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Är. 68.

Marburg, Sonnabend, 20. März 1880

XV. MW

Anzeigen nimmt entgegen: die Expedition d.Blatte-, >owie dAnnoncen-Bureaux von Th, Dietrich & Co. in Raffet und Hannover; Th Dietrich in Frankfurt a.M.; Haafenstein & Bögler in Frankfurt a- M., Berlin, Leipzig, Mn rc.; Rudolf $;offe re Berlin, Frank- fur a. M ic

GrchcsW Jrituug.

Anzeigen nimmt entgegen die Expedition d. Blatte» sowie d-Annoncen-Bureaur von G- L- Daube & Co. in Frankfurt a- M; Jäger'sche Buchhandlung daselbst; Hermann'sche Buch Handl, daselbst; Jnvalidendani in Berlin; W- Thiene- in iklberfeld: E. Schlotte in Bremen.

örfAemt täali» außer en den Werktagen nach Sonn- und Feiertagen. Preis für das Quartal mit der wöchentlichen Beilage „Jluftrirtes Sonntagsblatt" durch die Expedition (Koch'sche VXrudetei) bezogen 2k Mark, durch die Postämter des Deutschen Reiches 2 Mark 50 Pfg. (excl. Bestellgebühr). - Jnsettwnsgebühr für bte gespaltene Zeile 10 Psg.

Für in der Expedition zu ertheilende Auskunft und Annahme von Adressen werden 25 Pfg. berechnet.

Bei dem bevorstehenden Quartalwechsel ersuchen wir unsere Leser ihre Bestellungen auf das zweite Quartal, damit in der Uebersendung keine Unterbrechung stattfindet, recht bald bei den Postanstalten machen zu wollen.

68gr Auf dem Lande nehmen die Landpost­boten Bestellungen an.___________________________

Tagesbericht.

Der von dem Reichstage genehmigte Etat balancirt in Einnahme und Ausgabe mit 539,252,640 Mark. Die Matrikularbcitrage sind aus 81,670,950 Mark sixirt.

Der Bundesrath nahm gestern den Gesetzentwurf über die Küstenfrachlsahrt nach den Ausschußanträgen an.

Die Reichstags - Commission zur Vorberatung deö Sociatistengesetzes hat mit 10 gegen 3 Stimmen die Gel­tungsdauer des Gesetzes bis zum 30. September 1884 festgesetzt anstatt 1886, wie die Regierungsvorlage bestimmt. Zu dem sogenannten Belagerungszustands-Paragraphen hat die Commission eine Declaration des Inhalts befchlosien, daß Ausweisungen von Reichstags- unv Landtags-Abge­ordneten während der Dauer der Session ungültig sind.

Der „Nordd. Allg. Ztg." zufolge ist der Gesandte v. Radowih seit einigen Tagen durch ein bereits in der Besserung begriffenes Leiden daS Bett zu hüten genötigt; auch der Geheime Legatiousrat Bucher ist erkrankt. Der Reichskanzler ist noch nicht wiederhergestellt. Die lieber« Windung der Geschäfte deS Auswärtigen Amts biete daher wesentliche Schwierigkeiten. Bei der Ueberhäufung deS Staatssekretärs des Auswärtigen mit laufenden Arbeiten und der wenig zahlreichen Besetzung der politischen Abtei­lung mit vortragenden Räten habe schon v. Bülow die Notwendigkeit empfunden, in der Person v. Radowitz' eine bewährte Hülfskraft heranzuziehen. Derselbe gehöre aber nicht dem Etat des Ministeriums au. Auf eine AuS- Hülse der zweiten Abteilung sei bei der außerordentlichen Vermehrung der sogenannten nichlpolilischen Geschäfte nicht wie früher zu rechnen. Zur Abhülfe des Notstandes sei Generalkonsul Busch auS Pest einberufen und werde heute oder morgen erwartet.,

Bezüglich des Antrages der Fortschrittspartei auf Vor- laae deS deutsch-österreichischen Handelsübereinkommens im Reichstage sagt die „Nordd. Allg. Ztg."; Nach Ansicht jenes Antrages erscheine das Abkommen einstweilen un­gültig Judeß weder die Regierung noch der BundeSrat meinten, daß die verfassungsmäßige Zustimmung deS Reichs­tags erforderlich sei und nahmen vielmehr an, daß daS

Ei« deutscher Trinker.

