Er. SS. Marburg, Freitag, 23. April 1880
XV. ZatzkMg
Anzeigen nimmt entgegen; die Spedition d.Bl alte-, sowie d.Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt a.ÜJL; Haasenstein L Vogler in Frankfurt o M., Berlin, Znpzig, CSlu Zu; Rudolf iJfoff« in Berlin, Frank- furi a. M- re.
(Olicrljrffililir jcitniiii.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d-Annoncen-Bureaux von ®. L Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Juvalideudaal in Berlin; W ThieneS in Elberfeld: C. Schlotte in Bremen.
Erscheint »glich nutzer an den Werktagen nach Sonn- un> Feiertagen. Preis für daS Quartal mit der wSchentlichen Beilage „JSuftrirteS SonntaaSblatt" durch die Ervedition lKvck's-be ;uq? r u ck e r e l) bezogen 2a dkark, durch bte Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. iexcl. Bestellgebühr). — Jnsertionsgebühr für die gespaltene Beile 10 Psg . Für m der Expedit,on zu erthe,lende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Psg. berechnet. v 8
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Bdxrhkssische Zeitung
mit deren Gratisbeilage
JttustrieteS Sonntagsblatt angenommen, und bitten wir dieselben baldigst machen zu wollen. ■
Die Expev. d. Oberh. Zeitung.
Tagesbericht.
Die gleich vom Plenum des Bundesrats bestellten Referenten über die Revision der Geschäftsordnung des Bundesrats, die Herren v. Mittnacht und v. Liebe, haben sich, wie vorauszusehen, dem preußischen Anträge angeschlossen und schlagen außerdem noch eine Aenderung deö § 24 der Geschäftsordnung vor, welche die Geheimhaltung der Verhandlungen in jedem Falle von dem besonderen Beschlüsse deS Bundesrats abhängig macht. Ein Antrag geht dabin, die mündlichen Verhandlungen des Bundesrats und der Ausschüsse in allen Fällen geheim zu halten. Dieser Antrag dürfte leicht über das Ziel hinaus schießen. Zunächst ist es nicht einmal wünschenswert, daß sich der Bundesrat wie der selige Bundestag möglichst tief in das Geheimnis einwickele. Je geheimer die Vorgänge im Bundesrat sind, desto geringer wird die Teilnahme des Publikums sein, und es wäre umgekehrt zu wünschen, daß die Protokolle des Bunoesrats möglichst rasch und möglichst vollständig veröffentlicht würden. Ueberdies ist es aber eine völlige Unmöglichkeit, das Geheimnis in der beabsichtigten Weise zu bewahren. Als der Berliner Congreß zufammcntrat, verschworen sämtliche Bevollmächtigte so zu sagen ihre Seligkeit, wenn sie ein Wort der Verhandlungen verrieten, und siehe da, die gesamte europäische Presse wußte schon nach 24 Stunden ziemlich genau, was in der Sitzung des Congresses verhandelt war.
Die von den Dclegirten der kaufmännischen Organe von Berlin, Bremen, Breslau, Köln, Frankfurt a. M., Halle, Hamburg, Königsberg, Leipzig, Magdeburg, Stettin und Stuttgart vereinbarte Denkschrift zu dem Entwürfe eines Gesetzes, betreffend die Erhebung von Reichöstempel- Abgaben, betont, daß eine einfache Rückkehr zu den alten Stcmpelprinzipien, welche der Entwurf in Vorschlag bringt, dem Handelsverkehr seine Lebensadern unterbindet. Ein einheitlicher Stempelsatz würde allenfalls erträglich sein. Hinsichtlich der Emissionssteuer auf inländische Jnhaber-
Gestohlene Depeschen.
Historische Erzählung von O W.
.Schluß.)
Der Untersuchungsrichter war noch nicht zugegen; cs verging fast eine Stunde bis er endlich kam. .Menzel, dem unterdessen die Zeit schon lang geworden war, nahm sich heraus, dem Richter mit anmaßendem Tone zu sagen, daß er durch sein langes Ausbleiben fast schon entschlossen gewesen sei, wieder fortzugehen.
