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Är. 78.

Marburg, Sonnabend, 3. April 1880

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Der tolle Haus.

Von Karl W. Hainau.

(Fortsetzung.)

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NN" Bei dem bevorstehenden Quartalwechsel ersuchen, wir unsere Leser ihre Bestellungen auf das zweite Lduartal, damit in der Uebersendung keine Unterbrechung stattfindet, recht bald bei den Postanstalten machen zu wollen.

Auf dem Lande nehmen die Landpost­boten Bestellungen an.

Tagrsöerrcht.

Der Kaiser hat dem Fürsten Bismarck zu dessen gestrigem Geburtstag einen Gratulationsbesuch abgestattet. Prinz Wilhelm ist von England, die Erbprinzessin von Meiningen von Darmstadt nach Berlin wieder zurückgekehlt. Die Kapelle des Kaiser-Alexander-Garderegiments brachte dem Fürsten Bismarck zu seinem Geburtstag eine Morgenmusik. Das diplomatische Corps und eine große Menge distin- guirter Personen gaben ihre Karten ab. Aus allen Gegen­den Deutschlands liefen eine große Anzahl Telegramme und Bliese mit Glückwünschen, sowie Blumenspenden und an­deren Angebinden ein. Nachmittags concertirte das Musik- Cvips des 2. Garde-Regiments.

Ein Artikel derProvinzial-Corrcspondenz über die finanzielle Aufgabe des Reichstages bespricht hauptsächlich die Braustcuei Vorlage und schließt: die Erwartung sei wohl berechtigt, daß der Reichstag sich die Tragweite, welche der -Entschluß der Ablehnung haben würde, zum vollen Be­wußtsein bringe. Der Entschluß würde entweder die Er­klärung des gegenwärtigen Reichstags bedeuten, den Grund­gedanken der Steuerreform seinerseits fallen zu lassen, oder die Erklärung, daß unter den vorhandenen Mitteln, die Reichseiunahmen genügend zu erhöhen, andere vor der zu­letzt oder gar nicht in Betracht kommenden Brausteuer ge­sucht werden sollten. Im Sinne des Reichstag« könne keine von beiden Erklärungen liegen.

Wie derMagdeb. Ztg." versichert wird, wäre die Frage der Besetzung des Dlaatssekrctariats im auswärtigen Amte und der beiden Botschaflerposten in Paris und Kon­stantinopel entgegen anderen während der letzten Tage kursirende,! Nachrichten jetzt so gut wie endgültig dahin entschieden, daß Graf Hatzfcldt die von Anfang an für ihn in Aussicht genommene Stellung als Nachfolger des Grafen Bülow im October d. I., also nach Ablauf des Hohcnlvhe'schen Provisoriums, antreten soll. Herr von Radowitz, der in kurzer Frist, sobald Fürst Hohenlohe aus Paris in Berlin wieder eingetroffen sein wird, sich als provisorischer Chef der deutschen Botschaft dorthin begibt, würde im Oktober als Botschafter nach Konstantinopel

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Anzeigen nimmt rnrgegen: die Expedition d.vlatte«, fotoic d-Annoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Kassel und Hannover; Th. Dietrich in Frankfurt a.M.; Haasenstein & Vogler in Frankfurt a. M., Berlin, Leipzig, Cöln re.; Rudolf Kosse in Berlin, Frank­furt n. M re.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d. Annoncen-Bureaux von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Herrnann'sche Duchtzandl. daselbst; Jnvalidendatü in Berlin; x8. Thienes in Elberfeld: E. Schlotte in

Alles ergriff Schläger und Ziegenhainer, stülpte.die Mütze auf, Gottlieb ergriff einen metallenen Bierhahn, der Wirth räumte in der Geschwindigkeit die Tische ab, eilte ms Haug und verbarrikadirte die Thüre von innen.

Stillgeftanden und die Glieder geschlossen. He, Kutscher wie vwl solche Kerle sind da?"

