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Marburg, Mittwoch, 5. Mai 1880
XV. ZchlgMg
Anzeigen nimmt emgegen. tte Erpediticn d.Blatte«, sowie d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th- Dietrich in Frankfurt a.M.; Haascnstein & Voller in zrankfun a. M., Berlin, Lriprig, Cöln ic.; Rudolf Ilossc in Berlin, Arant- furt a. M- re.
(Olictlirffifdic Jritiinii.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d. Annoncen-Bureaur von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung bofelbft; Herrnann'sche Buchhandl. daselbst; Invalidendank in Berlin; W- Thiene- in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen-
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Bberhessische Zeitung
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Die Exped. 6. Oberh. Zeitung.
Tagesbericht.
Gestern Nachmittag 3 Uhr fand eine Plenarsitzung des Bundesrat« statt, für welche die am 1. Mai in Berlin unterzeichnete Uebereinkunft mit der Schweiz wegen Verlängerung des Handelsvertrages vom 13. Mai 1869 bis zum 30. Juni 1881 und der Gegenantrag Hamburgs gegen die Einverleibung Altonas und der Vorstadt St. Pauli in die Zoll Linie zur Beratung stehen. Der von dem Hamburger Bundesrats - Bevollmächtigten Versmann überreichte Antrag, datirt 27. April, stützt sich auf die bisherige Praxis, daß vor dem bezüglichen Beschlüsse des Bundesrats eine Verständigung mit der beteiligten Negierung erfolgte, sowie auf Artikel 34 der Reichsversassung. — Die revidierte Geschäftsordnung des Bundesrats tritt am 10. Mai in Kraft. Die Substitutionen von Bundesrats-Bevollmächtigten sind von da an nach der neuen Geschäftsordnung durchgeführt.
Die „Nordd. Allgem.Ztg." bezeichnet die von der fortschrittlichen Presse colportierten Gerüchte über den bald bevorstehenden Rücktritt des Fürsten Bismarck als unbegründet. Der Reichskanzler habe in der durch seinen Gesundheitszustand ihm auferlegien Zurückhaltung Veranlassung gefunden, sich den eigentlichen ministeriellen Berufsgeschäften in auswärtigen und inneren Angelegenheiten anhaltender zu widmen, als es ihm zu anderen Zeiten wegen der Beteiligung an den parlamentarischen Arbeiten möglich gewesen. Er habe selbst erklärt, täglich größeres Interesse und größere Arbeitslust für die ministeriellen Geschäfte zu gewinnen. Seine sonstige Neigung, jede Gelegenheit zum Landaufenthalt zu benutzen, sei vor dem gesteigerten Interesse an der dienstlichen Thätigkeit in den Hintergrund getreten. _____________
Gegenüber der Fiction, daß der Artikel 34 der Verfassung, wenn er von dem Gebiete der Hansestädte und dem umliegenden Gebiete spreche, dabei der älteren Hamburger Sprachgebrauchs bewußt gewesen, welcher zwischen
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Ein Prophet.
Novelle von Karl Liegen.
