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Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis fttr das Quartal mit der wvchentlichen Beilage „JKuftrirteS SouutaaSblatt" durch die Srvedition IKock'sche Buchdruckerer) b-zogen 2, Mark, durch bte Postämter d-S Deutschen Reiches 2^ Mark 50 Pfg lexcl. Best-llgebüh^-"Znsertionsgebühr für die gespalten- KelOPfs W Iür m der Expeoitron zu ertheftende Auskunft und Annahme von Adressen wecken 25 Pfg. berechnet. V'8‘

Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, SA» re.; Rudolf xwsse in Berlin, Frank« surr a. Lt. rc.

Marburg, Donnerstag, 3. Juni 1880

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Anzeigen nimmt entgegen: tit Expedition d.vlatteS, fomie d.Annonccn-Bureaux von Th, Dietrich & So. in jkassel und Hannover; Th.

Anzeigen nimmt entgegen dir Ejqiedttio» d. Blattes sowie dAnnoncen-Bureaux von G- L- Daube & So. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbstj; Hermann'fche Buchhandl. ♦ daselbst; Jnvalidendavk in

Berlin; W. Thiene- in Elberfeld; S. Schlotte in

Bremen.

flkür den Monat Juni werden von allen Post- v anstalten (auf dem Lande von den Landpost­boten) Bestellungen auf die

Merhessische Zeitung ;

mit deren Gratisbeilage

MustrirteS Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die «xped. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

Der Kaiser hat gestern mit dem Chef der Admiralität, General v. Stosch, conferiert und hierauf den Finanz­minister Bitter empfangen. Nachmittags folgte der Kaiser einer Einladung des Fürsten Bismarck zum Diner. ...

In der gestrigen Sitzung des Bundesrats über Äe ge­schäftliche Behandlung des preußischen Antrages betreffend die Einverleibung der unteren Elbe in das Zollgebiet wurde beschlossen, den Antrag ohne vorgängige Verweisung an einen Ausschuß der ersten Beratung im Plenum zu unter­ziehen. In dem preußischen Anträge heißt cS: So wün­schenswert im Interesse des Reichs die Beseitigung der Zollausnahmestellung Hamburgs sein möge, werde die Reichsregierung doch stets das bestehende Verfassungsrecht achten und aus die Entschließung Hamburgs nur mit loyalen Mitteln hinwirken. Der Verkehr der Seeschiff­fahrt aus der Nordsee nach Hamburg und umgekehrt werde nur solchen Zollformalitäten unterworfen werden, welche -Hamburg ohne nennenswerte Belästigung die Verbindung zwischen der See und dem Freihafengebiete offen erhalten würden und sich unschwer diejenigen Formen finden lassen, worin sich die Interessen der Zollverwaltung mit denen des ungestörten Transitverkehrs auf der Unterelve für Hamburg . in Uebereinstimmung setzen ließen. Nach dem Anträge ge- : hört der Elbstrom, was die Norderelbe anbelangt, von , Rothenburgsort an, und was die Suderelbe betrifft, von >, Hamburg abwärts nicht mehr dem deutschen Zollgebiete an.

Die „Nordd. Allg. Zta." bezweifelt die Richtigkeit der Behauptung des Abg. Reichensperger in der Sitzung vom 29. Mai, der Reichskanzler habe früher erklärt, er werde Frieden mit Rom über die Köpfe des Centrums hinweg machen, die auch schon aus inneren Gründen nicht wahr­scheinlich sei. Das Blatt fordert Reichensperger auf, die

Das Passwusspiel tu Oberammergau. :iX

(Schluß.)

Die dritte Hauptabteilung umfaßt die Vorgänge auf dem Wege nach Golgatha und auf Golgatha selbst bis zur Bestattung Christi mit allen Einzelheiten des neutesta- mentlichcn Berichts in zwei Vorstellungen, denen als Vor­bilder vorgehen: die Opferung Israels, die Erhebung der ehernen Schlange in der Wüste durch Moses und die Heilung der Israeliten durch den Hinblick auf dieselbe. Es folgt dann die Auferstehung mit den sich unmittelbar daran schließenden Begebenheiten; Vorbilder: die Geschichte der Rettung des Propheten Ionas und der Durchzug der Israeliten durch das rote Meer. Den Schluß endlich macht ein großes Tableau, welches die Himmelsahrt darstellt und durch ein großes Halleluja des Chors begleitet und geschlossen wird.

