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Nr. 127

Marburg, Mittwoch, 2. Juni 1880

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veränderte Annahme der Vorlage, aber nur für ein Jahr lang; die Liberalen wollen die Vorlage ändem. Es hängt nun alles von der Haltung des Centrums ab. Stimmt dieses dagegen, so ist die Vorlage schwerlich in einer für die Regierung annehmbaren Gestalt zu stände zu bringen, weil die Liberalen sich schwerlich mit den Konservativen über eine für die Regierung annehmbare Gestalt vereinigen werten, und um dem Centrum, der Fortschrittspartei und den Polen gegenüber das Gesetz zu Stande zu bringen, würde ein großer Teil der Liberalen mit den Konservativen stimmen müssen.

Enthält sich aber das Ceutrum der Abstimmung, so werden die Konservativen uno die freikonservative Fraktion

Christi in Jerusalem und die Vertreibung der Wechsler aus der Tempelhalle, 2) die Versammlung des hohen Rats, in der das Einschreiten gegen den Herrn beschlossen wird; dazu vorher als Vorbild: Die Beratschlagung der Brüder Josefs über dessen Untergang. 3) Christus in Bethanien, die dienende Martha, die Salbung durch Maria, des Judas Unzufriedenheit über die Vergeudung des kostbaren Oels, endlich der Abschied Christi von den Freunden. Dazu vorher als Vorbilder: Der Abschied Tobiä und die Klage der Braut um den Verlust ihres Bräutigams nach dem hohen Liede. 4) Christi letzter Gang nach Jerusalem, sein Weheruf über die sündige Stadt; die Abordnung zweier Jünger zur Bereitung des Osterlammes; der Entschluß des Judas, den Herrn zu verraten. Dazu vorher als Vorbilder: Die Verstoßung der stolzen Vasthi und die Erhebung der Esther als Hinweisung auf den Fall des stolzen Jerusalem und auf die Erhöhung der Heiden. 5) Die Darstellung der Fußwaschung und des heiligen Abend­mahls; als Vorbild: die Speisung,der Israeliten in der Wüste mit Manna und die Darbringung der großen Weintraube beim Einzug in das gelobte Land. 6) Judas erscheint im hohen Rat und verspricht, den Herrn um 30 Silberlinge zu verraten; als Vorbild: die Brüder Josefs verkaufen diesen um 20 Silberlinge. 7) Jesus am Oel- berg, sein Leidenskampf; Judas verrät ihn in einem Kuß, das Einschreiten des Petrus; die Heilung des Malchus; Christi Gefangennahme und Wegführung; als Vorbilder: Adam im Schweiße seines Angesichtes das Feld umgrabend, eine Hinweisung auf den blutigen Schweiß, den der Herr im Gebetskampfe vergoß: und Joab, wie er den Amasa während der Begrüßung mit einem Kuß den Dolch in den Leib stößt.

Tagesbericht.

Die feierliche Proklamation der Verlobung des Prinzen Wilhelm mit der Prinzessin Augusta Victoria von Schles- wig-Holstein-Sonderburg-Augustenburg wird am Mittwoch den 2. Juni durch den Kaiser auf Schloß Babelsberg voll­zogen werden.

Die Commission des Abgeordnetenhauses zur Vorbe­ratung der Kirchenvorlage hat sich gestern alsbald consti- tuiert; ihren Beratungen wird der Cultusminister mit Geh. Rat Hübler beiwohnen. Dieselbe besteht aus den Abgeordneten Rauchhaupt, Graf Limburg, Grimm, Hammer­stein und Wedell (konservativ), Zedlitz, Schmidt - Sagan, Graf Wintzingerode (freikonservativ), Bennigsen, Cuny, Weber, Gneist, Kieschke (nationalliberal), Klotz, Bergenroth (Fortschritt), Windthorst, Brüel, Schorlemer, August Reichen­sperger, Franz (Centrum), Stablewski (Pole). Vorsitzender wird Rauchhaupt, Stellvertreter Schmidt.

