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Marburg, Donnerstag, 25. März 1880
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Anzeigen nimmt entgegen: »tr Expedition b.Blattet, offlie d-Annoncen-Bureaux non Td. Dietrich & Co. in Staffel und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt a.M>; Haalenstein L Vogler in Mnifvrt 6 M., Berlin, LciP-iS, Mn rc.; Rudolf l;offc m Berlin, Kraul- hir* 8. ''!( ic
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Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blattes sowie d- Annoncen-Bureaur von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a. M; Jüger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche jsuchdaudl. daselbst; Jnsalidendank in Berlin; DhieneS in Clbrrfeld; C. Schlotte in Bremen-
Crichemt täglich außer an den Werktagen nach Lonn- unt Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „JllnftrixteS EanntagSblatt" durch die Expedition (Koch'lche Suchdruckerei) bezogen Sb Wart, durch die Postämter des Deutschen Reiches S Mark 50 Pfg. (epi. -Bestellgebühr). — JnsertionSgebühr für die gespaltene Zeile 10 Psg. Für in der Expedition zu ertheii-nde Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet-
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>M- Bei dem bevorstehenden Quartalwechsel ersuchen wir unsere Leser ihre Bestellungen auf das zweite Quartal, damit in der Uebersendung keine Unterbrechung stattfindet, recht bald bei den Postanstalten machen zu wollen.
WM- Auf dem Lande nehmen die Landpostboten Bestellungen an.
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Das Bertzättnis der denrfchen zn der franzöfischen und rusfischeu Armee
ist bereits bei oer ersten Beratung der Militärnovelle im Plenum das Reichstags und hier besonders von unserem großen Strategen Grafen Moltke eingehend erörtert worden. Bei ken Beratungen der Militär-Commission kam diese Frage in noch detaillirterer Weise zur Erörterung und es - dürfte deshalb von Interesse sein, hier diejenigen Darlegungen in ausführlicherer Weise wiederzugeben, welche der vom Abg. Frhrn. von Maltzahn-Gültz erstattete Com- : Missionsbericht hierüber mittcilt. Rach diesem Bericht be- s gründeten die Vertreter der Militärverwaltung die Notwendigkeit ein-r umfassenden Herresverstärkung wie solche durch die Bestt-inmungen deS Artikels 1 herbeigeführt werden soll, mit einem Hinweis auf diejenigen Veränderungen, welche seit Erlaß deS Reichs-Mililärgesetzes in dem Heerwesen unserer Nachbarstaaten eingetreten seien. Was insbesondere Frankreich betreffe, so liege die Bedeutung der [dort inzwischen erfolgten Bildung vierter Bataillone nicht sowohl in einer Erhöhung der FriedenSpräsenS, als vielmehr darin, daß hierdurch Frankreich die Absicht und zugleich daS Vermögen, eine Erhöhung der Kriegsstärke um 144 Linien-Bataillone eintreten zu lassen, in überzeugender Weise dargtthan habe. Denn, daß Frankreich die unzweifelhaften Nachteile, welche schwache Friedenskadres mit sich bringen, in Kauf nehmen würde, wenn die Kompletirung dieser Friedenskadres auf die Kriegsstärke nicht außer Zweifel gestellt wäre, liegt aus der Hand. Wenn ferner noch im Jahre 1874 innerhalb und außerhalb Frankreich der Zweifel berechtigt gewesen sei, ob die Territorialarmee als eine wirklich lebensfähige Schöpfung sich erweisen werde, so k seien seitdem durch Niederlegunz von Beständen, durch Er- . Nennung von Offizieren, durch Uebimgen so wirksame Schritte zur Organisation jener Armee geschehen, daß erstgenannte Zweifel nicht mehr berechtigt erscheinen. Armee und Land seien dort einig in der Ueberzeugung, daß die Territorial- Arntec ein wesentlicher Faktor in der Wehrkraft Frankreichs geworden. .Die Frage, wie sich gegenwärtig die Wehrkraft Deutschlands zu derjenigen von Frankreich verhalte, sei dahin zu beantworten, raß bei einer ungefähr gleichen, eher etwas stärkeren Rckrutenquote, bei einer im Durchschnitt
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Ein Abentener mit einer Leiche.
Aus der Erinnerung eines amerikanischen Stationsverwa tcrs.
