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Marburg, Sonntag, 4. April 1880
XV. Mrganfl
Anzeigen nimmt emgegen: Me Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureaux von Tb, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Bögler in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, r<^; Rudolf Kloffe in Berlin, Frankfurt <$. M ic.
(Obcrljrlfifdjr Jfitmtg.
Anzeigen nimmt entgegen dir Expedition d. Blatte» sowie d-Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jägerische Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendani in Berlin; W. Thienes in Elberfeld; C. Schlotte in Bremen.
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AM- Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellungm an.
Tagesbericht.
Der „Reichsanzeiger" meldet: Kaiser Wilhelm ist durch eine leichte Erkältung mit Heiserkeit genötigt, das Zimmer zu hüten.
Die neuerdings auftauchende und von einigen national- liberalen Blättern colportirten Gerüchte vvN dem Rücktritt des gegenwärtigen Staatssekretärs des Innern und Preußischen Handelsministers Hofmann von seinem Reichsamte können wir aus Grund bester Informationen als vollkommen grundlos bezeichnen. Herr Hofmann denkt nicht an einen Rücktritt, namentlich auch nicht aus dem ihm imputitten Grunde, weil nach der neuesten Anordnung des Reichskanzlers die Chefs der Reichsämter bei den Verhandlungen mit den Bnndesregierungen die Vermittelung dcS Auswärtigen Amtes in Anspruch nehmen sollen. Diese Verfügung ist selbstverständlich durch die neue Organisation des Reichsamts des Innern geboten, welche dem letzteren ganz andere Funktionen zuweist, als dem früheren Reichskanzleramt. ____________
Die neueren Berichte über ein abgeschloflenes formelles Bürnnis Rumäniens mit Oesterreich und dadurch auch mittelbar mit Deutschland sind offenbar die Wiederholung der früheren und sind dadurch entstanden, daß Herr Bratiano bei seinem Aufenthalte in Wien von dem vollkommenen Einverständnis Rumäniens mit Oesterreich und Deutschland sür die Wechselfälle der Zukunft gesprochen hatte. Ein solches Einvernehmen hatte indessen der rumänische Ministerpräsident schon in Berlin als durch die Interessen Rumäniens angezeigt und im übrigen für vollkommen gesichert bezeichnet, unter Zurückweisung jener übertriebenen Geaüchre wegen eines förmlichen Anschlusses an den Octoberbund. Man bemerkte gewiß richtig, daß ein Bündnis in letzterem Sinne auf bevorstehende bedeutsame Ercignisie hindeuten würbe, welche die friedliche Wendung der augenblicklichen Lage im Gegenteil nach allem Anschein ausschließt.
Die französische Regierung hat ein Rundschreiben über die Affairc Mayer-Hartmann erlassen, welches in der „Times" veröffentlicht ist. In demselben wird etwa Folgendes ge-
Der tolle Hans.
Von Karl W. Hainau.
(Schluß.)
„He, was will der Grünschnabel?" ruft der Schieläugige. „Herunter dort, oder Eure letzte Stunde hat geschlagen. Vorwärts ihr Alle, wollt Ihr von dem jungen Burschen Euch ins Mauseloch jagen lassen?"
Und mit gewaltigem Satze springt er gegen Hans an, der aber schlägt ihm eine feste Terz über den struppigen Kops, daß eie Klinge zischend herniedersaust: — „die« für den Grünschnabel, verwünschter Knoten!" — Heulend vor Schmerz und Wmh holt Brand nun mit seinem Krüppel aus.
Die Aufrührer dringen an, es kommt zum Handge- mmge, arg werden die Studenten bedrängt; die Klinge von Hansens Hieber ist zerbrochen, er entreißt dem Stiefelputzer den messingnen Bierhahn und mit einem Schlage schlägt er den Rädelsführer darnieder, dem der Neufundländer die Kehle zerfleischt. — ,
Doch das ist das Signal zum Hauptangriff; es regnet Steine, hier und da bluten die Musensöhne; einzelne von ihnen hat man von der Rampe heruntergerissen, mit Strickm gebunden, gemißhandelt; zähneknirschend sehen die jungen Leute dem Kampfe zu, an dem sie nicht mehr Teil nehmen können. Die Studenten weichen bis dicht vor die Thür zurück; ihre Kräfte sind erschöpft, heftig arbeiten die) ungen; nur HanS, der schöne tolle Hans, steht noch da, vorn an. der Rampe, den metallenen Hahn schwingend, und gegen ihn richtet sich der ganze Haß der Ansrüher.
