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9tr. 102.

JHarßurg, Sonnabend, 1. Mai 1880

XV. Mrgüllg

Anzeigen nimmt emgegen: He Grpedltiv« d.Blatte», !B-gie d-Annonceii-Bureaux

Td> Dietrich L Co. in staffel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; tzaasenstein & Bögler in rrarrkfurt a. M., Berlin, Leipzig, äSm tu; Rudolf Aeffe in Berlin, Frank­furt a. M. tc.

ObchtMe jfitimii.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattti sowie d - Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co- in Frankfurt a- M; Jägerffchc Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Zuchhandl. daselbst; Jnoalidendank tu Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; 4. Schlotte in Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach sonn- und Feiertagen Preis für das Quartal mit der wöchentlichen BeilageZluftrirteS SountagSblatt" durch dis Expedition (Koch'sche Buchdruckerei) bezogen 3^ Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 3 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). JnfertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 35 Pfg. berechnet.

Ckür die Monate Mai und Juni werden von ö allen Postanstalten (auf dem Lande von den Landpostboten) Bestellungen auf die

Dberhessische Zeitung

mit deren Gratisbeilage

JllustrirteS Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen.

Die ExpeS. d. Oberh. Zeitung.

Tagesbericht.

Der Reichskanzler legte dem Bundesrate einen Gesetz­entwurf betreffend die Consulargerichtsbarkeit in Egypten vor.

Die ordentliche Generalversammlung der Berlin-Anhalter Eisenbahngesellschaft wählte die ausscheidenden Verwaltungs- Mitglie er wieder. Die außerordentliche Generalversamm­lung derselben Gesellschaft genehmigte einstimmig die Kün­digung des Restes der ersten 4pCtigen Prioritäts-Anleihe pro 1. September.

Der Seehandelsgesellschaft (Samoa) wird morgen an­läßlich des Reichstagsbeschlusses Sitzung halten.

Das Offizier-Corps des Kaiser-Alexander-Regiments feierte den Geburtstag des Kaisers von Rußland mit einem Diner, zu welchem die militärischen Mitglieder der russischen Botschaft eingeladen waren Die offizielle Feier in der russischen Botschaft findet der russischen Charwoche wegen erst am 3. Mai statt.

In einem Artikel anläßlich der Geburtstagsfeier des russischen Kaisers sagt diePost": Sie glaube nicht, daß es in Rußland einen ernsthaften Staatsmann gäbe, der sich auf Gladstone Rechnung mache. Das Blatt vermuthet dagegen, daß sie sich nicht auf den Weg phantastischer Ziele und gefährlicher Abenteuer durch unberechenbare Bundesgenossen drängen lassen wolle und nimmt an, daß f die militärischen Beglückwünschungen, wenn auch an sich kein diplomatischer Vorgang, doch ein Zeichen seien des wiederkeyrenden sich befestigenden Vertrauens zwischen den Drei-Kaiser-Regierungcn.

In den nächsten Tagen dürfte eine Publikation darüber erfolgen, in welchem Verhältnis künftig in Folge der.sanktio­nierten Militärgrjetz-Rovelle die Rekruten-Einstellung in * die Armee zu erfolgen hat. Es wird diese neue Ordnung bereits für den im Herbst d. I einzustellenden Bedarf in Kraft treten.

Laut Bestimmung des Unterrichtsministers find künftig

E.« Prophet.

Novelle von Karl Siegen.

(Iorlfttzung)

