Är. 69.
Anzeigen nimmt entgegen: Mt Expedition d.vlatte», sowie d-Annoncen-Bureauk von Th. Dietrich & Co. in staffel und Hannover; Td. Dietrich in Frankftrrt a.M.; Haaienstein & Bögler in Frankfurt a- M., Berlin. L-ipzig, CSln re.; Rudolf iüofie In Berlin, Frankfurt s. ’iii re
Marburg, Sonntag, 21. März 1880 t
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XV. Zahlgavg
Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d.vlatte» sowie d-Annoncen-Bureaux von ®. L- Daube & Co. in Frankfutt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buchhandl. daselbst; Fnvalidendank in Berlin; W. ThieneS in Elberfeld; E. Schlotte in Bremen.
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L-iiler Wilhelms
Getlurtstag.
22. März
1880.
M Mas Jahrhundert bringt Gewaltiges — zwei Decennien noch! wie schnell MM Wird im Strom der Zeit verrauschen Alles, deffen Glanz einst hell Strahlte wie des fränkschen Kaisers Stern, der mit gewalt'ger Hand Hielt in seines Willens Ketten kühn die halbe Welt umspannt, Bis der Herr ihm zugerusen: „Halt! Mein ist der Rache Tag!", Seinen übermüth'gen Nacken hat getroffen Schlag auf Schlag.
Wie einst David gegen Saul Er wählte, so der Völker Glück ßegte in der Hohenzollern Hand bedeutungsvoll Sein Blick. Und die Königin Luise, tief bewegt von Deutschlands Schmach, Treu geliebt wie keine Fürstin, nur zu früh dem Schmerz erlag; Deutschlands Volk stand auf in Waffen und es schlug des Korsen Heer, Dem nichts blieb auf Sankt Helena, als ein Grab, umwogt vom Meer. Und als wieder ein Napoleon brüstet sich mit Schwert und Brand, Trat Luisens Sohn entgegen ihm mit Gott-geweihter Hand, Der sein Volk in blut'gen Schlachten führte zu des Ruhmes Glanz Und durch Siege sondergleichen ihm errang den Lorbeerkranz,
Bis die Krone Barbarossas auferstand aus Traumes Nacht Und das deutsche Reich hervorbrach, kühn, mit nie geahnter Macht. Solang diese Majestät'sche Stirn entwirft mit selt'nem Glücke, Was den Völkern frommt zum Heile, solang diese Adlerblicke Spähen scharf an Deutschlands Grenzen und der Hohenzollern Bild Strahlt am Horizont, sich Deutschlands Stern mit Licht und Glanz erfüllt. Drei und achtzig Jubelschüffe kündet laut des Donners Hall Beim Advent des holden Lenzes heut der Welt durch Berg und Thal. Frieden bringend zogst als Sieger, höchster Herr, Du wieder ein; Ewig leben Deine Jahre in des Ruhmes Sonnenschein.
Wollen Feind' aus West und Osten dräu'n dem deutschen Vaterland Trifft wie Blitzesstrahl die Frevler unsres Kaisers mächt'ge Hand. Herr des Himmels! wollst erhören, was Dein deutsches Volk erfleht, Segne und behüte gnädig uns'res Kaisers Majestät, Unsres Kaisers, der zum Schilde wählt den Glauben und die Treu — Laß erblüh'n zum Heil der Völker sein Geburtsfest stets aufs Neu!
Bei dem bevorstehenden Quartalwechsel ersuchen wir unsere Leser ihre Bestellungen auf das zweite Quartal, damit in der Uebersendung keine Unterbrechung stattfindet, recht bald bei den Postanstalten machen zu motten.
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Tagesbericht.
Der Kaiser conferirte vorgestern Nachmittag mit dem Fürsten Bismarck, ertheilte gestern dem rumänischen Minister- Präsidenten Bratiano Audienz und empfing darauf den russischen Militärbcvollmächtigten Fürsten Dolgorucki. Der Kronprinz empfing gestern Bratiano, welcher den rumänischen Hausorden überbrachte. Abends 9 Uhr wurde daö Reichstagöpräsidium von dem Kronprinzen empfangen.
