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Marburg, Mittwoch, 12. Mai 1880
XV. I-tz-ga-g
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.vlatte«, sowie d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in irankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Cöln rc. ; Rudolf jäsffe in Berlin, Frankfurt a. M- rc.
(Olicrl|tl'fifd|r ZeitW.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatter sowie d-Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalideudank in Berlin; W- LhieneS in Elberfeld; S. Schlotte in Bremen.
Lrscheim täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JklnstrirtrS LonntagSblatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen S; Wert, durch die Postämter des Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. lexcl. Bestellgebühr). - Jnsettionsgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.
Tagesbericht, ■ /
Der Kaiser ist am Montag früh kurz vor 9 Ühr wohlbehalten in Berlin eingetroffen. Prinz Christian von Schleswig-Holstein mit den beiden ältesten Achtern der verstorbenen Herzogs Friedrich von Augustenburg ist in Potsdam angekommen, empfangen von dem Kronprinzen, Prinzen Wilhelm und Erbprinzen und Erbprinzessin von Meiningen. Prinz Christian ist bei dem Kronprinzen in Bornstedt, die beiden Prinzessinnen bei den Meiningen'schen Herrschaften abgestiegen. ’iO ' -
Es heißt, die von dem bayerischen Gesandten v. Rud- hart erbetene Demission sei bereits seitens des Königs von Bayern genehmigt. -ist■ -t; i,
Die Petitionscommission des Reichstags hat sich in einer ihrer letzten Sitzungen mit der Frage der Aenderung des Reichsgcsetzes über den Unterstützungswohnsttz beschäftigt. Der Vorstand des ostpreußischen landwirtschaftlichen Centralvereins zu Königsberg hatte beantragt, das genannte Gesetz dahin abzuändern, daß die darin vorgeschriebene Altersgrenze vom 24. auf das 20, Lebensjahr, und die Aufenthaltsdauer von 2 Jahren auf 1 Jahr herabgesetzt und eine Bestimmung in das Gesetz ausgenommen werde, nach welcher mit Verlegung des Wohnsitzes eines Deutschen außerhalb der Grenzen des deutschen Reiches im Falle eintretender Hülfsbedürfligkeit jede Verpflichtung eines Ortsarmenverbandes zur Gewährung einer Unterstützung an denselben aufhöre, so wie, daß eine Declaration zu dem angeführten Gesetze erlassen werde, wonach derjenige Ortsarmenverband, welcher eine vorläufige Unterstützung gewährt habe, in den Fällen, in welchen der eigenttich verpflichtete Ortsarmenverband nicht zu ermitteln sei, dem Landarmenverbande gegenüber von der Beweislast der Negative entbunden werde.Zur Begründung war in der Petition geltend gemacht: Es sei notorisch, daß eine unausgesetzte Wanderung der jugendlichen Arbeiter beiderlei Geschlechts vom platten Lande nach den größeren Städten, und von dem ackerbautreibenden Osten noch vem industrie- reichen Westen Deutschlands stattfinde. Ein« umgekehrte Arbeiterbewegung greife dagegen nur ausnahmsweise Platz. Während das platte Land sämtliche Kosten für die körperliche und geistige Erziehung dieser Arbeiter getragen habe und durch deren steten Abgang einen fortdauernd«! Verlust an ArbeitSkapital erleide, falle das letztere in Form von ausgebildeten Arbei.Skräften den größeren Städten und Jndustriebezirken gleichsam als Geschenk zu. Diese Unbilligkeit werde durch die vorgeschlazene Herabsetzung der Altersgrenze und die Verkürzung btt zum Erwerb eines Unterstützungswohnsitzes erforderlichen Frist einigermaßen ausgeglichen. Zur Begründung der zweiten Fordetung
Die Tochter des Fregattemapitüas. ** .
Novelle von Fritz Mühlbach.
i Fortsetzung.)
