Einzelbild herunterladen
 

Nr. 108

Marburg, Sonntag, 2. Mai 1880

XV. M.'Mg

Anzeigen nimmt emgegen: Mt Expedition d.vlattes, sowie d-Annoneen-Bureaux von Th, Dietrich & So. in Raffel und Hannover; Th. Dietrich in Franifurt a.M.; Haasenstein & «ogler in Frankfurt a- M,, Berlin, L-ipzig, Löln tu; Rudolf Koffe in Berlin, Arank- fnn a. M. il

(Olicrlirffifdir Zcitiuig.

Anzeigen nimmt entgegen dte Expeditton d. Blattes sowie d.Annoncen-Bureanx von G L- Daube & So. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Juvalidendank in Berlin; ei. ThienrS in (toetfelb: S. Schlotte in Bremen

Ärsheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen Preis für daS Quartal mit der wöchentlichen Beilage ..ZRuftrirteS 6ottntaa96latt" durch die Sroebition itfnAfAo Buchdruckeret) bezogen 3k Mark durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Warf 50 . (epiSeMgebW) 'S gefSene fi10 ffa

Für m der Expedttion zu erihe,lende Auskunft und Annahme von Adressen werden 35 Pf«, berechnet.

ür die Monate Mai und Juni werden von allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellungen auf die

Kberhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

Jllu striktes Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die Exped. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

Der Bundesrat trat gestern um 2 Uhr zu einer Plenar­sitzung zusammen.

Der Aussichtsrat der Südseebandelsgesellschaft (Samoa) beschloß gestern, eine außerordentliche Generalversammlung behufs Wahl von Liquidatoren auf den 24. Mai einzu­berufen. ____________

Betreffs des vom senioren-Convent des Reichstages für den 11. Mai in Aussicht genommenen Schlusses deS Reichstages schreibt dieRordd. Allg. Ztg.": Den Bundes­regierungen und deren Organen sei über den Sessionsschluß bisher nichts bekannt; auch sei es kaum wahrscheinlich, daß hierüber im Reichstage Entscheidung getroffen worden, da Berufung und Schließung deS Reichstages verfaffungS- mäßig dem Kaiser zustehe. Die Entscheidung deS Kaisers dürfte bisher kaum feststehen, da noch eine erhebliche Zahl Vorlagen zu erledigen sei und für die kaiserlichen Ent­schließungen doch auch die Rücksicht auf die Regierungen ins Gewicht falle, aus deren Arbeiten jene Vorlagen her­vorgegangen. .

Fürst BiSmarck soll parlamentarischen Freunden gegen­über erklärt haben, er würde, wenn es sein Gesundheits­zustand irgend gestattet, bei der nächsten Beratung deS Har ^clSvertrageS mit Oesterreich-Ungarn im Reichstage er­scheinen, weil er es angesichts der Vorkommnisse in Eng­land, für nötig halte, in voller Oeffentlichkeit und in amt­lichem Charakter sich über die politische Lage zu äußern. Damit erledigen sich jedenfalls auch vollständig alle Ge­rüchte von einer beabsichtigten Reichstagsauflösung.

Wie das neueste halbamtliche Archiv für Post u. s. w. nach einem anderen Fachblatte berichtet, trifft die schwei­zerische Postverwaltung Anstalten, um die Postfelleisen be­reits im nächsten Somnckr mit Locomotiven durch den Gotthardtunnel befördern zu lassen. Der letztere wird somit bereits vor der Eröffnung der Eisenbahn durch den St.

Em Prophet.

Novelle von Karl Liegen.

(Sortierung)

Der M ister begrüßte ihn in althergebrachter Weise. Das schnell von Margarethens geschäftiger Hand bereitete bescheidene Mittagsmahl vereinigte hierauf die glücklichen zu traulichen Gesprächen, in deren Verlauf der brave Jüng- ling die Erzählung seiner Erlebnisse und die Beschreibung von all den fremden Städten, die er auf seiner Wander­schaft gesehen hatte, den aufmerksam seinen Worten lauschen­den Mädchen wiederholen mußte.