Rechts neben ihm hält Bornheim, den Schläger munter gebrauchend; links Gottlieb der Brave, in ter Hand das zerbrochene Gesäß von Hansens Waffe.
sagt: Hartmann sei am 15. Februar auf Veranlassung des russischen Botschafters durch den Polizeipräfekten ohne Wissen des Ministerprästdenten verhaftet. Am 16. habe der Botschafter schriftlich die Auslieferung des Gefangenen verlangt; er versprach das Beweismittel dafür, daß er am Moskauer Attentat beteiligt sei, beizubringen. Als das Material nicht folgte, ersuchte ihn am 21. Freycinet darum und am 24. nochmals, hinzufügend, daß eine längere Verhaftung Hartmanns der französischen Regierung Verlegenheiten bereiten würde. Am 25. Februar übersandte Or- loff die Documente und wiederholte die Ausliefeeungsfor- berung, diesmal auf Grund genauer Verbrechen. Freycinet gab die Aktenstücke dem Justizminister zur Beurteilung. Am 28. übersandte Orloff einen Brief, in welchem das Leben des Botschafters bedroht wurde; Freycinet traf polizeiliche Anstalten, den Botschafter zu schützen und erkundigte sich dann persönlich bei Orloff, ob er mit den Schutzmaßregeln zufrieden sei. Bei dieser Gelegenheit habe Orloff gesagt, er ermatte stündlich einen Moskauer richterlichen Beamten mit allem etwa noch fehlenden Beweismaterial. Sollte die Auslieferung verweigert werden, so sei cs ihm von höchster Wichtigkeit, daß die Ablehnung der Forderung sich ausschließlich auf juridische und nicht politische Gründe stütze, um die Gefühle de» Zaren zu schonen. Ausschließlich deshalb habe die französische Regierung in ihrer Weigerung lediglich die Frage des gemeinS.n Verbrechens zu betonen geglaubt. Am 2. März kam der Moskauer Beamte; erst am 4. schickte ihn Orloff zu dem Justizmillister; am 6. berichtete derselbe dem Cabinet, daß die Unterredung mit dem Beamten kein neues Licht in die Sache verbreitet habe und daß kein Grund vorliege, aus Rußland mehr Beweise zu ermatten, weil nach russischen Gesetzen die Untersuchung nicht gegen abwesende Personen geführt werden dürfe. In Folge dessen sprach sich der Ministerrat gegen die Auslieferung aus und Freycinet zeigte das Orloff an. Dieser sprach seine Verwunderung aus, daß man ein solches Urteil gesprochen, noch ehe er ein gerichtliches Gutachten habe beibringen können, und fragte, ob die Entscheidung enbgiltig sei, was ihm bejaht wurde. Der Minister des Auswärtigen legte dann dem Botschafter noch einmal die Gründe des Ministeriums für seine Entscheidung dar; er habe die Haft nicht länger ausdehnen können und an- nehmen müffen, daß Rußland sein Beweismaterial erschöpft habe. Darauf hörten die Beziehungen zwischen Orloff und dem Ministerium auf. Am 15 März schrieb Orloff, um seine Charge d’affaires zu beglaubigen, ohne den Besuch Freycinets zu erwiedern, und ohne bei dem Präsidenten Grevy einen Besuch zu machen.
Deutsches Reich.
** Berti», 2. April. Wie gestern bereits mitgeteilt 'worden, findet am Sonnabend die erste Sitzung des Bun-
Von einem Stein getroffen, bricht Zerber in die Kniee; die Angreifer drängen trotz der blutigen Köpfe, die sie sich holen, vor. — Der Arm des tollen Hans aber ist unermüdlich und schwer hernieder kracht der Bierhahn auf die dicken Hüte der Empörer. „Horch, ein Cavalleriestgnal!" ruft Bornheim.
„Hurrah, unsere Husaren," ruft Hans und hebt, frisch gestärkt durch diese Hoffnung, von Neuem die wuchtige Waffe; da blitzt ein Schuß auf,' Hans fährt zuckend mit der Hand nach der Brust. — „o Gott", schreit er auf, und sinkt taumelnd dem treuen Gottlieb in die Arme.
Auch die Mordgesellen haben das Signal gehört; doch ehe sie noch einen Entschluß fassen können, ob fliehen, ob Widerstand leisten, da sprengen die Husaren in den Hof, ihnen voran ein junger Offizier mit hochgeschwungenem Säbel.
Ehe die Menge einen Fluchtversuch machen kann, ist sie umringt; einige vierzig Karabiner richten sich gegen sie und mit heller Stimme befiehlt der Offizier, die Waffen fortzulegen und sich zu ergeben.
Wenigen gelang es mit Mühe durchzubrechen; das GroS bet Empörer wird gebunden und abgeführt, um imJnqui- sitoriat der Stadt sich zu ernüchtern.
Die Gefangenen werden befreit; Alles springt herzu, um nach Haus zu sehen, auch der Offizier eilt herbei, während der Inspektor die Damen herbeiholt, um ihnen zu verkünden, daß die Gefahr vorüber sei.