(Fortsetzung)
Doch nur einen Augenblick währte Mariens Bestürzung; bald kehrte ihre frühere Besonnenheit zurück, und mit klarem Blick überschaute sie ihre Lage. Mutig und beherzt trat sie ihrem Verführer entgegen, der ihren Blick schuldbewußt, wie er war, nicht auszuhalten vermochte und, um seine Verlegenheit zu verbergen mit dem Federkiel spielte, mit welchem er kurz vorher wiederum mehrere Todesurteile unterschrieben hatte. „Wo ist mein Vater?" war die erste Frage der geängsteten Jungfrau. „Der ist ein Majestäts- Verbrecher und in sicherem Gewahrsam, aus dem ihn nichts als die Willfährigkeit seiner lieblichen Tochter zu erretten vermag;" entgegnete ihr der König, nachoem er einigermaßen seine Fassung wiedergewonnen hatte, und ermutigt durch die Aussicht, dieses Mädchen doch noch sich geneigt zu machen. Zugleich gab er ihr ein Blatt in die Hand, auf dem ihres Vaters Todesurteil geschrieben war. „Noch steht mein Name nicht darunter", fügte er besänfttgend hinzu; nennt mich nicht grausam. Ich lege das Geschick ihres Vaters in die Hand seiner Tochter. Der ist ein Thor, welcher einen solchen schätz ohne Entgelt heraus- giebt." Marie war einer Ohnmacht nahe, ihre Knie wankten und die zitternde Hand ließ das verhängnisvolle Papier zur Erde fallen, doch ermannte sic sich allmählig, gestärkt und gehoben von einem Gefühle, das nur großen Seelen eigen ist, und mit Beschwörung und Bitten suchte sie daS harte Herz des Räubers umzustimmen, in dessen Gewalt sie gegeben war. Und wirklich gelang ihr dieses, wenn auch nur insoweit, als ihr der König, welcher immer
einer regierenden Stadt und deren Landgebiete unterscheide, hebt die „Nordd. Allgem. Ztg." hervor, der Ausdruck „Gebiet" sei an allen Stellen der Verfassung, worin er mindestens zwölfmal vorkomme, gleichbedeutend mit Staatsgebiet gebraucht. Eine Unterscheidung zwischen Stadtgebiet und Landgebiet lasse keiner dieser Artikel zu. Unter dem Ausdruck „Hansestadt" sei stets ein souveräner Staat in seiner Stellung als Mitglied des Bundes bezw. Reichs begriffen gewesen. Es sei einleuchtend, daß diese souveränen Staaten in ihrer gesamten Ausdehnung weder als Freihäfen noch überhaupt als Häfen denkbar seien. Hätte die Freihafenstellung durch die Verfassung in dieser Weise zu- gesichert werden sollen, so wäre eö von Haus aus unmöglich gewesen, Hamburger Gebietsteile in das einheitliche Reichs- zvllgebiet einzuschließen.
Die Gewerbesteuer-Commission des Reichstags hielt am Sonnabend ihre letzte Sitzung, in welcher der Abgeordnete Dr. B a u m b a ch über die zahlreichen Petitionen berichtete, welche aus allen Teilen Deutschlands in der Jnnungsfrage von coirservativen Vereinen, Handwerkervereinen, Gewerbe- Kammern, Halidwerker-Jnnnngen und sonstigen Verbänden, sowie von einzelnen Interessenten, eingegailgen sind. Nicht weniger als 325 Petitionen, welche sich auf diese hochwichtige Angelegenheit beziehen, liegen dem Reichstage vor, und zwar sind es verschiedene Richtungen, nach welchen diese Kundgebungen zu gruppieren sind. Während die Dele- girtenkonferenz deutscher Gewerbekammern in München am 4. und 5. Juni v. I., deren Petition vorliegt, sich noch wesentlich auf dem Standpunkte der Jnnungsfreiheit bewegte, verlangen zahlreiche Petenten jetzt schlechthin die Einführung von Zwangsinnungen, indem es vielfach für eine ausgemachte Sache erklärt wird, daß auf dem Booen der dermaligen Gewerbeordnung ein befriedigendes Ergebnis in dem Streben nach Neubelebung der Innungen nicht zu erreichen sei. Wohl wird der Erlaß des Staats Ministers Maybach vom 4. Januar 1879 in vielen Petitionen mit Freudigkeit begrüßt, jener Erlaß nämlich, welcher zu einer Neubelebung des Jnnungswesens auf dem Boden der dermalen geltenden Gewerbeordnung aufforderte und insbesondere die Staats- und Gemeindebehörden zur Mitwirkung in dieser