Ach, einige siebzig bis achtzig, junger Herr!"

p,. ,,2.tsto besser, um so mehr werom gehauen! Für alle stalle eilst Dm in die Stadt und holst Militär; Du, Rosencgg Hans wandle sich an ein blutjunges FüchSchen ' Zkhst mit; hier können wir Dich doch nicht brauchen!" Rosencgg machte Einwendungen.

Still," donnerte Hans.Kehn, 'marsch!" Der Kutscher und daS Füchslein eilten davon.

Nun vorwärts, Freunde; jetzt gilt'ss"

, Dicht aneinander geschloffen eilten sie in der ihnm von früher wolbekannten Richtung nach dem Schlosse zu, von bcm schon von Weitem aus ein wüstes Gebrüll zu' ihnen herüberschallte; bellend folgten ihnen die Hunde.__

Die ältliche Dame, die bereits zweimal an diesem Tage ®it den Studenten zusammengctroffen war, war die Besitzerin des Schlosses, welches sie von ihrem Vetter, dem alten Frei Herrn von Hellmuth, geerbt hatte.

Der alte Freiherr galt zu seinen Lebzeiten als einer 13;. btt ärgsten Menschenquäler: in der ganzen Gegend erzählte "an sich die seltsamsten Geschichtchen über den Mann, jessen Gattin bereits im ersten Jahre ihrer Ehe au« Gram »bei die unerträgliche Rohheit des Gatten gestorben war.

gehen, Fürst Hohenlohe dagegen zu dieser Zeit seinen alten Posten in Paris wieder einnehmen. Damit wäre den Wünschen der französischen Republik, sowie des letztgenannten Diplomaten, der, nachdem er von den Geschäften des Reichs- diensteS an der Centralstelle in Berlin ein halbes Jahr lang Kenntnis genommen, wieder in seinen bisherigen Wirkungskreis bis auf weiteres zurückkehrt, zu gleicher Reit entsprochen.

Deutsches Reich.

** Berlin, 1. April. Der Bundesrat tritt am Sonn­abend dieser Woche wieder zu einer Plenarsitzung zusammen. Der Hauptgegegeustand der Tagesordnung wird der Bericht der Ausschüsse bilden, welche mit der Vorberatung des Ge­setzentwurfs über die Erhebung von Reichsstempelabgaben beauftragt worden. Das ,Berl. Tagebl" meldete bereits am Sonntag, die Vorlage wegen Beteiligung des Reichs an der Süvsee-HandelSgesellschaft sei dem Bundesrat zuge- gangen. Die Meldung hat sich aber bis jetzt nicht bestätigt, und wenn dasBerl. Tagebl." bereits berichtet, was angeblich in den Motiven enthalten sei, so ist zu bemerken, daß die- elben noch gar nicht festgestellt sind, folglich auch Niemand schon bekannt sein können. In der heutigen Post wird die Konvertirung der 4i/rprozentigen Pfandbriefe in 4pro- centtge durch ein Eingesandt lebhaft empfohlen. Derartige Konvertirungen sind nun nichts Neues, auch nicht bei den Landschaften, deren verschiedene solche Maßregeln teils durch- gefuhrt, teils eingeleitet haben. ES würde übrigens, wie man hört, weiteren Anträgen nach dieser Richtung, sobald sie eine sichere Basis nachzuweisen im Stande sind, kein Wiederspruch maßgebenden OrtS entgegengesetzt werden. Nach einer vom Kriegsministerium ausgestellten Nachweisung hat die Armee gegenwärtig 378 Garnisonen mit Ausschluß der baierischen und württembergischen. In den Konsisto­rien treten mit dem 1. April mehrfache Veränderungen ein. Wie man hört ist der Konsistorialrat v. Diepenbrock-Grüter iu Münster penstonirt worden. An seine Stelle tritt der Konsistorialrat v. Westhoven, bisher in Berlin, der wiederum durch den Hofkammerrat Arnold ersetzt wird, welcher schon früher dem Konsistorium von Brandenburg angehörte. In die Hofkammer, wird zum Ersatz der Konsistoxial-Asseffor v. Wolf befördert. Der Konsistorialrat Mayerhof vom berliner Konsistorium ist in das Reichspostamt versetzt worcen. Aus industriellen Kreisen Aachens wird die Thätigkeit der Tuchfabriken als bedeutend in der Annahme begriffen geschildert, denn außer den fortgesetzten Aufträgen für Amerika hat sich oer Export nach Oesterreich auch ziemlich ansehnlich entwickelt. Der Konsum für den deutschen Markt nimmt ebenfalls zu uud eS kann daher die Industrie hoffnungsvoll in die Zukunft sehen. Weiter wird bemerkt, daß alles darauf hindeuwt, daß auch daS Spinnereigewerbe einer Besserung entgegengeht und daß