Die feindlichen Boote rückten mit zugemesfenem, kräftigem Ruderschlage gegen die Brigantine heran. Ethelston übergab das Kommando der Feldschlange dem Bootsmamr; er selbst behielt sich die Carronaden vor und erteilte die gemessensten Befehle, unter keinen Umständen zu feuert^b ehe er oder Grcgson, der ihm, wenn er etwa fiele, im Oberbefehle folgen sollte, Feuer kommandierte. Während aller dieser Rüstungen blieb Cupido in seiner Küche und , schien, gleichgültig gegen Alles, blos mit seinen Töpfen und Pfannen beschäftigt zu sein. Ein solches Benehmen über» , raschle Ethttston, denn er wußte, daß der Schwarze nicht der stumpfsinnige Mensch sei, als welcher er sich jetzt zeigte. Deshalb ließ er ihn fragen, ob er im Fall eines Angriffs fechten wolle? Zugleich ließ er ihm einen Degen anbieten. Der Afrikaner grinste beim Empfang dieser Botschaft und entgegnete: er beabsichtige zu thun, was er vermöchte. Den Degen schlug er aus; er habe sich eine Röstgabel eigener Fabrik für die Monsieurs verschafft, dabei wies er dem-.- Bootsmann ein Stück von einer Gangspill, beren Ende er geschärft und in heißer Asche hartgebrannt hatte. Es war eine plumpe schwerfällige Keule, die in der Hand eines gewöhnlichen Menschen wenig Dienste gcthan hätte; aber seine gigantische Kraft befähigte ihn, sie wie einen gewöhnlichen Prügel zu handhaben.
Jetzt waren die Boote nahe. Lieutenant L'Estrange rief der Brigantine von seiner Schaluppe aus durch das Sprachrohr zu, die Flagge zu streichen und ihn an Bord zu nehmen. Keine Antwort. Nochmals forderte der Lieutenant auf, augenblicklich Gehorsam zu leisten, widrigenfalls
wurde angeführt:, Nach den jetzt geltenden Bestimmungen trete der BundesstÄ, brzw. .Landarmenverband nur dann für den aus dem Auslands übernommenen HülfSbedürf- tigen ein, wenn der letztere keinen Unterstützungswohnsitz habe, während andernfalls dem betreffenden Ortsarmen- verbande die Unterftützungspflicht zufalle.'- Zn dieser Bestimmung liege eine große Härte, zumal für die wenig leistungsfähigen Qrtsarmenverbände des,'platten Landes. Je größer der Verband sei, auf welchen diese Last gckgt werde, desto leichter werde dieselbe getragen werden können. Zur Begründung der dritten Forderung endlich wurde angeführt: Nach §. 5 deS Gesetzes vom 6. Juni 1870 gehe die Verpflichtung zur Unterpützuttg eines Hülfsbedürftigen auf den betreffenden Landarmenverband über, wenn kein Ortsarmenverband endgültig zur^ Unterstützung desselben verpflichtet sei. Nach §. 28 sei jeder Ortsarmenverband vorbehaltlich seines Regresses an den eigentlich Verpflichteten zur vorläufigen Unterstützung und der Landarmenverband nur in dem Falle zum Ersatz dieser Kosten verpflichtet, wenn der Unterstützte keinen Unterstützungswohnsitz habe. Dieser Nachweis, daß der Hülfsbcdürftige eines Unterstützungswohnfitzes entbehre, habe bisher dem Ortsarmenverband obgelegen, sei aber insbesondere da, wo es sich um die Ermittlung des Unterstützungswohnsitzes plötzlich verstorbener Armen handle, fast niemals zu führen, und eS entstehe dadurch eine unbillige Belastung des Ortsarmenverbandes. Die Petitionscommission hat diese Argument« im ganzen für treffend erachtet und beantragt, die Petition dem Reichskanzler als Material zur Revision des Unterstützungswohnsitzgesetzes zu überweisen.
