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Marburg, Sonnabend, 5. Juni 1880

Nr. 130.

XV. Mgaag

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d-Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhanol. daselbst; Juvalidendani in

Berlin; W- Thienes in

Elberfeld; C. Schlotte in

Bremen.

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte», sowie d-Annoncen-Bureaur von 16. Dietrich & Co. in Aafsel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Saasenftein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig/ CSlu re.; Rudolf Mge in Berlin, Frank- fttrt a. M- re.

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach «sonn- und Feiertagen. Preis für das Quattal mit der wöchentlichen BeilageJAnstrirteS SonutagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen % Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). Jnsertionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu etthrilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-

Äür den Monat Juni werden von allen Post- V anstalten (auf dem Lande von den Landpost­boten) Bestellungen auf die

Bberhessische Zeitung 5

mit deren Gratisbeilage

JllustrirteS Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die Ex-ed. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

Durch Bekanntmachung des Ministers des königlichen HauseS imReichs-Anzeiger" wird auf kaiserlichen Befehl die Verlobung dcS Prinzen Wilhelm und der Prinzessin Augusta - Victoria von Schleswig - Holstein - Augustenburg mbliciert. Dieselbe fand auf Schloß Babelsberg statt. Die Mitglieder der königlichen Familie und aus deutschen ouveränen Häusern, sowie die übrigen Gäste, unter ihnen >er Reichskanzler und die Frau Fürstin v. Bismarck, waren ,m Gesellschaftssalon und im runden Tanzsaal versammelt. Hier kündigte eer Minister des königlichen Hauses, Staats- minister Graf v. Schleinitz, der Versammlung an, daß er von dem Kaiser beauftragt sei, derselben die so eben erfolgte Verlobung des Prinzen Wilhelm mit der Prinzessin Augusta Victoria von Schleswig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg anzuzeigen. Darauf führte der Kaiser die hohe Braut am lrme in den Saal, um sie den höchsten Vertretern des Staates und des Hofes vorzustellen. Den Platz an der Tafel hatten die Verlobten zwischen dem Kaiser und der Kronprinzessin, der Kronprinz saß dem Brautpaare gegen­über. Die Herzogin von Schleswig-Holstein-Sonderburg- Augustenburg war nur bei dem Verlobungsakte zugegen. Während der Tafel trank der Kaiser auf das Wohl des Brautpaares und der hohen Eltern. Kanonenschüsse be­gleiteten diesen Toast, daS frohe Familienfest verkündend.

Eine weitere Bekanntmachung des Oberceremonienmeister- Amtes ordnet eine vierwöchentliche Hoftrauer für die Kaiserin von Rußland an.

Fürst Gortschakosi ist gestern Vormittag von Berlin nach Frankfurt a. M. abgereist. Fürst Bismarck hat vor­gestern Abend den ihm von dem Fürsten Gortschakosi am 1. d. M. abgestatteten Besuch erwiedert.

Die Ausführungsbestimmungen zu dem Feld- und Fvrst- polizeigesetz sind jetzt so weit fertig gestellt, daß dieselben in nächster Zeit zur öffentlichen Kenntnis gelangen werden.

Verraten.

Von Mrs. Jane G. Augustin. (Fortsetzung)

Aber Ihr Conto in der Bank ist überzogst«, und Ich weiß daS alles, unterbrach ihn seine Gebieterin ungeduldig. Und doch muß schleunigst Geld beschafft werden. Wenn's nicht anders geht, muß ich meine Juwelen ver­pfänden, denn ich gebrauche durchaus zehntausend Dollars,

Oh, Madame! Kein Makler würde Ihnen ein solches Anlehen auf ihre Juwelen gewähren.

Dann suchen Sie dieselben sofort zu verkaufen, Victor, erwiderte Mrs. Murray hastig. Verkaufen Sie alles, wenn es sein muß pr.'.ne Uhren, meine Ringe, meine Diamanten nm verschaffen Sie mir zehntausend Dollars bis heut' Abend. Es muß unbedingt geschehen, Victor! .

Victor sah sie ruhig an und sprach zu sich: Gütiger - Gott! wie sie jenen Schurken liebt!

9liui, können Sie die Summe bekommen, fragte seine Herrin ungeduldig.

Ich will es versuchen, Madame.

Versuchen? Sie müssen es mir unter allen Umständen 1 verschaffen, Victor. Bezweifeln Sie einen Erfolg, so »UI ich selber die Schmucksachen verkaufen.

Es dürfte Ihnen doch nicht angenehm sein, alle Welt ins Vertrauen zu ziehen, antwortete Victor ruhig. Ich hoffe jedoch, daß ich das Geld für.Sie anschaffen kann.

Versuchen Sie alles. Hier sind die Schmuckfachen; eilen Sie und bringen Sie mir sofort das Geld.

Victor nahm die Juwelen und eine Stunde später übergab er das dafür erhaltene Geld seiner jungen Herrin, ie hocherfreut über die vielen Banknoten Victor lächelnd

Die Bestimmungen werden, wie man hört, im Ministerial- Blatt für die innere Verwaltung pübliciert und mit er­läuternden Bemerkungen versehen werden.

