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Marburg, Sonntag, 16. Mai 1880

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Die Tochter des Fregatteucapitäns.

Novelle von Fritz Mühlbach.

(Fortsetzung.)

Man male sich Ethelstons Gefühle ausl AlS ihn nach und nach der Schleier von den Augen sank, ward er bleich und bleicher, kalter Schweiß trat auf seine Stirn, als er Nina bewußtlos vor sich liegen sah. Allein Nina's Lage erforderte augenblicklichen Beistand; er raffte sich gewaltsam empor, riß eine Citrone von einem nahen Zweige, zerschnitt sie und rieb der Ohnmächtigen Schläfe und Hände mit dem kühlen, erfrischenden Safte. Allmählig kam sie wieder zu sich; ein mattes Lächeln irrte über ihre Wangen, als sie sich in seinen Annen ruhend fand. Sie schloß aufs Neue die Augen, wie in einem seligen Traume; Ethelston wagte nicht, sie zu stören. Die üppigen schwarzen Locken ver­schleierten nur halb das holde Gesicht und er seufzte laut bei dem Gedanken, unvorsichtiger Weise den Mehlthau

Am Pftngstfeste.

Es prangen Hanö und Garten, geschmückt mit grünen Mai'n;

O du, den wir erwarten, wann ziehst du bei uns ein?

Sieh, meiner Seele banget nach dir mit Sehnsuchtsschmerz, o, komm in meine Hütte, o, zieh in dieses Herz!

Ja, wenn ich gläubig flehe: „tritt auch in meine Thür!" so schmückst du meine Seele wohl auch zum Tempel dir!

Drum bin ich still und schaue vertrauend auf zum Licht, Die Huld, auf die ich baue, verschmäht mein Hoffen nicht.

Dann wird er kund sich geben, der süße Himmelsgast, Und von der Brust mir heben jedwede Kummerlast.

Mit Kraft und heilgem Mute, mit Liebe inniglich Und jedem Himmelsgute wird er beschenken mich..—

Wird Frieden mir gewähren und Freud im tiefsten Leid, und mich besiegen lehren die Trübsal dieser Zeit.

ir.s.

7101.

Frankfurt a.M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst,; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Juvalidendanl in Berlin; 88. ThieneS in Elberfeld; ü. Schlotte in Bremen.

Anzeigen nimmt emgegen: die Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstei« & Bögler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln re.; Rudolf Moste in Berlin, Frank­furt a. M. re.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Matte» sowie d-Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in

l5tfdie “»uÄudetei" 1 x“" bfur* bie «lp-dition (Koch'sche

Für in der Expedition zu ettheilende Auskunft und!llnnahrn? b" flef”flUene 3cUe 10 *fg.

durchaus noch nichts bestimmt ist, der Zollanschluß für die Stadt Altona keinerlei Vorteile haben könne.

Der Minister der geistlichen Angelegenheiten hat an den Obcrpräsidenten der Provinz Posen eine Verfügung erlaffen, wonach mit der Zunahme von Erledigungen katho­lischer Pfarrstellen die Frage eine immer größere Bedeu­tung gewinnt, in wie weit bei der gegenwärtigen Lage der Gesetzgebung gesetzmäßig angestellte Geistliche für befugt zu erachten sind, durch Verrichtung einzelner geistlicher Amtshandlungen in erledigten Pfarreien für die Befriedi­gung des dringendsten religiösen Bedürfnisses zu sorgen. Der Minister teilt dann diejenigen Gesichtspunkte mit, von welchen die Verwaltungsbehörden bei dieser Frage auszu­gehen haben. Die §§ 1 bis 3 des Gesetzes vom 11. Mai 1873 über die Vorbildung und Anstellung der Geistlichen würden nur da zur Anwendung kommen können, wo einem Geistlichen eine Thätigkeit in einem bestimmten Amte über- ttagen werden soll, wenn sich auch diese Thätigkeit nur als Stellvertretung oder Hülfeleistung darstelle. Geistliche Amtshandlungen an sich seien nicht Gegenstand dieser gesetz­lichen Bestimmungen. Mit Rücksicht darauf sei die Regie­rung bei Erlaß des Gesetzes darüber nicht zweifelhaft ge­wesen, daß einzelne geistliche Amtshandlungen, welche von gesetzmäßig angestellten Geistlichen in erledigten Pfarreien vorgenommen werden, ohne dabei die Absicht zu bekunden dort ein geistliches Amt zu übernehmen, den Strafbestim­mungen des Gesetzes nicht zu unterwerfen sind. An dieser Sachlage sei durch das erläuternde Gesetz vom 21. Mai 1874 eine Aenderung nicht eingetreten, da es zunächst die Strafbestimmungen bei Umgehungen des Gesetzes erweiterte Schließlich betont der Minister die Festhaltung des Grund­satzes, daß einzelne von gesetzmäßig angestellten Geistlichen in erledigten Pfarreien vorgenommene Amtshandlungen nAt schon an und für sich strafbar seien. Daß die „Germama mit der „halben Maßregel" nicht zufrieden ist, bedarf keiner Erwähnung; daß man andererseits aus anderen Gründen mit derselben nicht zufrieden ist, bedarf ebenso wenig der Erwähnung; sehr bemerkenswert aber ist der auch von der „Germania" hervorgchobene Umstand, daß Staatsanwalte und Gerichtshöfe die Verfügung voll­ständig zu ignorieren berechtigt sind. Ob es der Staats- regierung würdig ist, Staatsangehörige in eine Lage zu verlocken, welche sie mit den Gerichten in Conflikt bringen kann, ist eine nicht schwer zu beantwortende Frage.