Dann würde ich, antwortete ihm jener trocken, einem Gerichtsdiener befohlen haben, Sie zwangsweise vorzuführen.
Menzel würgte die Pille hinunter, während der Richter seinen Platz einnahm und dann eine geraume Weile in einem Aklenbefle blätterte, so daß es fast den Anschein gewann, als ob er die Geduld des arroganten Gehcimse- kretärs auf die Probe stellen wolle. .
Endlich begann er von den drei Vorgeladenen zuerst Menzel zu vernehmen.
Ihre bisherigen Angaben in d r Sache, sagte er zu ihm, haben Sie wol noch im Gedächtnisse?
Jawol.
Können Sie nun eidlich erhärten, daß die beiden fraglichen Kassenscheine am Tage des Diebstahls sich noch in Ihrem Gewahrsam befunden hatten.
Ganz gewiß.
Und können Sie beschwören, daß Sie die angeblich Ihnen gestohlenen Scheine nicht mit Ihren eigenen Händen Jemanden gegeben, und daß Sie dann diesem Menschen aufgetragcn haben, sie dem Referendar Warendoiff als Valuta seines Wechsels zrizuslllleu.
Menzel stutzte, sah den Fragenden mit unsicherem Blicke
Papiere beantragt die Denkschrift, von einer Erhöhung über den Satz von 1 pro Mille hinaus Abstand zu nehmen und Convertierungen frei zu lassen. Bezüglich der ausländischen Wertpapiere beantragt die Denkschrift, die bereits cmittirten ausländischen Werte freizulassen und zukünftige Emissionen wie in ben Nachbarstaaten, höchstens aus 1 pro Mille zu besteuern. Schlußscheine sollen ohne Abstufung und ohne Unterscheidung der Geschäfte nur mit einem einheitlichen Fixstempel von 10 Pf. besteuert, die besondere Steuer auf Rechnungen, auf Lombarddarlehen, die Quittungssteuer und der Stempel auf Cheks und Giro-Anweisungen zänzl ch abgelehnt werden. Die Denkschrift will die Frage nicht erörtern, ob die Finanzlage des Reichs die Einführung neuer Steuern erheischt und schließt dann: „Wir hegen zu dem hohen Reichstag das Zutrauen, daß er nicht ohne dringendes Bedürfnis zu neuen Belastungen der Steuerzahler seine Zustimmung geben wird, und bitten dabei unseren Ausführungen, welche darthun, daß die Erschwerung des Verkehrs die Erwerbsthätigkeit fast noch mehr bedrückt, als die materielle Steuerlast, geneigte Berücksichtigung angedeihen zu lassen."
Aus der Provinz Hannover, 19. April, geht der „Weser- Zeitung", die gewiß nicht in den Verdacht geraten kann, den nationalliberalen Elementen in der Provinz feindlich zu sein, eine Correspondmz zu, welche über die zunehmende Zersetzung der Welfenpartei in Hannover berichtet. Welchen wesentlichen Einfluß hieraus die vom „Hannov. Courier" bekanntlich in so gehässig verlogener Weise angegriffene Organisation der reichstreuen conservativen Elemente in Hannover ausübt, wird in dem Correspondenzartikel der „Weser-Zeitung" in folgender Weise geschildert: Sehr erzürnt sind die Welfen namentlich jetzt auf diejenigen ihrer Parteigenossen, die eine gewisse Neigung zum Anschlüsse an die altpreußischen Conservativen verraten. Der Graf Knyphausen-Lütetsburg, der bei der letzten Reichstagswahl in diesem Sinne thätig war, hat deshalb vielfach Angriffe erfahren und wird von den Heißspornen der Partei kaum noch als Parteigenosse betrachtet. Der Landschaftsrat von Bothmer in Hannover, der als ältester Landschastsrat der lüneburgischen Ritterschaft begründeten Anspruch darauf hatte, zum Landschaftsdirektor in Aussicht genommen zu werden, ist bei seiner Hinneigung zu den preußischen Con- servativcn den Rittern ein solcher Dorn im Auge, daß er vollständig übergangen ist. Die eifrigen Bemühungen 'mehrerer Großgrundbesitzer, die „Hannoversche Post", das bekannte einflußreiche Organ der kleinen conservativen Partei in Hannover, wie die „Deutsche Volkszeitung" es treffend nennt „das preußische Colonialblatt", mehr zu verbreiten, wie z. B. Graf Oeynhausen-Dötzingen, früherer preußischer Offizier, sie entfaltet hat, haben in der welfischen Partei vielen Zorn erregt, und mit Recht fürchtet sie von
..... ' —
an und sagte nach einer Pause mit zitternder Stimme: Nein, das habe ich nicht gethan.