Am schlimmsten hatten es die Dienstleute und Tage­löhner des Gutes und nur die Furcht vor der grausamen Strenge ihres Herrn hielt diese Menschen, unter denen sich manch wildes Individuum befand, vor offener Empörung

Man athmete auf, als man die Leiche des Despoten auf dem Paradebette liegen sah und nie haben Hände mit größerem Eifer einem Verstorbenen stin letztes Bett bereitet, al« damals die Dienstleute des alten Freiherm.

Nun kam die neue Besitzerin; eine müde, beinahe furcht­same Dame, und man hielt die Zeit für gekommen, von ihr all die Aufbesserungen zu verlangen, die man sich ge. scheut hatte von dem Tobten zu fordern.

Die Schloßherrin war indessen trotz ihres stillen, sanften Charakters nicht geneigt, ohne Weiteres den in'S Maßlose sich steigernden Wünschen ihrer Gutsleute nach­zugeben, und so sammelte sich denn im Schoße dieser Menschen die Unzufriedenheit, die durch herumziehende Bummler, wie reisende, sozialdemokrattsch angehauchte Agi­tatoren noch angeschürt wurde.

Kürzlich hatte sich eine Deputation der Leute zur Herrin begeben um Abkürzung der Arbeitszeit und doppelt erhöhte Löhnung zu bieten; der Inspektor des Gutes, hatte sie, im Beisein und Auftrage der Herrin, abgewiesen; man beschloß, von jenem schieläugigen Kerl aufgehetzt, der alle Kneipen der Umgegend unsicher machte und überall das Evangelium vom freien Arbeiterstande vorpredigte, mit Ge­walt vorzugehen; der heutige Tag wurde dazu ausgewählt und nachdem man beträchtliche Mengen von Schnaps zu sich genemmen, zog man, mit Steinen, Knüppeln, teilweise mit alten Gewehren bewaffnet, vor'S Schloß, auf dem es bereits still geworden.

der Aufschwung des Wollhandels in sehr rascher Entwicke­lung begriffen ist. Die Umsätze in Wolle beruhen jetzt aus vollem Bedarf. Aus Elberfeld konstatirt ein Bericht vom 15. März, daß mit Rücksicht auf den nun eingetretenen EntwickelungSgang des geschäftlichen Verkehrs, der für rationell gehalten werden kann, der Glaube berechtigt ist, daß die wenn auch nur langsame aber immerhin erkenn­bare Besserung im Bezirk Elberfeld reell und dauerver­sprechend ist. Nicht allein haben sich für die Gußeisen- mdustrie ertragreiche Verhältnisse eingestellt, sondern auch die Besserung in den anderen Industriezweigen führt zu der Annahme, daß der Mark seine normale Gestalt wieder­gewinnen wird. Ein Kriterium allgemeiner Besserung ist übrigens die Einmütigkeit, mit der Vertreter einzelner In­dustrien sich zu Preiserhöhungen zusammengethan haben. Berichte, welche sich ähnlich aussprechen liegen aus mehreren Fabrikstäoten der Rheinprovinz vor, z. B. aus Cxefeld, von dott wird über die günstige Lage des Rohseidegeschäfts, der Seidenwarenfabriken und des Twistgeschäfts berichtet und die Situation als eine gesunde bezeichnet. Auf Grund eines Berichts eines Provinzialschulkollegiums hat der Kultusminister erklärt, daß selbstverständlich die Berichte über die erteilten Ausnahme-Genehmigungen zur Anwendung des beschränkten Submissionsverfahrens oder des Verdingö aus freier Hand nur von derjenigen Behörde zu erstatten sind, welche als bauleitenbe Instanz diese Ausnahme-Ge- nebmigungen erteilt hat. Nach früher ergangenen Bestim­mungen steht die Bauleitung auch für die zum Geschäfts­bereich der Provinzial-Schulkollegien gehörigen Bauausfüh­rung den betreffenden Bezirksregierungcn zu. Es wird daher die Vorlage der bezüglichen Nachweisungen ausschließ-

