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Nr. 107

Marburg, Sonnabend, 8. Mai 1880

XV. Mgang

»Mägen nimmt entgegen: bie Expedition d.Blatte«, sowie d-Annoncen-Bureaux von LH- Dietäch & Co. in Hoffet und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; naasenstein & Vogler in irankfurl « M-, Berlin, Leipzig. Mn tu; Rudolf Rosse in Berlin, Frank' fett a. M re.

GchkUchk- ZkitW.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blattet s owie d. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermamiffche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.

«rschemt iSgltch außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen- Preis für da- Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JffuftrirteS Somtta,-blatt" durch die Expedition (Koch'fche Buchdruckerei) bezogen 2', Start, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Start 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). - JnserttonSgebühr für bte gespaltene Zeile 10 Pf». Mr in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet.

Fortschrittspartei «ud Armee

II.

Auch die Fortschrittspartei konnte sich nicht ganz dem Eindrücke der großartigen Erfolge von 1866 und 1870/71 entziehen. Die Nörgeleien gegen die Armee und was mit ihr zufammenhängt, verschwanden für eine Weile aus ihren Reden und Zeitungsartikeln. Aber nur für eine Weile! In den jüngsten Verhandlungen des Reichstags über die neue Militärvorlage offenbarte die Fortschritts­partei wieder denselben Geist, mit dem sie die Konflicts- periode erfüllt hatte, nur die parlamentarischen Formen, in denen sich dieser Geist offenbart, sind nicht so gehässig, wie damals. Was der Fortschrittspartei aber in dieser Beziehung abgeht, das hat sie an Kleinmeisterei zugesetzt, Eugen Richter wußte es ja bekanntlich sogar zu tadeln, daß die Soldaten die Kartoffeln „zu dick" schälten. Nun ist es ja allerdings eine sehr schöne Sache um die Spar­samkeit und wir haben gar nichts dagegen .einzuwenden, wenn sich dieselbe bis in die kleinsten Einzelheiten des Lebens, unsertwegen bis aufs Kartoffelschälen des Soldaten, erstreckt. Aber man nennt die Sparsamkeit nicht umsonst eine Kunst. Als Kunst bewährt sie sich auch vadurch, daß zur rechten Zeit und am rechten Orte gespart wird. An der Armee zu sparen, dürfte aber unter den obwalten­den politischen Verhältnissen Europas schwerlich am Orte und an der Zeit sein. Auch wir wünschen von ganzem Herzen, daß die vielen guten Kräfte, welche jetzt jahrelang dem Waffendienste obliegen müffen, in wirtschaftlich er­giebigerer Weise für das soziale Leben des Vaterlandes verwendet werden könnten. Es ist ganz gewiß nicht bloö der Abg. v. Bühler welcher eine Abrüstung ersehnt. Aber wer soll damit anfangcn? Etwa Deutschland? Und wenn es sich dazu verstände, wer schaffte ihm die Gewiß­heit, daß seine Nachbarn, Frankreich und Rußland, nach­folgten? Ohne diese Gewißheit wäre aber dir Abrüstung seitens Deutschlands nichts anderes als ein Sichpreisgeben an den guten Willen Frankreichs und Rußlands. Daß überdies dieser Wille kein guter, sondern ein möglichst schlimmer ist, — die Faust in der Tasche — das kann, trotz des von Friedensliebe triefenden jüngsten Rundschrei­bens des französischen Ministers Freycinet, nur der in Abrede stellen, dem der Fremde immer edler und versöhn­licher gilt, wie der eigene Hausgenosse, waS unleugbar bei der fortschrittlichen Presse der Fall ist, die erst in diesen Tagen wieder den Fürsten Bismarck beschuldigte, daß er „Russenhetze" treibe. Im vollsten Einklänge mit dieser mindestens unpatriotischen Ausstreuen steht das Verhalten, welches dieselbe Preffe neuerdings wieder gegen die Armee beobachtet. Man kann ja — wir geben daS zu — ver­schiedener Ansicht sein über die Möglichkeit einer wenig­stens teilweisen Abrüstung, über Geldverwilligungen ü.

sNachdruck verboten-!

