, in welche sie ihre Söhne zu geben beabsichtigen, die ausdrückliche Genehmigung des Direktors einzuholen. Wenn das Vorhandensein einer verbotenen Verbindung erwiesen, und verboten seien alle, denen der Direktor nicht die ausdrückliche Genehmigung erteilt habe, so sei gegen alle Teilnehmer mit mmachstchllicher Strenge zu verfahren; über die Teilnehmer sei außer schwerer Carcerstrafe noch das Consilium abeundi zu verhängen. In den Abgangszeugnissen dieser Schüler sei der Grund der Ausschließung ausdrücklich zu bezeichnen. Für die Wahl der neuen Anstalt bedürfen sie der Genehmigung des betreffenden Schulkollegiums; diesem stehe es zu, die Strafe der Verweisung durch die Ausschließung von allen höheren Schulen der Provinz zu verschärfen; die Ausschließung von den Anstalten unserer Provinzen, im äußersten Falle von allen öffentlichen Schulen der Monarchie, behält sich der Minister vor. Er erwartet aber auch, daß die öffentlichen Behörden Ser bezüglichen Städte ihren Einfluß üben; wenn die Schulbehörden durch die
same Borden- und Litzenfabrikant Kräckter und sein Gegenüber, .der bucklige Materialist Hinderwind repräsentierten das boshafte Prinzip und hatten einen erfolgreichen Cou- currenten nur noch im Apotheker Schmidt, von dem man allerdings behauptete, daß er alles Gift, das er in seinem Laboratorium brauche, persönlich produciere. Bor denen mußte dann unser armer Bluvh, der akademische Bauer, wie sie ihn verspotteten, oft arg zerzaust die Segel streichen, wenn er Sonntags vom Dorneuhvf, seinem in rauhdurch- strichener Bergkluft gelegenen Landgut, hereinkam und unter vielen Zeremonien und nach allen Seiten hin reichlich ge- spendtten Höflichkeiten an der Tafelrunde seinen Platz einnahm. Sein böses Pech, von dem die losen Zungen zischelten, daß er, obwohl gar nicht übel von Anschen und wohlhabend, nun schon seit Jahren überall, wo er anklopfte (und er klopfte überall an, wo er eine reiche Erbin wußte), sich einen Korb um den andern Heimtrug, war der willkommene Stoff, woraus besonders Hinderwind seine Stacheln schmiedete, und zwar mit um so mehr Lust, als er eigentlich im gleichen Falle war, nur, daß ihn glücfticherweise Niemanden ernst nahm, da sein Aeußeres solchen Ernst gar nicht auskommen ließ. Wirüich, wo auch Mund seine Augen Hin
Bor Jahren einmal wurde ich hinaufgeworfen in eines jener Gebirgsstädtchen zwischen wetten Wäldern und rauhen felsigen Höhen. Kein sonoerlich glücklicher Wurf. Aber es gab da im Winter Schnee und lustige Schlittmfahrt, langweilige Balle und heitere Proben im notwendigen Liebhaber-Theater; im Sommer reizende Spaziergänge auf Stundenweite und zur Abwechslung Picknicks. Immer aber, Sommer und Winter, war da eine Kneipgcsellschaft: — Sonderbare Käuze mit Eigentümlichkeiten und Schrullen aller Art, die jedoch zusammengebracht, eine so gute Ha- monrie gaben, daß sie selbst durch alle Dissonanzen, die oft grell genug ausbrachen, hindurchtönte, und die Letzteren immer wieder in ein, wenn auch oft grollendes Unisono zusammenführte. Da stritt sich vornehmstrebende Förmlichkeit mit urwüchsiger Grobheit, um in der Gemütlichkeit endlich neutralisiert zu werden. Denn so bösartig, daß sie gleich zu Mord und Totschlag gekommen wären, waren die Menschen dort noch nicht, wen» chnen auch eine gehörige Dosis Bosheit gar nicht fehlte; und da nur auf gemalt« ante Art die unausgesetzte Berührung auch der feindlichen Mrüder hätte vermieden werden können, so mußte man Wenn nolens volens immer wieder über Alles, was Neid, ßHaß und Verachtung eingeben mochte, Hinwegkommen, und a— die Gemütlichkeit that dann das Uebrige.
| Gemütlich war es wirklich, und besonders im Sommer, «wenn die Stammgäste nach deö Tages Last und Hitze oder 'nach den aufreibenden Sonntagsstrapazen im Hinterzimmer,
Meldung der „Pol. Corresp." aus Trebinje: Nachdem der montenegrinische Commissär Zimonic eingetroffen, be« beginnen am 12. Juni die Arbeiten zur definitiven Feststellung der herzegowinisch-montenegrinischen Grenze.
Die Bezeichnung Garfield's zum Präsidmtfchaftskandi- daten der republikanischen Partei soll, wie private Meldungen und auch die Presse besagen, in der ganzen Union lebhafte Befriedigung erzeugt haben, und die Popularität des sogenannten „third term“ stellt sich bei weitem geringer heraus, als die Anhänger Grant's glauben machen wollten. Als die Aufstellung Mr. Garfield's bekannt wurde, gab es in Chicago begeisterte Szenen. Die Banner von Massachusetts, Maine, Kalifornien, Vermont Michigan und andere Anti- Grant-Staaten wur:en entfaltet und um die Delegation von Ohio geschaart. Die „N. Fr. Pr." bringt nachstehende biographische Notizen über den Präsidentschaftskandidaten:
Der falsche Freier.
Humoristische Skizze von Dmil Richter.
warf, überall begegnete ihm das Nasenrümpfen der reichen Landschönen, und das brachte ihn nach und nach auf Tollheiten, so daß er begann, auch Freiersversuche zu machen, wo man ihn schon von vornherein auslachte.
