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Mr. 181

Marburg, Sonntag, 6. Juni 1880

xv. Jahrgang

Liu eigen nimmt entgegen: bit Expedition d.Blattes, <B»ic d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Dassel und Hannover; Th. Dietrich in Frantfutt a.M.; tzaajenirein & Bögler in ■ttoetfurt o. M., Berlin, zeixzig, CSln rc.; Rudolf Ägße in Berlin, Arant- furt a. M- re.

WttWschk jritiniij

Anzeigen nimmt entgegen die Expeditton .d. Blattes sowie d- Annoncen-Bureaur von G-L- Daube & Co. in

Franifutt a. M; Jäger'sche

Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. ♦ daselbst; Juvalidendant in

Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; tt. Schlotte in Bremen.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen- Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JlufttttrteS SouutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Äür den Monat Juni werden von allen Post- ö anstalten (auf dem Lande von den Landpost- boten) Bestellungen auf die

Bberhesstsche Zeitung mit deren Gratisbeilage JllustrirteS Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die Exped. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

Der Kronprinz reiste im Auftrage des Kaisers am Donnerstag Abend nach Petersburg, um der Trauerfeier bcizuwohnen. — In der Begleitung deS Kronprinzen werden sich außer dem Hofmarschall Grafen zu Eulenburg und den drei persönlichen Adjutanten des Kronprinzen noch der General-Lieutenant und General ä la suite, Freiherr von 8oe, Kommandeur der 5. Division, der General - Major Mischke, Chef des Stabes der 4. Armee-Inspektion und der Major Lenke vom Stabe dieser Inspektion befinden.

Anläßlich des Ablebens der Kaiserin von Rußland findet am 5. Juni Mittags Trauergottesdienst in der russischen Botschaslskapelle in Berlin statt.

Die Nachricht eines Wiener Blattes, wonach der Papst an Kaiser Wilhelm ein versöhnliches Schreiben betreffs des kirchlichen Streites gerichtet haben sollte, ist unbe­gründet. ____________

Sitzung der Commission der kirchenpolitischen Gesetz- Vorlage vom 3. Juni. Abg. Rauchhaupt beantragt die §§. 3 und 4 folgendermaßen zusammenzufassen und an die Spitze des Gesetzes zu stellen: Gegen Kirchendiener, welche Gesetze und Anordnungen so schwer verletzen, daß ihr Ver­bleiben im Amte mit der öffentlichen Ordnung unverträg­lich ist, ist nicht mehr auf Entlassung, sondern auf Amts- unfähigkcit zu erkennen. Ein Gleiches findet in dem Falle des §. 12 des Gesetzes vom 22. April 1875 (Widerruf der Erklärung zur Befolgung des Gesetzes) statt. Die Aberkennung der Fähigkeit zur Amtsausübung bedingt den Verlust des Amtseinkommens sowie die Nachteile gemäß dem Gesetze betr. die Verhinderung der unbefugten Aus­übung kirchlicher Aemter; auch finden dann die Vorschriften des Gesetzes über die Verwaltung erledigter Bistümer, ferner der §. 31 des Gesetzes vom 12. Mai 1873 (Be­strafung von Amtshandlungen entlassener Kirchendimer) und die §§. 13 bis 15 des Gesetzes vom 22. April 1875

Verraten.

Von Mrs. Jane G. Augustin. (Fortsetzung)