Die Tochter des Fregattcucapitäus.

Novelle von Fritz Mühlbach.

Zwischen den westindischen Inseln lauerten mehrere französische Fregatten und Corvetten aus die feindlichen Handelsschiffe der Vereinigten Staaten, als der junge Ca- pitän Ethelston mit einer Ladung Zucker und Kaffee an Bord seiner Brigantine von Portugal nach New-OrleanS zurückkehrte. Das kleine Fahrzeug gehörte einem reichen Bürger des Staates Ohio, Oberst Brandon, und war wohl aufgetakelt und bemannt; wenige französische Kreuzer konnten sich an Schnelligkeit mit dem „Stolz des Ohio" messen. Es führte drei Kanonen: zwei achtzehnpsündige Carronaden und einen langen Neunpfünder. Die Mannschaft bestand außer dem Capitän und seinem erfahrenen Botsmann Gregson noch aus zehn stämmigen Butschen uud einem Neger, der die Stelle eines Kochs und Proviantmeisters versah, und sich durch besonders innige Anhängluhkett gegen den Capitän auszeichnete.

Der „Stolz des Ohio" war zwei Tage unterwegs, da entdeckte Ethelston, als er um eine Landspitze auf der Süd­spitze von Cuba segelte, einige Meilen windwärts vor sich ein Schiff, allem Anscheine nach eine französische Fregatte. Der Bootsmann teilte diese Ansicht und Ethelston befahl sogleich alle Segel anfzuhissen, um womöglich dem feindlichen Kreuzer zu entgehen. Als nach ausgeführtem Befehl Gregfon zurückkehrte, reichte ihm.dieser das Fernglas und sagte: Es ist richtig eine französische Fregatte. Vielleicht können wir die Küste entlang fahren, ohne daß sie unser kleines Fahrzeug entdeckt.

Der Bootsmann richtete das Glas auf, das Schiff, dessen Rumpf jetzt deutlich sichtbar war. Wahrend seiner

dergl. in., aber welcher Ansicht man auch sein möge, so sollte man schon aus den einfachsten Billigkeitsrücksichten den Aerger über Niederlage der eigenen Ansicht nicht die Armee entgelten lassen, der wir obendrein alle, ohne An­sehung des Parteistandpunktes, nicht blos Rücksichten der Billigkeit, sondern auch des Dankes schuldig sind. Wie genügt nun die Presse der Fortschrittspartei diesen Rück­sichten? . .

Tagesbericht.

Dem Bundesrate ist ein Präsidial-Antrag zugegangen betreffend die Zusatzacte zur Schifffahrtsacte für die Donau­mündungen. — Die auf Mittwoch bestimmte Bundesrats- sttzung hat nicht stattgefunden, nur die Ausschüsse waren versammelt. ___________

Der König von Siam, welcher Mitte Juni in Berlin eintreffen wollte, ließ die Nachricht dorthin gelangen, daß er wegen Krankheit genöttgt sei, die Reise vorläufig auf- zujchieben -------. 2 Njy^, ,

Der „Kreuz-Zeitung" zufolge hätte der Oberkirchenrat am 4. d. M. sechs Stunden über den Protest gegen die Berufung des Predigers Werner an die Jakobi-Gemeinde in Berlin beraten, lieber die Entscheidung sei Näheres noch nicht bekannt. Es verlaute jedoch, es fei mit über­wiegender Majorität beschlvffen worden, das ganze Protest­material dem Pfarrer Werner mit der Aufgabe vorzulegen, auf bestimmt formulierte Fragen über feine Stellung zur Bibel, zum apostolischen Glaubensbekenntnis und ewigen Gotcheit Christi bündig zu antworten.