Die kirchenpolitische Vorlage ist am vorigen Sonnabend /nicht, wie die liberalen Blätter hofften, einfach abgelehnt sondern an eine Commission von 21 Mitgliedern verwiesen worden. Es fragt sich nun, was dort aus der Vorlage werden wird. Die Konservativen sind für möglichst un-

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den Liberalen gegenüber eine genügende Majorität Her­stellen können. Im Centrum scheint die der Vorlage zu­geneigte Stimmung an Ausdehnung zu gewinnen und man hofft noch, daß das Centrum derselben als einem kurzen Jnteymisticum, welches zum dauernden Frieden führen soll, zustimmen wird. Es ist ja, wie gesagt, möglich, daß der Entwurf, auch wenn sich das Centrum der Abstimmung enthält, Gesetz wird, aber gewiß ist es nicht; sobald einige Abgeordnete der konservativen Fraktionen bei der Abstim­mung fehlen und die Liberalen alle anwesend sind, wird er fallen. Dem Centrum stellen sich also zwei gleich un­günstige Aussichten gegenüber, nämlich: 1) die Vorlage wird abgelehnt. Was dann wird, ist noch sehr zweifelhaft. Vielleicht wird die Regierung die Kammer auflösen. Ob dadurch aber die Sachlage geändert würde, ist fraglich. Oder 2) die Vorlage wird unter dem Druck der liberalen Partei verändert. Das dürfte dem Centrum womöglich noch unangenehmer sein, als die gänzliche Ablehnung. Wir wüßten deshalb nicht, was das Centrum besseres thun könnte, als der Vorlage nach dem Vorschlag der konser­vativen Partei auf eine bestimmte Zeit zuzustimmen. Dann erscheint die Vorlage wirklich als ein provisorischer Ver­ständigungsversuch ohne eigentliche prinzipielle Bedeutung, und das Centrum würde seinen kirchlichen Prinzipien nichts vergeben; denn es hängt ja alles davon ab, was die Re­gierung mit der Curie innerhalb eines Jahres zu stände bringt. Das Centrum greift durch Annahme dieser Vor­lage für eine bestimmte Frist der Entscheidung der Curie keineswegs vor, und was an der Vorlage bereits definitiv an den Maigesetzen geändert ist, wie die Beschränkung der Kompetenz des kirchlichen Gerichtshofes, das ist ja im Sinne des,Centrums geändert. Das Centrum mag thun, was es für Recht hält, aber wir würden es für einen großen Fehler halten, wenn es diese Vorlage ablehnte.

Wie demD. M.-Bl." aus Wien gemeldet wird, soll der Nunttus Jacobini geäußert haben, er glaube zuver­sichtlich an die Erreichung eines modus vivendi zwischen Preußen und dem Vatikan, trotz des momentan ungünstigen Standes der Angelegenheit. Die preußische Kirchenvorlage dürfte der Ausgangspunkt neuer Unterhandlungen werden und zum modus vivendi führen.

Den Gerichtsbehörden ist das Erkenntnis des Reichs­gerichts über die Strafbarkeit des Verkaufs von Losen auswärtiger, in Preußen nicht zugelassener Lotterieen amt­lich mitgeteilt worden. Besonders wird darin ausgeführt, daß die hier in Betracht kommende preußische Verordnung vom 5. Juli 1847 durch den §. 286 des Reichsstrafgesetz­buchs nicht außer Kraft gesetzt worden sei. Dies sei auch in den Motiven zu dem §. 286 nach richtiger Auslegung derselben zum Ausdruck gebracht."Die Bestimmung des $ 8 des Reichsstrafgesetzbuchs, wonach Ausland im Sinne

Das Pasfiovsspiel in Oberammergau.