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In der gestrigen Sitzung der Kirchengesetz-Commisston des Abgeordnetenhauses beantragte Abg. Bruel zu §. 2 anstattdie Berufung an die Staatsbehürde gegen Ent­scheidungen der Kirchenbehörden steht nur dem Oberpräsi- denten zu", zu setzen:steht nicht denjenigen zu, gegen welche die Entscheidung^ergangen ist". Abg. v. Zedlitz be­antragt, als zweiten Satz einzufügen:die Berufung ist einzulegen, wenn derjenige, gegen welchen eine disciplinarische Entscheidung erging, sie beantragt und der Antrag von vornherein nicht als unbegründet erscheint". Abg. v. Lim­burg-Styrum bezeichnete den Antrag des Abg. v. Zedlitz für unzulässig. Die Commission lehnte den Antrag des Abg. v. Zedlitz mit 11 gegen 10 Stimmen und den An­trag des Abg. Bruel mit 15 gegen 6 Stimmen ab und nahm den §. 2 in der Fassung der Regierungsvorlage mit rH.gegen 10 Stimmen an.iOl .' .

"Nach derGermania" frug der Abg. Reichcnsperger, ob die Regierung die Verweigerung der Absolution noch als strafbares Zuchtmittel betrachte. Der Cultusminister erklärte, die Verwaltung habe de lege lata nichts zu sagen. Das Obertribunal habe in mehreren Fällen ent­schieden, daß die Verweigerung der Absolution ein kirchliches Zuchtmittel sei. Den Antrag des Abg. Bruel erklärte der Minister für unannehmbar. Der Antrag des Abg. v. Zedlitz sei eine unerwünschte Abschwächung des Gedankens der Vorlage. DerGermania" zufolge erklärte Windthorst, bei Ab­lehnung des Antrages des Abg. Bruel werde das Centrum für den Paragraphen stimmen, obwohl es sachlich mit ihm nicht einverstanden sei und den Gerichtshof perhorresciere. Das Centrum wolle aber Schlimmeres verhindern und be­halte sich sein Schlußvotum vor.

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Bei dem großen und das öffentliche Interesse lebhaft bewegenden Umfange, welchen in diesem Jahre die Aus­wanderung aus Deutschland annimmt, hat erwünscht erscheinen müssen, daß die amtliche deutsche Statistik über diese Vorgänge raschere Berichterstattung als sonst üblich bringe. Das statistische Amt hat eine solche Zusammen­stellung publicierl, nach welcher im ersten Quartal 1880 13,062 Personen auswanderten und zwar aus den drei deutschen Häfen Bremen, Hamburg, Stettin und aus Ant­werpen. Vergleicht man diese Zahl mit der im gleichen Zeiträume des Vorjahres, so stellt sich eine Zunahme im Jahre 1880 von 8575 Köpfen heraus. Von den Aus­gewanderten gingen 12,869 nach den Bereinigten Staaten von Nordamerika.i , .

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Die englischen Oppositionsblätter fahren fort, der Mis- ansah. Sie hatte ihr Haupt leicht zurückgeworsen, die Augen halb geschlossen und ihre weißen Zähne schimmerten zwischen den rosigen Lippen hervor. Victor blickte sie mit seinen schönen schwarzen Augen frei ins Gesicht, vergessend, daß er ihr Diener war.

Gehen Sie jetzt, sagte Mrs. Murray, die seine be­gehrenden Augen erblickte, und koiUWn.Aie morgen früh wieder zu mir. ' jy

Nachdem Victor den Salon der Murray verlassen hatte, trat dieselbe an ihr Schreibpult, schrick einige Worte und packte de« Brief mit den Banknoten in ein festes Brief­couvert, welches sie an Herrn Markham Floyd adressierte und durch einen ihrer Dimer sofort an denselben abschickte.

Am nächsten Morgen trat Victor in den Salon seiner Gebieterin und meldete:

Mr. Floyd, Madame.

Sein scharfes Auge bemerkte wohl ihr freudiges Er- rötm und seinem scharfen Gehör entging nicht das Zittern In ihrer sanften Stimme, während.sie sagte:

, Lassen Sie Mr. Floyd eintreten.

Ein großer, schön gewachsener Manu mit gerade nicht sehr einnehmenden Gesichtszügen, betrat dm Salon und sälloß die Thür sorgfälttg hilitcr sich. Er schritt auf Mrs. Murray zu und nahm sie stürmifch in seine Arme.

Mein edelmütiger Liebling! Du hast mich vom Unter­gang gerettet!

Hast Du Deine Schulden bezahlt, Markham, fragte die schöne Wittwe.

