Mr. 76
Marburg, Donnerstag, 1. April 1880
xv. Mlgasg
Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blattes, sowie d.Annonceu-Bureau von Th, Dietrich & Co. ii Kassel und Hannover; Th Dietrich in Franlfurt a.M. Haalenstein & Bögler ii Frankfurt a M.. Berlin Leipzig, Söifi ic.; Rndol, Ilosie in Berlin, Frank- furt 6. M. ie.
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d. Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jüger'sche Buchhandlung das elbst;
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Bremen.
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SSU^ Bei dem bevorstehenden Quartalwechsel ersuchen wir unsere Leser ihre Bestellungen auf das zweite Guartal, damit in der Uebersendung keine Unterbrechung stattfindet, recht bald bei den Postanstalten machen zu wollen.
Säg* Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellungen an.
TageSbertcht.
Der „Reichsanzeiger" publicirt die Ernennung des Geh. OberpvstratcS Fischer zum Director im Reichspostamt.
Der Reichstags-Abgeordnete LaSker hat an seine Wähler in Meiningen ein Schreiben gesandt, in welchem er seinen Austritt auS der Fraktion der Nationalliberalen rechtfertigt. Er führt denselben zunächst auf die neue Wirth- schafts- und Steuerpolitik der Regierung zurück, der er sich nicht wie viele seiner Patteigenossen es auS Parteitaktik gelhan, habe anschließen können, weil ihm die Geschichte der plötzlichen Wandlung im vorigen Jahre die Gefahr gezeigt, daß dieselben Beweggründe, welche jene Wandlung bewirkt, jedes energische Festhalten an anderen Fragen liberaler Grundanschauungen verhindern würden. Er fürchte, daß dieselben von der Partei aus taktischen Ursachen gefaßten Erwägungen zu gleichem Verfahren führen würden, sc oft Fürst BiSmarck in irgend einem andern Zweige der Politik auf dieselbe Weise daS Spiel der Parteien in Be- wegultg setzen würde. Eine zeitweilige Verbindung der Nationaütberalen mit den Conservativen, auch wenn es nur gelte, eine kterikal-conservative Mehrheit zu verhindern, könne nur dazu dienen, den liberalen Gedanken zu verwischen und die Liberalm für die im eutgegrngetzteu Sinne geleiteten Handlungen der Regierung und die Beschlüsse des Parlaments mit verantwortlich zu machen, so wie das Wieoeraufnehmen einer positiven Wirksamkeit der liberalen Partei zu erschweren. Wenn er erst jetzt seinen Austritt aus der Fraktion erklärt und dazu nur einen ge- schästtichen Anlaß benutzt habe (Feststellung des Fraktions- Verzeichnisses), so sei dies geschehen, um die propagandistische Absicht gegen seine langjährigen Fraktionsgenossen fern zu halten. In den Schlußsätzen deS Schreibens heißt es: „Auch in meiner isolirten Stellung werde ich der Gesinnung treu bleiben, aus welcher ich an der Giündung der nationalliberalen Partei mitgewirkt habe, während ich mit meinem bisherigen öffentlichen Leben in voller Uebereiu- stimmung zu sein glaube, indem ich den Inhalt über die Form stelle und nicht ferner an einem äußeren Fraklions- verband festhalte, mit welchem ich unter den jetzigen Zeit- Verhältnissen die Gemeinsamkeit der Idee nicht besitze."
Der tolle Hans.
Von Karl W. Hainau.
(Fortsetzung.)