' ttch Sache dieser Behörden fein.

derliu, 31. März. sDelegirtenversammlung des all­gemeinen deutschen RealschulmännervereinsJ Den Bericht des Vorstandes über seine Thätigkeit während des ver­flossenen Jahres erstattete Prof. Schmeding (Duisburg). Der Bericht entwickelt ein Bild emsiger und rastloser Thätigkeit, wie sie in der Presse, in Vereinen Broschüren rc. zur Weiterbeförderung der Realschulsache entfaltet worden ist. Ein gut Teil dieser Thätigkeit absorbirte die Agitation für die Erlangung der Berechtigung zum Studium der Medicm für die Realschulabiturienten, der Bericht konsta­tirt mehrfach Voten von mevicinischen Autoritäten, welche den Bestrebungen der Realschulmänner durchaus nicht ab- hold sind, und spricht den Wunsch aus, daß auch die im vorigen Jahre entwickelte Thätigkeit helfe, die Gegner zu bekehren, die Zweifler zu belehren und damit zur endlichen Losung der Realschulfrage beizutragen. Die im vorigen Jahre beschlossene Städte-Petttion an den Reichskanzler im Inter­esse des medicinischen Studiums der Realschul-Abiturienten ist an ihre Adresse abgegangen. Von den 85 anerkanntett preußischen Realschulen erster Ordnung sind 67 städtischen

Bei der großen Heimlichkeit, mit der jene Menschen die Angelegenheit betrieben, ahnte Niemand unten im stillen Dorfe etwas von den Vorgängen.

Das Schloßlhor war gesperrt; der Inspektor hatte sich zur Ruhe begeben und nur oben in dem Zimmer, dessen Balkon übtr der zur Auffahrt bestimmten Rampe auf den Hof hinausginz, war noch Licht; die Schloßherrin und Louise, ihre junge, schöne Tochter, unterhielten sich noch lachmd über die heutigen Abenteuer.

Louise saß auf einem kleinen Tabouret; ihr lockiges Köpfchen auf die Hand gestützt und sah mit den tief dunklen Augen zu ihrer Mutter empor.

Mama, der junge Mann hatte doch etwas Edles, An­sprechendes in seinem Aeußeren. Wie ritterlich überreichte er mir den Kranz"

Wie ritterlich trank er das große Glas auf einmal aus," spottete die Mama.Doch was ist das?"

Sie eilte aus Fenster; eben hatten die Arbeiter, unter Führung des Schieläugigen, das Thor durchbrochen und ergossen sich nun in Hellen Haufen über ben Hof.

»He, aufgemacht, Ihr ba eben, ober wir wollens thun," rief, Brand, der Führer der Seute.

Mit leichenblassen, entsetzten Gesichtern starrten die beiben Damen hinab in das Gewoge, unfähig ein Wort zu sprechen.

Endlich al« man unten immer drohender rief, bas Hans 8 öffnen, riß Louise entschlossen den Klingelzug; Johann, der Kutscher, kam athemlos unb zitternb herauf und Louise befahl ihm, durch das Hinterpförtchen des ©arten« in's Dorf zu schleichen, und Hilfe zu holen.

Tie Zeit bis zu Johanns Rückkunft wurde den Damen zur Ewigkeit Fäuste und Aexte donnerten gegen die dicke