Mit Thränen in den Augen tragen die Corpsbrüder den Sterbenden ins Zimmer; Zerber, der notdürftig seine eigene Wunde verbunden hat, forscht nach der Wunde seines Freundes; die Kugel fft mitten durchs Herz gedrungen, leise Bluttropfen rinnen herab.
deörats nach Ostern statt. Aus der Tagesordnung stehen, außer dem gestern schon erwähnten Ausschußbericht über die Reichsstempelabgabe, die Vorlage des Gesetzentwurfs wegen Abänderung des Münzgesetzes und der Antrag auf Herabsetzung des Betrages der Fünf-Mark-Scheine, ferner Beschlußfassung über zwei die Kadettenlehrer betreffende Fragen unb' endlich Bericht des Justizministers über die Vorlagen, betreffend die Geschäftsordnung des Reichsgerichts, betreffend den Vertrag mit Oesterreich-Ungarn über die Beglaubigung von Urkunden, betreffend die wechselseitige Einziehung von Gerichtskosten und endlich über die bereits aus dem Jahre 1877 stammende Vorlage, betreffend die Streitigkeit wegen der Landeshoheit über die sogenannte hohe Rade. — Durch allerhöchste Ordre ist die Erlaubnis erteilt, zu der in Verbindung mit einer in der Zeit vom 8 bis 15. Juni d. I. in Neustrelitz zu veranstaltenden Tierschau und Gewerbe-Ausstellung beabsichtigten Lotterie von Ausstellungsgegenständen im diesseitigen Staatsgebiet und zwar in den Provinzen Pommern und Brandenburg Lose zu vertreiben. Gleichfalls hat auf Grund allerhöchster Ermächtigung der Minister des Innern für dieses Mal noch genehmigt, daß der landwirtschaftliche Bezirksverein zu Mannheim zu der diesjährigen Ausspielung von Pferden, Rindvieh, Fahr- und Reitrequisiten itf.ro, welche derselbe am 3. und 4. Mai d. I. veranstalten will, diese Lose in der Provinz Heffen-Nassau und in der Rheinprovinz vertreiben darf. — Die Kuff „Elise Margarethe" von Wester- accummsiel hat im Dezember v. I. auf der Reise von Antwerpen nach Brake einen Unfall gehabt, in Folge dessen bei Führer des Schiffes Eilt» beschloß, das Schiff zu verlassen 'il.nb sich auf die Kuff „Henriette" zu retten. Das Seeamt in Estden gab seinen Spruch dahin ab, daß der Verlust der „Eilst Margarethe" auf die stürmische Witterung zurückzuführen ufib der Schiffer Eilt» von jeder Schuld frei sei. Gegen diesen Shruch hat der Reichskommissar Beschwerde erhoben, das Obt’rfteamt hat jedoch den ersten Spruch bestätigt. — Seitens bd'r Admiralität sind in Folge der anderweiteu Organisation des WerftvMZ.ftungSpersonals neue Reglements erlassen: 1. über die Annahme zu? Abbildung und Prüfung der Anwärter für das Werftbetriebs- secretariat, und 2. über die Annahme, Ausbildung und Prüfung der Anwärter für das Werftbetriebssecretariat und für den Werftschreibdienst, welche vom 1. April an Stelle ber früheren Reglements ins Leben treten. Ebenso ist ein Reglement für die Annahme von Schiffssühtetn erlassen worden. Diese sind Beamte der Marine und haben in erster Linie die kleinen Werst- unb Hafenbau-Fahrzeuge zu überwachen. — Nach Eingang der Berichte der Ober- präsidenlen über die Höhe der bei Sparkassen kommunaler Verbände anzusammelnden Reservefonds und über die Frage, ob die nach Konstituirnng der Fonds aus dem Sparkassenbetrieb erwachsenden Ueberschüsse der Kommune zur freien
Johann muß in die Stadt, um einen Arzt zu holen; kaum vermag er hindurch durch die Weiber und Kinder, die Männer des Dorfes, die fragend die Dorfstraße füllen und ahnungslos dem Kutscher nachblicken; Kathi aber schlägt ihr Tuch um und trotz aller Bitten ihres Vaters eilt sie hinaus aufs Schloß.
Auf weichem Divan ruht der Sterbende; bleich sind die schönen Züge, schwer röchelt die Brust, die Augen sind geschlossen und die Hände irren zitternd auf ber Decke. Still, mit tiefstem Entsetzen stehen die Musensöhne um das Lager; Zerber und Bornheim allein sitzen am Divan, kühlen die Stirn des zu Tode Getroffenen, und neben ihnen steht Louise, aus beten dunklen Augen Thräne um Thräne herabrinnt. Leise beugt sie sich nieder, faßt Hansens Hand und preßt auf die falte Stirn einen langen, glühenden Kuß; hatte er doch mit seinem Blute ihre Rettung erkauft.
Da stürzt Kathi herein, mit brennenben Augen, zuckenden Lippen sinkt sie nieder am Lager des Studenten; man macht ihr ehrfurchtsvoll Platz, denn es liegt in ihrem Wesen etwas, was Ehrfurcht abzwingt: der Ausdruck eines unnennbaren Schmerzes; der Ausdruck eines Menschen der — Alle» verloren hat.
Keine Thräne entströmt den blauen Augen; aber als sie mit bebender Stimme, mit angstvollem Blicke leise ruft: „Mein Hans, mein armer Hans," da durchzuckte das Gefühl des innigsten Bedauern selbst die Studenten, die sonst von Gesühlsaufwallungen nicht gerade eben heimgesucht werden.
Langsam schlug der Sterbende die dunklen Augen auf, ein Lächeln umspielte ben schönen Mund unb den schon halbgebrochenen Blick auf Kathi richtend flüsterte er leise: