Str. SS.
Marburg, Donnerstag, 15. April 1880.
xv. Mtgaag
Anzeigen nimmt entgegen: He Grpeditton d.Blatte», sowie d.Annoncen-Lureaux von Th, Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt a.M.; Haaf-nstein & Vogler in «antfrrrt ä M , Berlin, ^rpzig, Cöln i-; Rudolf L'loM ia Berlin, Frankfurt a. M- ic.
(Oiirrljrffifdic Jritiing.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition b. Blatte» sowie d- Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhaudl. daselbst; Insalidendan! in Berlin; Li- Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen
Erscheint täglich außer an den Werktagen nach sonn- und Feiettagen. Preis für daS Quattal mit der wöchentlichen Beilage „LlluftrirteS SonutagSdiatt" durch die Expedition (Koch'sche Buchdruck er ei) bezogen 2-i Mark, durch die Postämter deS Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (erd. Bestellgebühr). — Jnsertionsgedüyr für die gespaltene Zeile 10 Pfg, Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adreffen werden 25 Pf», berechnet-
TagSsLericht.
In der Sitzung des Bundesrates am letzten Montag betonte der württcmbergische Bevollmächtigte die Notwendigkeit, derartige Aenderungen der Geschäftsordnung des Bundesrats vorzunehmen, daß Vorgänge, wie bei der Abstimmung vom 4. April, vermieden werden dürften. Aenderungen der Verfassung werden, sicherem Vernehmen nach keinerseits beabsichtigt. Die Anträge auf die erforderlichen Aenderungen der Geschäftsordnung dürsten Preußen überlassen bleiben.
Die Gewerbc-OrdnungS'Commission des Reichstags hat mit 13 gegen 7 Stimmen den Antrag v. Sodens angenommen, wonach Schauspiel-Unternehmer zum Betriebe ihres Gewerbes der Erlaubnis bedürfen, die Erlaubnis aber zu versagen ist, wenn die Behörde auf Grund von Thatsacheu die Uebcrzeugung gewinnt, daß den Nachsuchenden die zum Gewerbebetriebe erforderliche Zuverlässigkeit besonders in sittlicher, artistischer und finanzieller Hinsicht abgeht. _____
lieber die Irredentisten oder Garibaldianer in Italien, welche Südtyiol und Triest von Oesterreich abreißen und zu Jalien schlagen wollen, bringt die „N A. Z." au leitender Stelle folgenden Artikel ans der „Pall Mall Gazette". Das Blatt schreibt: Der Jubel der avancirten Blätter in Italien über den Sieg der Radicalen in England ist jetzt unverhüllt. Dies erscheint sehr beachtenswert, wenn wir uns erinnern, daß so lange die englischen Wahlen unentschieden waren die italienische Presse cs nicht wollte aufkommen lassen, daß sie eine besondere Sympatie für die eine oder die andere Partei hätte. Natürlich schreiben auch jetzt noch die bedächtigeren und die quasi-osfiziellen Journale ihre Befriedigung dem Umstande zu, daß Lord Bea- ccnefidD Ministerium den italienischen Interessen in Egypten entgegengelreten sei. Aber Jedermann weiß, daß das nur ein Urteil der Wahrheit ist. Die Italiener freuen sich, weil sic Glauben, raß Mr. Gladstones Sympathien ihnen gehören werden in jedem Kriege, amtlichem oder nicht amtlichem, der für die Eroberung von Triest und Südtirol unternommen würde. Wenn man ihn nicht arg verleumdet hat, so machte er kein Geheimniß aus seinen Gesinnungen über diesen Punkt, als er voriges Jahr in Italien war; aber gleichviel, ob er so unvorsichtig gewesen ist, seine Gesinnungen auszusprechen oder nicht, die Irredentisten hegen nicht den geringsten Zweifel daran, daß ein Cabinet, in welchem sein Einfluß vorherrschen muß, irgend welchen Plänen derart einen sehr schwachen Widerstand entgegensetzen werde. Schon jetzt ist die Veränderung in der Haltung der Irredentisten beachtenswert, und ihre Chancen, das Ministerium Cairoli zu irgend einer unüberlegten
Gestohlene Depesche«.