Ja, sicher, mein Engel. Du hast mich gerettet. Wer entschuldige meine Neugierde, wie war es Dir möglich, diese Summe aufzutreiben? Ich weiß, dein ganzes Eigen-

sion Göschens ein Fiasko zu prophezeien. DerStandard" schreibt:Der Mann muß erst gefunden werden, welcher dm Sultan, das Serail oder die hohe Pforte in gutem zu etwas überreden könnte, was sie nicht bereitwillig zu thun entschlossen seien. ES sei in Slambul nicht wie im Vatikan. Kein wohlerzogener Orientale werde je mit einem non possumus antworten. Sir Henry Layard könne zweifelsohne Herrn Göschen belehrende Geschichtchen über die Metzgersgänge erzählen, die er oftmals auf Geheiß einer Regierung zu machen gehabt, der Würde und Macht nicht abgesprochen werde. Göschen werde glücklich sein, wenn er einem ähnlichen Schicksale entgehe; er könne dem Sultan ein ungeladenes Pistol auf die Brust setzen, allein der Monarch wisse, daß das Ding nicht loSgehe, und kenne den Kniff aus Erfahrung. Jeder würde sich freuen, wenn Göschen Erfolg haben würde, wo andere Fiasko gemacht haben, nur dürfe über die Ziele seiner imposanten Reise kein Mißverständnis obwalten; das Parlament habe nun­mehr das Recht zu verlangen, daß man es mit dessen In­struktionen bekannt mache. Das Publikum sei nicht so einfältig, um Göschen einen Spezialsieg über eingebildete Schwierigkeiten beizumessen. Unter keinerlei Umständen dürfe er die Ehre beanspruchen, die Streitfrage bezüglich der griechisch-türkischen Grenze gelöst zu haben. Wir lebten nicht in einer Zeit strikter Belohnung und Bestrafung, allein Europa werde sich kaum überreden lassen, zu ver­gessen, daß der Berliner Vertrag die Frage behandelt habe und jeder Versuch, darüber hinauszugehen, höchst gefahrvoll sein würde."

DiePolitische Correspondenz" meldet aus Konstan­tinopel: Layard ist in Folge einer ihm aus Loudon auf telegraphischem Wege zugekommenen Ordre, auf die Persönliche Vorstellung Göschens bei dem Sultan zu verzichten, vorgestern abgereift Die Audienz Göschens ist für den 5. Juni bestimmt worden. Berichte aus Philippopel und Sofia constatieren eine wachsende Be­wegung unter den bulgarischen Unionisten Ostrumeliens und Bulgariens.

' Deutsches Reich.

Berlin, 3. Juni. In den verschiedenen national- liberalen Blättern wird ein Befremden darüber ausgesprochen, daß das Gesetz über die Verwendung der Ueberschüsse aus Reichssteuern vom Herrenhaufe resp. der Budgetcommisston, wie es scheine ad acta gelegt worden sei. Der Correspon- dent dieser Blätter, der jedenfalls dem parlamentarischen Leben nicht fern steht, hätte nur nötig gehabt, im Bureau des Herrenhauses eine Erkundigung einzuziehen, so würde er erfahren haben, daß die Budgetkornrnission bereits über den fraglichen Gesetzentwurf in Beratung getreten ist, und daß diese in einer fünfstündigen Sitzung unter Anwesenheit tum ist verpfändet. Wie konntest Du noch irgendwo Geld erheben, mein Schatz?

Ich habe meine Juwelen verkaufen müssen, Markham. Die Juwelen verkauft! Ganz und gar verkauft?

Ja, Theuerster, sie sind fort

Aber mein thörichtes, rücksichtsloses Kind, was hast Du gemacht? Diese Juwelen waren ja Dein letztes Eigen­tum. Was soll jetzt aus Dir werden.

Ich will Dir etwas sagen, Markham, erwiderte sie. Wenn ich alles verkaufe, was ich jetzt noch besitze, Gemälde, Mobilien rc., so kann ich daraus noch ein bis zweitausend Dollars lösen. Du nimmst dann Die Stellung an, welche Dir vom Hause Lafarge Dominique in Lyon angeboten wurde, bann heiraten wir und gehen nach Lyon.

Aber mein Herzchen, wir können dort doch nicht von einem Einkommen von 10,000 Franken, welche man mir angeboten, leben? Und dann paßt es mir auch nicht, Cor- respondent in einem Seidengeschäft zu werden! Wir müssen auf etwas anoeres sinnen, liebes Kind.

Aber wir wären dann doch verheiratet und kämen fort von Newyork, wo wir uns nicht mehr halten können; rief Lucia und sah ihn mit zärtlichen Blicken an.

Floyd murmelte einige Redensarten von Ergebenheit und Dankbarkeit, deren Hohlheit Lucia jedoch nicht täuschte, die vielmehr schme^lich davon berührt wurde.

Victor war inzwischen nach dem St. Luke's Hospstal gegangen, um den überfahrenen Fremden zu besuchen.

Er sand denselben bei Besinnung aber von argen Schmerzen gequält; Genesung war nicht möglich, und der Kranke wußte von dem ihn behandelnden Arzte, daß seine Verletzungen tödlich seien. (Forts, folgt)