August der Starke, Kurfürst von Sachsen und später König von Polen war einst in Dresden beim Frühstück in übelster Laune, und nicht minder die versammelten deutschen Granden. t v. .

Es war aber auch ein sehr triftiger Grund zu dieser Mißstimmung vorhanden, denn die Edeln hatten am Abend vorher, resp. in der letzten Nacht, eine wiederholte schmach­volle Niederlage erlitten, die gesühnt werden mußte, sollte nicht der sowohl begründete deutsche Ruf für immer m Frage gestellt roercen: Der polnische Graf Puliansky hatte nun schon zum und so vielsten Mal bei den vom Kurfürsten häufig in Scene gesetzten Bacchanalen sämmtliche Deutsche — unter den Tisch getrunken!

Keiner zeigte sich diesem Polen — im Trinken — ge­wachsen.

DaS war schlimm, sehr schlimm, aber diese Schmach mußte gesühnt werden, dieser Fleck durfte dem deutschen Namen nicht anhaften. — DaS stand bei all diesen tapsern Kämpen fest, jedoch — waS war zu machen?

Der Pole hatte einen Brand im Leibe, der nicht zu löschen ist I meinte ein alter General, dessen Nase und Ge­sicht ^,eugniß davon ablegten, daß die Löschversuche bei ihm auch sehr achtbare waren. Unter den ntterbürtigen Unter- thanen Euer kurfürstlichen Durchlaucht, wenn sich unter ihnen auch eine stattliche Zahl wackerer Printer befindet, wüßte ich keinen zu nennen, der sich mit dem Grafen messen könnte. . t

Da aber bekanntlich, wie daS Sprichwort sagt, der "Teufel in der Noth Flügen frißt, so kam man dahin Über­ei«, daß, wenn denn nun einmal nicht anders zu Helsen

Ucbereinkvmmen unter den Kategorien der Verträge falle, welche verfassungsmäßig einzugehen betn Kaiser zustehe. Die kaiserlichen Behörden gaben bei dem Abschluß mit Oesterreich ausdrücklich die Absicht kund, das Abkommen nur auf solche Punkte anzuwenden, welche die Zustimmung der gesetzlicken Faktoren nicht bedürfen und trafen eine Auswahl, w.lche den in der vorjährigen Reichstagssession bei analogen Verhandlungen geäußerten Auffassungen deS Reichstags entspreche. Der Bundesrat billigte dies Ver­fahren und fand gegen den Abschluß nichts zu erinnern. Sollte das Abkommen jetzt noch vorgelegt werden, so wür­den nicht nur die verfassungsmäßigen Rechte des Kaisers im Princip wesentlich geschmälert, sondern es würde auch anerkannt, daß deutscherseits im Namen des deutschen Kaisers Oesterreich aus Unkenntniß der deutschen Ver­fassung unhaltbare Versprechungen gemacht worden seien. Die Mitteilung deS Abkommens im Reichstag erscheine jetzt nicht möglich, da man dadurch zum Nachteil der kaiserlichen Rechte der Verfassung eine neue Interpretation gebe, welche außer LaSker und Genossen Niemand öffentlich geltend ge­macht habe. ____________