Wo er nur weilen mag?" unterbrach endlich Marie, die ältere, das Schweigen, indem sie das reizende Köpfchen i zu ihrer Schwester neigte.Hätte er nicht so fest versichert, noch heute zur Stadt zu kommen, so würde meine Sorge [ um sein Ausbleiben nicht so groß sein. Wenn er den Bischöflichen, die alle Thore mit einer starken Mannschaft ,versperreu, in die Hände gefallen wäre, wenn er"Ei pmae" fiel ihr Margarethe ins Wort, die es so trefflich verstand, der besorgten Schwester Trost zuzusprcchen und jede Bangigkeit von ihrer lieben Stirn zu verscheuchen; kennt er doch den Weg, der dort an der Rosenhecke in des Vetters Garten durch den unterirdischen Gang bis \ hinaus ins freie Felo führt und der jedem Uneingeweihten \ verborgen ist; und muß nicht das dichte Gebüsch, welches t den Ausgaug des geheimen Pfades verbirgt, ihn den Blicken der Suchenden entziehen? Mußt Tu da gleich die Geduld verlieren und das Schlimmste befürchten, wenn der Geliebte sich um einige Stunden verspätet hat? Vielleicht weilt er schon dort in dem Menschenkueuel, der unauflösbar daher­wogt ; und, wer weiß, fuhr sie mit schalkhaftem Lächeln [ fort, welches ihrem an sich schönen Gesichtchen noch einen . ganz besonderen Reiz verlieh,ob er mit gleicher Sehn­sucht Dir entgegeneilt, wie Du vor Ungeduld brennst, ihn wiederzusehen. Komm, laß uns lieber den göttlichen Pro- \ pheleu noch einmal betrachten, dessen Rückkehr eben jetzt die Trompeten lautschmetternd verkünden und der jetzt, wie i der Vater sagt, von uns als König aller Könige verehrt werden soll."

Gehen wir lieber", versetzte, wie von einem inneren

die gegen Studierende der Universitäten von den Gerichten und Polizeibehörden verhängten Strafen in den von den Universitätsbehörden erteilten Abgangszeugnissen nicht zu vermerken, wenngleich den akademischen Behörden jedesmal Nachricht gegeben wird, wenn gegen einen Studierenden wegen eines Verbrechens, eines Vergehens oder einer lieber« tretung durch Urteil ober Strafbefehl eine Strafe rechts­kräftig festgesetzt wird oder eine Strafverfügung ergeht.

Dieübertriebene Größe" der Schulzimmer hat der Minister des Unterrichts den Bezirksregierungen gegenüber gemißbilligt.Abmessungen von 10,36 m Länge und 7 m Breite, welche einen Flächenraum der Schutzirnmer von 74,80 qm ergeben, greifen zu weit über den Umfang eines zweckmäßigen Classenzimmers hinaus, dessen Aufgabe darin besteht, einer Schülerzahl bis zu 80 hinreichenden Raum zu gewähren." Hiefür genügen aber mindestens 48 bis höchstens 60 qm, und über 80 Schüler soll eine Claffe in der Regel nicht enthalten. Eine volle Ausnutzung des größeren Raumes würde auch schon die über das zweck­mäßige Maximum von 9 m hinausgehende Länge der Schulsäle verbieten, da erfahrungömäßig über dieses Maß hinaus ein mittelgutes Auge schon nicht mehr im Stande ist, kleinere Gegenstände, etwa Schriftzeichen u. f. w., sicher zu erkennen, was bei dem demonstrativen Unterrichte wesent­lich mit in Betracht komme. Für den Schulsaal wird em­pfohlen, die Fenstersturze so dicht wie möglich unter die Decke zu legen, damit der günstigste Lichteinfall (von oben) gewonnen werde.

Deutsches Reich.

* Berlin, 29. April. Dem Bundesrat ist der Ent­wurf eines Gesetzes zugegangen, demzufolge die in dem Gesetze, betreffend die Einschränkung der Konsulargerichts- barfeit der deutschen Konsuln in Egypten, vom 30. März 1874 enthaltene Zeitbeschräiikung aufgehoben werden foll. Um für die Einführung der seit 1875 bestehenden gemischten Gerichte die gesetzliche Unterlage zu schaffen, wurde nämlich durch jenes Gesetz von 1874 bestimmt, daß die den Kon­suln zuftehende Gerichtsbarkeit durch kaiserliche Berorduung eingeschränkt oder aufgehoben werden könne, daß jedoch die Dauer der Einschränkung oder Aushebung den Zeitraum von fünf Jahren nicht übersteigen solle. In Gemäßheit dieses Gesetzes erging alsdann unter 23 Dezember 1875 eine kaiserliche Semunmig, welche die Konsulargerichtsbar­keit auf die Zeit bis zum Anfang 1881 einfchränkte. Es steht nur zu erwarten, daß :ie egyptische Regierung bean­tragen wird, der Justizreform durch eine neue Vereinbarung über den bezeichneten Zeitpunkt hinaus Geltung zu sichern. Die Annahme eines derartigen Vorschlags würde mit den Interessen der deutschen Reichsangehörigen durchaus ver­einbar sein, da die gernischen Gerichte den gehegten Er-