IV.

Verlassen wir nun diese Stätte beS Friedens und der Eintracht, um uns zu einem anderen Schauplatz zu begeben. Hier saßen in dem mit allem Prachtaufwand ausgestatteten Gemach des Palastes der König oder, wenn wir ihn so nennen wollen, Johann, der Schneider von Leyden, und sein treuergebener Minister Krechting, der ursprünglich einer von den angesehendsten Bürgern der Stadt, aus Privathaß gegen den Bischof und dessen Partei, sowie aus unermessener Ehrsucht mit Knipperdolling, dem jetzigen Scharfrichter dieses sogenannten Friedensreichs, zuerst den aufrühnschen An­kömmlingen die Hand gereicht und mit ihnen gemeinsame Sache gemacht hatte; vor beiden stand auf goldener Tafel der volle Humpen, dem besonders L>er König von Gottes Gnaden, wie er sich in eitler Verblendung nennen ließ, wacker zugesprochen hatte. Schon glühte sein Gesicht vom Wein, da setzte er den Humpen von neuem an die gierigen Lippen und wandte sich mit trunkenen Blicken zu seinem gleichfalls berauschten Genossen:Ich muß sie haben, Krech-

Gotthard, deren Vollendung wohl kaum vor Ende Mai 1882 zu erwarten ist, für die Correspondenz eines großen Teils von Europa, deren Beförderung bisher auf dem längeren Wege durch den Mont Cenis erfolgen mußte, von Bedeutung werden.

DentscheS Reich.

V Berlin, 30. April. Hebet den Schluß des Reichs­tages haben die Senioren eine Beratung gepflogen und sind zu der Ansicht gelangt, daß bei der jetzigen Lage der Verhandlungen es sich wohl empfehle die Beratungen des Reichstages vor Pfingsten zu schließen und hierzu een 11. Mai in Aussicht zu nehmen. Es ist selbstverständlich, daß hierzu auch wohl die Zustimmung des Reichskanzlers und der verbündeten Regierungen eingeholt werden muß, was bis jetzt, soviel wir wiffen, noch nicht geschehen ist. Wenn wir die Meinung in diesen Kreisen und namentlich den des Reichskanzlers als der eigentlich maßgebenden Person richtig beurteilen, so dürfte diese Ansicht nicht den Beifall des Reichskanzlers finden, der, wie wir hören, gar nicht geneigt ist, die noch in Aussicht genommenen Gesetzesvor­lagen unter den Tisch fallen zu lassen und der, wie man uns mitteilt, selbst vor einer Sommersession des Reichstags und des Preußischen Landtags nicht zurückschrcckl. Es ist ja richtig, daß die Mitglieder deS Reichstages in dieser Frage ein gewichtiges Wort mitzusprechen haben, da sie gerade eben nicht geringe Opfer an Zeit und Geld zu bringen haben. Andernteils dürfte aber auch wohl in Er­wägung zu ziehen sein, daß die Interessen deS Reiches von denjenigen wiederum Opfer erfordern, welche durch das Vertrauen ihrer Wähler geehrt, das ihnen übertragene Mandat angenommen haben. Außerdem dürfte eS auch wohl angezeigt sein, darauf hinzuweisen, daß im verflossenen Jahre die Session erst am 12. Juli geschlossen wurde. Hoffen wir, daß eS gelingen wird, eine Verständigung zwischen den vereinigten Regierungen und den Mitgliedern des Reichstages über diese wichtige Frage zu Stande zu bringen. Für den Fall, daß die gegenwärtige Session des Reichstages noch vor Pfingsten geschloffen werden sollte, dürften alle übrigen Gegenstände, welche gegenwärtig dem Reichstag vorliegen, mit Ausnahme der Steuergesetze und der rechtlichen Vorlagen, zur Erledigung gelangen. Die zweite Lesung der auf die Gewerbeordnung bezüglichen An­träge, dürfte in uer morgenden Sitzung ihre Beendigung finden; am Montag und Dienstag wird die Vorlage be­züglich des Wuchers und betreffend die Abänderung des Sozialistengesetzes zur Dritten Lesung gestellt werden und für den 5. Mai ist bann bie britte Lesung der auf die Gewerbeordnung bezüglichen Anträge in Aussicht genommen. Zu bedauern wäre es allerdings, wenn die Frage der Börsen- fteuer auch in diesem Jahre wiederum nicht zur Entschei­dung kommen sollte, umsomehr als in der Generaldiskuffion