Ein wenig ungläubig vernahm man diese Mitteilung; und Bornheim, der ewig verliebte^Fuchsmajor, wollte eben eine malitiöse Bemerkung vom Stapel lassen, als sie die Biegung erreichten, welche die Landstraße kurz vor dem Dorfe macht. Utechts derselben, auf einem sanft aussteigen- dcn Hügel, umschlossen von Ulmen, liegt der Friedhof des Dorfes; leise spielte der Wind mit den Gräsern auf den schmucklosen Ruhestätten; eben erhob sich schmetternd eine Lerche in die blaue Luft, in der Ferne klang verhallend ein Posthorn und der ganze Umblick, die romantische Lage deS Dorfes, das friedlich melancholische Aussehen des Gottesackers droben, vielleicht auch der Gedanke an seine Trennung und an — die junge Dame stimmten den tollen Hans plötzlich ein wenig ernster und einen eigentümlichen, seinen Begleiter Zerber — wie dieser später erzählte — unvergeßlichen Blick nach dem Friedhöfe werfend, rief er halblaut:
„Dort möcht' ich gern schlummern! Wie schön, wenn Ihr unten auf der Landstraße die alten lieben Lieder singend und meiner gedenkend, voabeizögct und ich hötte droben die trauten Klänge und riefe Euch ein hohles Schmollis hinab!" —
„Pfui! Hans, Du wirst sentimental", rief Bornheim; „aus, Füchse, singt daS alte Lied: „„Ueberall bin ich zu Häuft"" — und selbst anstimmend gab er das Zeichen und unter dem Schall des mit Macht gesungenen Liedes rückte man ins Dorf ein, dessen Bewohner dir Gäste stets gern sahen; die Herren vom Corps sagten stets: »„leben
Mit unerbittlichem Hohn fällt die „Fiankfurter Ztg." über Herrn Lasker und sein Schreiben her. Einige Artikel wendet das Organ Herrn Sonnemann'S darauf, um den Beweis zu führen, daß Herr LaSker unmöglich wieder daS Haupt einer künftigen, natürlich wahrhaft liberalen Partei werden könne, denn der jetzige Lasker ist
„Der alte freigeborne Vogel nicht, Er hat schon Jemand angehött," und um dieser einstigen Hörigkeit willen könne (!) sein Platz nimmer in den Reihen freier Männer sein.
In einem zweiten, ernsthafter gehaltenen Artikel sagt daS Sonnemann'sche Blatt: „DaS Abschiedsschreiben Laskers ist die denkbar stärkste Verurteilung seiner eigenen Politik in den letzten Jahren. Beim Socialistengesetz noch berief er sich aus die Strömung außerhalb des Parlaments, und wie sagt er heute? „Die Verbindung mit den Konservativen unter der, wie wir glauben, nicht nachhaltigen, doch augenblicklich starken konservativen Stimmung kann nur dazu dienen, den liberalen Gedanken zu verwischen und die Liberalen für die im entgegengesetzten Sinne geleiteten Handlungen der Regierung und Beschlüsse des Parlaments verantwortlich zu machen." Sie hat es bereits ge- than durch und mit Laöker — auch diese Erkenntnlß kommt dem Abgeordneten für Meiningen zu spät"
Die „Politische Corresp." meldet aus Konstantinopel: Der Ministerrat soll gestern sehr weitgreifende Concessionen bezüglich de« von Montenegro beantragten Gebietsaustausches beschlossen haben und sollen die Concessionen den Ansprüchen Montenegros fast entsprechen. Der Beschluß wird heute dem Sultan zur Sanction unterbreitet. Man versichert, eS fei keineswegs richtig, daß die Pforte verlangt habe, in der von England ixorgeschlagenen internationalen Commission für die griechische Grenzfrage vertreten zu sein.
Deutsches Reich.