(Fortsetzung)

Neben der Leidensgeschichte wurde der zweite Hauptbe­standteil des Spieles erhalten, 28 lebende alttestamentliche Bilder, welche sich durch die neutestamentliche Haupthand­lung hindurchziehen. Beide Gruppen werden verbunden durch den Chor, welcher den Zusammenhang der lebenden Bilder mit der dramatischen Darstellung zu erhalten und zu er­klären hat. Zu dieser Bearbeitung schrieb der Lehrer des Dorfes eine leicht faßliche und fließende Musik. Diese Form ist bis heute maßgebend geblieben und immer wieder I ist sie unter ungeheurem Zudrang des PMikums wiederholt worden. Wegen der Neugestaltung des Passionsspieles konnte die nächste Aufführung erst 1811 stattfinden. Die folgenden fanden 1815 und 1820 statt und von da ab wieder regelmäßig alle zehn Jahre. Ueber das Verhältnis der alttestamentlichen dramatischen Handlung und über den leitenden Gedanken des ganzen Spieles spricht sich das Spielbüchlein folgendermaßen aus:Bei der neuen An­ordnung wurde ein vorzügliches Augenmerk darauf gerichtet, die Leidensgeschichte Jesu nicht getrennt für sich, sondern in ihrer Verbindung mit den prophetischen Vorbildern des

ÄLröc den Monat Juni werden von allen Post- V anstalten (auf dem Lande von den Landpost­boten) Bestellungen auf die

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Mustrirtes Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die Expeb. -. Oberh. Zeitung.

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Anzeigen nimmt entgegen:

Expedition d. Blatte-, f0®ie d.Annoncen-Bureaux Mn Ty. Dietrich & So. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Kaasenstein & Bögler in HranksMt a. M., Berlin, Jxjxzix, Tölu re.; Rudolf «offe in Berlin, Frank­furt a. M. u.

alten Testaments dazustellen, um die die große Wahrheit j zu vergegenwärtigen, daß die ganze Geschichte nur ein Ziel i habe, Jesum Christum."

Wir geben nun nach dem offiziellen Spielbüchlein eine -Uebersicht des ganzen Schauspiels. Dasselbe zerfällt in Ibrei Hauptabteilungen. Die erste Hauptabteilung reicht Kvom Einzug Christi in Jerusalem bis zur Gefangennahme utnt Ortberg, die zweite von da bis zur Verurteilung durch ' *vßilatu8, die dritte bis zur Auferstehung. Die erste Haupt- I abteilung enthält folgende Vorstellungen: 1) der Einzug

Anzeigen nimmt entgegen MeSxpebitio« b. Blatte- sowie d-Annoncen-Bureaux von @ L- Daube & So. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendan! in Berlin: W ThieneS in Aderfeld; 6. Schlotte in Bremen.

dieses Strafgesetzes jedes nicht znm deutschen Reiche ge­hörige Gebiet ist, hat da, wo es sich um Auslegung des früheren Landesstrafrechts handelt, keine Bedeutung. Durch die Verfassung des deutschen Reichs (Artikel 3 und 4) und durch ergänzende Gesetze ist in Beziehung auf das Lotteriewesen eine Gemeinschaft der einzelnen Bundesstaaten nicht begründet. In dieser Beziehung hat der Begriff des Auslandes eine Aenderung nicht erfahren. Besteht hier­nach die Verordnung vom 5. Juli 1847 in dem gedachten Umfange noch gegenwärtig in Kraft, so ergiebt sich hieraus die Zurückweisung der Nichtigkeitsbeschwerde" u. s. w.