Das schon lange kursirende Gerücht von der Verlobung des Prinzen Wilhelm, ältesten SohneS unsere- Kronprinzen mit der Prinzessin Augusta Victoria von Schleswig-Holstein- Sonderburg-Augustenburg ist nunmehr zur Thatsache geworden. Am Donnerstag Abend vor Beginn der im kaiserlichen Palais stattfindenden musikalischen Soiree hat unser Kaiser diese Verlobung bereit- den anwesenden Prinzen und Prinzessinnen verkündet. Die öffentlich- Verkündigung dieses freudigen Ereignisses durch die dazu berufenen öffentlichen Organe wird, wie wir hören, erst später erfolgen, da die junge Braut sich augenblicklich noch wegen des vor Kurzem erfolgten Todes ihres Vaters, deS Herzogs Friedrich von Schleswig-Holstein-Sondcrburg-Augustenburg in tiefer Trauer befindet.
Heute Sonnabend Nachmittag 2 Uhr werden die drei Präsidenten des Reichstags von Sr. Majestät dem Kaiser in besonderer Audienz empfangen werden, um Allerhöchst demselben die Glückwünsche des Reichstages zu dem bevorstehenden Geburtsfeste Sr. Majestät darzubringen. Der heutige Empfang ist zugleich die erste Gelegenheit, daß Se. Majestät die drei Präsidenten gemeinsam empfängt. Bekanntlich wurde — wie dies regelmäßig geschieht — sofort nach Konstituirunz des Reichstages dem Präsidenten desselben eine Audienz von Sr. Majestät gewährt. Damals mußte sich aber der Präsident Graf v. Arnim Boitzen- burg davon ausschließen, weil zu jener Zeit seine Kinder an den Masern erkrankt waren und gegründete Befürchtungen einer möglichen Übertragung des Contazium in das kaiserlich- PalaiS nicht ausgeschlossen waren. Jetzt ist hie Krankheit gehoben und Graf Arnim wird als Sprecher
des Präsidiums Sr. Majestät persönlich die Glückwünsche de- Reichstages zu dem bevorstehenden Feste darbringen können.
Ein Berliner Korrespondent der „Augb. Allg. Ztg." beschäftigt sich in einem Schreiben vom 14. März mit den über die Verlobung des Prinzen Wilhelm bekanntlich umlaufenden Nachrichten und schreibt u. A. Folgendes: .Daß die Prinzessin einige Monate älter ist als Prinz Wilhelm, regt unwillkürlich zu einem Vergleich mit der Königin Luise an, die etwa in demselben AlterSverhältniß zu ihrem Gemahl, dem König Friedrich Wilhelm III., stand." — Wenn die Zuverlässigkeit der TageSnachrichten des Herrn Korrespondenten mit dem historischen und genealogischen Wissen desselben auf gleichem Niveau steht, dann erscheint sie im äußerst zweifelhaften Lichte. Denn daß die hochselige Königin Luise am 10. März 1776 geboren, ist doch gerade in unseren Tagen Jedermann ins Gedächtnis zurückgerufen, und daß König Friedrich Wilhelm III. 1770 (am 3 August) daS Licht der Welt erblickt, sollte mindestens dem nicht unbekannt sein, der dergleichen Angelegenheiten in den Bereich journalistischer Thätigkeit zieh I
Die überaus zahlreichen Bestimmungen in Bezug auf Tagegelder, Reisekosten und Umzugskosten in Preußen und dem deutschen Reiche sind zerstreut publicirt und in ihrer Anwendung, wie die Erfahrung lehrt, vielfach zweifelhaft. Der Verfasser einer im Verlage von F. Schneider u. Comp. so eben erschienenen Schrift über diesen Gegenstand hat in dankenswerter Weise durch Sammlung und zweckentsprechender Ordnung des Stoffes, sowie durch Erläuterung der Vorschriften principieller Natur an der Hand ihrer Entstehungsgeschichte und der ergangenen ministeriellen Entscheidungen dazu beigetragen, die hervorgetretenen Schwierigkeiten zu vermindern. Man darf wohl hinzufügen, daß eS dem