Ein Antrag LaSkers betr. die Einverleibung der Ham­burgischen Vorstadt St. Pauli in die Zoll-Linie ist jetzt beim Reichstagsbureau eingereicht. Die Hamburger Ab­geordneten Wolffson und Möring, welche von einer Audienz bei Fürst Bismarck zurückehrten, haben jenen Antrag nicht mitunterzeichnet. -, •

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Die „Provinzial - Correspondenz" giebt folgende Zu­sammenstellung: Das englische Parlament war am 24. März durch eine Botschaft der Königin aufgelöst und bis zum 13. April vertagt worden. Die successiv sich voll­ziehenden Wahlen ergaben eine steigende Majorität der verbündeten Whigs, Liberalen und Radikalen (im englischen Sinne). In Folge dessen legt Lord Beaconsfield, als Haupt eines konservativen Ministeriums, sein und seiner Kollegen Aemler in die Hand der Königin nieder, nach­dem die Vettagung des Parlaments bis zum 25. April verlängert war. Nachdem die Königin mit Lord Granville und Lord Hartington konferiert, berief sie das frühere Haupt der liberalen Partei, Herrn Gladstone, welcher ein Jahr

Beobachtung stieß er zwei bis drei unartikulierte Laute hervor und verzerrte dabei seine «ettergehärteten Züge ent­setzlich. Es ist nichts mehr oder minder als der höllische „Sperber", rief er endlich, einer der schnellsten Segler der ganzen französischen Flotte; er ist nicht der, der uns vor­beischlüpfen läßt. Walisisch oder Häring ist ihm gleich recht; er macht auf Alles Jagd.

Wird er nicht von L'Estrange befehligt? Ich glaube schon von ihm gehört zu haben.

Freilich . . . Capitän L'Estrange ist • ein lustiger alter Bursche und ein viel zu braver Seemann für einen solchen Monsieur Franzosen. Sehen Sie da, Sir, er ändert seinen Lauf bereits um zwei bis drei Linien, und zieht das Mars­segel auf. Wir werden gleich von ihm hören.

Sollten wir chm nicht entschlüp en, wenn wir uns der Straße im Osten näherten? Dann könnten wir scharf segeln und eine Jagd vor dem Winde bauert lange.

ES kommt auf einen Versuch an, Capitän. Allein der Wind ist gut uno die Fregatte, wird sich nicht leicht auf die Leeseite der Küste heranwagen. Wenn ich Ihnen rathen darf, so thnn wir bester, schnell um die Landspitze dort herum zu schießen und dann mit aller Macht auf den Kanal hinter der Insel Plino« loSzusteuern. Folgen Sie uns dahin, so kann ihr Kiel leicht die Bekanntschaft eine« Riffes machen.

Gut, Gregson, wir wollen das Kap umsegeln. Dicht angeluvt, Harrison! —

Kühn zerschnitt die kleine Brigantine die aufschäumen­den Wogen und bewährte chren Ruf als Schnellsegler trotz einer Segellast, wie sie wenig Schiffe von ihrem Tonnen­gehalte tragen konnten. Der Wind war frisch und die Fregatte änderte chren Sauf, offenbar in der Absicht, ihr

nach seinem Rücktritt vom Ministerium im Jahre 1874 die Leitung der Partei formell niedergelegt hatte. Glad­stone übernahm die Bildung des Kabinets, zu dessen Mit­gliedern in England weit mehr Träger hoher Aemter ge­rechnet werden, als anderwärts. Das Kabinet enthält, der Parteivereinigung bei den Wahlen gemäß, whiggistische, liberale und radikale Elemente. Gladstone ist erster Lord des Schatzes (Premier-Minister) und zugleich Schatzkanzler (Finanzminister). John Bright, neben Cobden der Stifter der Manchesterschule, ist Kanzler für Lancaster (Minister ohne Portefeuille oder bestimmten Dienstzweig). Forster ist Staatssekretär für Irland, Harcourt Staatssekretär des Innern, Childers Staatssekretär des Kriegs, der Herzog von Argyll ist Großsiegelbewahrer, Lord Granville Staats­sekretär des Auswärtigen, Lord Hartington Staatssekretär für Indien, Lord Northbrook erster Lord der Admiralität (Marineminister), Lord Selborne Lord-Kanzler, Lord Kim­berley Staatssekretär der Kolonien, Earl Spencer Präsident des Geheimrates, Marquis von Ripon Vicekönig von In­dien, Charles Dille Unterstaatssekretär im Auswärtigen Amt, Chamberlain Präsident des Handelsamts, Fawcett Generaldirektor der Posten, Dodsen Präsident des Depar­tements der Lokalverwaltung, Mundella Vicepräsident des Geheimenrats (Unterrichtsminister), Adam erster Kommissar des Bauamts, Henry James General-StaatSprokurator. Hierzu treten noch eine Anzahl Hofämter. Man rechnet die Zahl der Personen, welche bei einer Neubildung des Ministeriums in England ihre Plätze wechseln, auf drei­hundert. — DaS neue Parlament wurde am 29. April durch eine Kommission der Königin ohne Thronrede er­öffnet. DaS Unterhaus berief den Sprecher des voran­gehenden Parlaments, dessen Majorität eine konservative gewesen war, aufs Neue zu diesem Posten.