Die Delegirten der deutschen technischen Hochschulen, die vor einigen Wochen in Berlin zu einer Konferenz ver­einigt waren, haben jetzt den Wortlaut ihrer damaligen Beschlüsse der Oeffentlichkeit übergeben. Die Ansicht der Konferenz ging dahin, daß ein Bedürfnis zur Herbeiführung anderer Zustände bezüglich der Ferien nicht vorhanden fei, daß es aber für notwendig anerkannt werde, daß die Sommerferien so geordnet seien, daß der Beginn des Wintersemesters der einen technischen Hochschule nicht etwa mit dem noch bestehenden Sommersemester einer anderen collidiere. Unter Ausschluß jeder Art von Aufnahme­prüfungen sollen nur solche Personen als Studierende zu­gelassen werden, welche das Reifezeugnis eines Gymnasiums, einer Realschule erster Ordnung ober einer Gewerbe- bezw. Industrieschule besitzen, welche die Staatsregierung als gleichberechtigt mit den beiden vorgenannten Lehranstalten erklärt hat. Zwischen technischen Hochschulen, bei betten ble Aufnahme in der vorgedachten Weise erfolgt, findet volle Freizügigkeit statt. Denjenigen Studierenden, welche eine technische Hochschule verlassen, ist in bestimmter Form zu bezeugen, daß dieselben dem Verbände der betreffenden tech­nischen Hochschule nicht mehr angehören. Ferner soll da­hin gewirkt werden, daß bett technischen Hochschulen das Recht der Verleihung des Doktorgrades zuerkannt werde und daß an allen technischen Hochschulen gleicharttge Prü­fungen abgehalten werden, welche den Zweck haben, bett Studierenden Gelegenheit zu geben, die wissenschaftliche Ausbildung im ganzen Umfange ihres Fachs nachzuweisen. Diese Prüfungen sollen vor Commissionen abgehalten wer­den, welche aus Mitgliedern des Lehrkörpers der Hochschulen zusammengesetzt sind. Das Bestehen derselben soll als Vorbedingung für den technischen Staatsdienst festgesetzt werden und zwar hält es die Conferenz für zweckmäßig, daß die Prüfung in zwei Abschnitte zerlegt werde, von ' denen die erste bereits nach zweijährigem akademischem Kur­sus abzulegen ist.

Der konservative Verein zu Minden - Ravensberg in Westfalen hat an das Abgeordnetenhaus eine von 7482 Unterschriften bedeckte Petttion um Einführung der geheimen

Die zweite Hauptabteilung enthält folgende Vorstel­lungen: 1) Jesuö vor dem Hohenpriester Hannas, der ihn in das Angesicht schlägt; als Vorbild: der Prophet Micha, der einen Backenstreich erhält, weil er dem König Ahab die Wahrheit sagte. 2) Jesus vor Kaiphas; fein Verhör und seine Verurteilung; seine Verleugnung durch Petrus; seine Verspottung und Mißhandlung durch die Knechte des Hohenpriesters; als Vorbilder: die Verurteilung des un­schuldigen Naboth durch falsche Zeugen und die Beschim­pfung, welche Hiob erfährt. 3) Jesus vor dem hohen Rat; die Bestätigung des von Kaiphas ausgesprochenen Todesurteils; Judas erscheint voll Reue und wirst dem Rat die 30 Silberlinge hin, geht von Verzweiflung ge- ttieben hinweg und erhängt sich; als Vorbild: des Bruder­mörders Kain Verzweiflung. 4) Christus vor Pilatus; als Vorbild: die Verklagung Daniel bei dem König Darius. 6) Christus vor Herodes, der von ihm ein Zeichen zu sehen wünscht; als Vorbild: der gefangene Simson, welcher den Philistern zu höhnender Kurzweil dient. 6) Christus zum zweiten Mal vor Pilatus, seine Geißelung und Dornenkrönung; als Vorbilder: des Josef blutbesprengter Rock wird dem greifen Jakob gebracht, und der im Dornengestrüpp sich verwickelnde Widder, der statt Jsak dem Abraham znm Opfer bestimmt wird. 7) Der gegeißelte und gekrönte Christus wird von Pilatus dem Volke vorgestellt, Barnabas freigegeben und die Verurteilung Christi dem Pllatus von der tobenden Menge abgedrungen; als Vorbilder: Josefs Erhöhung und Darstellung vor dem Volke; sodann aus dem jährlichen Versöhnungsopfer die Lo­sung über die zwei Böcke, von denen der eine entlasten, der andere für die Sünden des Volkes geschlachtet wird.

(Schluß folgt)

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiettagen. Preis für das Quattal mit der wöchentlichen BeilageJlnftrirteS SonuragSvlatt" durch die Ervedition tKvL'scke Buchdruckerei) Mögen Wart, durch di- Postämter deS Deutschen Reiches 2 Wart 50 W9 (efcl SefteHgebfiM- > bie gespaltene Zelle 10 Pfa * *

Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.