Um die Abwickelung der von der Staats-Eisenbahnvcr- waltung mit Unternehmern und Lieferanten geschlossenen Verträge im Interesse der Letzteren thunlichst zu beschleu- Nlgen, ist, wie der Minister der öffentlichen Arbeiten in einem Erlaß vom 5. Mai hervorhebt, auf die möglichste Verminderung derjenigen Fälle hinzuwirken, in welchen

Das wird die Thränen trocknen, und zu den Himmelshöhn, ein schönes Bundeszeichen, in lichten Flammen wehn.

O heiliger Geist, erscheine! still meiner Sehnsucht Schmerz! Erwecke, heilge, reine dir Lippen, Geist und Herz!

Es prangen Haus und Garten, geschmückt mit ftischen Mai'n; Geist Gottes, Heilverkünder, o Herr, zieh bei uns ein!

Tage-bericht.

In zahlreichen Blättern wird dem Reichskanzler der Ausdruck zum Vorwurf gemacht, womit er sein Bedauern ausdrückte, Herrn Delbrück Arm in Arm mit dem Centrum zu sehen. Jedenfalls hat aber Herr Delbrück, den Arm der ihm am 10. Mai durch den Führer des Centrums geboten wurde, angenommen. Das „Schwarze Blatt" jubelt heute, der Reichskanzler habe die Alternative gestellt: entweder das Centrum wird mattgestellt oder ich trete zurück. Und was war die Antwort? fragt das Blatt. „In der folgenden Sitzung nahm der Reichstag einen Antrag des Abgeord­neten Windthorst an, den dieser im Verein mit Delbrück (gestellt hatte, um gegen den Willen des Kanzlers dieElb- schifffahrtsakte für diese Session zu beseitigen." So das „Schwarze Blatt", welches nicht unterläßt, den Sieg des klugen Windthorst zu feiern. Andere wcht ultramontane Blätter sind sehr entzückt von der Antwort des Herrn Delbrück: wenn er mit seinem Anträge, die Veränderung der Zollgrenze auf der Elbe an das Gesetz zu binden, Parttkularist sei, so sei er es schon seit dreißig Jahren ge- wesen. Was würde man aber sagen, wenn ein Offizier, der dreißig Jahre im Frieden das Thor einer Festung täg­lich geöffnet hat, dies auch angesichts eines feindlichen Ueber- falls thun wollte und hierauf sagen: wenn er mit dieser Handlung einen Verrat begangen, so sei er seit dreißig Jahren ein Verräter. Einen anderen Wett hat aber die Entschuldigung des Herrn Delbrück nicht. Er mag seit dreißig Jahren Freihändler gewesen und damit allen seinen Pflichten nachgekommen sein, die Bekämpfung der Befugnis des Bundesrats zur Verlegung der Zollgrenze auf der Elbe ist bei ihm jedenfalls nicht 30 Jahre alt, wie der Reichskanzler hinlänglich nachgewiesen • hat. Wohl aber ist diese Bekämpfung eine Handlung, . welche dem PartikulariSmus dient, denn es handelt sich ■, nicht um den Freihandel, sondern um eine AuSnahme- * stellung im Reiche, um eine Ausnahmestellung, von der übrigens, auch durch die bekannte Stelle aus dem Schreiben vom 15. April nicht, — nicht bewiesen ist, daß sie durch die Elbschifffahrtsakte hat erschüttert werden sollen. — Hieran ist noch eine thatsächliche Mitteilung zu knüpfen. Die Blätter behaupten mit der größten Zuversicht, Nie­manden sei weniger am Zollanschluß gelegen als der Be­völkerung und der städtischen Vertretung von Altona. Nicht nur ist diese Behauptung vollkommen unrichtig, es ist auch Niemand anders als die Stadtvertretung AltonaS, und zwar in beiden Teilen — Magistrat und gewMe Ver­tretung — welche zuerst die Notwendigkeit einer direkten Eisenbahnverbindung Altonas mit dem Zollgebiet mit vollem Nachdruck hervorgehoben hat. Die städtischen Be­hörden WonaS sind es, welche erklärt haben, daß ohne । eine solche direkte Eisenbahn, über deren Linie übrigens

