I
V
xV- hr er :r,
!e-
»8 ;u r- iO
Nr. 133.
■meinen nimmt entgegen: He Expedition d.BlatteS, fgmie d.Annoncen-Bureauk »en Th, Dietrich & Co. in gaffe! und Hannover; Th. Dietrich in Irantfurl »M.; ßoajt nftein L Bo girr in a. M., Berlin.
Kipzig, CLlu ic.; Rudolf Kaffe in Berlin, IraoZ- frrr: a. 2)1. re.
Marburg, Mittwoch, 9. Juni 1880
XV. Mrgoig
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattei sowie d. Annoncen-Bnreaur von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; JLger'sche Buchhandlung bofelbft; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvolidendani in Berlin; W- ThieneS in Merfeld: T. Schlotte in Bremen-
Erich«« täglich außer an den Werktagen nach sonn- un» Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „UlnftrirteS SvuntagSblatt" durch die Expedition (Äo ch'sche Buchdruäerei) bezogen "Sh Mark, durch die Postämter seS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. iexcl. Bestellgebühr). - JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.
' Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pfg. berechnet.
nds
'61
>fs- an= zu
■m= ler ab
zu ige 65
eit. 66
in NN 38
Ir. 24
die ter [er 74
el
a-
Fürst Bismarcks Urteil über die Lage.
Fürst Bismarck hat wiederholt gesagt, daß er eine Niederlage in der kirchenpolitischen Frage nicht mit demselben Gleichmut hinnehmen werbe, wie die Ablehnung von Vorlagen geringerer Wichtigkeit. So ueueroings in einem Gespräche, welches er über die kirchenpolitische Vorlage mit einem hochgestellten Diplomaten gehabt hat uno aus welchem folgende 'Mitteilungen zur Kenntnis der „Köln. Ztg." gelangt sind.
Der Reichskanzler sprach sich mit lebhafter Entrüstung über die schon öfter in Scene gesetzte „parlamentarische Jntrigue", wie er es nannte, aus, durch welche unter der Hand die Meinung verbreitet werde, als sei er gegen das Zustandekommen des Gesetzes gleichgültig. Dies könne nach der Veröffentlichung seiner Instruktionen an den Prinzen Renß niemand bona fide glauben. An persönlicher Vertretung der Vorlage im Landtage fühle er sich durch seine Gesundheit verhindert; zumal in dieser Sache mit einmaligem Erscheinen nichts gewonnen werde, wenn er nicht bis zum vollen Abschluß in der Commission uns in den verschiedenen Lesungen mit derselben Anstrengung thätig ■bleibe. Dazu sei er außer Stande. Außerdem würde durch bas Eingreifen des Reichskanzlers, nachdem er sich von allen anderen preußischen Geschäften zurückgezogen, der schädlichen Fiction Vorschub geleistet, als ob der preußische Kirchenftreit teilte territoriale, sondern eine Reichssache sei. Aber auch seine Stellung als Kanzler und sein persönliches Selbstgefühl würden ihm nicht gestatten, sich im Landtage ebenso wie im Reichstage der Gefahr auszusetzen, daß er mit Aufwendung seiner letzten Kräfte, öffentlich in den Wind rede. Im letzten Reichstage seien von den mit Sorgfalt und Anstrengung vorbereiteten Vorlagen kaum der dritte Teil erledigt und namentlich alle im Sinne der Steuerreform eingebrachten unberaten geblieben, wenn nicht abgelehnt. Durch die Entscheidung in der Samoa - Frage fühle er seine dafür eingesetzte Autorität compromittiert, noch mehr aber durch die Abstimmungen in der hamburgischen Frage, in welcher er die ihm als Kanzler obliegenden nationalen Pflichten zu erfüllen strebe, daran aber durch factiöses Parteitreiben gehindert werde» Angesichts dieser Niederlagen, die er erlitten zu haben glaube, würde er schon jetzt fein Amt medergelegt haben, wenn der persönliche Wille des Kaisers ihn davon nicht abhielte. Jedenfalls aber liege in den Verhältnissen die Nötigung für ihn, sich von den Geschäften so weit zurückzuhalten, wie ihm dies durch das Stellvertretungsgesetz gestattet sei. In dieser Lage durch eine hervorragende Beteiligung an preußischen Geschäften, von denen er sich seit zwei Jahren serngehalten habe, erweiterte Arbeiten und Verantworllichkeiten wieverum auf sich zu nehmen, sei ihm nicht möglich. Auch würde er, wenn die Vorlage nach energischer Beteiligung seiner
