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Marburg, Sonntag, 28. März 1880

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Anzeigen nimmt entgegn die Expedition d.Blatt« sowie d.Annoncen-Burear von Th, Dietrich & Co. i Raffel und Hannover; Ti Dietrich in Franifurt a.M. Haasenstein & Vogler i zrankfurt ft. M., Berlii Leivzig, Cöln rc.; Rudo Stoffe in Berlin, Fran furt a. M. rr.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattet sowie d- Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Franifurt a. M; Jäger'sche Buchhandlung bafelbft,; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Jnvalidendani in

Berlin; W. ThieneS in Slberfeld: C. Schlotte in

Bremen-

Erscheint täglich außer an den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für daS Quattal mit der wöchentlichen Beilage ,,J>UftrirteS LonntagSblatt" durch die Expedition (Roch'sche Buchdruckerei) bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (ejcl. Bestellgebühr). JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Pfg. Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

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MF* Bei dem bevorstehenden Quartalwechsel ersuchen wir unsere Leser ihre Bestellungen auf das zweite Quartal, damit in der Uebersendung keine Unterbrechung stattfindet, recht bald bei den Postanstalten machen zu wollen.

MF* Auf dem Lande nehmen die Landpost­boten Bestellungen an.

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Oster«.

Das Osterfest tritt mit seinem Friedensgruße wieder in die friedlose Welt hinein und weist sie hin auf den Friedensfürsten! Wie thut da» doch so nötig? Wie zer­rissen und friedlos ist unsere Zeit! Wie friedlos und un­zufrieden sind doch die Menschen, welche Verbitterung herrscht unter den verschiedenen Klassen der menschlichen Gesellschaft, wie unheimlich zuckt die Revolution durch die Völker und wie gespannt ist daS Verhältnis der Nationen zu einander, so daß ein Funken genügt, um einen europäischen Welt­brand zu entfesseln! Und woher kommt das? Es wohnt kein Friede in den Herzen, und das ganze äußere Leben ist nur ein Reflex des inneren Lebens im Herzen. Jeder Mensch, der keinen Frieden im Herzen hat, trägt den Un­frieden in den LebenSkreis hinein, in welchem er lebt: in die Familie, in die Werkstatt, in die Gesellschaft, in den Staat und unter die Völker je nachdem sein Lebens­und Wirkungskreis groß oder klein ist. Darum helfen auch alle äußeren BcruhigungSmittel nicht viel. Die Haupt - fache bleibt: den Frieden in dem Herzen zu bauen. Was den Unfrieden im Herzen erregt, daS ist die Lünde. Der Unfriede im Herzen ist der Ausdruck und daS Gefübl, daß unser Verhältnis zu Gott getrübt ist. Haben wir Frieden mit Gott, so haben wir auch Frieden im Herzen! Die Frage nach dem Frieden ist deshalb die Frage nach der Vergebung der Sünden. Ohne ste gibt's keinen Frieden. Alle anderen Beruhigungsversuche sind nur Täuschungen.

Oster«.

Preist den Herrn, der unvergänglich Wesen hat an» Licht gebracht, Preist die Lieb', die überschwänglich unser hat in Lieb' gedacht!

Weggehoben ist der Sorgen, ist des schwarzen Grabes Stein und es bricht der Ostermorgen mit des Friedens Glanz herein!

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Und die Frage nach der Vergebung der Sünden weist un« | nach Golgatha:Siehe, das ist GotteS Lamm, welches I der Welt Sünden trägt!"Christus ist um unserer Miste- 1 that willen verwundet und um unserer Sünden willen ge­schlagen auf daß wir Frieden hätten!" Gehen wir mit unseren Sünden zu dem Gekreuzigten so wird der Aufcrstandeue uns seinen Gruß:Friede sei mit Dir!" - zurufen. So wird's Friede im Herzen und so allein!

Alle anderen Mittel und Wege, Frieden zu machen, sind eitle Täuschungen! Lebt aber der Friede in den Herzen der Menschen, dann wird der Friede auch im Leben, in Wort und Tat sich wiederspiegeln. Ist daS Verhältnis der Menschen zu Gott zerrüttet, dann halten auch die menschlichen Verhältnisse nicht mehr und alle Flickereien

KS Mit dem Beginn des zweiten Quartals kommt f die höchst spannende Original - ErzählungGestohlene Depesche«" zum Abdruck. Um vollständige Exemplare zu erhalten, wolle man bei den Postanstalten die Bestellungen [ baldigst machen.

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Engel hüten noch das Bette, da der- Held im Schlummer lag, Der des Todes bange Kette hat gesprengt am SiegeStag;

Zarte Liebe will ihn hüllen in der Specereien Dust, s aber süße Düfte füllen schon die reine Morgenluft.

Welch Geruch des Lebens dringet aus der öden Gruft herauf!

Welche frohe Kunde bringet aller Welt der Boten Lauf?