Nach dieser kurzen Inhaltsangabe werden die ästhetisch­religiösen Betrachtungen verständlich erscheinen, welche hier folgen mögen.

Die Mehrzahl der erschienenen Schriften über das Spiel bezeugt den gewaltigen Eindruck, welchen die Auf­führungen auf den Zuschauer machen; die scenische Ein­richtung ist von überraschender Großartigkeit, die Kostüme sind mannigfaltig und im Einklang mit den biblischen Ge« statten, das Jmponierenbste liegt aber in der Massenwir­kung der Spielenden; in den Volksscenen find in der Regel 300 bis 400 Personen beider Geschlechter und aller Altersstufen auf der Bühne. Was aber die große Wir­kung des Spieles auf den Zuschauer begreiflich macht, ist der Inhalt der ganzen Darstellung, welche jedem bekannt und mit der jeder vertraut ist — die ergreifende Hand- Nng, welche schon beim Lesen die tiefften Empfindungen Moeckt und die Seele erzittern läßt. Diese Wirkung auf Das Gemüt ist aber keine reine und befriedigende, well im

Behauptung zu beweisen und erklärt dieselbe, bis solches geschehen, tatsächlich für unrichtig.

Fürst Gortschakoff ist gestern früh in Berlin eingetroffen und im russischen Botschafts-Hotel a^estiegen. — Derselbe wird zwei Tage in Berlin verweilen.

Deutsches Reich.

** Berlin, 1. Juli. Der Reichskanzler hat dem Bundesrat den Antrag Preußens, betreffend die Einver­leibung der unteren Elbe in das Zollgebiet, zur Beschluß- nahme vorgelegt. Dieser Antrag nimmt als Ausgangs- puntt einen Beschluß des Bundesrats des Zollvereins vom 2. Juni 1869, durch welchem dem Anträge des Ausschusses für Zoll- und Steuerwesen vom 13. Mai desselben Jahres, betreffend die Zollgrenze bei Hamburg, entsprochen wurde. — In der Sitzung des BundcSratS vom 22. Mai wurde beschlossen, daß wegen Bereitstellung der Gellrmittel zu den Reichsausgabeu für das Etatsjahr 1880 81 und für die folgenden Etatsjahre bis auf weiteres die bisherigen Grundsätze mit der Maßgabe in Kraft bleiben, l»ß die Feststellung der Grenzen, innerhalb welcher die ihr Kon­tingent nicht selbst verwaltende» Staaten von der Militär­verwaltung im Laufe des EtatSjahres zu Zahlungen un­mittelbar in Anspruch genommen werden können, durch den Reichskanzler erfolgt. — Dem Bundesrat ist auch der Ent­wurf einer Anleitung zur Aufstellung der Übersichten über die Besteuerung dcS Tabaks vorgelegt worden. — Wie wir erfahren, Hal Se. Majestät der Kaiser sich in der Audienz, welche er dem von der Reise nach den Provinzen Schlesien und Posen zurückgekehrten Staatsmiuister Dr. Lucius be­willigte, in längerer Berichterstattung die Verhältniffe in den beiden Provinzen, wie dieselben sich zur Zeit gestaltet haben, eingehend Vortrag halten lassen. Se. Majestät nahm das lebhafteste Jnteresfe an allen von dem Minister vorgeführten Daten und erkundigte sich mit voller Teil­nahme nach verschiedenen von dem Minister nicht berührten Zuständen. — Am 4. Juni 1680 ist der damalige Ad­ministrator des Erzstists Magdeburgs Herzog August von Sachsen, gestorben und auf Grund der Bestimmungen des westfälischen Friedens resp. des sogenannten Klosterbergischen Vertrages vorn 28. Mai 1666 ist mit dem gesammten Erzstifte auch Magdeburg dem Kurfürsten Friedrich Wil­helm von Brandenburg angefallen. Am 4. Juni d. I. steht mithin Magdeburg 200 Jahre unter dem glorreichen Szepter der Hohenzollern. Dieser Tag soll, wie bekannt, festlich begangen werden und haben zur großen Freude Magdeburgs der Kaiser und der Kronprinz die Anwesen­heit bei dem Feste zugesagt. Wie uns mitgeteilt wird, er» folgt die Abreise Sr. Majestät von Berlin Morgens 8