seits abgelehnt werden sollte, sich dadurch einer solchen Niederlage aussetzen, daß für ihn nach seinem persönlichen Gefühl die parlamentarische Zwangslage zum Rücktritt unabweislich eintrete, auch selbst ohne Zustimmung Sr. Majestät des Kaisers. Eine derartige Lösung der so langjährigen und bedeutungsvollen Beziehungen zu seinem Könige und Herrn widerstrebe seinem Gefühl, und wenn der König lieber in eine Auflösung des Landtags als in den Rücktritt des Ministers willigen würde, so könne er bezüglich einer solchen, doch die Entschließungen derjenigen nicht präjudi- cieren, welche die preußischen Geschäfte in Zukunft ohne seine Mitwirkung weiter zu führen haben würden. Den parlamentarischen Geschäften gegenüber müsse er sich deshalb im einen wie im andern Falle dieselbe Zurückhaltung auferlegen, wie während der letzten Reichstagssesston. Er werde sich in Zukunft auf die Arbeiten beschränken, welche die auswärtigen Beziehungen des Reichs mit sich brächten, eine Aufgabe, welche in jedem andern großen Linde die volle Thätigkeit eines Ministers beansprucht. Seine Stellung Dem parlamentarischen Leben gegenüber könne von jedem andern mit demselben Erfolge ausgefüllt werven, wie neuerdings von ihm selbst, denn weniger Einfluß aus die Ergebnisse der parlamentarischen Verhandlungen, als ihm selbst zu Gebote stände, würden andere auch nicht haben, und er sehe keine Notwendigkeit, daß grade er, der sich ein Recht auf Ruhe verdient zu haben glaube, seinen Jahren und seiner Gesundheit Zwang anthun solle, um in fruchtlosen parlamentarischen Kämpfen seine letzten Kräfte zu erschöpfen. Unser parlamentarisches Leben entbehre der Führung, oder vielmehr diese Führung liege in den Händen der Massen, anstatt durch einen Generalstab der Intelligenz jeder Fraktion geleitet zu werden. Man frage sich bei keiner Vorlage, was zweckmäßig und dem Lande und seiner Zukunft nützlich, sondern nur was bei der Menge der Wähler vielleicht populär sei. Bei den Abschätzungen dieser Popularität möge viel Irrtümliches wirksam sein, worüber die nächsten Wahlen ja Aufklärung geben würden. Augenblicklich aber, sei sein Eindruck, daß in manchen Regionen, welche nach selbstständigem Ermessen entscheiden sollen, ein byzantinischer Servilismns gegen den mutmaßlichen, richtig oder falsch berechneten Willen der Massen der Wähler die Lage beherrsche. Gegen Befürchtungen und Fictionen würde er vergebens ankämpfen, wenn er sich überhaupt diese Aufgabe stellen wollte. Die Dictate der Masten ohne Rücksicht auf politische Einsicht in Empfang zu nehmen, dazu genüge jeder jüngere und kräftigere Minister, wie immer er sonst beschaffen sein möge.
< Unser Gewährsmann und diplomatischer Interviewer hatte vorherrschend den Eindruck einer tiefen politischen Entmutigung des Kanzlers in Betreff der Möglichkeit, nach den vorliegenden Erfahrungen mit dem jetzigen parlamentarischen Deutschland „Politik" zu treiben, weil diejenigen,
d.
-
>;
)k
Verraten. , E
Von Mrs. Jane G. Augustin.