wegen Überschreitung der für die Vertragserfüllung be­stimmten Termine die nach den Verträgen verwirkten Con­venttonalstrafen berechnet und erhoben werden müssen, ob- wohl nach Lage der Verhältnisse deren gänzliche oder teil- weise Niederschlagung angezeigt erscheint. Da derartige Falle, häufig ihren Grund darin haben, daß begründete Anträge auf Verlängerung der vertragsmäßigen Lieferungs- snst Nicht vor dem Ablauf dem Minister zur Entscheidung vorgelegt werden können, so ermächtigt derselbe die königl. Eisenbahn-Direktionen und Betriebsämter, solchen Anträgen «rir pfilchtmäßigen Ermessen, sofern Gründe der Billigkeit für die Verlängerung vorliegen und der Verwal­tung _ ein Nachteil daraus nicht erwächst, zu entsprechen. Anträge auf Erlaß oder Ermäßigung von Conventional- fttafen sollen für die Folge allmonatlich gesammelt dem Minister vorgelegt werden. Diesen Anträgen soll eine sorg- talttge Prüfung der Frage vorausgehen, ob nach dem be- stehenden Recht eing, Conventionalstrase überhaupt ver-

Oesterreichische Zeitungen besprechen ein russisches Rund­schreiben wegen Montenegros. Ein solches Schriftstück soll wirklich vorhanden sein, lieber den Inhalt ist noch nichts Sicheres bekannt. Auch wurde bezweifelt, daß es schon allseitig beantwortet sei. Man muß also dahingestellt sein lassen, was jene Wiener Blätter über die von Rußland vorgeschlagenen militärischen Maßregeln angeben, wenn die Pforte das Abkommen vom 18. April nicht ausführe. Nur die Vermutung wird nicht gewagt erscheinen, daß es sich um einen auf die Türkei wegen der Verwirklichung jener Convention auszuübenden Druck handeln wird. Hält man das mit der englischen Anregung in dem Rundschreiben zusammen, die stch ja auch in dem einen der drei Punkte auf Montenegro bezieht und deswegen in erster Linie Vor­stellungen in Konstantinopel in Aussicht nimmt, so muß man wohl annehmen, daß, wenn die Pforte solchen diplo­matischen Vorkehrungen gegenüber zunächst passiv bleibt, sie anders zu verfahren sich außer Stande sieht. Die Türkei wagt auch nicht viel dabei, wenn die Albanesen und Montenegriner die Sache unter sich auöfechten. Man kann sie nicht wohl mit Waffengewalt zum Einschreiten gegen ihre bisherigen Unterthanen zwingen. Käme es wirklich zur Gründung eines selbständigen Albaniens, würde dieses, so mögen gewisse Kreise in Konstantinopel rechnen, unter die Oberhoheit der Pforte gestellt werden, diese also zum mindesten nicht schlechter fahren als bei dem jetzt in Aus­sicht genommenen Zustande. Allerdings müßte dann Mon­tenegro anderweitig entschädigt werden. Aber es wird schwerlich durch türkisches Gebiet geschehen. Das alles nur zur Kennzeichnung der Stimmungen, wie sie hüben und drüben bemerkbar sein sollen. Man bespricht andererseits noch immer den Gladstoneschen Widerruf sowie die öfter- unerwidetter Liebe auf eine so herrlich knospende Blume geworfen zu haben. Eine lange Stille trat ein; leise, fast besänftigend flüsterte der Wind in den Blättern des Orangen­hains; ringsum erglühte die Landschaft und der weite Spiegel des Oceans in den rotgoldenen Farben der scheidenden Sonne Alles schien verräterisch Liebe zu athmen; allein seine schon verpfändete Treue und der warme Edelsinn seines tugendhaften Herzens erhöhten nur noch seine Trauer Sem Entschluß war gefaßt; sobald Nina wieder zu sich' gekommen und etwas ruhiger geworden war, entzog er ihr den Arm, womit er sie unterstützt hatte, und sagte ernst und traurig: Theure Nina, ich will mich nicht über den Smn Ihrer Worte täuschen. Ich habe Ihnen Manches zu sagen; jetzt bin ich zu aufgeregt um mit Ihnen z» sprechen; Sie sind zu unruhig, mich an zu hören. Lassen Sie uns morgen um dieselbe Stunde hier zusammentreffen, beurteilen Sie mich weniger hart und glauben Sie, theure geliebte Schwester, eher möchte ich in Fieberglut auf meinem Krankenlager verschieden fein, als Ihrer Gefühle spotten. Damit eilte er, nicht weniger verwirrt und bewegt, als sie selbst, hinweg.

Lange saß sie, wie in einem wachen Traume, bewegungs- los da; seine letzten Worte klangen »och immer in ihren Ohren; ihr Herz deutete sie bald günstig, bald wi-^e- traten die düsteren Bilder vor ihre Seele. Er hat mir mel zu sagen, sagte sie sinnend er nannte mich seine theure Nma; seine Stimme klang teilnehmend, in seinem Ange J" 1 ctne Verwirrung, die ich nicht enträtseln kann. Aber, daß er mich nur theure Schwester genannt hat; was mag das heißen? Morgen, o wäre es morgen! Nur der Glaube an seine Liebe hält mich bis dahin am Leben. Wieder versenkte sie sich in Träumereien; ihre Phantasie

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