Ich war jetzt fest entschlossen', die Nacht zu durchwachen, und wars mich, nachdem ich meine schweren Stiesel von den Füßen gezogen hatte, angekleidet auf das Beu. Der Sturm, halte sich gelegt und langsam hörte ich mit dem Pendelschlage meiner alten Wanduhr die Zeit vorüberfließen. Es schlug 11 Uhr, es schlug Mitternacht. Alles ruhig. Die Lampe in dem Gepäckraum brannte und ich behielt fort und fort den Sarg im Auge.
Auf einmal wurde die Ruhe abermals durch daS Spiel des Apparats unterbrochen, der mir wieder zurief: „Gieb Acht auf den Sarg! Und ich gab Acht. Da war es mir als hörte ich in der Richtung des Sarges ein Geräusch, wie wenn langsam eine Schraube im Scharnire gedreht würde. Mein Herz pochte hörbar, ich lauschte und als sich das Geräusch wiederholte, erhob ich mich leise, nahm meine Pistole zur Hand und schlich unhörbaren Schrittes zum Sarge. Ruhig stand ich bort unb vernahm, wie in demselben ein Riegel zurückgeschoben wurde: im nächsten Augenblick begann sich Der Deckel langsam zu heben. Mir wurde freilich bange zu Muthe. Der Anblick war eben ein ganz eigentümlicher; aber rasch enffchlossen warf ich mich auf den Sarg. Wer oder was da immer darin sein mochte, durfte nicht hinaus; das war mir klar, und während ich den Deckel mit meiner ganzen Schwere niederdrückte, ertönte ein Auf chrei des Schmerzes.
Ich wußte nun, daß ich es mit keinem Gespenst zu thun habe. Mit Gewalt versuchte nun der im Sarge ein- geschlosiene den Deckel zu heben. Seine Kraft reichte aber Nicht aus. Ich saß oben und blickte nun um mich, um
etwas längeren activen Dienstzeit die französische Organisation ein erhebliches Uebergewicht über die deutsche besitze, und zwar a. daß dieselbe eine größere Zahl von Jahresklassen ausgebildeter Mannschaften militärischen Dienstpflichten unterwerfe und für kriegerische Zwecke verwendnttgs- fähig erhalte; b. dadurch, daß Frankreich eine erheblich größere Zahl von Berufsoffizieren besitze, genügend, um jene U Verlegenheit der Mannschaftszahl rechtzeitig und mit Erfolg zur Geltung bringen zu können. Der deutsche Landsturm, aus welchen bei der Vergleichung der der deutschen und französischen Jahresklassett hingewiesen worben, sei nach seiner Organisation nicht geeignet, weder diejenigen Heeres- teile zu verstärken, welche die großen kriegerischen Entscheidungen int Felde zu geben haben, noch die Verteidigung der großen Waffenplätze zu übernehmen, welche in unseren Grenzgebieten das Vordringen feindlicher Streitkräfte aufzuhalten ober abzuschwächen bestimmt ftttb. Die Aufgaben des Lanbsturms seien bescheidenere, wie die Regierungen bei Beratung des LandsturmsgesetzeS gegenüber weitergehenden, insbesondere an § 5 dieses »Gesetzes geknüpften Erwartungen und Befürchtungen ausgesprochen haben. Seit mehr als 10—20 Jahren seien die Mannschaften des Landsturms aus dem activen Dienst geschieden. Die 12tägigen Hebungen, welche der Mann in den ersten Jahren nach dem Ausscheiden aus dem activen Dienst erfüllte, konnten eine nachhaltige Wirkung bei dem Eintritt in den Landsturm nicht mehr äußern. In dem Kriege 1870/71 sei Preußen allerdings mit einer Anzahl von JahreSklstsen auS- gerüeft, welche künftig dem Landsturm angehören werden. Aber diese Klassen gehörten damals noch der Landwehr an. Sie waren demgemäß nicht nur in militärischer Controle, sondern vor Allem auch in militärischer Hebungspflicht verblieben. Sie waren noch vier Jahre vorher — während des Krieges von 1866 — während mehrerer Monate zu activem Dienste einberufen gewesen. Der Landsturm sei dem Waffendienste entfremdet und eS bestehe nicht die Möglichkeit, ihm einige Berufsoffiziere ober eines solchen deS Beurlaubtenstanbes zuzuweisen.
