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Marburg, Sonnabend, 29. Mai 1880.

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Anzeigen nimmt rmgegen: die Expedition d.vlattr», sowie d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Löffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; haasenstein & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, CSln rc.; Rudolf Mgffe in Berlin, Frank-- furt a. M. re.

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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d.vlatte» sowie d-Annoncen-Bureaux von ®. L. Daube & Co. in Frankfurt«.M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermannffche Buchhandl. daselbst; Juvalideudank in

Berlin; W. Thienes in

Elberfeld; $. Schlotte in

Bremen.

ür den Monat Juni werden von allen Post­anstalten (auf dem Lande von den Landpost­

boten) Bestellungen auf die

Bberhessifche Zeitung

mit deren Gratisbeilage

JllustrirteS DonrrtagSblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die Gxped. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht. ~

Die,Nordd. Allg. Ztg." publiciert drei Erlasse an den Fürsten Neuß, die Berhandlungen mit dem Pronuntius Jacobini betreffend. Ein Erlaß des Fürsten Hohenlohe vom 5. Mai constatiert den niederschlagenden Eindruck von der Unfruchtbarkeit der Verhandlungen, wie solche aus dem Verhalten der Centrumspartei sich ergebe. Man glaube mit Recht, daß der Papst keinen Einfluß auf das Centrum habe. Wenn ein solcher nicht vorhanden, was nütze denn der weltlichen Regierung eine Verständigung, die den^Papst befriedige. Die beiden anderen Erlasse des Fürsten Bis­marck vom 14. und 21. Mai betonen, der Widerstand gegen die Kirchengesetze sei aus dem Kreise des Klerus in die Vertretungskörper verpflanzt worden. Ungeachtet oes we­sentlich abgeschwächten Vertrauens, daß Verhandlungen mit der Curie zu einer Verständigung führen werden, s werde die Regierung in friedliebender Gesinnung und in ! Teilnahme für die verwaisten Gemeinden verharren und aus eigener Initiative heraus den gesetzgebenden Faktoren bezügliche Maßregeln Vorschlägen. Ueber den Moment der Fortsetzung der Verhandlungen mit der Curie werde man sich entscheiden, wenn der Landtag über die betrf>= sichtigte Vorlage beschlossen habe. In dem letzteren Er­lasse wird beklagt, daß der Papst die Ziele zu hoch spanne [ oder die Situation mißverstehe. Man könne nicht noch ein weiteres Entgegenkommen, aber noch weniger die Ab­schaffung des Gesetzes ohne den Landtag versprechen. Die Erklärung, wenn die preußische Regierung der katholischen Kirche nicht mehr zustehe, als in ihrer discretionären Ge­walt liege, so müsse die in dem Breve vom 24. Februar ausgesprochene Ankündigung als non avenue betrachtet werden, rechtfertige die Vorsicht, mit welcher man jene An- i, kündigung ausgenommen habe. - -,

Fürst Bismarck hat seine Besprechungen mit verschie­denen Parteiführern fortgesetzt und in den letzten Tagen eingehend mit den Abgcoroneten Miquel, beziehungsweise

von Bennigsen beraten. Es ist zweifellos, daß der Fürst besonderen Wert auf die Durchdringung der kirchlichen Vorlage legt, wenn er sich auch zu Abänderungen verstehen wird. Eine wett verbreitete Angabe, wonach dem Fürsten das Schicksal der Vorlage gleichgültig, ja ihre Ablehnung ihm insofern D erwünscht wäre, als er daran vielleicht eine Auflösung des Abgeordnetenhauses knüpfen werde, verdient höchstens als Kennzeichen für die Stimmung erwähnt zu werden. Ziem­lich zuverlässig sind die 160 Stimmen der Conservaliven für die Vorlage. Es blieben hiernach zu einer irgendwie entsprechenden Mehrheit etwa noch 50 Stimmen zu be­schaffen, die sich möglicherweise aus den Reihen der Rational- liberalen oder gar des Centrums finden werden; im Augen­blicke ist also über das Schicksal der Vorlage noch in keiner Beziehung ein Urteil zu fällen.