.........

ting; mein muß sie sein, und noch diesen Abend. Hörst Du?" Verstanden," entgegnete jener lakonisch und mit einet Miene, bie sich eben nur des Königs Vertrauter unb Spießgesell erlauben mochte.Doch welche meinst Du? Jst's die hübsche Blonde? Haha! Was bas züchtige Täubchen für Augen machen wird, wenn es";nicht diese!" fiel ihm der König schnell ins Wort, während sein fast bleiches Gesicht sich abermals mit flammendem Rot überzog.Die andere ist es, bie ich haben muß. Schaffe sie mir zur Stelle; brauche Gewalt oder List, rote Du willst! Doch haben muß ich sie; Du verstehst mich."Unersättlicher," nahm wieder Krechting teuflisch lachend das Wort;schmachten nicht schon vierzehn Frauen in Deinen Armen, bie schönsten Rosen dieses Thals, jede herrlich aufgeblüht und wert, einem Kaiser auf den Thron zu folgen. Sie alle hat Dir Dein auserwähltes Israel gesandt, in der freudigen Zuversicht, daß Du, ein Salamo an Glanz und Macht, ihm das himmlische Jerusalem zeigen wirst. Uno sie, die Perle der Frauen, Mallhystens ehelich Weib, die Dir ein höherer Wille zugesellt, haha! teilt sie nicht mit Dir Freud und Leib, thut sie nicht Alles, was der göttliche Prophet nur verlangen kann? Prophet, ein neues Opfer zu ben alten ? Nur zu! Bist ja jetzt König unb Herr! Dein Wille geschehe."

Eine Gesanbtschaft von Bürgern, welche mit reichen Ge­schenken für ben neuen König soeben hereintrat, unterbrach ihr Gespräch unb freubig eilte Krechting auf einen Wink seines Herrn hinweg, um bem Befehle des wollüstigen Ty- rannen nachzukommen.

V.

Schon hatte der Abend feine dunklen Schwingen über die arme Stadt auSgebreitet, gegen die der Bischof nach

über die Vorlage bezüglich der Reichsstempelabgaben von der entschiedenen Mehrheit der Redner anerkannt wurde, daß die Heranziehung der Börsengeschäfte zur Versteuerung im Interesse des gleichen Rechts unter gleichmäßiger Ver­teilung der Reichslasten geboten sei. Wir befürchten aber, daß die Zeit bis zu dem Pfingstfest zu kurz bemessen ist, um diese Vorlage in der Commission reiflich durchzuarbeiten und für das Plenum fertig zu stellen. Wie wir hören ist der Reichstagsabgeordnete Polizeipräsident Staudy aus Posen zum Nachfolger des zum BezirkSprästdentett für Lothringen ernanten Herrn v. Flottwell in dem Amte als Regierungspräsident in Marienwerder in Aussicht genom­men. Unter den Candidaten wurde auch der Landesdirektor in Arolsen v. Sommerfeld genannt, jedoch soll besten Kan­didatur in neuerer Zeit wieder außer Betracht gelassen sein.

Hamburg, 28. April. Zur Verhandlung im deutschen Lehrertage, welcher in der Pfingstzeit (17. bis 20. Mai) hier stattsinden wird, wird Herr Lehrer Harro Köhnte von hier überdie Lehrerschaft unb die Presse" referieren. Er hat nach Mitteilung der pädagogischen Blätter folgende These dazu aufgestellt:Um den vielen Verdächtigungen und Schmähungen, mit denen der Lehrerstand immer mehr und mehr überhäuft wird, wirksamer entgegen zu treten, und nm im Publikum richtigere Ansichten über Lehrer- Arbeit, Schulorganisation und Unterrichtsziele zu verbreiten, beauftragt der dritte deutsche Lehrertag seinen Ausschuß, in zweckentsprechender Weise mit einer größeren Anzahl politischer Blätter in Verbindung zu treten."