Christ der Herr ist auferstanden, sucht ihn bei den Todten nicht; sucht, wo Glaub' und Lieb' ihn fanden, und euch grüßt sein Angesicht!

sind vergeblich. Wenn die Menschen mit Gott zerfallen sind dann zerfallen sie auch untereinander; erst kommt die Auflehnung gegen Gott, dann die Revolution unter den Völkern. Deshalb muß immer das Hauptaugenmerk auf die Pflege des rechten Verhältnisses zu Gott die Religion gerichtet sein!Religionslosigkeit" oderCon- fesstonSlosigkeit" sind deshalb die verhängnißvollsten Schlag­wörter der Zeit! Sie weisen den Menschen auf den Weg, der zum Verderben, zum Unfrieden und zur Revolution führt! Und eS ist die gefährliche List der Macht deö Bösen, daß sie die schlimmsten Irrtümer in die Gestalt der Engel des Lichtes kleidet. So erscheinen jene verderblichen Schlag­wörter verbrämt mit den glänzenden Hüllen der Bildung, der Aufklärung, des Fortschritts! Ja, man thut so, als sei Religionslosigkeit, welche doch in Wahrheit nichts ist, als Gottlosigkeit, gleichbedeutend mit Bildung und Auf­klärung! Man sollte denken, es sei unmöglich, daß die Menschen es glauben könnten, daß daö Vertrauen, die Liebe und der Gehorsam gegen Gott, den Urquell und In­begriff aller Weisheit, Sittlichkeit und Herrlichkeit, oie Men­schen zur Unbildung, zur geistigen Finsternis führen könne. Zeigt doch jeder Blick in's Leben wie erst die Gottentfrem­dung, dann der sittliche, dann der sociale und dann auch der wirtschaftliche Ruin in Familie, Gesellschaft und Staaten folgt. Nie ist die Gottesfurcht, wohl aber die Sünde der Leute Verderben gewesen! Und doch glauben so Viele die große Lüge, Bildung, Aufklärung und Civilisation könne man ohne Gott, ohne Religion, ohne Glauben, ohne GotteS- liebe erlangen! Daö ist die Macht der Finstenus! Wer bricht diese Macht? Der, welcher gekommen ist, die Werke der Finsternis zu zerstören und das GotteSreich des LichtS, der Liebe, der Freiheit und Humanität auf Erden aufzurichten: Christus, der König der Wahrheit, der da ist das Licht und das Leben der Welt. Oder ist er das nicht? So blicke hin auf die Völker, über denen sein Licht noch nicht aufgegangen ist sie Alle sitzen noch in Finsterniß und TodeSschaltcn. So sehr auch die Macht der Sünde in der christlichen Welt die volle Ent­faltung de» Reiches Gottes hindert so ist doch in der christlichen Welt allein wahre Bildung, edle Sitten, Humani­tät, Menschenliebe ausgebreitet. Kein Volk der Erde hat auS sich selbst das erzeugt, war wir christliche Cultur nennen. Diese ist eine Frucht des Christenthums, welche mit diesem steht und fällt! Ein Kampf für die Kultur muß deshalb ein Kampf für das Christenthum fein, statt gegen dasselbe.

Möchten diese so einfachen, so klaren Wahrheiten an diesem Osterfest unserem Volke wieder ausgehen. An ihnen hängt AlleS I Ohne ste ist Alles vergebliche Mühe. Drum deutsches Christenvolk richte deine Augen wieder fest und treu auf deinen Heiland hin, der auch zu dir spricht:

Friede sei mit dir!"

Jesus lebt! und in ihm leben alle, die, mit ihm erweckt, Glaubend, liebend, hoffend streben nach dem Ziel, das aufgesteckt;

Jesu« lebt, und die ihm trauen, hält er fest in seiner Hand, bis vom Glauben sie zum Schauen auferstehn im bessern Laich.

(Nachdruck ottbotcn.]

Der tolle Haas.

Bon Karl W. Hainau.

Unweit der ehrwürdigen Universität *** liegt an üppigen Rebhügeln entlang, halb versteckt unter Linden und Obst­bäumen, daS idyllische Dorf Hochheim. AuS den Bäumen, den roten Dächern empor ragt ein grauer schindelgedeckter Kirchthurm, umflattett von zahllosen Schwalben; mitten an der Dorfstraße auf freiem Platze, dicht an einer riesigen Linde, liegt die fast täglich zur Sommerszeit von den Stu­denten besuchte Kneipezum traurigen Kater", lieber der Thür hängt ein hölzernes, halb verwaschenes Bild, auf welchem mit schmerzhaft gen Himmel gewandten Blicken ein struppiger Riesenkater die Vorderpfoten auf die Magengrube preßt. Hinter dem Hause erstreckt sich, bis an die Hügel­kette hinan, ein geräumiger, einladender Gatten mit uralten schattigen Bäumen.