Die Konservativen beschlossen in der gestrigen Frak­tionssitzung für Ueberweisung der kirchenpolitischen Vorlage an eine Kommission zu stimmen, die Vorlage im Ganzen unter der Voraussetzung zu befürworten, daß die Gültig­keitsdauer des Gesetzes zeitlich begrenzt werde. Die Frei- konservattven wollen ebenfalls die Feststellung einer be- grenzten Gültigkeitsdauer, außerdem mehrfache Modifika- ttonen einzelner Paragraphen, namentlich der 4 und 9. Die Nationalliberalen halten ihre Verhandlungen, welche bis spät Nachmittags dauerten, geheim.

DieKreuz-Zeitung" constatiert den nachhaltigen Ein­druck der veröffentlichten offiziellen Aktenstücke auf die Frak- üonen des Abgeordnetenhauses. Die Vermutung, die größere Hälfte der Nationalliberalen werde vielleicht der von der Regierung begehrten Vollmacht zustimmen, habe viel Wahr­scheinliches. Den Eindruck auf die Mitglieder des Cent­rums könne man dahin präcisteren, daß dieselben nunmehr sämtlich gegen daS Gesetz stimmen würden, während man bis jetzt angenommen hatte, daß ein Teil desselben sich der Abstimmung enthalten werde.

Rach der dem Bundesrat vom Reichskanzler vorgelegteu Uebersicht der Ergebnisse des HeereS-Ergänzungsgeschäfts rm Reichsgebiete für das Jahr 1879 wurden für die 15 Armeekorps in den Listen geführt 1,135,292 Mann, darunter für die großherzoglich hessische Division 22,153, für das königlich sächsische Armeekorps 69,332, für das königlich württembergische Armeekorps 41,486, für das 14. Armee- korps 38,906 und für das 15. 41,774. Als unermittelt blieben in den Listen 33,062 Mann, ohne Entschuldigung blieben aus 95,260, zurückgestellt wurden 430,257, aus­geschlossen wurden 1126 Mann, ausgehoben wurden 114,529 Mann; es blieben überzählig 15,541 Mann, freiwillig traten ein 16,514. Von den ausgehobenen Mannschaften traten in das Landhcer 112,515 Mann, in die Flotte 1013. Wegen unerlaubter Auswanderung wurden verur­

teilt 12,780 und in Untersuchung blieben 11,860. In den bairischen Armeekorps wurden von den in den giften geführten 103,368 Mann ausgehoben 17,059.

Die Eröffnung der italienischen Parlamentssesston wurde, wie bereits telegraphisch mitgeteilt, durch eine Thronrede eingeleitet, die auch außerhalb Italiens nicht unbeachtet bleiben dürfte. Inmitten des Parteigetriebes und seiner wechselnden Schlagworte steht die Kuugebung aus dem Munde des Souveräns wie ein unverrückbarer Markstein im Wege zu den Zielen der inneren und äußeren nationalen Wohlfahrt. Wenn die Parteien ihren Eifersüchteleien den Laufpaß geben und ihr-Mandat pflichtgemäß erfüllen wollen, so bietet ihnen die Beratung und Fertigstellung der dem Könige angekündigten Gesetzesvorlagen Gelegenheit zu ernster legislatorischer Arbeit in Hülle und Fülle. Bei der Reichhaltigkeit des vorgelegten Programmes der inneren Reformen versteht es sich eigentlich ganz von selbst, daß Italien jedwede abenteuerliche Politik nach Außen ent­schieden von der Hand weisen muß. Das ergiebt sich aus dem bezüglichen Passus der Thronrede, welcher zunächst der andauernd guten Beziehungen Italiens zu allen Mächten erwähnt und sodann die Mitwirkung dieser Macht an allen gegenwärtig in Betracht gezogenen Maßregeln der europäischen Diplomatie behufs Durchführung der noch unerfüllt gebliebenen Bestimmungen des Berliner Vertrages zusichert.