Von dem Schreiben des Papstes scheint ein Teil der katholischen Presse nicht sonderlich erbaut zu sein. Die Bonner „Deutsche Reichs-Ztg." bemerkt dazu: „In den Kreisen, mit welchen wir Fühlung haben, ist man über den Ausgang der Sache mehr überrascht als erfreut. Man glaubt vielfach, die preußische Regierung würde durch die Macht kommender Ereignisse schon von selbst, ohne daß die Kirche sich Fesseln anlegen zu lassen brauchte, dahin gebracht worden sein, die Culturkampfgesetze auszugeben und mit den Katholiken des eigenen Landes Frieden zu schließen. Wir beugen uns in Demut vor dm Maßnahmen, die der heilige Vater in seiner Weisheit zu treffen für gut finden wird, andererseits verlangen wir aber von unseren Vertretern im Land- und Reichstage, daß sie nach wie vor, ja jetzt noch mit größerer Energie auf eine völlige Resti­tution der Rechte und Freiheiten der Katholiken in ihren Religionsangelegenheiten hinarbeiten und immer und immer wieder das ihnen durch die maigesetzlichen Bestimmungen Genommene reclamiren." Das Blatt spricht bann Be­fürchtungen vor „Byzantinismus" unv „Staatsgeistlichen", vor „liberalisirenden Bischöfen unb Seelsorgern" aus. Es schließt mit den Worten: „Wir fürchten, daß einige ka­tholische Blätter in Preußen zu sehr nach Friesen gewinselt und gerufen haben; jetzt sollen sie ihn haben, aber einen Frieden, den Fürst Bismarck bekanntlich nur als Waffen- slillstanb bezeichnet, einen Frieden, den, unter solchen Be­dingungen zu Stande gekommen, man früher allgemein als einen nicht wahren Frieden bezeichnete." .

Die „Schles. Ztg." betrachtet es als nicht unwahr­scheinlich, daß die abgesetzten Bischöfe wieder eingesetzt wer- wäre, auch ein Nichiebenbürliger zur Concurrenz zuzulassen sei; nur müsse dies dem polnischen Magnaten verborgen bleiben.

Dann weiß ich Rath I rief der Oberst des gelben Reiter­regiments. Ich habe in Oschatz einen Trompeter, ein echtes Leipziger Kind, der säuft den Polen unter den Tisch 1 Er ist ein stattlicher, gewandter Kerl; ist auch schon viel in der Welt herumgekommen, spricht etwas franzöfich, säuft wie ein Loch und ist nie betrunken.

Angenommen! —

Nachdem sich alle verpflichtet hatten, die Sache geheim zu halten, wurde folgender Plan besprochen und zur Aus­führung gebracht:

Der Trompeter wurde nach Dresden befördert, im kurfürstlichen Schlöffe durch einen in das Geheimniß ge­zogenen französischen Tanzmeister in Formen und Benehmen eines Edelmannes unterwiesen, und nach etwa 14 Tagen gelegentlich einer Trinkgesellschaft beim Kurfürsten im gelt« bordirten Kleide dem Grafen Puliansky als eben zugereister Marquis so und so vorgesteUt.

Beide Herren näherten sich und fanden Gefallen an­einander. Der Trompeter spielte seine Rolle vortrefflich, unb die dem Bacchus bargebrachten Lidationen waren im­mense. Becher auf Becher wurde geleert, und immer höher stieg der Pseudo-MarquiS in der Achtung des Polen.

Die Augen des Polen fingen schon an, etwas gläsern zu werben, bei dem Marquis aber war noch keine Spur von Trunkenheit zu bemerken. Der Kurfürst und seine deutschen Gäste rieben sich vergnügt die Hände. Da erhob sich der Trompeter von den Gelben, ergriff eine silberne Spülwanne, ließ sieb dieselbe mit sieben meißenschen Maß Rheinwein füllen, sprach zum Polen: Ein Hundsfott, der

den, daß man ihnen aber, wie 1840 in der Kölner Diöcese, Coadjutoren mit dem Rechte der Nachfolge zur Seite stellen wird, welche die Funktionen sofort in ihrem ganzen Um­fange übernehmen. Man nimmt ferner an, daß dem Landtage in der Nachsession Vorlagen über Abänderung der Maigesetze gemacht werden. Die „Schles. Ztg." schließt ihren Artikel mit folgenden Worten der Anerkennung für bas katholische Volk und den katholischen Klerus: „Den Katholiken im weiten Vaterlande zollen wir die Anerken­nung, daß sie der Welt bewiesen haben, welche Macht die Religion noch über deutsche Herzen übt. Insbesondere aber gebührt dem katholischen Klerus, der, aller materiellen Nachteile ungeachtet, den Gehrsam gegen seine kirchlichen Oberen treu gewahrt hat, trotz Alles dessen, was wir miß­billigen und bekämpfen mußten, unsere volle Achtung."