♦* Berlin, 30. März Wie bereits bekannt, shaben die vereinigten Ausschüsse des Bundesrat« für Zoll- und Steuerweseu, für Handel- und Verkehr und für Rechnungswesen bei der Berichterstattung über den Gesetzentwurf, betreffend die Erhebung von Reichsstempelabgaben die Quittungssteuer gestrichen und eventuell den Antrag gestellt, wenn eine solche Steuer beliebt werden sollte, alle Quittungen über Beträge unter 50 M. freizulassen. Wie man hört, ist begründete Aussicht vorhanden, daß daS Plenum des LundeSratS dem Anträge der Ausschüsse nicht beitritt. Der Bundesrat als solcher wird sich der Erwägung nicht verschließen, daß bei der Dringlichkeit der Aufgabe, die Reichseinnahmen zu vermehren, nicht alle in Betracht kommenden Steuern wegen Bedenken gegen ihre Modalitäten zurückgewiesen werden können, indem sonst auf diesem Wege die Möglichkeit der Vermehrung der Einnahmen überhaupt
und leben laffen"" und da gabs manches noble Trinkgeld für Dienste, die man anderwärts umsonst geleistet hatte.
Unter Lachen, Plaudern und Scherzen nahmen die Studenten vor der Kneipe Platz und wie dies so üblich war, wurde durch das Faktotum deS CorpS den alten Stiefelputzer Gottlieb, das bekränzte Wirtshausschild mit dem „traurigen Kater" von der Wand herabgenommen und über dem Haupttische, an dem stäikstcn Aste der Linde aufgehangen, ein Wahrzeichen für die Aussichten deS kommenden TageS.
Dann führte Gottlieb ein neues Manöver aus; durch ein Zeichen mit einer kleinen Signalpfeife rief er alle Hunde der Herren, etwa 14 an der Zahl, zusammen, und postirte die gut dressirten Tiere rings im weiten Kreise um die Linde, immer in der Entfernung weniger Schritte, schlug demnächst jeden der Köter derb mit der Peitsche über den Rücken, und nun war hundert gegen eins zu wetten, daß es keinem Unberufenen glücken würde, in den Kreis, in welchem die Studenten zechten, einzutreten; auch die Dorfjugend, Bursche wie Mädchen, hielt sich in respektvoller Entfernung.
Während dieser Vorbereitungen zum Kommers war HanS, suchenden Blickes, in das Haus getreten und die kleine Treppe, welche zu Kathi'S Giebelfenfter führte, hinauf geeilt; droben schon kam ihm Kathi entgegen, mit einem kleinen Blumenstrauß in der Hand, zitternd und verlegen, fast mit thränenden Augen.
HanS, bei dem Anblick deS jungen, lieblichen Wesens, das so ttenherzig, und, wie er recht wol wußte, mit aller Liebe an ihm hing, weich gestimmt, schlang seinen Arm um ihre Hlaille, und preßte, ohne ein Wort zu sagen, seine Lippen langsam und innig auf ihren Heine« Mund.
verschwindet. Die Ausschüsse drücken sich in ihrem Bericht allerdings so aus, daß die finanzielle Lage jetzt nicht derart sei, die Einführung einer neuen und lästigen Steuer zu rechtfertigen: Dabei wird aber der große Zweck der Steuerreform übersehen, die Einzelstaaten durch Ueberschüsse aus den Reichs-Einnahmen in den Stand zu setzen, die unerträglichen liierten Personalsteuern, welche teils vom Staat, teils von den Gemeinden erhoben werden, zu beseitigen oder wenigstens zu vermindern. — Der G.sammtbetrag der für daS Jahr 1880/81 veranlagten Klassensteuer übersteigt den normalmäßig aufzubringenden Betrag und es sind deshalb nach einer Verfügung des Finanzministers vom 25. d. für das genannte Jahr auf je 3 Mark nur 2 M. 88 Pf., d. h. auf je 300 Pfennige zwölf Pfennige weniger zu erheben. In einer durch die Gesetzsammlung zu veröffentlichenden Bekanntmachung werden die näheren Bestimmungen