In weit günstigerer Lage befinde sich Frankreich nicht nur hinsichtlich deS 13. und 14. Jahrgangs seiner Territorialarmee, sondern auch hinsichtlich der Reserve der letzteren. Diese befinde sich in militärischer Konttole; ihre Mannschaften hätten nach dem Ausscheiden ans tem Dienste bei den Fahnen häufigere unb längere Hebungen im Beurlaubtenstande zu erfüllen gehabt. Vor Allem besitze Frankreich wie erwähnt, allein bei der Infanterie ein Mehr von etwa 1500 Berufsoffizieren — eine genügende Zahl, um Die Reserve der Territorialarmee in ganz anderem Maße, als dies hinsichtlich des deutschen Landsturms möglich, militärisch nutzbar machen zu können. — In Rußland datire bekanntlich das Gesetz über die allgemeine Wehrpflicht vom 1 Januar 1874. In Durchfüh
rung dieses Gesetzes sei dort 1874 bet gebilbetere Teil beS Volkes in das Heer ausgenommen, es seien die Rekrutenkontingente erhöht, die Friedenskadres vermehrt, Local- und Reservetruppen völlig umgestaltet, überall die früher zahlreichen Nichtkombatt nten zu Gunsten der Kom- battairtenzahl vermindert. Das Resultat sei, daß seit 1874 Infanterie und Feldartillerie der Armee des europäischen Rußlands in der Kriegsformation mehr als verdoppelt sind. Aehnliche Verstärkungen habe die Armee des Kaukasus erhalten, von welcher unter Hmständen erhebliche Teile für einen europäischen Krieg verfügbar gemacht werden könnten. Habe Deutschland noch vor einigen Jahren geglaubt, durch die Heberlegenheit der Führung, auf welche indeß nicht für immer gerechnet werden könne und durch die Heberlegenheit der Friedensausbildung, welche mittlerweile bis in ihre Details von vielen Seiten nachgeahmt worden sei, mit Erfolg auch nummerisch überlegenen Streitkräfte gegenüber Stand halten zu können, so sei diese Heberlegenheit der Zahl gegenwärtig in einem solchen Grade gewachsen, daß jenes Vertrauen nicht mehr berechtigt erscheine. Diese Erwägung falle um so mehr ins Gewicht, da die deutsche Minderzahl, möge sie gegen Osten oder gegen Westen sich wenden müssen, gezwungen sein werde, nicht unbeträchtlichte Heeresteile an der entgegengesetzten Grenze und an dem langgestreckten Küstensaum zurück zu lassen, während z. B. Frankreich bis zu einem europäischen Kriege im Wesentlichen nur Algerien mit etwa 30,000 Mann Ersatz- und Territorialtruppen besetzt zn halten habe. Es werde daher neben völliger Jntakthaltung unserer bisherigen Organisation eine Erweiterung der letzteren notwendig, und zwar wolle man diese erreichen a. durch Erhöhung der Friebenspräsenzstärke, unb b. burch Hebung von Ersatzreservisten. Der Verstärkung um etwa 80— 90,000 Manu, welche durch die unter a erwähnten Maß- ’rcgeln nach einer Reihe von Jahren Der vordersten Linie unserer Feldarmee zugeführt würde, treten allerdings noch diejenigen Truppenteile hinzu, welche an einzelnen Stellen über die planmäßigen Formationen hinaus aus dem Be- nrlaubtcnstande sich gewinnen ließen. Durch letztere Maß nähme entstehe aber eine Lücke bei den Ersatztruppenteilen, zu deren alsbaldigen Ausfüllung um so dringenderer Anlaß vorliege, als nach Den Erfahrungen deS Krieges von 1870,71 höhere, nicht geringere Anforderungen an die Ersatztruppenteile gestellt werten müßten. Diesem Zwecke solle durch Hebung von Ersatzreservisten genügt werden. Auch nach Genehmigung unb Durchführung bet beantragten Heeres- verstärkungen werde indessen ein numerisches Hebergewicht sowol auf Seiten Frankreichs wie auf russischer Seite bestehen bleiben. Es liege hierin die Mahnung, auf die völlige Jntakthaltung der Leistungsfäh gkeit unserer bisherigen Formationen neben ihrer Vermehrung Bedacht zu nehmen unb bemgemäß jebe Ersparnißmaßregel auözu-
irgenb Etwas zu finden, womit ich den Teckel verschließen könnte. Ein Strick lag mir zur Seite. Ich erfaßte ihn, zog ihn unter den Füßen des Sarges durch, schlang ihn zweimal um den Sarg und machte einen tüchtigen Knoten. Schnell nahm ich nun Hammer und Nägel und vernagelte .rotz allen Flehens meines Gefangenen den Sarg, und brauche wohl nicht zu sagen, daß ich mit den Nägeln nicht sehr sparsam umging. Dann eilte sch zum Apparat, gab Marrn nach der nächsten Station und bat dringen» um einen Hülfszug; beim ch war gewiß, baß die Ereignisse ber Nacht bamit ihren Abschluß noch nicht gefunden hatten. Ich löschte die Lampe aus unb bewaffnete mich mit einem kurzen Eisenstabe. Hülfszug abgegangen I kam das Signal und ich wartete nun ber Dinge, die noch kommen sollten, mit weit größerer Ruhe.