Die „Polit. Corresp." meldet aus Belgrad: Im Be­zirke Prizrend sind größere Ruhestörungen vorgekommen. Viele Serben wurden von Arnauten gelobtet 80 Familien retteten sich auf serbisches Gebiet.

Deutsche» Reich.

Berlin, 5. Mai. Die «Seite beim Fürsten Bismarck, die gestern Abend um 10 Uhr begann, war recht stark be­sucht, sowohl von Bundesrats- als Reichstags-Mitgliedern. Auch viele Damen waren anwesend. Der Kanzler, der in bester Saune war und seine Gichtschmerzen zu vergessen schien, unterhiett sich viel und lebhaft mit dem Präsidenten des Reichstages, dem Grasen Arnim-Boytzmburg, der auch beim Souper an der Seite des Fürsten blieb; die andere Seite hatte der Abgeordnete Windthorst, der jedoch seinen Platz an den Grafen Molkte abtrat. Es ist aufgefallen, daß der Kanzler die Oxeellenz Windthorst ganz besonders ausgezeichnet hat. Ferner unterhielt sich der Fürst ange-

den Weg abzuschneiden, um sie an der Umsegelung der Landspitze zu hindern.

Die Mannschaft bet Brigantine staub dicht zusammen- geschart, bie Augen fest auf bie Fregatte gerichtet unb be­sprach sich eifrig über ben wahrscheinlichen Ausgang; nur bet Neger Cupido wat in bet Küche mit bem Mittagsmahle so ruhig beschäftigt, als wäre keine feinbliche Fregatte unb kein felsiges Gestabe in bet Welt, unb doch kannte er so gut als irgend Jemand die ganze Gefahr, in welcher das Schiff schwebte.

Der „Sperber" hißte jetzt seine Flagge auf; die „Bri­gantine" beachtete dies nicht. Bald darauf fiel ein Schuß unb bie Kugel schlug unweit des kleinen Fahrzeuges ins Wasser. Da auch hiervon keine Notiz genommen wurde fing Die Fregatte an in allem Ernst zu feuern, zum Glück für die Verfolgten ging die See etwas hohl, unb bie ersten Schüsse thaten wenig Schaben. Die Matrosen blickten nicht ohne Besorgnis auf ihren jungen Capitän, begierig zu erfahren, wie er sich im Feuer benehmen würbe; benn wenn auch streng unb entschieden in seinen Befehlen, wat er doch gewöhnlich so sanft und ruhig, daß sie ihn eher für einen Gelehrten, als einen Soldaten hielten.

Ethelston betrachtete fest und und ruhig daS Kap vor sich, ohne auf die Fregatte zu achten; bann sagte er nach kurzem Schweigen ganz ruhig: Gregson, bie Strömung gegen bas Gestade ist hier zu stark, wir können hier nicht gegen den Wind das Schiff umwenden. — Sie haben recht, entgegnete der Bootsmann; bet „Sperber" sträubt seine Febern unb kommt jeben Augenblick näher. Segeln wir in biesem Striche fort, so zerschellen wir in der nächsten halben Stunde Beide am Gestade.

(Fortsetzung folgt.)