Verfasser gelungen ist, nicht nur eine sachgemäße Anwendung der vorhandenen Bestimmungen über Tagegelder, Reisekosten und Umzugskosten zu erleichtern und zu sichern, sondern auch für die weitere Ausbildung derselben nach dem Grundsätze gleichmäßiger Berücksichtigung der Staatsökonomie und berechtigter StaatSinteresscn Privat- intcressen eine brauchbare Vorarbeit zu liefern. Der Titel der Schrift, von welcher zunächst die erste, die allgemeinen Bestimmungen enthaltende Abteilung erschienen ist, lautet: „Die Bestimmungen über Tagegelder, Reisekosten und Um- zugskosien in Preußen und dem deutschen Reich. Auf Grund der veröffentlichten amtlichen Materialien mit Kommentar in Anmerkungen herausgegeben von Eugen Dippe, Dr.jur., König!. Preuß. Regierungs-Assessor " Dem Verfasser war alr Hilfsarbeiter in der Abteilung deS Finanzministeriums für Etats- und Kassenwesen die Bearbeitung
speciell der Tagegelder-, Reisekosten und Umzugskostensache übertragen worden. *
In Ausführung des Gesetzes vom 16. Februar 1880, den Erwerb der Rheinischen und der Berlin-Potsdam- Magdeburger Eisenbahn sür den Staat betteffend, ist bestimmt worden, daß vom 1. April d. I.: 1. für die Verwaltung der Rheinischen Eisenbahn eine unmittelbar von dem Minister der öffentlichen Arbeiten ressortirende Behörde in Köln unter der Firma Kgl. Direktion der Rheinischen Eisenbahn eingesetzt, 2. die Berlin-Potsdam-Magdeburger Eisenbahn mit der Magdebnrg-Halberstätter und derHano- ver-Altenbecker zu einer gemeinsamen Verwaltung unter der Eisenbahndirection zu Magdeburg vereinigt, und 3. im Bezirk der Eisenbahndirektion zu Magdeburg und von derselben ressortirend ein kgl. Eisenbahnbetriebsamt in Berlin errichtet wird.
Die Fraktionsvcrhältniffe des Reichstags sind gegenwärtig folgende. Zur deutsch-konservativen Fraktion gehören 58 Mitglieder, zur deutschen Reichspartei 51, zur Fraktion der Nationalliberalcn 83, zur liberalen Gruppe 15, zur deutschen Fortschrittspartei 22 Mitglieder. DaS Centrum zählt 100, die Fraktion der Polen 14 und die Sozialdemokraten 9 Mitglieder. Keiner Fraktion gehören zur Zeit 36 Abgeordnete an, erledigt sind 9 Mandate.
Deutsches Reich.
•»_ Berlin, 19. März. Die Ausschüsse des Bundesrats für Zoll- und Steueiwesen, für Handel und Verkehr und für Rechnungswesen, sind heute zusammengetreten, um die dem Bundesrat seit längerer Zeit vorliegenden Entwürfe über die Reichsstempelabgaben in gemeinschaftliche Beratung zu nehmen. — Für den Monat Aprll ist der Zusammentritt der technischen Kommission für Seeschifffahrt in Aussicht genommen. — Die seit dem 1. November 1878 eingeleitete Reform der Gewerbeschulen hat auch in Betreff der Namen „erste theoretische Klasse" und „Fachklasse" eine Aenderung veranlaßt, so daß diese Klaffen nunmehr Obersekunda und Prima genannt werden. Bei Ausstellung von BefähigungSzeugniffen für den einjährig- freiwilligen Dienst soll jedoch, wie der Unterrichtsminister in einer an die Direktoren der Gewerbeschulen unter dem 16. März ergangenen Verfügung bestimmt, zur Vermeidung von Weiterungen, da daS Verzeichniß der höheren Lehr- Anstalten, welche jene Ausstellung bereits kennen, noch die frühere Bezeichnung bcibehalten hat, auch die frühere Bezeichnung der Gewerbeschulklaffen beibehalten werden. — Die nächste Turnlehrerinnenprüfung ist auf den 10. Mai und folgende Tage festgesetzt worden. — Der Verlauf der gestrigen Verhandlungen in der Stadffynode läßt erwarten,