Victor unterhielt sich mit dem Kranken so gut es eben der Zustand desselben erlaubte. Er erbot sich zu jeder Hilfeleistung und sichttich erfreut nahm der Kranke die von Victor bei jedem seiner Besuche mitgebrachten Orangen, Himbeeren und andere Früchte. Tag für Tag besuchte Victor den Kranken und blieb oft Stunden lang bei ihm. Am neunten Tage nach dem Unfälle stellten sich Delirien ein, während welcher er den Namen Juan Bapistian Mario häufig nannte und die ihn bedienenden Wärter bat, oas Blut an seinen Händen abzuwaschen, den Toten fortzu­schaffen und dem Kinde desselben beizustehen. So ver­gingen einige Tage; in seinen llchten Stunden erzählte der Kranke dem neben seinem Lager sitzenden Victor mit matter Stimme und häufig Pausen machend, daß er ein Cubaner sei und Pio Mario heiße. Sein Vetter, Juan Bapistian Mario, habe vor vielen Jahren ihn um sein Vermögen betrogen, ihm sein heiß geliebtes Weib nebst seiner Ehre geraubt und ihn gezwungen, sein Vaterland zu verlaffen. Er habe sich dann nach Californien eingeschifft, dort Jahre lang in den Minen gearbeitet und durch glückliche Spekulationen viel Geld verdient. Doch die Wut über die ihm von seinem Vetter zugefügte Belei­digung habe ihn wieder nach Cuba zurückgeführt und hier habe er an seinem Vetter blutige Rache genommen, nach­dem er erfahren, daß er das ihm geraubte Weib durch scheußliche, grausame Behandlung unter die Erde gebracht habe. Der Kranke erzählte die Einzelheiten des Mordes und daß er die Leiche seiner Vetters in Sumpf geworfen habe. Ich bereue nicht, was ich gethan, fuhr Pio Mario

(Amtsunfähigkeit und Verlust des Amtseinkommens, Geld­strafen, Zuständigkeit des Kirchengerichtshofes) entsprechende Anwendung. In Fällen, wo auf Amtsentlassung bereits erkannt ist, werden die rechtlichen Folgen auf Amtsunfähig­keit und auf die in Satz 3 angeführten Nachteile beschränkt. Auf eine Anfrage des Abg. v. Bennigsen über den Sinn dieses Antrages erklären die Abgg. Dr. Grimm und Rauch­haupt: Nach dem letzten Absätze des Antrages würde bezüglich der betreffenden Bischofssitze angenommen werden, daß dieselben niemals erledigt gewesen seien. — Abg. v. Bennigsen bezeichnet diese Rückwirkung als eine Ungeheuer­lichkeit. — Der Cultusminister erklärte solche Rehabilitäten gleichfalls als unannehmbar. — Im weiteren Laufe der Debatte erklärte Abg. v. Bennigsen: in Betreff des §. 3 beständen zwar keine prinzipiellen Bedenken; es liege dafür aber auch kein praktisches Bedürfnis vor. Der §. 4 sei für die nationalliberale Partei unannehmbar. Abg. v. Zedlitz teilt in hohem Maße die Bedenken des Abg. v. Bennigsen, hofft aber andernteils, die Möglichkeit der Rück­kehr der Bischöfe könne die Curie zum Friedcnsschluß bestimmen; er stellt deshalb einen Zusatzanttag zu §. 4, wonach einem entlassenen Bischöfe die staatliche Anerken­nung wieder erteilt werden kann, wenn er bis zum 1. Dezember 1881 die gesetzliche Verpflichtung zur Benennung der anzustellenden Geistlichen ausdrücklich oder tatsächlich anerkennt. Nach einer Replik des Abg. Windthorst wird die Sitzung vertagt.

In der Sitzung vom 4. Juni erklärte der Cultus­minister v. Puttkamer: die Erklärung des Abg. v. Bennig­sen, Artikel 4 der Vorlage sei unannehmbar, betrübe ihn auf's tiefste, widerspreche auch anderweittgen Aeußerungen von Nationalliberalen im Hause. Ohne die rechtliche Mög­lichkeit der Rückkehr der Bischöfe sei die Vorlage wertlos. Von dem Amendement des Abg. v. Zedlitz könne er nur die Heranziehung des Staatsministeriums acceptieren. Abg. v. Rauchhaupt'S Antrag: den abgesetzten Bischof noch als Bischof anzusehen, hält der Minister für bedenklich. Gegen den Antrag des Abg. Bruel müsse er sich in allen Punkten aussprechen. In der Debatte über den Anttag des Abg. v. Rauchhaupt erklärte der Abg. Gneist, die Regierung werde auch nicht eine einzige nationalliberale Stimme für Artikel 4 erhalten. — Artikel 3 wurde nach Ablehnung der Anträge der Abgg. Bruel und Rauchhaupt in der Faffung der Regierungsvorlage, jedoch unter Streichung des dritten Absatzes, mit den Stimmen der Conservativen und des Centrums (11 gegen 10) angenommen. Bei der Abstimmung über Artikel 4 wurden die Anträge des Abg. v. Zedlitz abgelehnt und der Antrag des Abg. v. Rauch­haupt mit 11 gegen 10 Stimmen angenommen. Ebenso wurde der Antrag des Abg. Bruel, wonach die Wieder- Zulassung sich auf alle Kirchendiener erstrecken soll, an­genommen.