(Fortsetzung.) ; 52^ t—■
Victor war, um feine Gattin und ihre Schwester mehr sich selbst zu überlasten, in einer kleinen Entfernung von ihnen umherspaziert. Als er Gertrud's letzte Worte vernahm, stutzte er und wandte sich um, er sagte nichts, son- s dein er lauschte aufmerksam, als das junge Mädchen itz ihrer Erzählung fortfuhr:
Ja, man fand seine Leiche in einem Sumpfe, unb^ dje atme Mercedes hat keinen Freund in der Welt, nicht einen einzigen. Ihre Mutter war schon früher gestorben und sie wurde hier im Kloster zum heiligen Herzen aufgezogen. Ihr Vater bezahlte hier alles für sie, schenkte ihr die reizendsten Kleider uno gab ihr sonst alles, obgleich er nie- s mals kam um sie zu besuchen. So haben die Schwestern sie bis jetzt aus Mitgefühl im Kloster behalten; aber sie können das nicht für die Dauer thun, und da Mercedes ■ nicht Lust hat, Nonne zu werden, so kann sie hier nicht bleiben und sieht sich deshalb nach einer Stelle um. Denke dir .dies liebe, teure, herzige Kind in einer Stellung!
Welche Art von Stellung könnte sie wohl ausfüllen? [fragte Lucia.
Oh als Gouvernante bei kleinen Kindern, oder als Gesellschafterin bei einer Dame, oder sonst etwas der Art. ! Sie spricht reizend Französisch und vollkommen Englisch, und Spanisch natürlich auch. Oh und dann singt Mercedes ! so entzückend und schreibt Briefe für alle Mädchen und ist so süß und gutherzig und heiter. Ach, Lucia, Du könntest st-sie zu deiner Gesellschafterin nehmen.
k Ich, Kind? rief diese ans. Dann warf sie einen fra-
L ).
geuden Blick auf ihren Gatten und murmelte: Eine Gesellschafterin? Wohl —
Weshalb nicht eine Gesellschafterin nehmen, wenn es dir zusagt, unterbrach sie Victor. Es würde eine Wohlthat für das junge Mädchen fein und wenn sie sich angenehm zu machen weiß, so würde ich dich vielleicht williger der- laffen, wenn meine Geschäfte mich nötigen, auf einige Zeit zu verreise». , .
Wohl denn, ©ertie, wenn du denkst, daß es ein guter Plan ist und mir das Mädchen gefällt — in der That sie gefällt mir jetzt schon, ich hab« sie oft gesehen — st> will ich Mercedes mit mir nach Frankreich nehmen.
X Mercedes Mario, wiederholte Victor langsam.
X Kennst du etwa Jemand dieses Namens? fragte Lucia.
Nein! ich kenne Niemand dieses Namens, erwiderte Victor zerstreut und entfernte sich, als ob er weiteren Fragen ausweichen wollte.
Die Thür öffnete sich keife, und ein junges Mädchen trat herein und .sah sich im Zimmer mit sanften, schüchternen Augen um. Sie war ziemlich groß ober schien wenigstens so ihrer schlanken und geschmeidigen Gestalt wegen. Ihre Gesichtsfarbe war von tropischer Blässe, ihre Augen feurig und dunkel, ihr Mund rosig und niedlich: ein Kind, das man sogleich in die Arme schließen möchte, um es vor jedem rauhen Wind, vor jeder unsanften Berührung mit der Welt zu schützen.
Du hast nach mir geschickt, Gertrud! Ah! Madame.
Ein neuer Name, den bu nicht kennst, Mercedes, sagte Lucia und erhob sich, um das junge Mädchen zu umarmen und zu küssen. Ich bin jetzt Frau Pelletier und dies ist mein Gatte.
welche politisches Verständnis haben, dasselbe bereitwillig Mehrheiten untetorbnen, denen es fehle. In Berlin, hat der Kanzler gesagt, halte ihn nur noch das Bedürfnis, keine Unklarheiten darüber aufkommen zu lassen, wohin die Verantwortlichkeit für nufere weitere innere Entwicklung in dem Augenblick falle, in welchem er die Führung derselben andern Händen überlassen müsse. Wir selbst können, was die augenblicklich auf der Tagesordnung stehende kirchen- politische Vorlage betrifft, unsere Ansicht nicht aufgeben, baß deren Schicksal eben so wenig einen bestimmenden Einfluß auf die Stellung des Reichskanzlers und preußischen Ministerpräsidenten zu üben brauche, wie das Mißgeschick früherer Vorlagen.
Tagesbericht.