Allgemeinen das Passionsspiel demjenigen, der daS Er­lösungswerk des Herrn im gläubigen Gemüt ersaßt und zu Christus ein lebendiges Verhältnis gewonnen hat, als eine Profanation des Heftigsten erscheinen muß, was er im innersten Gemüt birgt, f» oft es aus der Eigenschaft der übenden Bftder heraustritt, und zweitens, weft die Darstellung vieler Momente für das ästhetische Gefühl unerträglich ist. Unsere religiöse Empfindung muß tief verletzt werden, weil die Gestalten des DramaS an das Ideal unserer Andacht nie heranrelchen bei aller Vollkom­menheit des Spiel». Diese Empfindung;,' die Verletzung des religiösen Gefühls, kommt hauptsächlich bei der Dar­stellung Christt zum Ausdrucke Zwischen der idealen Wahrheit des Glaubens und «r idealen Wirklichkeit, welche die Kunst versucht, liegt eine nicht zu vermittelnde Kluft, wie sich Dr. Frick in einem Vorträge über das PasstonSspiel ausgedrückt hat. Verletzend und cchstoßend muß eS wirken, wenn das Mysterium oes Christentums und der höchste Weihepunkt des christlichen Kultus, das heilige Abendmahl, dargestellt wird, deffen sakramentaler Charakter eine Schau­stellung in keiner Weise verträgt. "Jede Darstellung einer wirklichen Kultushandlung zum Zweck eines Schaugenusses ist eine Profanation deffen, was nur in mitfeiernder und miterlebender Andacht genossen werden kann. Aber auch dem ästhetischen Gefüchl wird unerträgliches zugemutet. Die Geißelung des Herrn, die blutigen Striemen an seinem Körper, die Verspottung durch die Kriegsknechte, die Aufrichtung ^d es Kreuzes, das Brechen der Beine der mitgekreuzigten Schächer, der Lanzenstich in die Seite des Herrn und der sich nach ihm ergießende Blutstrom, das Herausziehen der Nägel aus den durchgrabenen blutenden Händen, das alles wird dem Auge mit unerträglicher Treue vorgeführt. Zu dem ästhetischen Grauen, welches die Vorführung roher Gewalt und Gesinnung hervvrruft,

Uhr per Extrazug und soll die Ankunft in Magdeburg auf dem Magdeburg-Leipziger Bahnhof um 10 Uhr erfolgen. Es sind zum Empfange auf dem Bahnhof befohlen der Oberpräsident, der Kommandant, der Polizeipräsident und Der Oberbürgermeister. Vom Bahnhofe aus begiebt sich Se. Majestät nach dem Domplatze und hält dort Parade über die Magdeburger Garnison ab. Um 11 Uhr findet Vorstellung der Behörden im Palais statt. Während dieser Cour findet der Aufmarsch der Kriegervereine auf dem Domplatze statt. Um 12 Uhr wird Se. Majestät eine Fahrt durch die breite Straße und den breiten Weg, auf welchem die Gewerke und Schützengilden Spalier bilden, nach dem alten Markt machen, und es werden sich vor dem Rathause Magistrat und Stadtverordnete aufstellen woselbst Gesang der vereinig­ten Männergesangvereine und Ansprache erfolgt, worauf die Kaufmannschaft, die Gewerke und die Schützengilde im Festzuge vorbeidefilieren werden. Um l'/z Uhr soll als­dann eine Fahrt durch die große Schul- und Kaiserstraße vor sich gehen, um l3/* Uhr die Besichtigung der land­wirtschaftlichen Ausstellung folgen. Nachdem um 21/2 Uhr die Besichtigung der Festungswerke durch Se. Majestät er­folgt ist, kehrt derselbe ins Palais zurück, um alsdann um 4 Uhr an Dem in den Räumen der Loge Ferdinand zur Glückseligkeit stattfindenden Festessen teilzunehmen. Abends 7 Uhr findet Festvorstellung im Theater statt und die Ab­reise von Magdeburg per Extrazug um 9 Uhr 15 Mi­nuten. — Am 3. Juni soll das Fest Nachmittags 5'/r Uhr mit sämtlichen Glocken der Stadt eingeläutet werden. — Die von der „Kieler Zeitung" der „Berlinske Tidende" vom 25. Mai entnommenen Notiz über unzureichende Fahr- geschwmdigkeit und Tiefgang und deshalb veranlaßte Re­vision der K. Yacht „Hohenzollern" ist vollkommen aus der Lust gegriffen. Es unterliegt vielmehr keinem Zweifel, daß die Yacht den an sie gestellten Anforderungen in jeder Beziehung entspricht.