Es mochien keine zehn Minuten vergangen sein, als ich Schritte vernahm. Vor ber Thüre machte Jemand Halt; bann wurde Heise geklopft. Ich gab keine Antwort. Michel! rief eine Stimme unb als Alles ruhig blieb pochke der nächtliche Besucher etwas lauter. Ich verhielt mich immer noch still. Plötzlich wurde ein kräftiger schlag tiegcn die Thüre geführt. DaS eine Der Felder wurde hinausgeschlagen und ein Arm fuhr nach dem Thürriegel. Rasch entschlossen packle ich die Hand. Ein furchtbares Ringen entstand. Mit aller Gewalt suchte sich mein Gegner srei- zumachen, ich aber hielt ihn mit eisernem Griffe sest. Wir mochten unsere Kräfte wohl an zehn Minuten gemessen haben, als mein Gegner mir mit einem derben Fluche die Ankunft deS Zuges ankündigte. sDiit letzter Anstrengung versuchte er ce noch einmal, sich loSzureißen; steigerte aber bei ihm die Angst seine Kräfte, so gab mir die Hoffnung neuen Muth, ich ließ ihn nicht los. Jetzt pfiff die Loko
motive und ber Zug fuhr ein. Sehr eilige Schritte nahten. Da ist er! riefen mehrere Stimmen und ich fühlte, wie mein Gefangener von draußen gezerrt wurde. Mach' auf! rief mein Kollege von der nächsten Station.
Ich ließ die Hand frei unb öffnete bie Thüre. Der Ränder, benn ein solcher war es, lag gebunben am 8oben. Die Bahnbebiensteten traten ein unb freuten sich, zur rechten Zeit gekommen zu sein. Ein guter Fang, meinten sie, ber bringt Dir 500 Dollars. Es ist nicht Alles, sagte ich, ich habe noch einen zweiten Gefangenen. Wo, wo? tönte es von allen Seiten. Ich zeigte nach dem Sarge und erzählte meine Geschichte.
Wir machten uns jetzt daran, den Inhalt des Sarges näher zu betrachten. Es war keine leichte Aufgabe. Wenn alle Särge so vernagelt wären, sagte mein Freunb, so könnte am jüngsten Tage keine Seele auferstehen.
Endlich war aber ber Teckel frei. Rasch öffneten wir ihn unb ehe noch bie Pseudo-Leiche Zeit hatte, sich zu erheben ober von dem in ihrer Hand befindlichen Revolver Gebrauch zu machen, hatten wir uns betreiben versichert. ES war einer Der gefährlichsten Räuber von Michigan, auf besten Kopf ein Preis von 1000 Dollars gefetzt war, unb ich hatte so durch ihn und seinen Kumpan eine Staatsprämie von 1500 Dollars verdient unb erhielt überdies ein ansehnliches Geschenk von Herrn Eibridge, als ich ihm bie 13000 Dollars übergab. Die Nacht hatte sich mir gut ausgezahlt. Ich war außer: em zu einem berühmten Manne geworben, aber ich wollte trotzdem keine zweite ähnliche Nacht durchleben. Am Ende kommen nicht immer Depeschen, bie keinen Absenber haben.