Die „Nordd. Allg. Ztg." meldet: Der rumänische Ministerpräsident Bratiano hatte vorgestern vor der Sitzung des StaatsministcriumS eine längere Unterredung mit dem Reichskanzler und wird, dem Vernehmen nach, noch einige Tage zu weiteren Besprechungen in Berlin bleiben.

Auf die Beschwerde der rumänischen Eisenbahn-Gesell­schaft änderte das Landgericht in Berlin die Verfügung des Handelsrichters dahin ab, daß die Eintragung der von der Generalversammlung vom 3. März gefaßten Beschlüsse und angenommenen Statutenänderungen sofort zu erfolgen habe und auf den dagegen eingelegten bekannten Protest keine Rücksicht zu nehmen fei.

Deutsches Reich.

Berlin, 18. März. Der Präsident des Reichstags Gras Arnim-Boitzenburg und seine Gemahlin hatten gestern den Gesammt-Vorstanb des Reichstages zu einem Diner bei sich versammelt. Bei demselben erschienen der erste Vize-Präsident Frhr. zu Frankenstein, der zweite Vize " stdent Hbfrath Ackermann, die Schriftführer, Quä' und Vorsitzende der Abteilungen, von Letzteren der Gen Feldmarschall Graf Moltke, Excellenz Delbrück und Win horst, Herr v. Bennigsen, Frhr. v. Schorlemer-Alst ui> Herr Ludwig Lvewe (Berlin). Herr v. Varubühler w. durch Krankheit am Erscheinen gehindert. — Das Herre hauö hat wiederum zwei Mitglieder durch den Tod ve loren. — In der Nacht zum 13. März starb zu Münst der Erbkämmerer des Herzogthums Westfalen, Josep Franz von Plettenberg-Lenhausen. Derselbe war auf Prä­sentation des alten und befestigten Grundbesitzes im Land­schaftsbezirk Westfalen durch Allerhöchsten Erlaß vom 15. November 1855 auf Lebenszeit ins Herrenhaus berufen worden. — Am 13. März ist das Mitglied des Herren­hauses, Ehrenritter des Johannitter-OrdenS, Graf Heinrich Christian Friedrich v. Brockdorff auf Kleikamp in Holstein gestorben. Derselbe war durch Königlichen Erlaß vom 16.

es mir nicht nachthut! — Leerte bas Gefäß ohne abznsctzen und ließ sich dann ruhig auf seinen Sessel nieder.

Der Pole starrte entsetzt, mußte aber Folge leisten. Tie Wanne wurde wieder gefüllt, aber kaum hatte der btt dahin Unbesiegte die Hälfte geleert, als er besinnungslos unter den Tisch sank.

Großer Jubel I Der Trompeter wurde vom Kurfürsten und seinen Gästen stürmisch beglückwünscht und August der Starke war nicht abgeneigt, den Leipziger in den Adelstand zu erheben.

Der Mann war aber vernünftiger und bat sich eine andere Gnade aus, die ihm denn auch in reichem Maße zu thcil wurde. Nicht nur, daß er als Trompeter entlassen wurde, er erhielt auch die silberne Spülwanne gefüllt mit Speziesthalem zum Geschenk und demnächst ein Häuschen auf dem Roßmarkt seiner Vaterstadt Leipzig, mit der Er­laubnis; darin eine Schenkwirthschast zu betreiben.

Den besiegten Polen litt es aber nicht mehr länger am sächsischen Hofe. Als er erfuhr, daß ein Deutscher der Sieger gewesen, begab er sich schleunigst auf seine Güter bei Warschau, und ließ sich nie wieder in Dresden sehen, und hielt sich auch fern, als Kurfürst August König von Polen geworden.

Letzte Worte bederttenLer Persöulichkeite«.

Buffon sprach sterbend zu seiner klagenden Umgebm „Ich bitte, macht mich nicht zerstreut, damit ich gen' beobachten kann, wie die letzten Augenblicke vor sich get

Als der Mathematiker de Lagny schon halb berou, auf dem Todtenbelle lag, befragte ihn einer feiner Fre versuchsweise nach dem Quadrat von 12. „Einhundert nndvierzig" entgegnete der Mathematiker und starb.