Goslar, 29. Mai. Die hiesige seit zwölf Jahren be­stehende städtische Realschule 1. Ordnung soll jetzt durch Errichtung von vier Gymnastalklassen erweitert werden. Die Verhandlungen hierüber sind schon seit einigen Jahren mit der Regierung gepflogen. Zur Unterbringung dieser Klassen ist eine Vergrößerung des jetzigen Realschulgebäudes erforderlich. Die zu diesem Baue nötige Summe von 70,000 Mk. ist kürzlich von den städtischen Kollegien be­willigt. Es ist dieses seit 1804 die erste Bewilligung von Geldern aus dem Kämmereivermögen, da seit dem genannten Jahre bis jetzt die sämtlichen hiesigen Schulen aus dem Fonds errichtet und unterhalten sind, welcher derzeit aus den hier eingezogenen Stiften und Klöstern gebildet und von Seiten der preußischen Regierung, in deren Besitz die bis dahm reichsunmittelbare Stadt auf kurze Zeit kam, gesellt sich die Wahrnehmung grobsinnlicher Täuschungen*), welche an Schaustellungen der niedrigsten Art errhmern, unb so muß die ganze Darstellung der Kreuzigung für das ästhetische und religiöse Gefühl gleich unerträglich werden. Wenn trotz alledem die Darstellung auf einen großen Teil der Zuschauer, namentlich auf die süddeutschen Landleute, für welche das Passionsspiel ein Wallfahrt-fest geworden ist, ihre Wirkung nicht verfehlt, so liegt das in der Auffassung des Spieles als einer gottesdienstlichen Handlung, und wenn jeder diese Auffassung teilen könnte, das Drama als eine Art Gottesdienst — ähnlich jenen mittelalterlichen Passtonsspielen, welche ur­sprünglich als Bestandteile der kirchlichen Feier angesehen und durch Geistliche selbst und in der Kirche dargestellt wurden auf sich wirken ließe, dann würde ein großer E der Kluft zwischen dem Ideal der dargestellten Wirk- uchkett ausgefüllt werden. Aber Die Oberammergauer Spiele sind Modesache geworden und unsere Zeitungs- knttker sorgen in den Tagesblättern dafür, daß auch noch der letzte Rest heftiger Scheu abgestreift wird. Vom pro­testantischen Standpunkte ist eine Verquickung von Theater und Kirche, wie |ie sich in den Oberammergauer Passions­spielen aus den mittelalterlichen Spielen erhalten Hal, ganz zu verwerfen. (gj sg j

q. ., ®er Darsteller des Christus ist mittels eines unter dem Trikot verborgenen Panzers an dem Kreuz befestigt, seine Füße ruhen auf einer äußerlich nicht sichtbaren Platte, die Nägeln sind zwischen den Fingern durchgeschlagen; der Blutstrom nach dem Lanzenstich ergießt sich aus einer an der Spitze der Lanze be­findlichen mit Blut gefüllten Blase, welche beim Anstoßen an einen harten Gegenstand platzt. Ter Christusdarsteller hat zu diesem Zweck an der Seite unter dem Trikot eine Platte de- TPntrtT ■. T