Deutsches Reich.

** Berlin, 27. Mai. Angesichts des heranrückenden Termins, an welchem die Akademie des Bauwesens ins Leben treten soll, dürfte ein Rückblick die Entwickelung der bezüglichen Einrichtungen im Laufe der letzten dreißig Jahre von Interesse sein. Im Jahre 1848 wurde im Monat April die Verwaltung des öffentlichen Bauwesens auf das Ministerium für Handel, Gewerbe und öffentliche Arbeiten übertragen. Durch allerhöchste Verordnung vom 14. Ja­nuar 1850 wurde nach den Bestimmungen über die obere Verwaltung des Bauwesens vom 22. Dezember 1849 die von der Oberbaudirektion bisher wahrgenommenen Geschäfte der Abteilung für das Bauwesen des gesammten Ministe­riums übergeben und gleichzeitig die technische Baudepu- ^tton errichtet. Dieselbe hatte den Zweck, das gesammte Baufachs m künstlerischer und wissenschaftlicher Beziehung zu repräsentieren, die gesammte Anwendung allgemeiner Grundsätze im öffentlichen Bauwesen zu prüfen, Erfahrungen und Vorschläge zu begutachten und für die weitere Aus­bildung des Baufachs Sorge zu tragen. Auch fungierte diese Deputation bis 1875 als Kuratorium der Bauaka­demie und bis 1876 als Prüfungsbehörde für Bauführer und Baumeister. Eine solche Organisation der Deputation und die ihr mannigfach ^erteilten Aufgaben ließen in der

Bon der internationalen Aischerei-Ansstellnna i« Berlin.

(Schluß.)

Der ganze Mann ist, wie jeder große Geist, Kernspruch und Sentenz, und der oberste Grundsatz Cirios ist:Es gibt keine Entfernungen mehr." Ja, er hat gewisse Grundsätze, über die sich Schreiber dieses erst nach vielen Reisen und Erfahrungen klar geworden ist und die den - Mann in den Augen manches strengen Geistes als ein recht verlorenes Weltkind erscheinen lassm müssen. Er meint, es müßten nun bald Reisehandbücher geschrieben werden, in denen gute Küchen und Gerichte mit einem Sternchen bezeichnet ^würden und es sei wohl keine minder lohnende Aufgabe für einen Reisenden, eine gute Speise zu erforschen, als einen schönen Berg. Ja, er hält sehr f wenig von den Völkern, die nur essen, um zu leben, und meint vielmehr, man müsse feine Nahrung danach ein» f richten, um sich wohler zu fühlen. Und doch Übersicht und leitet dies verlorene Weltkind ein Geschäft, das jähr­lich 40 Millionen in Bewegung setzt und eine tägliche Ausgabe von 3000 Lire erfordert.

In Turin residierend leitet er selbst das ganze weid- verzweigte Unternehmen mittels eines Heeres von Beamten, die er nach Talent und Verdienst besoldet und zum Teil auch an seinem Unternehmen interessiert, so daß Einzelne es auf 40,000 Lire jährlichen Verdienstes bringen. Agenten lhat er keine; er haßt und verfolgt sie vielmehr wie der Hai die kleineren Fische, beim, sagt er, es sind Schmarotzer, .die von der Arbeit anderer Leute leben. Ausgedehnte ^Landstriche bebaut Cirio selbst. Man hat ihn für einen (Narren gehalten, als er sich in den römischen Sümpfen

mit Kartoffeln versuchte, aber das Weik ist gelungen. Jetzt hat er eine Gesellschaft zur Urbarmachung weiterer striche im Ferrarestschen gegründet und geht mit dem Plane um, die römische Campagna in einen Garten um» zuwandeln.Bei der jetzigen Weidewirtschaft", sagt er, »nährt sie Einen Principe und tausend Bestien, aber fortan soll sie tausend arme Teufel nähren."