Mainz, 30. April. Die Generalversammlung der Hessischen Ludwigsbah» beschloß die Verteilung von 4 pCt. Dividende, Dotation des Erneuerungsfonds mit 800,000 Mark, Zuweisung von 60,000 Mark zur PenstonSkaste und Vortrag von 210,000 Mark auf neue Rechnung. Zu Mitgliedern des Veiwaltungsrats wurden wieder- gewählt die Herren Geh. Rat Dülberg, ScherbiuS und Varrentrapp. Der Verwaltungsrat wurde zur Kündigung des 5procentigen vormals Frankfurt-Hanauer Anlehens von 3 Millionen Mark ermächtigt.

Stuttgart, 27. April. Der gestern und heute hier abgehaltene Pferdemarkt ist günstiger verlaufen, als man erwartete. Wies auch der erste Tag sowohl wegen deS strömenden Regens als auch wegen der abwartenden Haltung, welche die Käufer zu Anfang des Marktes stets zu beo­bachten pflegen nur geringe Umsätze auf, so ging dafür der Verkauf heute desto flotter. Es sind für auswärts größere Geschäfte abgeschlossen worden, und mehr als ein Drittel der zu Markt gebrachten Pferde Dürfte ihren Be­sitzer gewechselt haben. Es wurden gute Preise erzielt, für Luxuspferde war die Stimmung sogar sehr animirt. Auch die heute zum Verkauf kommenden Pferde aus dem königlichen Landgestüt erzielten ziemlich hohe Preise, und das Gleiche wird ohne Zweifel Der Fall sein mit ben aus- einem eben mißlungenen Sturm einen neuen Angriff auf ben folgenden Morgen vorbereitete, unb Todenstille herrschte, ben brohenben Sturm verkündend, in dem weiten bischöf­lichen Lager, da zog eine kleine Schaar durch die menschen­leeren Straßen der Stadt; weithin vernehmlich waren ihre Tritte und furchterweckend für jeden, dem sie ins bange Ohr klangen. Mancher, der sich verspätet und seine Wohnung noch-zu erreichen suchte, beflügelte, aufgescheucht durch daS Geräusch der nahenden Wache, seine Schritte, um den Un­erbittlichen nicht in die Hände zu fallen. Denn diese nahmen unter dem Vorwand, daß cs die Sicherheit der Stadt erheische, ben fest, der ihnen irgendwie verdächtig erschien; und viele unschuldige Bürger sahen das Licht des Tages nicht wieder, indem sie als Opfer des grausamen und hab­gierigen Tyrannen in dunkler Kerkernacht verschmachteten. Endlich vor dem freundlichen Hause des Goldschmieds hielten die unheimlichen Gesellen an, und ihr Führer selbst in dem der freundliche Leser sogleich ben elenben Minister, bas schnöde Werkzeug des Tyrannen, wieder erkennen wird, lauschte vorsichtig an der geschlossenen Thür; diese nämlich hatte er am Nachmittag desselben Tages noch ausgekund- schaftet und, wohlvertraut mit der inneren Einrichtung des Hauses, in dem er früher ein gerngesehener Gast gewesen war, hatte er sogleich darauf feinen verruchten Plan gebaut Dv öffnete er nun schon im Voraus über die Verzweiflung frohlockend, in welche er die ihm wegen ungünstiger Zwischen­fälle jetzt tief verhaßte Familie zu stürzen gedachte, bie eichene Thür unb gelangte mit breieu seiner Begleiter durch einen dunklen Gang hinauf in die kleine Stube des Gold­schmieds, aus der ihm ein schwacher Lichtschein entgegen« schimmerte. Behutsam trat der Schändliche hinein.

(Sortierung folgt.)