Deutsche Geschäfsleute haben sich schon seit längerer Zeit durch die österreichischen Eisenbahndirektionen in der Couponfrage beeinträchtigt gefunden, indem diese bei der Auszahlung der Dividende statt, wie sie verpflichtet waren, die Zahlungen in Gold zu leisten, dieselbe in österreichischer Valuta leisteten, so daß in Folge dessen die deutschen Gläubiger einen nicht unerheblichen Ausfall erlitten. Um nun zu ihrem Rechte zu kommen, haben die deutschen Gläubiger bei den Gerichten in Oesterreich ein Proceßverfahren gegen diese betreffenden Eiscnbahngesellschasten eingeleitet, ohne indes bisher einen günstigen Erfolg errungen zu haben, vielmehr sind sie mit ihren Klagen abgewiesen worden, obgleich daS Recht jedenfalls auf ihrer Seite ist. Dieses Vorgehen dürfte überhaupt schwerlich von irgend einem weiteren Erfolg gekrönt sein und man möchte den deutschen Gläubigern überhaupt lieber auraten, den Weg der gerichtlichen Verfolgung nicht mehr zu betreten.. Dagegen ist anzunehmen — und wir haben guten Wund zu dieser Vermutung —.paß, wenn dieselben solidarisch auftreten und sich, wegen Vertretung ihrerMechtr tin den Reichskanzler wenden, dieser die Sache in Erwägung ziehen und sich ge- er feuern lasten würde. Auf der Brigantine regl/'sich' Niemand. Jetzt ließ er eine Carronade auf den Rumpf .des.Schiffes gbfeuern. Durch den Schuß ward ein Mann getödtet und zwei andere durch Splitter verwundet. L'Estrange hieß nun die Ruderer kräftig WrwÄts tzxingen. Die UebrigW hatten Befehl;: Jeden, der sich aus dem Decke oder dm Gallerien zeige, tsiederzuschießeu. "fite Boote Waren haus fünfzig Schrttte herängekommm, als Ethelston Feuer kommandierte. Gregson ziDe so richtig auf das kleinere Boot, daß die schwere KuMl ganz durch-, schlug;, das: Wasser drang sogleich em uns das Fahrzeug versank. Die Schaluppe fischte die am Leben Gebliebenm auf und nahm sie ay,-Bord.^"Inzwischen ließ Ethelston , den Traubenschuß abbröitnen; M WnLing war entsetzlich. Viele blieben auf der Stelle tot, die Wrigen wurden meist schwer verwundet. Trotz diefts mörderischen Feuers fuhr der tapfere junge Lieutenant mutig auf die Brigantine zu, und ließ in geringer Entfernuttg wiederum die Carronade abfeuern. Die Balken wurden,.s«rchtbar zerschmettert und während dsr^ mtstandenm Verwirrung klimmte er durch den Pulvevdachps mit seinen Lcutm an Bord. Jetzt entstand ein hitziges Handgemenge; den Franzosen gelang es, auf dem Verdecke festen Fuß zu fassen und die Mannschaft der Brigantine Zoll für Zoll zurückzudrängen. Ethelston focht wie ein Löwe, eine Stimme übertönte den Lärm des Gefechtes; er feuerte seine Mannschaft an und die kühnsten der Feinde hatten bereits die Schärfe seines Degens empfunden. Der junge L'Estrange war nicht weniger tapfer; seine Leute, an Zahl dmen Ethelstons überlegen, trieben diese allmählig mehr und mehr' zurück. Das hielt Cupido, der bisher unbemerkt in der Küche geblieben war, für die geeignetste Zeit, loszubrechen. Demnächst goß er einen
wiß bereit finden würde, ihren berechtigten Klagen Abhülfe zu verschaffen.