mit leiser Stimme fort, nur möchte ich wiffen, was aus Mercedes, der Tochter meiner einstigen Frau und meines Vetters, geworden ist. Unter meinem Kopfkissen finden Sie ein Taschenbuch mit Banknoten im Werte von 60,000 Dollar — mein ehrlich verdientes Vermögen. Nehmen Sie das Geld, mein Freund, ich schenke Ihnen Alles, denn ich fühle, meine letzte Stunde wird bald schlagen.

Ein Hustenanfall unterbrach die Worte deS Kranken. Nachdem derselbe vorüber war, setzte er sich im Bette auf, nahm die Brieftasche unter dem Kissen weg, und übergab sie Victor, dem er auf's wärmste die Hand drückte.

Um eins nur will ich Sie bitten, fuhr Pio Mario fort, versuchen Sie den Aufenthalt meiner Nichte.Mercedes zu erfahren und helfen Sie ihr, wenn sie der Hülfe bedarf. Sie ist ein braves und unbescholtenes Mädchen und —

Hier stellte sich wieder der Hustenkrampf ein, der Kranke fiel in die Kiffen zurück und begann zu phanta­sieren, so daß der sofort hinzugerufene Arzt Victor ersuchte, den Kranken zu verlaffen.

Als Victor am folgenden Tage wieder in das Hospital kam, war Pio Mario tot. Er war in der Nacht ge­storben.

Victor sorgte für eine anständige Beerdigung Mario's auf Greenwood Ccmentery, für welche er die Unkosten be­zahlte. ______________

Am Tage der Beerdigung Mario's empfing Mrs. Murray folgendes Schreiben:

Woher soll ich den Mut nehmen, es Dir, meine teure Lucia zu sagen, alles ist vorbei — leb wohl. Du beste,

Meldung der „Polit. Corresp." aus Athen. Brailas erhält die officiöse Mission, sich der bevorstehenden Conferenz in Berlin bezüglich der griechischen Frage consulativ zur Verfügung zu stellen; er wird von mehreren griechischen Genie-Offizieren begleitet werden.

Deutscher Reich.