enthalten sein. Nach dem Erscheinen derselben sollen die Regierungen auf Anweisung des Ministers unverzüglich die nötigen Anordnungen treffen und zwar auch bezüglich der Steuerbeträge derjenigen einkommensteuerpflichtigen Personen, deren Steuer gemäß § 20 des Gesetzes vom 1. Mai 1851 (ergänzt 25. Mai 1873) wegen beeinträchtigter Leistungsfähigkeit auf den Satz, welcher von den Steuerpflichtigen in der zwölften Stufe der Klassenfteuer entrichtet wird, ermäßigt worden ist. — Bekanntlich ist dem Bundesrat der Entwurf von Vorschriften, betreffend den Schutz gewerblicher Arbeiter gegen Gefahren für Leben und Gesundheit auf Grund des § 120 Absatz 3 der Gewerbeordnung vorgelegt worden. In einer kürzlich ergangenen Verfügung drs Ministers für Handel und Gewerbe an die Oberpräsidenten, wird diesen ein Exemplar dieser Vorschriften überwiesen mit dem Ersuchen, den Abdruck derselben in den öffentlichen Blättern zu veranlassen, durch welche sie am sichersten zur Kenntnis der industriellen Kreise in den Provinzen kommen. Auch soll hierbei bekannt gemacht werden, daß der BundeSrat beschlossen hat, diesen Entwurf durch eine Commission von Sachverständigen prüfen zu lassen, ehe über die Einführung Entscheidung getroffen wird. — In der Kgl. Turnlehrer-BtldungSanstalt zu Berlin wird zu Anfang October d. I. ein neuer sechsmonatlicher CnrsnS beginnen. Der Minister für Unterrichts-Angelegenheiten hat die Regierungen darauf aufmerksam gemacht, daß für die Anmeldung und Aufnahme die Bestimmungen vom 20. März 1877 maßgebend sind. Der Bericht über die bei den Behörden eingegangenen Anmeldungen muß bis zum 1 August dem Minister eingereicht sein. — Mittelst Verfügung vom 18. März hat der Minister des Innern dem schlesischen Verein für Pferdezucht und Pferderennen die Erlaubnis erteilt, im November d. I. eine Verlosung von Pferden, Wagen, Fahr- und Reitutensilien zu veranftalteir und die betreffenden Lose im ganzen Bereich der Monarchie abzusetzen. — Vom 15. Mai bis 15. September alten
Mit leuchtenden Augen sah sie ihn an, und indem sie ihm den Blumenstraß überreichte, den er neben der Rose zu befestigen suchte, fragte sie, ihre andere Hand leicht auf seinen Arm legend:
„Mein lieber, lieber, einziger Hans, wirst Du denn in der Ferne manchmal an daS arme, thörichte Mädchen in Hochheim denken?"
Hans küßte sie noch einmal, dann griff er in feine Brusttasche, zog ein kleines Kästchen heraus und sagte zu Kathi:
„Hier, Du süßes Vergißmeinnicht; trage dies zur Er- innerung an mich!"
Erstaunt, gespannt öffnete sie daS Kästchen, ein goldenes Medaillon an einem Bande in den Farben des Corps blitzte ihr entgegen; sie öffnete daS Medaillon und mit einem Freudenschrei betrachtete sie daS wolgetroffene Bild des jungen Studenten, schlang ihre Arme um das Original deS Bildes und, während die Thränen ihr herabrinnen, küßte sie ihn glühend, glühend heiß, leise Dankeüworte stammelnd; dann eilte sie mit purpurnen Wangen in ihr Zimmer zurück.
Halb von Sinnen, halb trunken und träumerisch blickt ihr HanS nach; ihm war es plötzlich, als empfände er ein stechend schmerzliches Gefühl im Herzen, und langsam schreitet er die Treppe hinab.
Unten steht Gottlieb, er wußte, wo sein Herr weilte.
„Gotttieb, sage draußen, ich bäte um fünf Bierminuten TempuS!"
— Lieber Leser, das sind nach nicht studentischer Uhr drei Minuten Pause!--
Die Herren Studiosen erwarteten ihren Meister; endlich kam Hans, hinter ihm Gottlieb, der auf einem, mit