Historische Erzählung von O W.
1 Fortsetzung.)
Ich war neulich, erwiderte der Referendar, spät in Gesillschast und ging erst gegen drei Uhr Morgens nach Hause. Als ich" am Schlosse vorbei kam, sah ich noch Licht in unserem Bureau. Die Fenstergardinen waren zwar dicht zngezozen, aber an den Seiten schimmerte doch ein matter Lichtstreifen durch. Ich wollte zu Ihnen hinauf kommen, um sie zu anicmiren, mit mir zusammen nach Hanse zu gehen, ich that es jedoch nicht, weil ich Sie in Ihren dringenden Arbeiten nicht stören mochte.
Menzel war von dieser Mitteilung so betreten, daß er cs nicht wagte, seinem Kollegen ins Gesicht zu blicken Da er jedoch die Notwendigkeit fühlte, etwas zu erwidern, so sagte er, mit affectirtem Eifer in einem Aktenstücke blätternd:
Wer weiß, lieber Warendorff, was Sie gesehen und für Lichtschimmer gehalten haben. Da Sie so spät aus Gesellschaft kamen, wird es wol Angentäuschung gewesen sein. So weit geht mein Fleiß nicht, daß ich mich deö nächtlichen Schlafes berauben sollte.
Damit wurde das Gespräch abgebrochen, aber sein Inhalt gab Menzel viel zu denken und vermehrte noch seine Aengstlichkeit. Er bildete sich ein, daß der Referendar mehr wisse, als er ihm gesagt habe, und da er sich scheute, ihn darüber anszuforschen, so faßte er jetzt ein Mißtrauen gegen ihn, von dessen Grund er sich selbst keine Rechenschaft zu geben vermochte. Vielleicht fühlte er instinktartig heraus, daß dieser junge Mann vom Schicksal bestimmt sei, sein böser Genins zu werden.
Inzwischen hatte Menzel seine Bewerbung um Fräulein
Handlung zu zwingen, ist bei Weitem größer als bisher. — Dieser Verein hat sich seit 1861 gegründet zum Zweck der Wiedervereinigung von Nizza mit Italien. 1870, als Frankreich Republik wurde, hat er das aufgegeben und sich gegen Oesterreich gewendet und in Frioul eine derartige Agitation begonnen. Es giebt 500 Vereine bet Jrredenta, der sich 1000 republikanische Verbindungen angeschlossen haben. ___________
Rach den neuesten Meldungen aus Petersburg steht es um den Fürsten Gortschakoff sehr bedenklich. Sein Gesundheitszustand war schon seit einiger Zeit so kläglich, daß er sich um politische Dinge nur wenig kümmern konnte. Die laufenden Geschäfte besorgte Herr v. Giers unter Leitung des Kaisers selbst, und in der oiplomatischen Welt sagte man schon lange von Gortschakoff, er sei ein toter Mann. Wenn die auswärtigen Angelegenheiten in den letzten Wochen noch seine Aufmerksamkeit in Anspruch nehmen konnten, so geht er aus der Welt mit einer großen Befriedigung. Der Triumph der Whigs bei den englischen Wahlen wird in Rußland fast wie ein eigener Sieg gefeiert, namentlich von der panslavistischen Partei, mit welcher der russische Reichskanzler leider in den letzten Jahren sich eingelassen hatte. Einige russische Blätter sind überzeugt, daß die Whigs wegen der Türkei auch nicht den kleinen Finger rühren würden, daß gar auch die Liquidation der orientalischen Erbschaft bevorstehe. Indessen, wenn auch die Whigs in ihren Wahlreden die auswärtige Politik der Tories bekämpft haben, so werden sie doch im Amte nicht umhin können, diese Politik vorerst fort zusetzen, wenn auch mit weniger Nachdruck. Die Haltung der russischen Presse gegen Frankreich zeigt hinlänglich, daß die Verstimmung zwischen beiden Reichen nicht allzu rasch beseitigt werden kann. Die Rückreise des Fürsten Orloff nach Paris steht übrigens in der'nächsten Zeit noch keineswegs bevor.