** ©erlitt, 4. Juni. Wie ein vor Kurzem ergangener Erlaß des Ministers der öffentlichen Arbeiten bemerkt, ist es von Interesse, festzustellen, ob und in welchen Bezirken es thunlich sein würde, ohne Vermehrung der Kosten die bisher nur in einzelnen Landesteilen durchgeführte Tren­nung der Baufächer in die Beamtenstellen der unterdn In­stanz der Bauverwaltung in größerem Umfange als bisher anzuordnen, und ob die jetzigen Abgrenzungen der Baukreise im Hinblick auf die ungleichmäßige Verteilung der Geschäfte in denselben einer Revision bedürfen werden oder nicht. Zu diesem Behufe werden die Kgl. Bezirksregierungen auf­gefordert, Nachweise anzufertigen, aus welchen die Grenzen der jetzigen Baukreise und der landrätlichen Kreise klar hervorgehen. Ferner sind diejenigen Wasserläufe, welche von Beamten, denen gleichzeitig die Ausführung von Land­bauten obliegt, verwaltet werden, sowie diejenigen, welche ausschließlich mit Wasserbauten beschäftigten Beamten unter­stehen, besonders zu bezeichnen. Alsdann soll nach einem den Regierungen überwiesenen Schema von sämtlichen KreiS- und Baubezirken eine Tabelle angefertigt werden, welche über die Anzahl der darin befindlichen fiskalischen Bauwerke, der Wasserläufe und Brücken u. s. w. Auskunft giebt. Die Herstellung dieser Nachweise soll sachgemäß und sorgfälttg erfolgen und durch die Regierungs- und Bauräte besonders geprüft werden. Diese Nachweise erwartet der Minister bis zum 1. Juli d. I. — Ueber die Ergebnisse der bei der Reichs-Post- und Telegraphenverwaltung bestehenden gemeinnützigen und WohlthätigkeitS-Anstalten sür das Etats­jahr 1879 80 beziehungsweise für das Kalenderjahr 1879 liegen folgende Mitteilungen vor. Die Kaiser-Wilhelm- Stiftung hatte eine Einnahme von 99,957 M. 1 Pf. Dann wurde an einen Beamten ein Ruhestipendium von 2400 M. gezahlt, an Unterstützungen 16,786 M., 77,533 M. 35 Pf. wurden für außerordentliche Ausgaben ver­wendet, darunter 77,215 M. 35 Pf. sür angekaufte Pa­piere. Das Vermögen dieser Stiftung betrug Ende März d. I. 492,900 M. Die Post-Armen- und Unterstützungs­kaffe hatte ein Vermögen von 923,446 M. 23 Pf. und in Sicherheitsdokumenten für gestiftete 16 Freistellen in 3 Waisenanstalten von 125,400 M. Die laufende Einnahme betrug 534,497 M. 29 Pf. Ausgaben wurden geleistet für Belohnungen der Postillone, Ruhegehälter, Erziehungsgelder und Unterstützungen 508,086 M. 4 Pf. In Betreff der unter Mitwirkung der Postverwaltung abgeschlossenen Lebens­versicherungen von Beamten wird erwähnt, daß die Ge-

theuerste, aufopferndste aller Frauen, ich war Deiner nicht würdig — vergiß mich. Das Geld, welches Du mir ge­sandt, die tausend Dollars, welche Du für Deine Möbeln, Gemälde u. s. w. bekommen, sind bis auf den letzten Cent fort. Du hättest sie mir nicht anvertrauen sollen, selbst nicht auf mein Versprechen hin, dieselben nur sür die Gründung unseres zukünftigen Heims zu verwenden. Sie gingen dahin, wohin alles übrige schon gegangen ist. Und obendrein schrieb ich einen Namen, nicht meinen eigenen, auf einen Check von tausend Dollars. Ja ich bin ein Verbrecher, ein Fälscher und — ein Gefangener. Eine letzte Gunst, meine Geliebte, erbitte ich von Dir — schicke mir Blausäure, sie tötet am schnellsten und schmerzlos. Erfülle meine Bitte, als letzten Beweis Deiner Liebe. Ich will bis Abend auf das Gift warten — und dann, mein Engel, leb' wohl. M.

Als Victor von dem Begräbnis nach Hause kam, suchte er sogleich seine Herrin auf.

Er fand sie in ihrem Salon auf und abschreckend, wie eine Wahnsinnige. Nachdem Victor kaum die Thür hinter sich geschlossen, flog sie aus ihn zu, faßte ihn am Arm und fragte ungestüm: Wo kann man Blausäure bekommen?

In jeder Apotheke, doch nur auf ärzttiche Verschreibung; kaufen kann man sie nicht, Madame?

Aber sie muß, sie soll gekauft werden: rief die junge Frau und ihre Augen glühten vor Aufregung.

Unmöglich, Madame, erwiderte Victor kalt. Darf ich aber fragen, wozu Sie das Gift gebrauchen wollen!

Um Mr. Floyd und mich vor Schande zu bewahren. Ist Mr. Floyd wieder in Schulden!

Er befindet sich im Gefängnis wegen Fälschung! ant­wortete Mrs. Murray, an einem Seffel niedersinkend.