Schaner durchrieselt, die Angeredete.Komm gute Mar­garethe, ich weiß nicht, was mich geheimnißvvll von hier hinwegtreibt." Eben wollte die folgsame Schwester sich mit ihr durch das Gewühl der Menschen durchwinden, um den Heimweg einzuschlagen, als Marie ihren teueren Wolfram erblickte unv mit einem Freudenschrei in seine Arme sank. Dieser, ein schmucker, kräftiger Jüngling in den zwanziger Jahren, hatte längere Zeit bei ihrem Vater gearbeitet, und wie er durch seine Geschicklichkeit und anhaltenden Fleiß sich die vollkommene Zufriedenheit seines Meisters zu ver­schaffen gewußt, so hatte er auch unvermerkt das Herz Mariens zu gewinnen verstanden, die sich dank seiner Be­scheidenheit und seinem sittlichen Ernst aufs innigste zu ihm hingezogen fühlte, während Margarethe, damals noch ein Kino, gleichfalls mit rührender Zärtlichkeit an ihm hing. Nachdem er ein Jahr lang in der Fremde gewesen war, hatte er sich in dem benachbarten Wolbeck niedergelassen, von wo aus er seine geliebte Marie allwöchentlich besuchte. Eben hatte er sich in der Nacht wiederum durch die Wachen durchgeschlichen und war vermittelst des geheimen Ganges nach Münster gelangt. Da er am Morgen die beiden Mädchen nicht mehr zu-Hause getroffen, hatte er sich durch den dichten Volkshaufeu Bahn gebrochen und kaum Marien erblickt, als ihm das liebe Mädchen schon entgegeneilte und ihn unter herzlichem Händedruck mit tausend Fragen be­stürmte, die er kaum Zeit fand zu beantworten.

in

Eben strömte die Menge aus dem Gotteshaus heraus. Wieder erklangen die Glocken, und von neuem ordnete sich der Zug, voran die Gewerke, die Geistlichkeit in festlichem Ornat und die Stadtsoldaten, in der Mitte der neugesalbte König die Krone auf dem Haupt, aus welchem ein Paar

Wartungen im wesentlichen entsprochen habe. Es erscheint deshalb angemessen, auch für die Zukunft die Bestimmung über die Beschränkung oder Aufhebung der deutschen Kon- sulargerichtsbarkeit in Egypten einer mit Zustimmung des Bundesrats zu erlasiendeu kais rlichen Verordnung zu über­lassen. Von verschiedenen Blättern ist die Nachricht ver­breitet worden, der Staatssecretär des Reichs-Postamts beabsichtige die Bezeichnung Postsekretär in Postschreiber umzuwandeln Diese Nachricht ist, wie viele andere neuer­dings angeblich auS dem Bereich der Poftverwaltung ge­brachte Mitteilungen, vollständig aus der Luft gegriffen. Nachdem Dietfftag künftiger Woche der General-Synodal- Vorstand zu einer Sitzung zusammengetreten sein wird, findet Mittwoch den 5. Mai, die seit längerer Zeit in Aussicht genommene gemeinschaftliche Sitzung des Ober- kirchenrats und des.General-Synodalvorstandes statt. Der Minister für öffentliche Arbeiten hat vorläufige Be­stimmungen erlassen, welche Erleichterungen in der gegen­seitigen Benutzung der Güterwagen auf den vom Staat verwalteten Bahnen herbeiführen sollen.