Nun, ich will Ihr Gedächiniß ein wenig auffrischen. Hatten Sie die beiden Scheine nicht schon ben Tag vor dem angeblichen Diebstahl zu dem erwähnten Zwecke Ihrem Schwager Erfurth eingehändigt.
Ein halb unterdrückter Schrei entschlüpfte den bebenden Lippen des Entlarvten und die Flamme vernichtender Angst und Bestürzung zuckle über sein.leichenblasses Antlitz.
Nach kurzem Schweigen, während dessen Menzel wie betäubt dastand und kein Wort hervorzubringen vermochte, fuhr der Richter fort:
Ihr Schwager Erfurth wurde gestern verhaftet und hat in der Sache ein volles Geständniß abgelegt. Er erkrankte während der Nacht im Gefängniß und kann deßhalb ^cute hier nicht erscheinen, um Ihnen gegenüber gestellt zu werden. Das ist auch nicht mehr nötig. Nachdem er durch den Herrn Warendorff als identisch mit dem vorgeblichen Borchhardt rekognoScirt worden, und nachdem er auch ausgesagt, daß er den fraglichen Wechsel erst vor einigen Tagen Ihnen zugestellt habe, so hatte das Gericht beschlossen, Sie zur sosorttgen Vorlegung des Wechsels aufzufordern. Ta man aber erfuhr, laß Sie den gestrigm Tag über sich zu einer Lustpartie auf dem Lande befanden, so wurde in Ihrer Wohnung eine amtliche Durchsuchung Ihrer Papiere und Briefschaften vorgencmmen. . . . Der Wechsel wurde gefunden — doch man fand noch bei wettern mehr, als man erwartet hatte. . .
Bei diesen Worten wurde Menzel von solchem Schrecken ergriffen, daß er, einer Ohnmacht nahe, sich auf die Lehne eines Stuhles, stützte um nicht umzusinken.
Ich will Ihnen sagen was man alles fand, fuhr ter
der sich stets vermehrenden Zahl Rittergutsbesitzer, die in der Armee gedient haben, eine bedenkliche Abschwächung ihres Einflusses und eine Lockerung des Geistes in den Ritterschaften, die vor wenigen Jahren noch rein wölfisch, heute ausnahmslos auch schon „Preußen" in ihrer Mitte zählen.
Deutsches Reich.