Hinsicht ermahnte; allein vielfach wird der Ansicht Ausdruck gegeben, daß man schon jetzt zu der Ueberzeugung gelangt sein müsse, daß nur durch eine radicale Aenderung der Gewerbeordnung, namentlich nur durch Rückkehr zu den Zwangsinnungen Abhülfe geschafft werden könne. Nicht soweit gehen dagegen die Petitionen anderer Körperschaften, welche mehr auf dem Standpunkte der Antragsteller und auf dem der confervativeu Mehrheit der Gewerbe- commisston stehen, indem sie Ausstattung der Innungen mit gewissen öffentlich rechtlichen Befugnissen verlangen, denselben die Aufsicht über das gesamte Lehrlingswesen
noch durch seine Beredsamkeit ihren spröden Sinn zu beugen hoffte, bevor er zu dem letzten Mittel, zu offener Gewalt- that griff, einen Tag Bedenkzeit gab. Hierzu bewog ihn außer seinem Wankelmut — denn seine Getreuen mußten ihn oft gewaltsam dazu drängen, einen Entschluß zu fassen — teils eine flüchtige Aehulichkeit mit seiner Mutter, die er, obwohl er sie heimlich verlassen, doch noch innig liebte, teils aber rührte ihn auch der Jungfrau Unschuld selbst, die ja, wie bekannt, oft über das verstockteste Herz des Räubers den Sieg davon trägt. Kurz, er entschloß sich, wenn auch mit schwerem Herzen ihr die kurze Frist eines Tages zu gewähren. Er ergriff ein auf dem Tisch stehendes Glöckchen, auf deffen Klang zwei Diener herbeieilten; diesen gab er den Befehl, die Jungfrau in ein Gemach seines Palastes zu führen, welches auf der Westseite gelegen und seit der Herrschaft des König-Propheten wohl nicht benutzt worden war.
VIII.
In der Mitte dieses Gemachs, das durch seine Einfachheit gar sehr von dem Prunk und Glanz der übrigen Zimmer abstach, befand sich nichts als einige kunstlose Sessel und ein Lager von Holz, über welches der eine von den Dienern eine leichte Decke warf; darauf verließen sie beide; und sie hötte noch wie die feste Thür gewaltsam in die Angeln schlug und von außen ein Riegel vorgeschoben wurde, dann war Alles still und Marie hatte nun Zeit, über ihr trauriges Schicksal nachzudenken. Uruhig warf sie sich auf das harte Lager; aber kein Schlaf wollte ihr die müden Augenlieder zuvrücken. Immer sah sie die schreckliche Gestalt deö Tyrannen, immer dm mtsetzlichm Tod ihres Vaters vor Augen. Die Hände gefaltet, betete sic zu dem Herrn der himmlischen Heerschaaren. Und wunderbar, wie von uu-
(auch bei Nichtinnungsmeistern) überweisen und teilweise sogar nur Jnnungsmeiftern die Annahme von Lehrlingen gestatten wollen. Letzteres wird z. B. von verschiedenen Corporationen Westfalens verlangt. Auch der Handelsund Gewerbeverein zu Apolda hat sich in dieser Hinsicht mit dem „Anträge v. Seydewitz" für einverstanden erklärt. Die Gewcrbekammer zu Dresden will das LehrlingSwesen an tie Innungen und gewerblichen Korporationen in der Weise überwiesen haben, daß jeder Lehrling bei einer Fach- korperation ausgenommen, geprüft und losgesprochen werden muß; im übrigen will die Dresdener Gewerbekammer, welche dieserhalb eine besondere E iquote in ihrem Bezirk veranstaltet hat, keine Zwangsinnungen. Auch der Centralverband der deutschen Uhrmacher in Berlin spricht sich gegen Zwangsinnungen aus, will aber die Aufsicht über die Lehrlinge den Handwerkerverbänden überweisen, auch sollen die Lehrlinge bei diesen Verbänden ein- und ausgeschrieben und obligatorische Lehrlingsprüfung eingeführt werden. Eine überaus große Anzahl von Petitionen ist ferner von der Leipziger Polytechnischen Gesellschaft und von verschiedenen sonstigen Körperschaften in Leipzig ausgegangen , indem sich diese zahlreiche Gewerbetreibende, Vereine und Corporationen in den verschiedensten Teilen Deutschlands, namentlich in Sachsen und Thüringen, an- geschtossen haben. Diese Petitionen erklären ausdrücklich, daß keinem Gewerbetreibenden das Recht entzogen werden soll, Lehrlinge auözubilden.