? ij. Deutsches Reich
**" »erlitt, 10. Mai. Die Zahl der jungen Juristen, welche die große Staatsprüfung bestehen wollen, hat schon fett längerer Zeit so zugetwmmen, daß in jeder Woche zweimal Prüfungen stattfinden, zu welchen jedcSmal sechs Candidaten geladen werden. Auch diese neue Einrichtung läßt den Andrang kaum bewältigen. In neuerer Zeit wird die-Erledigung der Prüfungen noch erheblich dadurch er- schyMt,. daß die geladenen Candidaten zu dem bestimmten Termin gar nicht erscheinen. Im laufenden Jahre sind bis zu Anfang des Monats Mai 31 Candidaten ausgeblieben und zwar ohne genügenden Entschuldigungsgrund, nur allein in der Erwartung, daß sie nach ihrem Gefallen einen anderen Termin sich wählen können. Hierdurch würden aber die Candidaten, welche ohne Grund den ihnen bestimmten Termin nicht einhalten, hinter alle übrigen zur Zeit für die Prüfung notierten zurückgestellt werden. — Die Korvette „Prinz Adalbert", an deren Bord sich Prinz Heinrich befindet, dürfte voraussichtlich am 1. Oktober d. I. in der Heimat eintreffen. Das am 3. d. formierte Uebungs- geschwader wird am 24. d. von Kiel auö in See gehen und nach kurzem Aufenthalt in der Ostsee, seine Hebungen in der Nordsee fortsetzen. — Zur Feier des 300jährigen Bestehens der Stadt Buenos AyreS wird daselbst im Herbst d. I. eine Industrie-Ausstellung stattfinden. Dieselbe wird unter dem Patronat der argentinischen Republik von einer zu diesem Zwecke gebildeten Gesellschaft veranstaltet. Am 15. September soll sie eröffnet werden und bis zum 15. Dezember dauern. In der Abteilung der Maschinen für landwirtschaftliche oder gewerbliche Zwecke sollen auch die Erzeugnisse aller Länder zugelasten werden, die in einer besonderen Abteilung mit einer besonderen Preiskonkurrenz aufgestellt werden soll. Wenngleich die deutsche Maschinenindustrie bei dem Bedarf in Argentinien bisher kaum beteiligt gewesen ist, so erscheint doch ein Versuch, neben dem bis jetzt dominierenden England und den Vereinigten Staaten dort ein Absatzgebiet zu finden, nicht aussichtslos. Es ist aber, um in dieser Beziehung einen Erfolg zu erzielen, von Wichtigkeit, die Leistungsfähigkeit der beteiligten deutschen Industrie durch Vorführung von Maschinen den dortigen Konsumenten thatsächlich vor die Augen zu bringen. Die Agentur der Ausstellung für Deutschland ist dem Hause Maynitzhusen und Werkenthin in Hamburg übertragen. Dieses wird jede Auskunft erteilen. Die Minister für Landwirtschaft und für Handel- und Gewerbe haben den Handelskammern diese Angelegenheit zur weiteren Förderung dringmd empfohlen.
Kiel, 9. Mai. Das Hofmarschallamt in Berlin hat hierher die Weisung ergehen lassen, das Schloß, welches großen Kessel voll siedenden Oels und Wassers über drei ober vier der Angreifenden aus, dann schlug er mit seiner großen Keule um sich herum, fast jeder Streich fällte einen Mann. Die entsetzliche Pein, welche die heiße Flüssigkeit verursachte, zugleich mit der Bestürzung, die der plötzliche Angriff im Rücken hervorrief, vollendete die Niederlage der Franzosen. In diesem entscheidenden Augenblicke glitt L'Estrange auö und fiel aufs Verdeck. Eben wollte Gregson in löten, als Ethelston, der aus einer schweren Kopfwunde blutete, herzufprang um ihn zu retten.
Der wütende junge Mann, vielleicht seine Absicht ver- kenmnd, zielte und schoß sein letztes Pistol auf ihn ab; kraftlos sank Ethelstons linker Arm nieder. Zorn funkelte in seinen Augen doch als Gregson wieder seine Hand erhob, um bett jungen Offizier nieder zu machen, schlug er sich wieder ins Mittel und befahl dem Bootsmann, ihn zu schonen. Der Semann gehorchte, wicwvl mit Widerstreben.
Jetzt ersuchte Ethelston den Lieutenant, seinen Degen abzugeben und ferneres Blutvergießen zu verhüten. Der junge Mann sah seine Leute meist überwältigt und verwundet; Kummer, Scham uns Zorn kämpften in seinen Zügen, als er ihn hinreichte. Ehe ich Ihr Schwert annehme, sagte Ethelston, hören sie meine Bedingungen. Verpflichten Sie sich mit ihrer Mannschaft auf Ehrenwort, nie während dieses Krieges wieder die Waffen gegen die Vereinigtm Staaten zu führen, wir mögen wieder gefangen genommen werden oder nicht. Die Schaluppe fällt mir als Beute zu.
L'Esttange gab diefes Versprechen und befahl seinen noch kampffähigen Leute«, die Waffen zu strecken. Alles, was nicht verwundet war, beeilte sich jetzt, den Verwundeten beizuspringen und die Tobten wegzuschaffen. Glücklicher-