Geschäftig eilt der behäbige Wirth Trepp auf Trepp und Trepp ab: ein reitender Bote in Gestalt des alten hinkenden Stiefelputzers Gottlieb hat ihm die Ankunft deö patenten CorpS *** (der Leser denke sich hierbei den Namen einer edlen Völkerschaft) angesagt, und da gilt eS, so ein halb Dutzend Mutterfäßchen bereit zu

TageSbericht-

DerReichs-Anzeiger" publicirt den folgenden Erlaß des Kaisers an den Reichskanzler vom 24. März: Freu­diges Bewußtsein erfüllt Mich, indem Ich beobachtete, wie Allgemein im deutschen Vaterlande der Tag festlich began­gen worden ist, an welchem Mir vergönnt war, ein neues Lebensjahr anzutreten. Ich weiß es zu schätzen, daß daS deutsche Volk Mir an diesem Tage seine Huldigungen ge­widmet hat. Von allen Seiten bin Ich beglückwünscht und mit Aufmerksamkeiten überschüttet worden. Wenn ich nun mit Genuzthuung ersehe, wie viele Adressen, verehrungs­volle Aeußerungen in telegraphischer und schriftlicher Form, Spenden von Dichtungen, künstlerischen und literarischen Erzeugnissen, sowie schöne Kränze und duftige Blumen­sträuße Mir dargebracht wurden, so erkenne Ich mit in­niger Freude an, daß der Zweck der Einsender, Mich an diesem Festtage in glückliche Stimmung zu versetzen, in höchstem Grade erreicht worden ist. Nicht jeder dieser freundlich.« Spender kann den besonderen Ausdruck Meiner Dankbarkeit erwarten, aber Ich beeile Mich Allen, welche Mir Meinen Geburtstag durch sympathische Begrüßungen versüßt, hierdurch aus vollem Herzen zu danken. Dem­nach beauftrage Ich Sie, diesen Erlaß alsbald zu ver­öffentlichen. ______________

DieNordd. Allg. Ztg." dementirt die Mitteilung der Nativnal-Zeitung" von der beabsichtigten Wiedervorlegung des umgearbeiteten Gesetzentwurfs über die Besteuerung des Vertriebs geistiger Getränke in der Nachsession des Landtages. Dieselbe sei von keine Seite auch nur in Er­wägung gestellt worden.

Auf Anregung des Bankpräsidenten Herm v. Dechend ist eine Kommission resp. Jmy zusammengetreten, bestehend aus den Herren Professoren I. Lessing, Mandel, Menzel, A. v. Werner und Geh. Rat Hitzig, um die künstlerische Ausstattung der Deutschen Reichskassenscheine in Erwägung zu ziehen. Diese Kommission hat beschlossen, folgende Künstler zur Ausarbeitung neuer Entwürfe aufzufordern: die Herren Profesforcn E. Ewald, O. Knille und P. Thu­mann in Berlin, Professor Th. Grosse in Dresden, Pro­fessor P. Jansen in Düsseldorf, Professor F. Keller in Karlsruhe, Baumeister Luthmer in Frankfurt a. M., Bau­meister Schill in Stuttgart und Maler JR. Seitz in Mün­chen. Jeder von diesen Künstlern erhält für seine Ent­würfe ein angemessenes Honorar und der Jury ist die Wahl de« dem Zwecke am besten entsprechenden Entwurfes überlasten. _______

Nach derProvinzial-Korrespondenz" ergiebt das Ge- sammt-Resullat der aus Anlaß der Allerhöchsten goldenen

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halten: denn berühmt wie die Klinge der Herren Stu­denten auf der Mensur, so ist auch ihre Klinge am Kneiptisch.

Dicke Schweißtropfen perlten dem alten Krummstecher, so heißt der Witth, von der Stirn auf die kupferbedeckte Nase; was Wunder, wenn daS alteKamee!" eine Kanne goldblinkenden Bieres nach der andern die ewig dürstende Kehle hinabrinnen läßt; reicht doch diese Kehle vom Halse bis zum Stiefelabsatz!

In der Küche aber liegen an hundert der berühmten Hochheimer Bratwürstchen; und Kathi, der Stolz des Witthes, der erklärte Liebling aller Studenten, ob bemoostes Haupt, ob krasser Fuchs, eilt gleichfalls geschäftig, die Mägde an­feuernd, bald in die Küche, bald aus die Bodenkammer, auf der, perlenartig an Schnüre gereiht, jene Würstchen hängen.

Kathi tritt, ein wenig erhitzt, vor die Thür. Lang hinab hingen die schweren dunkelblonden Zöpfe, schelmisch 6lidten die allerliebsten Blauaugen umher und mit freund­lichem Gruße reicht sie dem Stiefelputzer, der unter der Linde seinen Morgenschoppen verarbeitet und eine entsetzliche Cigarre raucht, die Hand.

Gottlieb macht einen linkischen Kratzfuß und lüftet die Mütze, bcren Farbe kein Chemikus mehr ergründen kann.

Grüß Gott, Junfer Kachi!"

Schönen Dank, Gottlieb! Warum hat man Euch heute besonders herausgeschickt?"

Jungfer Kathi" und schmunzelnd zugleich und pfiffig lächelnd sieht er das Mädchen an'S ist heute AbschiedSkommerS; der tolle Hans muß in die Heimatd, muß ins Philisterium, der Alle hat ihn post domus cilitt."

Nicht möglich!" ruft fast erschreckt Kathi.