Meldungen verschiedener Zeitungen, als ob die Pforte auf der Basis einer Cession ihrer Hohcitsrechte in Bosnien und der Herzegowina eine Annäherung an Oesterreich- Ungarn oder eine Allianz suchte, entbehren, wie das „Tele- graphen-Corresp.-Burcau" meldet, nach competenter Versicherung jeder Begründung.
Deutsche- Reich.
V" Berlin, 13. April. Der Uebereinkunst mit Oesterreich-Ungarn vom 11. b. Mts. wegen weiterer provisorischer Regelung ber Handelsbeziehungen ist eine erläuternde Denkschrift beigefügt, welche die zwischen Deutschland und Oesterreich-Ungarn gepflogenen desfallsigen Verhandlungen darstellt. Daraus geht hervor, daß der Vorschlag mittels einer
Marie Neuhoff aufs angelegentlichste betrieben, so daß er nun den Zeitpunkt für gekommen hielt, sich zunächst dem Vater der jungen Dame zu eröffnen. Dies war freilich ein Mißgriff, denn ohne sich schon der Zustimmung der Tochter versichert zu haben, muß man sich nicht an die Eltern wenden, man wird selten Glück damit haben. Aber Menzel that wahrscheinlich diesen falschen Schritt, weil er die Zustimmung des Vaters nicht bezweifelte und durch dieselbe die der Tochter um so leichter erhalten zu können glaubte.
Der alte Kriegsrat antwortete ihm, daß er ihn mit Freuden zu seinem Schwiegersohn annehmen würde. Allein es sei sein Grundsatz, die Wahl seiner Tochter in keiner Weise zu beeinflussen. Der Geheimsekretär möge sich also vertrauensvoll an dieselbe wenden.
Diese Antwort trug das Gepräge der Offenherzigkeit; in Wahrheit aber war sie nur eine plausible Ausflucht. Dem alten Herrn war die Absicht des Freiers schon längst nicht mehr unbekannt; als er aber ganz kürzlich mit seiner Tochter darüber gesprochen, hatte er die Erklärung von ihr erhalten, daß sie Herz und Hand schon versagt habe. Sie werde keinen anderen heirathen, als den Mann ihrer Zuneigung — den Referendar Hermann Warendorff.
Menzel, der sich von diesem Stand seiner Bewerbung nichts träumen ließ, beeilte sich natürlich ber Weisung des biedern Kriegsrats Folge zu leisten, und machte ber jungen Dame brieflich seinen wolstilisirten Antrag.
Die Antwort blieb nicht lange aus; Frl. Neuhoff schrieb ihm ein in den verbindlichsten Ausdrücken abgefaßtes Briefchen, dessen Gesammtinhalt in etwas gewundener Form einem Korbe so ähnlich sah, wie ein Ei dem andern.
Administrativ-Convention alle diejenigen Bestimmungen des Handelsvertrages vom 16. December 1878 von der deutschen Regierung ausgegangen war und daß Mitte Januar v. I. eine Erklärung der Oesterreichisch-Ungarischen Regierung eingegangeit, in welcher sich dieselbe hierzu unter den folgenden Bedingungen bereit erklärt: Zunächst sei es 1. für die österreichisch-ungarische Monarchie nicht möglich eine Verpflichtung hinsichtlich der dem Appreturverkehr bisher vertragsmäßig eingeräumten Begünstigungen für die Dauer des Provisoriums zu übernehmen, wenn gleichzeitig mit dem 1. Januar 1880 die für die Einfuhr böhmischer Rohleinen von Deutschland seit einer so langen Reihe von Jahren gewährte Zollfreiheit mit einem Schlage völlig aufgehoben werde. In ähnlicher Weife erscheine es 2) nicht möglich, während deS Provisoriums eine vertragsmäßige Verpflichtung rücksichtlich des im Artikel 15 zweiten Absatz vereinbarten Verbots der Anwendung nicht publicirter Reformation im Eisenbahnverkehr aufrecht zu erhalten. — Auf diesen Grundlagen ist am 31. December v. I. diejenige Verständigung über die provisorische Aufrechterhaltung eines Teils der Vertragsbestimmungen bis