Deutsches «eich.
** Berlin, 3. Mai. Unter der Ueberschrist „Finanzverwaltung" bringt die „Brest. Morgenzeitung" in einer ihrer letzten Nummern ein Artikel, in welchem ausgeführt wird, daß die traditionelle Sparsamkeit aus der preußischen Finanzverwaltung entschwunden sei, daß der entscheidende Einfluß, welchen der preußische Finanzminister auf die Reichsfinanzwirtschaft geübt habe, feit dem Rücktritt des Herrn Camphausen sich nicht mehr geltend mache und daß der geschaffene Reichsschatzsekretär, welcher nur für die Feststellung der Ausgaben, nicht auch für deren Deckung zu sorgen haben, weil ihm dazu die Matrikularbeiträge zu Gebote ständen, keine so dringende Veranlafsung habe, sparsam zu sein. Thatsachen, auf welche diese wunderbaren Anschauungen sich stützen könnten, sind nicht angegeben, und man fragt sich vergebens, in welchen Positionen die letzten preußischen oder Reichsetats, oder in welchen Verwaltungsmaßregeln die Grenzen der Sparsamkeit überschritten worden sein möchten. Ebenso unerfindlich ist es, wenn behauptet wird, daß der preußische Finanzminister jetzt weniger als früher auf die Reichsfinanzgebarung Einfluß übe. Die Schaffung der Stelle des Reichsschatzsekre- tärS bedeutet doch nur, daß in der Reichsverwaltuug selbst die finanziellen Interessen noch entschiedener als bisher
sichtbarem Engelschor umschwebt, schlummerte endlich die Schwergeprüfte ein, das erste Mal in ihrem Leben von dem teueren Vater und der geliebten Schwester getrennt. Draußen am Fenster wütete der Sturm und heulte grauenvoll um den Thurm des heiligen Lambertns; als wären alle Elemente entfesselt, ergossen sich schwere Gewitterwolken über die arme Stadt und der Regen fiel in Strömen auf die verödeten Straßen; sie aber hörte es nicht, die arme Duldende, ruhig und gottergeben lag sie da in dem dunklen Gemach, sie schlief den Schlaf des Gerechten, während der göttliche Prophet, von den Furien der Reue gequält umsonst den süßen Sorgenstiller auf sein verbrecherisches Haupt herabflehte.
IX.
Eben machte, als sich das Unwetter einigermaßen gelegt hatte, Frundöberg, der Feldhauptmann der bischöflichen Belagerungsarmee, kummervoll die Runde durch das Lager und ermunterte die Wachen, welche hier und da zum Schutze desselben ausgestellt waren. In seinen dichten Mantel gehüllt, war er bis an die äußerste Spitze des Lagers vorgegangen und überblickte in Gedanken versunken das nahe Gebüsch, welches sich eine gute Strecke vor ihm hinzog. Da glaubte er aus demselben ein eigentümliches Geräusch zu vernehmen, wie wenn eine Fallthür behutsam geöffnet würde. Schnell schritt er auf die Stelle zu, die feinen Verdacht plötzlich so rege gemacht hatte, doch ehe er noch das Gebüsch erreichen konnte, erhob sich aus demselben ein junger stattlicher Mann, die Mütze tief in die Stirn gedrückt und eilte mit raschen Schritten auf den erstaunten Feldhauptmann zu, vor dem er ehrfurchtsvoll sein Haupt entblößend stehen blieb. Frunvsberg, welcher anfangs einen Hinterhalt befürchtet hatte, war bald durch die ehrliche