Die Million Eier verschickt er als Mitglied einer Ge­sellschaft, die Gemüse auf eigene Rechnung und Gefahr. Die Waggons kommen meist aus dem Neapolitanischen. Florenz ist der Sammelpunkt. Ankunft und Zahl wird von dort telegraphisch nach Turin gemeldet uno dort er­folgt wiederum telegraphisch die Verteilung an die ver­schiedenen Länder und die Benachrichtigung der Vertreter in den Städten, von Paris an bis Petersburg. Mancher, der über Bremen gereift ist, wird den Namen Cirio auf gewissen Waggons gelesen haben. Cirio hat deren 200 eigene auf den bairischen Eisenbahnen laufen, eine Ver­günstigung, wie er mit besonderem'Nachdrucke zu bemerken pflegt, der intelligenten bairischen Verwaltung.

Ich will mich nicht darüber anslaffen, was ein so unternehmender Geist für unsere öffentliche Wohlfahrt be­deuten kann. Was darüber zu sagen wäre, ist vor einiger Zeit schon in der Kürze in einer öffentlichen Bittschrift der italienischen Gemüse und Südfrüchte an den General« Postdirector Stephan ausgedrückt gewesen. Jedenfalls ist es nicht das Beispiel allein, was manchem nützlich sein kann, denn es dürfte nicht ohne Jntereffe fein zu hören, baß der energische Mann bei den materiellen Arbeiten für die berliner Ausstellung, bei denen er eigenhändig mitschaffte wie ein Taglöhner, nicht ohne Befremden seine sämtlichen deutschen Gchülsen abfallen sah, nachdem sie zwei oder

drei Tage von morgens vier bis abends zehn mit ihm ge- schafft, was ihn einigermaßen über unsere Ernährungsweise bedenklich machte, die nach seiner Ansicht nicht besonders geeignet sein könne, um Körper und Geist in rechter Spannkraft zu erhalten. Aus dieser Ausstellung aber hat ein so kluger Geschäftsmann nicht erscheinen wollen, ohne einen Schlag auf die dicke Trommel zum Besten des eigenen Erwerbs und zum Besten seines fischreichen Vater­landes zu thun.

Mit der geringfügigen Summe, die von der Regierung des Landes ausgesetzt ist, würde die italienische Fischerei nur eine sehr ungenügende Vertretung gefunden und den vielen, leider eben so schwer besiegbaren wie abgeschmackten Vorurteilen des deutschen Publikums gegenüber sicher wenig Nutzen von der Ausstellung gezogen und uns ge­bracht haben. So hat Cirio aus eigenen Mitteln auf zwei Schautischen, die alle Mitbewerber aus dem Felde schlagen, ausgestellt, was das gesegnete Land zu bieten hat, auf dem einen frische Fische, die in Eisver- Packung nach Berlin gekommen sind, auf dem anderen serven von Seeprodukten. Da lagen an 150 verschiedene Sitten biefer schmackhaften Schuppenträger, darunter sämt- uche Sorten der drei größeren oberitalienischen Binnen- seeen, Störe, im Po gefangen, von 500 kg, Schwertfische, von wunderbar zartem und saftigem Fleisch, noch alle im fnschen Parfüm des Meeres und nach nichts anderem ver­langend als nach der Küche und der Bratpfanne. Aber freilich, wer glaubt in Berlin an tote italienische Fische, so lange uns die Heringstonnen und die Stcckfischbünde'l nicht aus­gehen? Eine überzeugendere Sprache redeten schon die in Salz, Esfig, Oel oder Gelee eingemachten Störe, Sar­dinen, Boghe, Schwertfische, aber bei diesen kostbaren