Bezüglich des Eisenbahn-Unglücks bei Blumenberg bemerkt der „Reichsanzeiger": Weder ein Defect des rollenden Betriebsmaterials, noch ein fehlerhafter Zustand des Bahnkörpers sei die Veranlassung gewesen. Besonders Locomotive und Wagen scheinen im besten Zustande gewesen zu sein. Sämtliche Oberbaumaterialien wurden bei der Revision ordnungsmäßig befunden. Bei der Construction des Oberbaues von Vollbahnen werde ein Unterschied bezüglich des Betriebs mit Schnell- und mit Personenzügen in Preußen nicht gemacht. Die fahrplanmäßige Geschwindigkeit des Zuges sei den günstigen Steigungs- und Krümmungs-Verhältnissen der fraglichen Strecke durchaus ange- meffen gewesen. Die amtlichen Erhebungen über den Unfall dauern fort.
Am Beginn der gestrigen Sitzung der Kirchengesetz- Commifston des Abgeordnetenhauses erklärte der Cuktus- minifter ber „Germania" zufolge: feiue Erklärungen in der Commission seien, abgesehen von denjenigen über Artikel 4, nicht absolut zu fassen. Da Die Stellung der Commission sich nicht absehen lasse, noch weniger diejenige des Plenums, so müsse er vor der zweiten Lesung sich bescheiden, die Commissionsbeschlüsse vorläufig ad referendum zu nehmen. Der Cultusminifter erklärte ferner auf eine Anfrage Windthorft'S, daß die Depesche Nina's vom 23. März, in welcher die Curie die in dem päpstlichen Briefe an den früheren Erzbischof in Köln gemachten Concesstonen interpretierte, früher erlassen worden ist, als die Curie den Staatsminifterialbefchluß vom 17. März kannte. — Schließlich wurden alle Amendements zu Artikel 9 der Vorlage mit großer Majorität abgelehnt, ebenso Artikel 9 Der Regierungsvorlage selbst gegen die 5 Stimmen der Conser- vativen. p.. ... :
In Betreff der Stellung der Parteien zu der kirchen- politischen Vorlage bemerkt die Kreuzzeitung: „Bis jetzt fine in der Commission Beschlüsse nur mit Hülfe des
Victor trat näher, machte eine tiefe Verbeugung und heftete seine Augen in seltsamer Teilnahme auf das junge Mädchen. Mercedes nahm schüchtern Platz und plauderte mit Lucia, die sich in zarter Weise über ihre Lage erkundigte, und sie über ihre Aussichten für die Zukunft be-- fragte. Mercedes sprach offen und mit leidenschaftlichem Bebauern von ihrem Vater.
Ach, mein armer Vater, sagte sie in ihrem hübschen Englisch, sein letzter Brief war so voll von Begeisterung und Hoffnung. Er sprach von irdend einem geheimnisvollen Glück für uns beide. Warte auf meinen nächsten Brief bis nach dem Fünfzehnten künftigen Monats und ich werde dir alsdann große und herrliche Neuigkeiten mitteilen und unmittelbar auf diese selbst kommen, um dich mit mir zu nehmen! Teurer, teurer Vater! Ich hörte feit der Zeit niemals wieder von ihm.
Wohlan, Kleine, willst du mit mir kommen und meine jüngere Schwester und Gefährtin sein, bis dieses träge Kind ©ertie mit seinen Studien hier zu Ende ist?
Wenn Sie mich zu sich nehmen wollen, Madame mit Freuden! erwiderte bas Mädchen.
Während Mercedes sich zur Abreise fertig machte, ging Victor vor dem Kloster auf und ab. sein Kopf war auf die Brust gesenkt, seine Augenbrauen gerunzelt, seine Lippen zusammengepreßt.
Der Wagen fuhr vor. Lucia, ihre Schwester Gertrud und Mercedes' schlanke Gestalt erschienen auf der Schwelle — drei liebliche weibliche Wesen. Nach herzlichem Abschiede von ©ertie fuhren Herr und Frau Pelletier mit Mercedes zurück nach New-Iork, wo die Vorbereitmrgeu zur Reife nach Frankreich schleunigst getroffen wurden.
(Fortsetzung folgt.)