zum 30 Juni 1880 erfolgt. Gleichzeitig wurden die Verhandlungen fortgesetzt behufs Zustandekommens eines neuen Handels- und Zollvertrages und hierbei wurde versucht gleichzeitig die sonst noch in der Verhandlung begriffenen Verträge über verschiedene andere die Verkehrsbeziehungen zwischen beiden Staaten berührende Fragen zum Abschluß zu bringen. Es ließ sich jedoch eine baldige endgültige Verständigung über die Hanvelsbeziehu igen zwischen beiden Reichen zur Zeit nicht in Aussicht nehmen. Als daher mit Rücksicht hierauf die österreichisch-ungarische Regierung die Aufrechterhaltung des gegenwärtigen auf dem Handelsverträge vom 16. Decbr. 1878 beruhenden Status quo der Handelsbeziehungen provisorisch noch für ein ferneres Jahr sicher zu stellen gewünscht wurde trug die deutsche Regierung kein Bedenken, auf diesen auch nach ihrer Ansicht den Verhältnissen entsprechenden Vorschlag einzugehen. Sie hält es auch ihrerseits nicht für möglich, den in der Verhandlung begriffenen Handelsvertrag so rasch zu Stande zu bringen, daß die Zustimmung des Bundesrats und die Genehmigung des Reichstags noch vor Ablauf der gegenwärtigen Session würde eingeholt werden können. Die von österreichisch-ungarischer Seite für die Fortdauer des Provisoriums vorgeschlagene einjährige Frist erscheint sowol im Interesse der bezüglichen Verhandlungen selbst als auch deshalb empfehlenswert, um eventuell den in Frage stehenden neuen Vertrag rechtzeitig vorlegen zu können. Hiernach wurde die Uebereinkunst vom 11. April d. I., welche jetzt dem Reichstag vorgelegt ist, abgeschlossen.
Koblenz, 9. April. Die Kaiserin hat dem Oberbürgermeister Seltner 1000 Mark übersenden lassen zur Wiederherstellung der Rhein-Anlagen. Zu demselben Zwecke hatte die hohe Frau schon einmal 2000 Mark geschenkt.
Das Staunen, die Beschämung und der Aerger Menzels über diese Ablehnung würden vielleicht weniger groß gewesen sein, wenn ihm nicht wenige Stunden vor deren Empfang von einem Freunde die vertrauliche Mitteilung gekommen wäre, daß der Referendar Warendorff fein bevorzugter Nebenbuhler fei.
Hatte Menzel schon vorher gegen seinen glücklichem Kollegen ein tiefes Mißtrauen gefaßt, so trat zu diesem noch ein bitterer Groll, ein giftiger Haß hinzu. Und diese feindseligen Gefühle wüteten in der Brust des abgewiesenen Freiers um so stärker, als er sie unterdrücken mußte, aus Furcht, noch obendrein verspottet zu werden. Denn die Lacher stehen immer auf Seiten des Glücklichen.
Aber es schien einmal Menzels Geschick gewesen zu sein, in diesem Falle sich zu einer sträflichen That fort« reißen zu lassen, damit durch sie das Geheimniß seines noch strafbareren Verbrechens enthüllt werde. Er schwor sich zu, an seinem Nebenbuhler unter der Maske unveränderter Freundschaft eine ausgesuchte Rache zu nehmen, ihn moralisch zu Grunde zu richten.
Warendorff, welcher öfters im Hause des Kriegsrats erschien, war aus Zartgefühl seitens seiner Geliebten nicht davon unterrichtet worden, daß Menzel ihr die Auszeichnung eines Heiratsantrags hatte zuteil werden lassen. Daher blieb sein Benehmen gegen den letzteren nach wie vor ein unbefangenes und freundliches, während baffelbe anscheinend eben solche Erwiderung fand.
Es ist bereits erwähnt worden, daß der Referendar von seinem reichen Vater in Geldsachen sehr karg bedacht wurde. Es konnte daher nicht auebleiben, daß der joviale junge Mann zuweilen in Geldverlegenheit geriert». Wenn er bann Schuldverbindlichkeiten einging und die Summe