Berlin, 21. April. Der Chef der Admiralität hat unterm 2. d. M. neue Maßregeln zur Verhütung des Hitzschlags und Sonnenstichs auf der Reichsflotte angeordnet. Darin heißt es unter anberm: Bei heißem schwülem Wetter mit gleichzeitiger Winbstille ober schwacher Wind- bewegung ist ber Eintritt von Hitzschlag oder Sonnenstich unter ber Besatzung zu befürchten. Namentlich ist im Roten Meere während ber Sommermonate auf Schiffen, welche eine raschere Reise aus kälteren Breiten gemacht haben, Hitzschlag nicht selten. Deshalb sind Exercitien und Arbeiten auf das zulässig geringste Maß zu beschränken, namentlich sind schwerere Arbeiten und Arbeiten in der Sonne und während der heißesten Zeit des Tages möglichst zu meiden. Die Musterungen sind abzukürzen und die Posten häufiger als gewöhnlich abzulösen, besonders für da« Maschinenpersonal ist nach Erleichterung des Dienstes während des Dampfens zu streben. Ueber das ganze Schiffs werden Sonnensegel gespannt, und zwar möglichst hoch über Deck, damit die Lust frei durchstreichen kann; am besten wird die Hitze durch doppelte Sonnensegel abgehalten, die bei Sonnenuntergang entfernt werden. Mehrmals täglich werden diese und das Oberdeck mittels der Spritze mit Wasser besprengt. Für möglichste Lüftung deö Schiffes ist zu sorgen. Am Tage müssen sich die Mannschaften vorwiegend auf Oberdeck aushalten Das Essen und das zusammengedrängte Schlafen im Zwischendeck ist zu verbieten. Die Mannschaft ist zum häufigen und reichlichen Wassertrinken anzuhalten, jedoch nicht der Genuß großer Mengen auf einmal, sondern der regelmäßige Genuß kleinerer Portionen ist von Nutzen. Der Genuß von Spirituosen ist unbedingt verboten. Die Kleidung sei leicht und lose, zur Kopfbedeckung eignet sich ber Strohhut am besten. Allabendlich wird die Mannschaft durch den Arzt besichtigt. — Der Unterrichtsminister hat durch Erlaß vom 16. v. Mts. die Ermächtigung erteilt, wonach Bezirks- Regierungen die Anstellung von Volksschullehrern in den Städten für den ganzen Bezirk dahin regeln können, d ß dieselbe ganz allgemein für eine Haupt- ober Classeiilehrer- stclle zu erfolgen hat, indem die Urkunde über die Ernennung lediglich, bei Angabe des StelleueinkommenS, diese Form derselben ohne Bezeichnung der Schule oder Stelle, für welche sie erfolgt, zum Ausdrucke bringt, hierdurch aber den Lehrer, welcher sie annimmt, zur unbedingten Verfügung der zur Berufung berechtigten OrtSbehörde für alle Untersuchungsrichter fort. Man fand Nachschlüssel zu ben Ihnen nicht zugänglichen Aktenspinden bes geheimen Ka- binets für bie auswärtigen Angelegenheiten. Ferner fand man eine Anzahl an Sie gerichteter Briefe der beiden Legationssekretäre des preußischen Gesandten, nebst einigen Originaldepeschen auswärtiger Regierungen und Kabinete, welche die Legationssekretäre Ihnen wieder zustellten, nachdem Sie ihnen dieselben zur Einsicht mitgeteilt. Endlich fand man auch eine Berechnung des Sündenlohnes, den Ihnen die preußischen Gesandten hier und in Warschau für diese lanbesverräterischen Dienstleistungen seit länger als drei Jahren gezahlt hatten . . . Diese Briese unb geheimen Staatsbokumente wurden sofort von Seiten des Gerichts dem Kabinetschef zugestellt, der sie, da der Hof sich gegenwärtig in Warschau befindet, unverzüglich dem noch hier verweilenden Generaladjutanten, Generallieutenant von Spärken, behändigte, damit er wegen dieses unerhörten Verrats das Nötige veranlasse. —
In diesem Augenblick trat ein Unteroffizier, von zwei Musketieren^» vollständiger Ausrüstung gefolgt, ins Zimmer und übergab dem Untersuchungsrichter ein Schreiben des Commandanten von Dresden. Nachdem der Richter das Schreiben gelesen, sagte er zu dem Ueberbringet auf Menzel deutend:
Das ist Ihr Arrestant!
Ter Unteroffizier nahm seinen Gefangenen, der wie zu Stein erstarrt dastand, beim Arme und überlieferte ihn den Musketieren, bie ihn wohlbcwacht abführten. Er würbe vorläufig ins Müitär-Arresthaus gebracht.
Ties geschah Ausgangs September 1757.
Ter Gruerallieutenant von Spärken berichtete den Vorfall per Esiaffette an den König-Kurfürsten nach Warschau,