Als daher eines Sonntagabends, im Augenblick, da Blund eintrat, mich Kräckler in die Seite stieß und sagte: Heute werden Sie wieder etwas Schönes erfahren; es gibt einen Hauptspaß, die Geschichte ist gut eingefädelt — da nahm ich daran kein sonderliches Interesse, und selbst als Hinderwind dazu bemerkte: ich hätte das nicht hinter ihm gesucht; er ist wahrhaftig nicht so dumm als er aussieht, fühlte ich mich nicht ans meiner Gleichgiltigkeit emporgerüttelt. Indes sollte ich mich diesmal täuschen, weniger wegen der immerhin drolligen Geschichte, die ich erfuhr, alö wegen der sonderbaren Person, die dabei die Hauptrolle spielte, und die in ihrer Art wirklich auS dem Alltäglichen heraustrat.
Es kam übrigens nicht so schnell. Mehr als eine Stunde verging in ungewohnter Trockenheit, und keinerlei Anspielung verriet, daß Blund's böse Geister gegen ihn etwas im Schllde führten.
Schon ziemlich spät erklomm da endlich die Stufen, die von der Straße nach dem offenen Flur führtm, ein Mann, den ich noch nie gesehen, der aber mit ganz besonderer, aber ihrer Natur nach zweifelhafter Befliffenheit durch meinen boshaften Nachbar begrüßt wurde.
Der neue Ankömmling war selbst für diese abgelegene Gegend nicht sonderlich elegant iu der Kleidung, obgleich er sonntäglich auftrat.
• (Fortsetzung folgt.) .
wenn es gar zu heiß war, im kühlen Flur des Gasthauses „Zum vollen Faß" stch's wohl sein ließen. Da blieb es denn nicht aus, daß auch hie und da die Bestialität zum Vorschein kam, und manchmal wurde es den beiden hübschen
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Marburg, Sonntag, 13. Juni 1880
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städtischen Behörden unterstützt würden, so sei, jedenfalls in kleineren Städten, mit Sicherheit zu erwarten, daß das Leben der Schüler außerhalb der Schule nicht dauernd in Zuchtlosigkeit verfallen könne. Eine Schule sei für jede Stadt ein wertvolles Gut; sollte sich jedoch die betrübende Erfahrung wiederholen, daß städtffche Behörden den Anordnungen der Schulbehörden zur Aufrechterhaltung der Schulzucht Hindernisse in den Weg legen, so würde sich der Minister genötigt sehen, ab8 äußerstes Mittel die Schließung oder Verlegung der Schule in Erwägung zu ”*“• ..J. T|—Ltz- j-chukl
Als Secretär der Berliner Conferesx wird -chem Vernehmen nach Geheime Rat Busch fungieten.
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Die Presse des Centrums, voran die „Aurora", die neuerdings als das authentischste Sprachrohr des Vatikans betrachtet zu werden pflegt, ist sehr entrüstet über den Grundgedanken der neuesten Depeschen und Reden des Reichskanzlers, daß er als Preis des Entgegenkommens in der Kirchenfrage eine größere Gefügigkeit des Centrums iu rein politischen Fragen erwartet und sich darin getäuscht habe. Die „Aurora" sagt uv A.: „Der Papst der Lehrer deS Glaubens und der Hüter bet Moral; aber was geht es ihn an, ob Preußen hundert Bataillone mehr oder hundert weniger hat, ob die Hamburgische und Altonasche Frage in dem ober jenem Sinne gelöst wird, ob die Zölle erhöht ober verringert werden?" Diese Anschauung, daß das Centrum in den Fragen der reinwettlichen Politik vom heil. Stuhl vollkommen unabhängig sei und dessen etwaige Einmischung in solche Fragen zurückweiseu werde, ist von den Redner» und der Presse der ultramontanen Partei stets mit einer gewissen Emphase vorgetragen worden. Es scheint uns aber doch, daß der Bismarcksche Grundgedanke durchaus nicht so unrichtig ist, wie die klerikalen Blätter glauben machen wollen. ES wird gewiß niemand sich einbilden, daß aus dem Vatikan Weisungen ergehe», wie das Centrum sich in den Zoll- und Steuerfragen zu verhalten habe, ob es der VerwaltungSreform oder dem Feld- und Forst- polizetgesetz zustimmen solle oder nicht. Unzweiselhaft richttg ist aber die Auffassung, daß daS Zentrum alle diese Fragen nicht nach rein sachlichen, ans dem Gegenstand selbst geschöpften Gesichtspunkten behandelt, sondern nach Erwägungen der allgemeinen politischen Situation und der Taktik. Erwägungen, die eben lediglich nach dem einzigen Inhalt der Politik des Zentrums, der kirchlichen Frage sich richten. Das Zentrum hat gar kein atideres zusammenfassendes Band als die Interessen der katholischen Kirche; es würde in allen Fragen der inneren weltlichen Politik auseinandergehen, wenn diese nicht eben in Beziehung zu der kirchlichen Frage gebracht würden; es müßte sich überhaupt aufiösen und unter andere Parteien verteilen, sowie die
enteisen nimmt entgegen: »je Expedition d.Blattes, topie d-Annoncen-Bureaux gon LH. Dietrich & So. in j Jtaffel und Hannover; Th. Dietrich in grantprt aJJL; tzaaser.stein & Bögler in ffranksurr a. M., Berlin, Aipzig, CSln tu; Rudolf M-ffr in Berlin, Iran!- | furt a. M. «.
Buchhandlung daselbst!;
Herrnarm'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendank in
Berlin; W. ThieneS in
Elberfeld: 6. Schlotte in Bremen.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d.Blattes sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlnstrirteS Sonntagüdlatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2i Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
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