Thor«, 25. April. Man wird sich erinnern, daß bald nach der Entfernung des Schulrat« Lauer in Köln von seinem dortigen Amte die hiesigen Ultramontanen in Petitionen von Herrn v. Puttkamer auch die Beseitigung des hiesigen Kreisschulinspectors Schrötter (früher «Seminar« Director in Fulda) verlangten, da angeblich die Thätigkeit des Herrn Schrötter,die katholische Bevölkerung auf das Schmerzlichste berühre, weil derselbe früher katholischer Geistlicher war und jetzt verheiratet ist." Der Cultus- minister hat nach polnischen Blättern nun kürzlich geant­wortet, daß nach der von ihm eingezogcnen Information über die Wirksamkeit des Herrn schrötter kein Anlaß zur Ent­fernung von seinem Amte vorliege.

Hannover, 27. April. Die Nachricht von der Hoch­zeit der Prinzessin Friederike von Hannover wird von der Deutschen Volkszeitung" ihren Lesern in der nachfolgenden eigentümlichen Form gegeben:Wir erfüllen hiermit die traurige Verpflichtung, unfern Lesern die, alle treuen Han­noveraner gewiß tief und schmerzlich bewegende Anzeige zu machen, daß am 24. April, Nachmittags, in der Privat-z kapelle Ihrer Majestät der Königin Victoria von England zu Windsor die Vermählung Ihrer Königlichen Hoheit der Prinzessin Friederike mit dem Freiherrn von Pawel-Ram­mingen stattgefunden hat, zu welcher Verbindung bekannt­lich Seine Königliche Hoheit der Herzog von Cumberland und zu Braunschweig und Lüneburg als Oberhaupt deö Königlichen Hauses von Hannover im Etnverständnisse mit Ihrer Majestät der Königin Marie von Hannover Höchst­seine Einwilligung verweigert haben."

«ns -em Reg.-Bez. Düsseldorf, 28. April schreibt dieKöln. Ztg.": Die große gewerbliche Ausstellung in der Hauptstadt unseres Bezirks wird bald eröffnet unb da­

blitzende Augen lüstern die dastehende Menge überflogen.

Plötzlich hemmte der Prophet den Lauf des feurigen Rappen, welcher ungeduldig wiehernd die Erde zerstampfte, Lockhold's forschende Blicke trafen das fchöne Schwesterpar, das noch in lieblicher Geschäftigkeit den wackren Jüngling umgab. Als diese bei dem Lärm der Trompeten gleichfalls den Kommenden betrachteten, wie es ja eine Eigentümlich­keit des menschlichen und besonders des weiblichen Herzens ist, möglichst Alles ergründen und kennen lernen zu wollen, da überzog eine leichte Röte, wie sie die Folge einer schnell auflodernden Leidenschaft zu fein pflegt, sein unschönes Gesicht, und einige Worte, die er seinem nebenherreitenden Minister zuflüsterte, genügten, diesem den Willen seines Herrn kund zu thun: und auch er musterte aufmerksam die beiden Frauengeftalten, von denen jede deS Griffels eines Raphael wert gewesen wäre, und unter dem Zuruf des bethörten Volkes und gefolgt von seinen Getreuen begab sich hierauf der neue König in den bischöflichen Palast, den Schauplatz so manches Gräuels, den er verübt, die Stätte so mancher betrogenen Liebe, während die neugierige Menge, zufrieden, ihre Schaulust gesättigt zu haben, sich nach allen Seiten hin zerstreute.

Auch die beiden Schwestern begaben sich mit Wolfram hochbeglückt in die stille väterliche Wohnung. Der alte Meister, welcher an solchen Schauspielen, wie das eben er­lebte, keinen Gefallen finden mochte, und insgeheim der neuen Lehre überdrüssig war, obwohl er eben für des Kö­nigs Frau, die Gattin deö früheren Propheten Matthysen, die dieser gezwungen, ihm zu willfahren, ein kostbares Ge­schmeide vollendet hatte, erhob sich freundlich als er seinen künftigen Eidam mit den Kindern seines Herzens ein­treten sah. (Forts, folgt)